BLKÖ:Habsburg, Sigismund von Tirol

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 146. (Quelle)
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282. Sigismund von Tirol, Erzherzog von Oesterreich (geb. 1427, gest. 4. März 1496). Sohn des Herzogs Friedrich IV. mit der leeren Tasche aus dessen zweiter Ehe mit Anna von Braunschweig. Gemalinen: 1) Eleonore von Schottland (gest. 1480), Tochter Jacob’s I., Königs von Schottland, im Jahre 1468 dem Erzherzoge vermält; 2) Katharina von Sachsen (geb. 24. Juli 1468, gest. 1524), Tochter des Herzogs Albrecht des Heftigen von Sachsen, vermält dem Erzherzoge Sigmund im Jahre 1484; Witwe im Jahre 1496, vermälte sie sich im Jahre 1500 zum andern Male mit Erich dem Aelteren, Herzog von Braunschweig, dem sie eine Tochter, Anna Maria, gebar, die aber in der Jugend starb. Kinder. Aus seiner ersten Ehe ein Sohn, Wolfgang, der in der Kindheit gestorben. Aus seiner zweiten Ehe hatte er keine Kinder. Wahlspruch. Um einen mit eingelegter Lanze rechts einsprengenden gepanzerten Reiter die Devise: „Laudanda est voluntas“, von Fugger übersetzt:

Der Will’ hat Lob
Auch ohne Prob’.

Hervorragende Lebensmomente. Kaum dreizehn Jahre alt, im Jahre 1439, folgte [147] er seinem Vater in der Regierung unter Vormundschaft seines Vetters, des Kaisers Friedrich III. [Bd. VI, Nr. 104]. Mannbar geworden, nahm er an den Fehden gegen die Schweizer Theil. Auf seinem Zuge gegen Schaffhausen gerieth der Bürgermeister dieser Stadt in seine Gefangenschaft; aber Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein, und Rudolph, Graf von Hochberg, traten vermittelnd ein und legten die Fehde bei. Als Schutzherr des Bisthums Brixen entzweite er sich mit dem Bischofe daselbst, dem Cardinale Nikolaus Cusanus, belagerte ihn in Brunegk und nahm ihn gefangen. Dafür that Papst Pius II. den Erzherzog in Bann. Sigismund aber, um diesen Bannfluch unbekümmert, appellirte an ein allgemeines Concil und ließ durch seinen Rath Gregor von Heimburg seine Appellation in Rom öffentlich anschlagen, was nun auch den Bannfluch über Gregor von Heimburg zur Folge hatte. Gregor ließ nun Vertheidigungsreden gegen dieses Breve und gegen den Cardinal drucken, welche zu Anfang des 17. Jahrhunderts unter dem Titel: „A Pii Papae II. excomunicatione injusta Sigismundi Archiducis Austriae Comitis Tyrolis et Gregorii de Heimburg Appellationes et Contradictiones“ zusammen im Drucke erschienen. Endlich legte Kaiser Friedrich 1465 diesen Streit bei. Sigismund’s Vater, Friedrich mit der leeren Tasche, war von Kaiser Sigismund in die Reichsacht erklärt und bei dieser Gelegenheit von den Schweizern um mehrere Ortschaften und Gebietstheile beraubt worden. Sigismund begann nun zur Wiedererlangung derselben den Kampf mit den Schweizern, konnte aber nichts erreichen. 1469 verpfändete er seine am Rhein gelegenen Erbländer an Karl, Herzog von Burgund, um die Summe von 80.000 Goldgulden. Als er nun 1474 diese Summe zur Einlösung der verpfändeten Länder in Basel niederlegte, weigerte sich der Herzog zu der Annahme des Geldes und der Herausgabe des Pfandgutes. Aber die verpfändeten Länder, der burgundischen Herrschaft müde, fielen selbst dem Erzherzoge zu, worüber sich nunmehr ein heftiger Kampf zwischen Burgund und Oesterreich entspann. Mit seinem Vetter, dem Kaiser Friedrich, lebte Sigismund nicht in sonderlicher Eintracht, erst nach längerer Zeit kam eine Aussöhnung zu Stande. Sigismund, keiner Leibeserben gewärtig, adoptirte nun Friedrich’s Sohn Maximilian und schloß mit dem Kaiser, wie mit den Schweizern am 30. März 1474 einen immerwährenden Bund, der noch im nämlichen Jahre zu Salins in Burgund bestätigt wurde. Aus den übrigen Momenten seines Lebens sind noch zu bemerken: 1487 sein Kampf mit den Venetianern, in welchem er den Venetianer-General Robert Sanseverino auf’s Haupt schlug; ferner seine Mitwirkung bei der Vermälung Kunigundens, Tochter des Kaisers Friedrich III., mit Albrecht von Bayern, welche ohne Wissen des Vaters erfolgte und der er Tirol zum Heirathsgut versprach: diese Schenkung mußte Sigismund später zurücknehmen. Im hohen Alter, nach Ruhe sich sehnend, der Streitigkeiten müde, die ihm das Leben von allen Seiten vergällten, lieh er den Rathschlägen, die ihm von mehreren Seiten wurden, die Regierung Tirols niederzulegen, ein williges Ohr. Am 16. März 1490 trat er sie zu Innsbruck an Maximilian ab und behielt sich nur jährliche 52.000 fl., freie Jagd und Wohnung im ganzen Lande und sieben Schlösser vor, [148] denen er seinen Namen: Sigmundsfreud, Sigmundslust, Sigmundskron, Sigmundseck, Sigmundsried, Sigmundsburg und Sigmundsruh gab und auf welchen er wechselweis die noch übrigen sechs Jahre seines Lebens mit Jagen und Fischen zubrachte. Sigismund starb im Alter von 71 Jahren.

Fugger (Joh. Jac.), Spiegel der Ehren des Erzhauses Oesterreich (Nürnberg 1668, kl. Fol.) S. 453, 504, 635, 647 u. 648, 664, 672, 675, 709, 738, 739, 790, 924, 931, 963, 964–968, 1100 u. 1101. – Hormayr’s Archiv für Historie u. s. w. (Wien, 4°.) 1812, Nr. 63–69, 91–94, 97–100, 103 u. 104: „Der Zwiespalt zwischen Friedrich IV., dem römischen Könige Max, den Ständen Tirols und den vorderen Landen einerseits, dann andererseits dem Erzherzoge Sigmund und Albrecht dem Weisen, Herzog in Baiern“. – Hormayr’s Plutarch, Bd. V, S. 98 u. f. [in der Biographie des Kaisers Maximilian I.]. – Lambecius, Biblioth. Vindob., lib. I, cap. 6, p. 493–510: „Leben Sigmund’s, von Heinrich Gundelfingen, mit Anmerkungen von Lambecius“. – Goldast (Melch.), Monarchia S. Roman. imperii, tom. II. – Porträte. 1) D. Custos sc. (gr. Fol.), ganze Figur, aus der Ambraser-Sammlung; – 2) in Fugger’s Ehrenspiegel auf S. 1101, wahrscheinlich von Philipp Kilian gestochen; – 3) gez. von Haßlwander, gest. von Hyrtl (8°.).