BLKÖ:Sztáray, Anton Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Sztankovics
Band: 42 (1880), ab Seite: 258. (Quelle)
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Anton Sztáray von Nagy-Mihaly in der Wikipedia
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Sztáray, Anton Graf (k. k. Feldzeugmeister, Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Kaschau 1740, gest. zu Gratz am 23. Jänner 1808). Aus der altadeligen ungarischen Familie der Sztáray von Nagy-Mihály und Sztára, über welche die Quellen S. 261 Näheres berichten. Er ist ein Sohn Emerichs, ersten Grafen von Sztáray. Joh. Nep. von Szöllösy gibt in seinem in den Quellen bezeichneten Werke den 16. November 1751 als Geburtsdatum Sztáray’s an. Nun aber trat derselbe 1759 als Fähnrich bei Leopold Pálffy-Infanterie ein und hätte somit diese Charge schon im Alter von acht Jahren bekleidet! Nach Hirtenfeld’s Werke über den Maria Theresien-Orden starb er 1808 im Alter von 76 Jahren. Er wäre sonach 1732 geboren und bei seinem Eintritt in die kaiserliche Armee [259] 27 Jahre alt gewesen. Ein ziemlich alter Fähnrich, wenn man bedenkt, daß Sztáray ein Grafensohn ist und einer alten angesehenen Familie angehört. Unter so bewandten Umständen möchte denn doch das Jahr 1740, nach Nagy’s Angabe, das annähernd richtige sein, und dann hätte der General nicht 76, sondern nur 66 Jahre gelebt. Noch im Jahre seines Eintritts in den kaiserlichen Waffendienst nahm er am vierten Feldzuge des siebenjährigen Krieges Theil, focht in der siegreichen Schlacht bei Kunersdorf (12. August 1759), dann bei Landshut am 23. Juni 1760, wo Loudon das preußische Corps des Generals Fouquet aufrieb, bei Liegnitz (13. August d. J.) und vor Schweidnitz, welches Loudon am 1. October 1761 durch Ueberfall und Sturm eroberte. Für sein ausgezeichnetes Verhalten wurde Sztáray Hauptmann im Infanterie-Regimente Nr. 52. Im bayerischen Erbfolgekriege 1778/79 bereits Commandant eines Grenadierbataillons, that er sich bei der Vertheidigung des Postens Hermensdorf gegen den preußischen General Lossow am 13. Jänner 1779 durch besondere Bravour und Tapferkeit so hervor, daß er zum Obersten im ersten Szekler Grenz-Regimente befördert wurde. Neue Lorbeeren erkämpfte er sich am 17. Februar d. J. bei Pfaffenberg und Mešnik, in welchen Stellungen er mit einem einzigen Bataillon seines Regiments in einem dreistündigen heftigen Kampfe den Angriff von fünf feindlichen Bataillonen bestand und zurückschlug. Im Türkenkriege 1788/90 erhielt er als Oberst bei Niclas Graf Eszterházy-Infanterie Nr. 33 von Kaiser Joseph den Befehl, mit einem Bataillon und drei Geschützen die Palanke von Schabatz zu stürmen. Er vollbrachte es, schlug die Ausfälle aus dem Castell, wohin der Feind sich zurückgezogen hatte, siegreich ab und nöthigte denselben zur Capitulation. 19 Fahnen, 22 Geschütze und eine große Anzahl Gefangene fielen in unsere Hände. Im Jahre 1789 wurde er Generalmajor. Als solcher erkämpfte er sich bei der Erstürmung von Belgrad das höchste militärische Ehrenzeichen. Er führte bei diesem Sturme die vierte Colonne gegen das Constantinopeler Thor. An der Spitze des Bataillons Eszterházy setzte er über die Palissaden und trieb die Feinde die ganze Gasse entlang über die Moschee hinaus bis zu den letzten Häusern am Glacis der Festung. Als er hier Stellung genommen hatte, behauptete er sich im heftigsten Kugelregen des Feindes und erhielt bei dieser Gelegenheit zwei schwere Contusionen. In der 19. Promotion (vom 21. December 1789) wurde er für seine Waffenthat mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im Jahre 1792 erhielt er ein Commando gegen die aufständischen Niederlande; er gewann das Treffen bei Florenne und nahm die Vorstadt Fire von Limburg. Zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, befehligte er bei dem Rückzuge ins Limburgische die Avantgarde. In den Gefechten bei Tirlemont und Lüttich zeichnete er sich besonders aus und wurde in letzterem neuerdings blessirt. Im Gefechte von Courtroy am 11. Mai 1794 trug er eine so schwere Wunde davon, daß sein Tod unzweifelhaft schien. Dennoch erholte er sich und trat nun, halb genesen, wieder in die active Armee, in welcher er unter Erzherzog Karl wiederholt Beweise seiner Bravour zu geben Gelegenheit fand. Er [260] übernahm das Commando des rechten Flügels im Armeecorps des Generals Wurmser[WS 1], als derselbe Befehl erhielt, sich von Kaiserslautern gegen Mannheim bis Oggersheim und Maudach zurückzuziehen. Am 14. Juni 1796 von General Moreau bei Maudach angegriffen, schlug er in einem hartnäckigen Kampfe, welcher den 14, und 15. Juni währte, den feindlichen Ansturm zurück und bezog das verschanzte Lager bei Mundenheim, welches den Brückenkopf bei Mannheim deckte. Um den Feind im Rücken zu bedrohen, rückte Feldmarschall-Lieutenant Hotze am 24. August nach Lauff, und Sztáray folgte ihm zur Unterstützung mit dem Gros der Truppen nach. Als Letzterer am 2. September bei Kitzingen den Main passirt und sich der Stadt Würzburg genähert hatte, wurden seine Vorposten von Jourdan angegriffen und auch zurückgedrängt. Daß der Feind unter diesen Umständen mit einem Hauptangriffe nicht zögern würde, schien gewiß. Darauf aber wollte Sztáray es nicht ankommen lassen und beschloß, selbst die Offensive zu ergreifen. Er rückte also sofort dem Feind in Person entgegen. Es war ein gewagter Schritt, den er that, denn er hatte die ganze weit stärkere Macht des Generals Jourdan gegen sich. Nichts desto weniger unternahm er das Wagniß, griff das französische Heer am 3. September an und hielt es in einem hartnäckigen Kampfe solange auf, bis Erzherzog Karl mit Verstärkungen heranmarschirt kam. Die Lage Sztáray’s war eine sehr bedenkliche geworden, denn schon hatte sich Jourdan angeschickt, seinen Gegner zu überflügeln. Aber die rechtzeitige Ankunft des Erzherzogs vereitelte nicht nur die Absicht des Feindes, sondern führte auch zu dessen Rückzug, und dieser Sieg unserer Waffen war für unsere Armee entscheidend. Der Erzherzog anerkannte auch, von welcher Wichtigkeit für den Erfolg des Tages das entschlossene Vorgehen Sztáray’s war, und dieser erhielt außer Capitel am 18. September 1796 das Commandeurkreuz des Maria Theresien-Ordens. Als am 20. April folgenden Jahres die Franzosen den Rhein bei Kehl überschritten, wurde Sztáray gleich im Beginn des Kampfes schwer verwundet, und dies hatte den ordnungslosen, fast fluchtartigen Rückzug unserer Armee, die sich plötzlich ihres zuverlässigen Führers beraubt sah, zur Folge. Im Feldzuge 1799 befehligte er ein Armeecorps in Deutschland, mit welchem er die Franzosen aus Schwaben verdrängte und Anfangs December das blokirte Philippsburg entsetzte. Als nach der unglücklichen Schlacht bei Hohenlinden (3. December 1800) Erzherzog Karl das Commando der Armee in Deutschland übernahm, erhielt Sztáray, zum Feldzeugmeister befördert, das Commando der böhmisch-mährischen Legion. Nach dem Frieden von Lüneville (9. Februar 1801) erfolgte seine Ernennung zum Commandirenden in Inner-Oesterreich. Im Februar 1806 endlich trat er in den wohlverdienten Ruhestand über. Im Jahre 1791 war er von Seiner Majestät dem Kaiser zum Inhaber des 33. Infanterie-Regiments, welches er als Oberst so ruhmvoll geführt hatte, ernannt worden. Der alte Soldat, Malteserritter, blieb unvermält, seine beiden Brüder Johann Philipp und Michael pflanzten das edle Geschlecht fort. Sztáray war ein General aus der Schule Loudon’s. Mit persönlicher Tapferkeit, ja man kann dreist sogen Bravour, die er so oft [261] und stets mit Erfolg bewiesen, verband er raschen Ueberblick, Umsicht in seinen Anordnungen und wenn es eine Entscheidung galt, auch eine Ausdauer, die durch nichts erlahmte. Sein Angriff auf Jourdon’s Stellung vor Würzburg war ebenso verwegen, ja gewagt, als er ein glänzender Beleg für seine Feldherrneinsicht ist. Zu dem fluchtartigen Rückzuge unserer Truppen bei Kehl kam es nur in Folge seiner eigenen schweren Verwundung. In seinem Wesen vornehm, war er doch herzensgut. Man erzählt sich von ihm eine schöne That, werth nicht vergessen zu werden. Als im Kriege gegen die Türken (1788 und 1789) die Armee den Rückzug von Szadowa (10. September) antrat, vergaß eine Walachin so ganz gegen alle Weiblichkeit ihre Mutterpflicht, daß sie, um sicherer fortzukommen, ihren zweijährigen Knaben weg warf. Kaum hatte Sztáray, damals Oberst, mitten im Quarré stehend diese Unthat gesehen, als er aus demselben heraussprengte, das verlassene Kind aufhob und es in sichere Obhut gab.

Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehent des 19. Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 571. – Moderne Biographien oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen seit dem Ausbruche der französischen Revolution. Aus dem Französischen übersetzt und vermehrt von St. Reichardt (Wien 1811, Ant. Doll (Leipzig, Ernst Fleischer), gr. 8°.) Bd. VI, S. 93. – Bornschein (Adolph), Oesterreichischer Cornelius Nepos u. s. w. (Wien 1812, kl. 8°.) S. 217. – Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, Lex.-8°.) Bd. I, S. 503. – Thürheim (Andreas Graf), Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichischen Armee (Teschen 1880, Prochaska, Lex.-8°.) Bd. I, S. 24 und 220. – Dictionnaire biographique et historique des hommes marquans de la fin du dix-huitième siècle et plus particulièrement de ceux qui ont figuré dans la révolution française (Londres 1800, 8°.) Tome III, p. 390.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Wurmbrand.