BLKÖ:Müller, Joseph Zacharias

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Müller, Josephine
Band: 19 (1868), ab Seite: 390. (Quelle)
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48. Müller, Joseph Zacharias (Sprachforscher, geb. zu Ostritz in der Lausitz 4. November 1782, gest. zu Glatz 17. Februar 1844). Der Sohn armer Eltern, erlernte anfänglich das Weberhandwerk, wurde dann Gehilfe an der Ortsschule und ging im Jahre 1798 nach Breslau, wo er durch Vermittelung von Menschenfreunden Aufnahme als Stiftling im Convicte St. Joseph fand. Um Philologie zu studiren, begab er sich im Jahre 1805 nach Halle; nach Aufhebung der dortigen Hochschule, im Jahre 1806, nach Leipzig, kehrte aber auf Wolf’s Einladung in kurzer Zeit nach Halle zurück, wo er sich mit Sprachwissenschaft und vornehmlich mit dem Studium des semitischen Sprachstammes beschäftigte. Im Jahre 1808 verließ er Halle, um eine Hauslehrerstelle in Prag zu übernehmen. Von Prag folgte er einem Rufe als Oberlehrer am Gymnasium zu Heiligenstadt im preußischen Regierungsbezirke Erfurt, wo er aber nur kurze Zeit verweilte. M. hatte in Prag den berühmten Abbé Dobrowsky [Bd. III, S. 334] kennen gelernt, der mit ihm die ersten Correcturbogen seines Lehrgebäudes der böhmischen Sprache durchnahm und dadurch seine Aufmerksamkeit[WS 1] auf das vergleichende Sprachstudium überhaupt und auf den reichen slavischen Sprachstamm insbesondere hinleitete. Um den slavischen Sprachstamm zu studiren und sich hierin für eine Lehrkanzel an einer Universität auszubilden, gab er seine Oberlehrerstelle in Heiligenstadt ganz auf. ging nach Prag und wurde Dobrowsky’s Schüler. Während seiner Studien in Prag gab nun M. mehrere Schriften heraus, und zwar: „Andeutungen zum Eingange in das classische Alterthum der Griechen“ (Prag 1811); – „Heldengesang vom Zuge Igors gegen die Polowzer“ [aus dem Allrussischen] (ebd. 1811); auch arbeitete er in dieser Zeit das größere Werk: „Altrussische Geschichte nach Nestor mit Rücksicht auf Schlözer’s russische Annalen“ (Berlin 1812). Um diese Zeit bestand M. an der Universität in Prag einen sogenannten Concurs für die Lehrkanzel der Aesthetik und classischen Literatur daselbst mit noch neun Bewerbern im ganzen Kaiserstaate, und wurde von dem Gubernium zu Prag, primo loco, wie man zu sagen pflegt, der Studien-Hofcommission zu Wien vorgeschlagen. Unfehlbar würde er auch diese Stelle erhalten haben, wenn nicht ein höherer Geistlicher daselbst an dem ehemaligen Hallenser Anstoß genommen und den in zweiter Linie (secundo loco) [391] in Antrag gebrachten Bewerber, der ihm überdieß sonst noch von einflußreicher Seite empfohlen worden war, bevorzugt hätte. Die Sache kam daher in’s Stocken und M., der seine Zukunft im Auge behalten mußte, folgte Mitte November 1811 über Schleiermacher’s Verwendung einem Rufe als Oberlehrer an das reorganisirte katholische Gymnasium zu Braunsberg in Oberschlesien. Bis hieher hat M. durch sein Geschick Anspruch auf einen Platz in diesem Lexikon. Die weiteren Schicksale M.’s seien in Kürze erzählt. Bis 1819 blieb M. in Braunsberg. Im letztgenannten Jahre ging er von Braunsberg als Gymnasialdirector nach Kanitz in Westpreußen, wo er bis zum Jahre 1829 thätig blieb, worauf er als Director an das katholische Gymnasium nach Glatz versetzt wurde, wo er auch im Alter von 58 Jahren starb. In der Periode von 1824 bis 1844 gab M. zahlreiche Schul- und sprachliche Schriften heraus, welche alle in dem in den Quellen verzeichneten Werke aufgeführt werden, für dieses Lexikon aber sonst keine weitere Bedeutung haben.

Meyer (J.). Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) IV. Suppl. Bd. S. 759, Nr. 8. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladisl. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 533, Nr. 32.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Aufmerkkeit