BLKÖ:Horányi, Franz Joseph Alexius von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 264. (Quelle)
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Horányi, Franz Joseph Alexius von (Geschichtsforscher und Literator, geb. zu Ofen 15. Februar 1736, gest. 11. September 1809). Entstammt einer alten und reichen Adelsfamilie Ungarns. Sein Vater war Vicegespan, und wurde ihm der Titel eines königlichen Rathes verliehen; seine Mutter Elisabeth war eine geborne Zsibolai von Ipolykér. Der Sohn erhielt eine sorgfältige Erziehung, er kam 1747, 11 Jahre alt, nach Prag, wo er längere Zeit verweilte, aber dann auf Wunsch seines Vaters nach Ofen zurückkehrte. In Preßburg, Ofen und Raab setzte er seine Studien fort und trieb mit besonderem Eifer und Erfolg die classischen Sprachen. Aus seiner Liebe zu den Wissenschaften entsprang auch die Wahl des geistlichen Standes zum Lebensberufe und am 16. November 1752 trat er in den Orden der frommen Schulen und erhielt den Namen: Alexius a Sancto Joanne Nepomuceno. Nach überstandenen Probejahren begab er sich zur ferneren wissenschaftlichen Ausbildung nach Rom, wo er seine Lieblingsstudien, [265] griechische und lateinische Sprache, Alterthumskunde, Geschichte, Philosophie, Mathematik und Theologie, mit solchem Eifer trieb, daß er sich noch während seiner Studien durch seine hervorragende Bildung die Freundschaft und das Wohlwollen von Männern, wie Albani, Passionei, beide Cardinale, der Gelehrten Ed. Corsini, Franz Ant. Maroni, Ubald Giraldi, Liberatus Fassoni u. A. erwarb. Durch eine gelehrte öffentliche Vertheidigung mehrerer naturwissenschaftlicher Thesen und seine Uebersetzung in’s Lateinische des in italienischer Sprache geschriebenen Werkes von Beccaria über Franklin’s „Elektricitäts-Theorie“, welche in Neapel gedruckt erschien, wurde H. noch bekannter, und Nikolaus Severini, Vorsteher der frommen Schulen in Neapel, trug ihm die Professur der Naturlehre daselbst an, welchen Antrag jedoch H. aus Liebe zu seinem Vaterlande, in das er zurückzukehren vorhatte, ablehnte. Nachdem er in Rom noch die h. Weihen erhielt, besuchte er vor seiner Rückkehr in die Heimat Neapel und Palermo und die wichtigsten Städte des italienischen Festlandes, als Florenz, Pisa, Genua, Turin, Mailand, ferner die Schweiz, das Elsaß, die österreichischen Niederlande, England, dann einen ansehnlichen Theil von Deutschland, und kam über Böhmen 1758 in seinem Vaterlande an. Dort beschäftigte er sich nun mit dem Unterrichte, zuerst in Waitzen 1759, 1760, dann in Neutra 1761, Kecskemét 1762, 1765, Altenburg 1766 und Szegedin 1767. Zuletzt wurde er Professor der Philosophie auf dem damals zu Waitzen errichteten Theresianum, auf welchem Posten er sich einen ausgezeichneten Ruf erwarb. Bis 1769 war er im Lehramte thätig, gab aber im genannten Jahre dasselbe auf und unternahm eine zweite Reise nach Italien, wo er zu Venedig das Werk Dalham’s über die Kunst recht zu denken, zu verstehen und zu sprechen, von wissenschaftlichen Bemerkungen begleitet in lateinischer Sprache herausgab. Im Jahre 1771 kehrte er zurück und beschäftigte sich bis 1778 ausschließlich mit Wissenschaften, bis er im genannten Jahre zum Professor der Geschichte am Lyceum in Pesth ernannt wurde und diese Stelle so lange versah, bis die Universität von Waitzen nach Pesth übertragen wurde. Den Antrag, eine Lehrkanzel an derselben zu übernehmen, lehnte H. ab, entschlossen, von nun an nur seinem Orden zu leben. Bis an seinen Tod blieb H. wissenschaftlich thätig. H. hat nur ein paar Werke in ungarischer, die meisten in lateinischer Sprache geschrieben. Seine Schriften sind: „Ex Physica selectas propositiones publice disputandas exhibet facta omnbibus argumentandi potestate. Accedit tractatio de artificiali Electricismo ex Benjamini Franklini theoria etc. etc.“ (Romae 1756, 4°.); – „Fundamenta stili grammatica ex Heineccio“ (Tyrnav. 1761, 8°.); – „Oratio pro arte poetica“ (Budae 1762); – „Propositiones logicae et metaphysicae cum dissertatione de Leibnitiano rationis sufficientis principio“ (Budae 1767, 4°.); – „Libertati Fassoni de Conciliis .... dissertatio“ (Ofen 1767); – „Prodromus historiae literariae in Hungaria“ (Venetiis 1770, 8°.); – „Floriani Dalham de ratione recte cogitandi, loquendi et intelligendi libri tres. Tomus I et II“ (Velencz 1770); – „Magyarország hatalmas és dicsöséges királyaniak és elsö vitézkedö-kapitányainak emlékeztetö Koporsó épülete“; d. i. Denkmäler der Erinnerung [266] an die mächtigen und berühmten Könige Ungarns und die ersten heldenmüthigen Feldherren (Ofen 1773), auch lateinisch unter dem Titel: „Mausoleum Regum Hungariae“; – „Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum. Pars I–III“ (Viennae et Posonii 1775–1777, 8°.), sein Hauptwerk, das noch heute für den Freund der ungarischen Literatur und Forscher im Gebiete derselben eine werthvolle Quelle bildet. Es enthält Nachweise über 1155 ungarische Gelehrte aller Zeiten mit Angabe ihrer Werke; an dieses als Supplement schließt sich an: „Nova memoria Hungarorum etc. wie oben, Pars Ima, A–C“ (Pestini 1792) , dessen Beendigung aber wegen zu geringen Absatzes unterblieb; – „Oratio in exequiis Sigismundi Orosz scholarum piarum in Hungaria etc. praepositi provincialis habita“ (Vaciae 1782, Ausgabe in 8°. und 4°.); – „De sacra corona Hungariae et de regibus eadem redimitis Comentarius“ (Pesth 1790, 8°.); dieses vornehmlich durch Buchhändlerspeculation entstandene Werk fiel gerade in eine für dergleichen sehr empfängliche Zeit; Horányi wurde förmlich mit Geschenken und Huldigungen überschüttet und in diesem Enthusiasmus gab H. seine „Vision“ und seinen „Eleutherius“, zwei Schriften, ganz von dem Geiste jener Periode durchweht, heraus; – „Scriptores piarum scholarum. Tom. 1 et 2“ (Ofen 1809), H.’s letztes Werk, dessen letzter Bogen eben gedruckt wurde, als er starb. Das von Windisch herausgegebene ungarische Magazin enthält aber von H. die „Beschreibung des ehemaligen Temescher-Banates“ (Bd. II, S. 399–411). Außerdem übersetzte H. 1779 Holle’s Mythologie“ aus dem Lateinischen in’s Ungarische; gab mehrere ältere Geschichtswerke mit Verbesserungen und erläuternden Anmerkungen und einige andere Autoren heraus, u. z.: „Joannis Com. Bethlen Historia rerum Transilvanicarum ab anno 1661 ad a. 1673. Partes 2“ (Viennae 1782 et 1783, 8°.); – „N. Simonis de Keza Chronicon hungaricum“ (Viennae 1782); – „Stephani Palya orationes“ (Pesth 1791) ; – „Alexandri Politi etc. orationes omnes“ (Pressb. 1774); die Reden der zwei Letztgenannten, welche beide dem Orden der frommen Schulen angehören, wie jene des Anton Bajtay und Franz Gradiczky, gab H. vornehmlich zu dem Zwecke heraus, um der ungarischen Jugend die lateinische Beredsamkeit zu empfehlen. Horányi zählt zu den verdienstvollsten und gediegensten Gelehrten der ungarischen Nation. Die Mehrzahl seiner Werke bewährt noch heute ihre Brauchbarkeit. Er starb, 73 Jahre alt, und wurde in einer Gruft der Stadtkirche in Ofen beigesetzt. Helmeczy [Bd. VIII, S. 293] schrieb zu H.’s Todtenfeier ein elegisches Gedicht.

Tanodai lapok, d. i. Schulblätter (Pesth, 4°.) Jahrg. 1856, Nr. 21 und 27, S. 231. – „Horányi Elek, Sárváry Bélától“, d. i. Alex. Horányi, von Bela Sárváry. – Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes (Wien, Doll, 8°.) Jahrgang 1810, Bd. I, S. 522. – Allgemeine Literatur-Zeitung 1810, Nr. 74. S. 592; Nr. 292. S. 425. – Literarisches Museum, Bd. I, S. 587. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Sect. 10. Theil, S. 449. – Wallaszky (Paulus), Conspectus reipublicae litterariae in Hungaria (Posonii et Lipsiae 1785, Ant. Loewe, 8°.) P. 23.Oesterreichische National-Encyklopädie herausg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 641. – Biographie nouvelle des Contemporains (Paris 1821 et s., à la libraireie historique). Tome IX, p. 234. – Nouvelle Biographie générale … publiée par MM. Firmin Didot frères, [267] sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 8°.) Tome XXV, p. 166. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és leszármazási táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1859, Moriz Ráth, 8°.) Bd. VI, S. 138. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XV, S. 1214 [nach diesem geboren zu Baden 1739; der falsche Geburtsort Baden ist wahrscheinlich aus einer irrigen Lesung oder Uebersetzung des lateinischen Buda (Ofen) entstanden]. – Danielik (József), Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zweiter, den ersten ergänzender Band (Pesth 1858, Jos. Gyurian, 8°.) S. 118. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasien- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785,8°.) S. 100. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 639. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bds. 1. Stück. S. 203 [nach diesem geb. 16. Februar 1736]. – Porträt. Unterschrift: Alexius Horányi Hungarus Budensis de C. C. R. R. Scholarum Piarum (Stock Transil. pinx. Mansfeld sculp., 8°.), Dasselbe befindet sich vor seinem Werke: „Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum“.