BLKÖ:Habsburg, Kunigunde von Oesterreich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 404. (Quelle)
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163. Kunigunde von Oesterreich, Herzogin von Bayern (geb. 16. März 1465, gest. zu München 5. August 1520). Tochter des Kaisers Friedrich IV. (III.) [s. Nr. 104] aus dessen Ehe mit Eleonore von Portugal [s. Nr. 50]; Schwester des ritterlichen Kaisers Maximilian I. Bei der Spannung, in welcher Friedrich, Kunigundens Vater, mit Mathias Corvinus lebte, erschien ihm Wien wenig geeignet zum Aufenthalte Kunigundens. Indem er sie also nur während der Zeit bei sich in Wien behielt, als er selbst dort zubrachte, um dem Herzoge Georg von Bayern das Lehen und die Regalien von Niederbayern zu verleihen, schickte er sie noch im nämlichen Jahre (1480) nach Gratz auf das feste Schloß, wo sie so lange blieb, bis die Unruhen in Wien beseitiget waren. In Gratz jedoch wäre sie bald durch Verrath den Ungarn in die Hände gespielt worden. Glücklicherweise entdeckte aber der Schloßhauptmann Ulrich vom Graben das ruchlose Complot, ließ die zwei Verräther, Graßel und Himmelfeind, festnehmen und den Händen der Gerechtigkeit überliefern. Als Friedrich später selbst genöthiget worden, seinen Aufenthalt in Wien mit Gratz zu vertauschen, schickte er Kunigunden mit 24 Frauen ihres Gefolges unter Aufsicht Caspars von Aschbach nach Innsbruck; dort kam er mit ihr noch einmal zusammen und vertraute sie dann der Obhut des Erzherzogs Sigmund an. Um Kunigunde hatten indessen schon mehrere Fürsten geworben. Ihr Vater selbst trug sich mit der eigenthümlichen Idee, sie dem Sieger Constantinopels, Mahmud II., zu vermälen, indem er dadurch den Sultan nebst seinem Volke dem christlichen Glauben zu gewinnen glaubte. Die Sache selbst schien [405] bereits ziemlich weit gediehen zu sein, als ein unerwartetes Ereigniß den Plan vereitelte. Kunigunde hatte sich nämlich mit Erzherzog Sigmund’s und ihres Bruders Maximilian’s, jedoch ohne ihres Vaters Wissen und Einwilligung, mit dem schönen, geistvollen, tapfern und liebenswürdigen Albrecht IV., Herzog von Bayern, vermält. Am Neujahrstage 1487 hatte sich Albrecht zu Innsbruck die schöne Erzherzogin durch den Bischof Wilhelm von Eichstädt antrauen lassen, und am Sonntage nach Dreikönig verließ er mit ihr Innsbruck. In München hielt das fürstliche Ehepaar, begleitet von Georg zu Landshut, Bischof Sixtus zu Freisingen und Bischof Friedrich zu Passau, mit aller Pracht seinen Einzug. Kaiser Friedrich, als Vater, Kaiser und Erzherzog von Oesterreich, war über diesen Vorfall äußerst aufgebracht und drohte den erlittenen Schimpf mit den Waffen zu rächen. Da wendete sich Kunigunde an ihren Bruder Max, ihn bittend, die Vermittlerrolle in dieser Angelegenheit zu übernehmen. Aber Friedrich war nicht leicht zu versöhnen. Erst nach mehreren Jahren gelang es, und zwar mußte Albrecht vorerst Regensburg dem Kaiser zurückgeben, welches er wenige Wochen vor seiner Heirath ohne Wissen des Kaisers genommen und Bayern einverleibt hatte. Auch die Schenkung Sigmund’s, zufolge welcher Tirol an Albrecht von Bayern fallen sollte, wurde widerrufen. Mit ihrem Gemale Albrecht lebte Kunigunde in glücklicher Ehe. Albrecht IV. starb am 10. März 1508. Kunigunde hatte ihm sieben Kinder geboren, drei Söhne und vier Töchter, die ersteren: Wilhelm IV. (geb. 1493, gest. 6. März 1550); Ludwig (geb. 1495, gest. 1545) und Ernst (geb. 1500, gest. 1540), Bischof zu Passau; die letzteren: Sidonie (gest. 1505), Braut Ludwig’s V. von der Pfalz;, Sibylla (gest. 1519), vermält mit dem frühern Bräutigam ihrer Schwester Sidonie, Ludwig V.; Sabine (gest. 1564), vermält mit Ulrich, Herzog zu Württemberg, und Susanna (gest. 1543), vermält zuerst mit Kasimir, Markgraf von Brandenburg (gest. 1527), zum andern Male mit Otto Heinrich, Pfalzgraf. Ohne Vorwissen Kunigundens hatte Albrecht, einer der größten Fürsten Bayerns, eine letztwillige Anordnung hinterlassen, in welcher die Untheilbarkeit des Landes festgesetzt war und nur Einer nach dem Rechte der Erstgeburt herrschen sollte. Mit dieser Anordnung gab sich aber Kunigunde nicht zufrieden. Es wurden hin und wieder aus diesem Anlasse von Kunigunde an Max und von diesem an seine Schwester Gesandtschaften abgeschickt und Entscheidungen ausgesprochen, aber nie kam es zu einer Ausgleichung. Hieronymus von Stauf, Hofmeister des Herzogs Wilhelm, der nach Albrecht’s Anordnung regieren sollte, fand es in seinem Interesse, die beiden Brüder Wilhelm und Ludwig in feindlicher Stimmung gegenseitig zu erhalten. Kunigunde wendete nun ihren ganzen mütterlichen Einfluß an, um die Brüder zu vergleichen. Ohne Stauf’s Wissen kamen am 20. November 1514 zu München Ludwig und Wilhelm über gleiche Vertheilung der Hoheit und Einkünfte und über gemeinschaftliche Regierung überein. Dieser Vertrag lautete zuerst nur auf drei Jahre, am 12. Februar 1516 wurde er auf fünf Jahre erstreckt. Die Brüder lebten und regierten in ungestörter Eintracht, denn Stauf’s Ränke kamen alsbald an’s Tageslicht; er verlor sein Hofmeisteramt und wurde später zu Ingolstadt enthauptet. [406] Nach Albrecht’s Tode verfügte sich Kunigunde in das Franziscanerkloster zu München, und nur durch die Sorge für das Glück ihrer Kinder hing sie noch mit der Welt zusammen. Zwölf Jahre brachte sie in klösterlicher Einsamkeit zu; sie hatte bei ihrem Eintritte alle Hofdamen entlassen und wollte in Kost und Kleidung den übrigen Nonnen gleich gehalten sein. Ihre Frömmigkeit war rein und nicht etwa auf Aberglauben gestützt. Wie sehr sie Gleißnerei verabscheute, beweist eine Thatsache. Eine gewisse Anna Laimintel galt in Augsburg für eine Heilige, weil sie sich leiblicher Speise enthielt. Kunigunde gab Verehrung vor, lockte sie in ihr Kloster und entlarvte die Heuchlerin, die nun das Land meiden mußte. Diese edle Fürstin starb im Alter von 55 Jahren und ist in der Stiftskirche Unserer Lieben Frauen zu München beigesetzt.

Heyrenbach (Jos. Ben.), Kaiser Friedrich’s Tochter Kunigunde, ein Fragment aus der österreichisch-bayerischen Geschichte, sammt einem Codex probationum (Wien 1778, 8°.). – Hormayr’s Archiv, IX. Jahrgang (1818), Nr. 73, 74, S. 285 und wiedergedruckt in der „Oesterreichischen Zeitschrift für Geschichts- und Staatenkunde“, von J. P. Kaltenbäck, II. Jahrg. (1836), Nr. 50, 51, 52: „Kunigunde, Kaiser Friedrich’s IV. Tochter“, von Joh. Mayrhofer. – Museal-Blatt der Zeitschrift für Oberösterreich 1840, Nr. 5: „Kunigunde von Oesterreich“ (1492). Vaterländische Ballade von J. J Reiserbauer. – Fugger (Joh. Jac.), Spiegel der Ehren des Erzhauses Oesterreich (Nürnberg 1668, kl. Qu. Fol.) S. 875, 928, 931, 962, 964, 1306.