BLKÖ:Hadik, Genealogie und gegenwärtiger Stand der Familie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 168. (Quelle)
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Genealogie und der gegenwärtige Stand der Familie. Die Vorfahren der Hadik’s lassen sich in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückführen. Bekannt bereits ist Balthasar Hadik, auch genannt Hadikius, böhmischer Prediger zu Tothprona in der Thuroczer Gespanschaft. Einen berühmten Namen erwarb sich Johann (I.) H. (geb. 1585, gest. 22. Februar 1642), ein Sohn Balthasar’s, zuerst Rector zu Schintau, dann zu Bitsche, Schulmann an mehreren Orten, 1614 Prediger zu Trentschin und auf der Synode zu Trentschin einstimmig zum Superintendenten daselbst gewählt (27. Jänner 1619). Später vertauschte er Trentschin mit Bitsche. Dort gab eine religiöse Disputation mit dem Jesuiten Mathias Hainal Anlaß zu seiner Vertreibung, worauf er sich wieder nach Trentschin zurück begab. Er war ein energischer Vertheidiger der evangelischen Lehre und schrieb mehrere theologische Werke und Leichenreden, welche seine Gelehrsamkeit beurkunden. [Vergleiche über ihn: Schmal (Andreas), „Lebensbeschreibungen evangelischer Superintendenten in Ungarn“, S. 23; – Desselben: „Syllabus litteratorum Thuroczensium“, S. 21 (beide Werke Handschrift); – Horanyi (Alex.), „Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum“ (Viennae, 1776, Loewe, 8°.) Bd. II, S. 66; – Wallaszky (Paul), „Conspectus reipublicae litterariae [169] in Hungaria“ (Poson. et Lipsiae 1785, gr. 8°.) S. 146, wo er als Joannes Hodikius aufgeführt wird; – Klein (Joh. Samuel), „Nachrichten von den Lebensumständen und Schriften evangelischer Prediger in allen Gemeinen des Königreichs Ungarn“ (Leipzig und Ofen 1789, 8°.) Bd. II, S. 202–212.] Von Johann’s zwei Söhnen war Alexander, welcher sich auf der Universität zu Rostock gebildet, nach seiner Rückkehr in’s Vaterland Rector zu Bannovicz und ein gelehrter Theolog. Der zweite, Johann (II.), welcher zu Wittenberg studirt hatte, war nach seiner Rückkehr in die Heimat Prediger zu Melcsitze; nachdem ihn der Graf Nadasdi von dort vertrieben und seiner ganzen Bibliothek beraubt hatte, wurde er von dem Freiherrn von Osztrositz gastlich aufgenommen, dann wurde er Prediger in Ugrotz. Als im Jahre 1672 die große Protestantenverfolgung in Ungarn ausbrach, fiel H. vom evangelischen Glauben ab, bereute aber bald seine That, floh nach Deutschland und nahm seinen alten Glauben wieder an. Er starb zu Hamburg im Exil. Er beschrieb sein bewegtes Leben in dem Werke: „Regia coeli, angusta porta, areta via“, d. i. Himmelsstraße, enge Pforte, schmaler Weg. Ach und Weh u. s. w. (gedruckt 1679, 4°.). – Johann’s (II.) Enkel war der Rittmeister Michael (gest. 1733), der Vater des obigen Feldmarschalls, nachmaligen Reichsgrafen Andreas (I.) H. Graf Andreas (I.) war, wie wir aus der Biographie erfahren haben, mit Franzisca Fürstin Lichnowski vermält. Aus dieser Ehe entstammen vier Kinder, die Grafen Johann, Karl und Andreas, und Gräfin Maria Josepha. Von allen drei Söhnen sind Nachkommen vorhanden. Des Grafen Andreas (I.) erster Sohn, Graf Johann (geb. 27. Jänner 1755), war seit 8. Jänner 1783 mit Franzisca Gräfin Breuner vermält. Der Graf Johann war ein ausgezeichneter Dilettant in der Malerei; eines seiner historischen Aquarellgemälde erwarb ihm im Jahre 1785 die Stelle eines Ehrenmitgliedes der Akademie der bildenden Künste in Wien [Nagler, Künstler-Lexikon, V, 490. u. Müller, Die Künstler aller Zeiten und Völker, II, 331]. Ihr Sohn war Graf Adam (geb. 1784, gest. 1852), Rittmeister in der Armee und vermält seit 24. September 1820 mit Johanna Gräfin von Dernath. Aus dieser Ehe stammt das gegenwärtige Haupt der Familie, Graf Bela (geb. 1822), Ritter des Maltheser-Ordens, Linienschiffs-Capitän, Admirals-Adjutant und Vorsteher der Kammer Sr. k. Hoheit des Herrn Erzherzogs Ferdinand Max. – Des Grafen Bela Schwester, Gisela (geb. 22. Jänner 1825), war seit 10. December 1842 vermält mit Wilhelm Reichsfreiherrn von Baillou, k. k. Oberstlieutenant, von ihm geschieden 1850 und wiedervermält am 3. Juli 1850 zu Würzburg mit Rudolph Grafen von Stadion, Bruder des unvergeßlichen, für Oesterreichs Wohl zu früh (8. Juni 1853) verblichenen Ministers des Innern, Grafen Franz. – Von den drei Schwestern des Grafen Adam, den Gräfinen Therese, Franzisca und Maria, leben noch zwei: Therese (geb. 1785), vermält in erster Ehe mit Grafen Labia, in zweiter mit dem k. k. Oberstlieutenant von Gröller; und Gräfin Maria (geb. 1. April 1790), vermält seit 10. Mai 1812 mit Joseph Grafen Seldern, vermuthlich die Künstlerin, von der in der Ausstellung der Akademie der bildenden Künste zu Wien des Jahres 1840 unter Nr. 520 eine ganz trefflich gemalte Oellandschaft zu sehen war. – Der zweite Sohn des Grafen Andreas (I.), Graf Karl Joseph [siehe den folgenden Artikel] (gest. 24. Juli 1800), war seit 7. Jänner 1781 mit Maria Theresia Gräfin von Kolowrat-Krakowsky (geb. 28. October 1756, gest. 20. December 1844) vermält, welche ihm zwei Söhne gebar: den Grafen Andreas Friedrich (geb. 1789, gest. 24. Jänner 1839), Rittmeister, vermält am 10. September 1810 mit Karoline Gräfin von Fünfkirchen, welche Ehe kinderlos blieb, und den Grafen Wilhelm (gest. 1819), Major in der Armee, vermält mit Barbara Gräfin Festetics de Tolna (gest. 18. October 1857), aus welcher Ehe eine einzige Tochter stammt, Gräfin Julie (geb. 13. April 1818), Sternkreuz-Ordensdame und vermält seit 16. Februar 1846 mit Franz Freiherrn Roden von Hirzenau, pensionirter General-Major. – Des Grafen Andreas (I.) dritter Sohn, Graf Andreas (II.) (geb. 12. Mai 1764, gest. 18. Juni 1840), General der Cavallerie, war mit Maria Reichsfreiin Raßler von Gammerschwang (geb. 11. October 1783, gest. 7. October 1854) vermält. Dieser Zweig blüht noch in einem Sohne, dem Grafen Gustav (geb. 23. Juni 1801), Herrn der Herrschaft Szémlak im Arader Comitate, fort; Graf Gustav ist seit 14. October 1851 vermält mit Katharina Hertelendi von Hertelend. In den Geschwistern des Grafen Gustav weichen Kneschke und Nagy [siehe unten die Quellen] wesentlich von einander ab. [170] Kneschke nennt nur eine Schwester, die Gräfin Maria (geb. 21. Februar 1812), Ehren-Stiftsdame zu Brünn; Nagy erwähnt eine Gräfin Maria gar nicht, hingegen aber zwei andere Gräfinen als Gustav’s Schwestern, u. z. Gräfin Leopoldine (geb. 1805) und Gräfin Karoline (geb. 1806), vermält mit einem Grafen Victor Amade. Schließlich muß hier noch eines besonderen Umstandes gedacht werden. Graf de la Garde in seiner „Histoire du Congrès de Vienne“ erzählt eine anmuthige Geschichte von einem Grafen Theodor Hadik und einer Gräfin Constanze Amade, welche erst in jüngster Zeit wieder ohne Quellenangabe und unter dem Titel „Zarte Liebe“ die Runde in den deutschen Blättern gemacht (z. B. „Pesth-Ofner Zeitung“ 1857, Nr. 91; „Erinnerungen“, Aprilheft 1857, und „Gratzer Zeitung[WS 1]“ 1857, Nr. 91). Dieser Graf Theodor wäre mit Gräfin Constanze verlobt gewesen, sei aber, ehe die Ehe vollzogen worden, dem Rufe seines Kaisers gefolgt und in’s Feld gezogen. Mittlerweile wurde Constanze von den Blattern befallen, welche ihre Schönheit ganz entstellten. Ihre Sorge, die Liebe ihres Verlobten einzubüßen, vereitelte nun der eigenthümliche Zufall des Krieges, welcher den Grafen Theodor – der überdieß Maria Theresien-Ordensritter geworden sein soll – durch einen Streifschuß im Gesichte des Augenlichts beraubte, so daß er seine von den Pockennarben entstellte Braut nicht mehr sehen konnte. Was an dieser Geschichte des Grafen de la Garde wahr ist, ist schwer zu bestimmen; in der Familie der Hadik’s gibt es einen Theodor überhaupt nicht und keinen Theodor, der Maria Theresien-Ordensritter war; auch weiset die genealogische Tafel keine Gräfin Constanze Amade auf, die in die Familie der Hadik’s geheirathet hätte, wohl aber umgekehrt obigen Grafen Victor Amade, der sich mit der Gräfin Karoline Hadik vermälte; diese aber, 1806 geboren, war zur Zeit des Wiener Congresses 11 Jahre alt, in welchem Alter sie wohl nicht Braut gewesen sein mag. Dieses Umstandes aber geschieht hier aus dem Grunde Erwähnung, weil de la Garde die Geschichte als Thatsache erzählt und ausdrücklich die Namen, wie sie oben angeführt wurden, nennt. [Vergleiche über die Genealogie des Grafenhauses Hadik: Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és leszármazási táblákkal (Pesth 1859, M. Ráth, 8°.) Bd. V, S. 6–14. – (Kneschke, Ernst Heinrich Dr.) Deutsche Grafen-Häuser der Gegenwart (Leipzig 1854, J. O. Weigel, 8°.) Bd. III, S. 159. – Historisch-heraldisches Handbuch (Gotha 1856, Just. Perthes, 32°.) S. 316.] – Wappen. Quadrirter Schild mit Herzschild. Im schwarzen Herzschilde ein goldener, auf goldener Krone stehender, rechtsgekehrter, im Vorschreiten begriffener Löwe mit Doppelschweif, die rechte Vorderpranke schwingt ein blankes Schwert, die linke, abwärts geneigt, einen Türkenkopf. Im Hauptschilde 1: in Roth zwei nebeneinander gestellte grüne Weinreben, jede mit einer theils rechts, theils links herabhängenden blauen Traube und grünem Blatte; 2: in Blau ein silberner Zinnenthurm mit 2 Fenstern, schwarzem Thore und schwarzen Mauerstrichen; 3: in Blau ein rechtsgekehrter geharnischter Arm, welcher in der Hand einen goldenen Lorbeerzweig[WS 2] hält; in 4: in Gold ein schwarzer gekrönter Doppeladler. Auf der Grafenkrone stehen vier gekrönte, je zwei und zwei einwärtsgekehrte Helme; der rechte trägt den Arm des 3., der folgende den Adler des 4., der daranstoßende die Reben des 1. und der linke den Thurm des 2. Feldes.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Zeiung.
  2. Vorlage: Lobeerzweig.