BLKÖ:Hadik von Futak, Andreas Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hadaly de Hada, Karl
Band: 7 (1861), ab Seite: 166. (Quelle)
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Hadik von Futak, Andreas Graf (Feldmarschall und Großkreuz des Maria Theresien-Ordens, geb. auf der Insel Schütt 16. October 1710, gest. in Wien 12. März 1790). Entstammt einem alten ungarischen Adelsgeschlechte. In besonderer Vorliebe für den geistlichen Stand wollte er in den Orden der Jesuiten treten, um sich mit voller Muße den Wissenschaften hingeben zu können. Jedoch gab er den Bitten seines Vaters Michael, der als Huszaren-Rittmeister schwerer Wunden halber den Dienst verlassen hatte, endlich nach und ward vermocht, sich dem Waffendienste zu widmen, in welchem mehrere seiner Vorfahren auf dem Felde der Ehre gefallen. Im Jahre 1732 trat H. in das alte Dessewff’sche Huszaren-Regiment als Cornet ein. Unter Prinz Eugen focht er am Rhein und bewies 1734 viele Geschicklichkeit in Anführung kleinerer, auf Streifung und Recognoscirung detachirter Truppen. Vor der Schlacht von Krotzka führte er eine ihm aufgetragene wichtige Recognoscirung aus und that in der Schlacht selbst durch besondere Tapferkeit sich hervor. In den folgenden Kriegen gegen Frankreich am Rhein, in den Niederlanden und gegen Preußen stieg er schnell von Stufe zu Stufe. Bereits Oberstlieutenant stand H. im Jahre 1742 längere Zeit zu Odrau in Schlesien auf Postirung, und wohnte im Schlosse des Fürsten Lichnowski. Durch ein vor des Fürsten Augen geführtes glückliches Gefecht, welches Schloß und Güter des reichen Fürsten vor den Feinden schützte, erwarb er sich dessen Achtung und Liebe in so hohem Grade, daß dieser dem ihm sonst unbekannten, zwar adeligen, aber armen Huszarenofficier seine einzige Tochter zur Ehe gab, deren Zuneigung er übrigens in kurzer Zeit gewonnen hatte. 1744 wurde H. Oberst, 1745 zeichnete er sich bei Erbstatt (19. Juli) aus. Im Jahre 1747 war er zum General vorgerückt und that sich 1748 bei Bergen op Zoom (15. März ), wo er ein großes feindliches Convoi aufhob und zerstreute, hervor. Seit 1756 Feldmarschall-Lieutenant, führte H. im zweiten Feldzuge des 7jährigen Krieges den berühmten Zug nach Berlin aus. Am 15. October, am Namenstage der großen Kaiserin, bemächtigte er sich mit 3000 Huszaren plötzlich der Stadt Berlin und schrieb eine Contribution von 300.000 Thalern aus, die er unter seine Truppen vertheilte; die Stadt selbst schonend, nahm er sechs preußische Fahnen und zwei Dutzend mit dem Stadtwappen gezierte Damenhandschuhe [167] mit, welche er der Kaiserin zuschickte. Nach 24stündigem Besitze der Stadt zog er wieder, die strengste Mannszucht haltend, ab; denn Moriz, Fürst von Dessau, war nur noch einen Tagemarsch von Berlin entfernt. Für diese ritterliche That und in Anerkennung der dabei bewiesenen Uneigennützigkeit beschenkte ihn die Kaiserin mit 3000 Stück Ducaten und verlieh ihm in der ersten Promotion des am 27. Juni 1757 gestifteten Maria Theresien-Ordens, welche am 7. März 1758 stattfand, das Großkreuz desselben. Hadik war das vierte Großkreuz. Am 5. März 1758 zum General der Cavallerie ernannt, führte er im Feldzuge des Jahres 1759 dem Reichsheere Verstärkungen zu. Die Niederlage bei Guben machte er, als er nach Abberufung Serbelloni’s das Commando der Reichsarmee übernommen hatte, durch die Schlacht bei Freiberg (15. October 1762) wieder gut, in der er einen berühmten Gegner, den Prinzen Heinrich von Preußen, geschlagen hatte. Nach dem Frieden (1763) wurde H. Gouverneur der Festung Ofen. Im Jahre 1764 zum geheimen Rathe ernannt, ging er als königlicher Commissär zur Leitung des Militär- und Civil-Gouvernements nach Siebenbürgen; im Jahre 1769 zum Präsidenten des Karlowitzer Congresses ernannt, beendete er ganz nach Wunsch dieses Geschäft und erhielt zur Belohnung seiner Verdienste die Herrschaften Futak und Czernowitz in Ungarn. Im Jahre 1772, nach der Theilung Polens, erhielt H. den Auftrag, die neu erworbenen, zum Königreiche Galizien und Lodomerien erhobenen Ländergebiete in Besitz zu nehmen, und als Militär- und Civil-Gouverneur zu verwalten. Er löste diese Aufgabe für seinen Fürsten und die Nation so befriedigend, daß ihn der Erstere 1774 zum Feldmarschall erhob, Letztere dem Scheidenden ein Monument zur Erinnerung an sein mildes und umsichtiges Walten errichtete. Zugleich wurde er an Lascy’s Stelle zum Hofkriegsraths-Präsidenten ernannt. Im Jahre 1776 wurde er Obergespan des Bacser Comitates, und im Jahre 1777 sammt seinen ehelichen Leibeserben in den Reichsgrafenstand mit Sitz und Stimme auf der schwäbischen Ritterbank erhoben. Bei Ausbruch des Krieges mit Preußen, 1778, wurde H. mit Beibehaltung seiner Anstellung dem Feldmarschall Prinzen Albrecht von Sachsen-Teschen, der ein bedeutendes Armeecorps befehligte, ad latus beigegeben, erhielt aber, als der Kaiser die Armee verließ, das Commando der Hauptarmee. Nach dem Teschener Frieden trat er in seine frühere Stellung als Hofkriegsraths-Präsident zurück. Im zweiten Feldzuge des 1788 ausgebrochenen Krieges gegen die Türken (1789) übertrug ihm Kaiser Joseph II. das Commando der Hauptarmee, welche die Belagerung und Einnahme von Belgrad auszuführen hatte. Während der Vorbereitungen dazu erkrankte er aber in besorgniserregender Weise. Der Kaiser rief nun den würdigen Greis unter den schmeichelhaftesten Ausdrücken und aus Sorgfalt für dessen Gesundheit von der Armee ab und wieder an die Spitze des Hofkriegsrathes. Als aber Loudon den Feldmarschall-Lieutenant Klebek mit der Nachricht von dem Falle Belgrads nach Wien geschickt hatte, trat dieser im versammelten Hofkriegsrathe vor Hadik, im Namen Loudon’s ihm den Dank abstattend für den mit aller Umsicht entworfenen Plan, welcher vorzugsweise den schnellen Fall der Festung ermöglicht hatte. Die schwere Krankheit seines [168] Kaisers blieb nicht ohne Einwirkung auf seinen treuen Diener, den selbst leidenden Greis. Als er aber am Sterbebette seines geliebten Monarchen gestanden und dieser von dem erprobten Helden, mit dem er vor seinem Hinscheiden bei verschlossenen Thüren sich besprochen und ihm das Lebewohl an die Armee aufgetragen hatte, rührenden Abschied genommen, war es auch um ihn geschehen. Am 20. Februar hatte Joseph seine Augen geschlossen, am 12. März war ihm Hadik im Alter von 80 Jahren gefolgt. Hadik’s Leiche wurde zu Futak in Ungarn beigesetzt. H. war nicht nur ein tapferer Soldat – treffend wird er der österreichische Ziethen genannt – der in 21 Schlachten Proben ritterlicher Tapferkeit und strategischer Umsicht gegeben, sondern auch ein ausgezeichneter Mensch, dessen sittliches Verhalten und hervorragenden geistigen Eigenschaften ihm die Achtung und Liebe von Hoch und Nieder erworben hatten. Ein von ihm, als er Rittmeister war, begonnenes und bis zum Ableben fortgesetztes Tagebuch, enthält nicht nur einen treuen Bericht seines Lebens und Wirkens, sondern auch wichtige und vortreffliche Lehren und Grundsätze der Kriegskunst; jedoch ist von demselben bisher nichts veröffentlicht worden. Ueber seine Familie siehe unten in den Quellen die Genealogie.

Felsö Magyar Országi Minerva (d. i. Oberungarische Minerva), Jahrg. 1825, IV. Heft: „Biographie“ von Grf. J. D(esewffy). Daselbst befindet sich auch sein Brustbild. – Magyar néplap (ein ungarisches illustr. Journal, 4°.) 1856, Nr. 20, S. 156: „Gróf Hadik Andras“ [mit dem Porträte des Grafen]. – Hirtenfeld (J. Dr.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 39. – Reilly (Franz Joh. Jos. von), Skizzirte Biographien der berühmtesten Feldherrn Oesterreichs von Maximilian I. bis auf Franz II. (Wien 1813, 4°.) S. 413. – Rittersberg (Johann Ritter von), Historischer Militär-Almanach des 16., 17., 18. und 19. Jahrhunderts (Prag 1825, C. W. Enders, 8°.) S. 99. – Oesterreich. Militär-Konversations-Lexikon (Wien 1852, 8°.) Bd. III, S. 6. – Oesterr. National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 468. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, 8°.) Bd. XIV, S. 582. – Dictionnaire biographique et historique des hommes marquans de la fin du dix huitième siècle (Londres 1800, 8°.) Tome II, p. 171. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, Firmin Didot frères, 8°.) Tome XXIII, p. 33. – Porträte. 1) Vinazer fec., J. Adam sc. 1781 (8°.); – 2) Löschenkohl fec. (4°.); – 3) nach Weickert, J. E. Mansfeld sc. (Fol.); – 4) Weickert p., J. M. Will sc. (Fol., Schwarzk.), Hüftbild; – 5) ohne Angabe des Zeichners und Stechers in Rittersberg’s „Almanach“. –