BLKÖ:Horarik, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Horčička, Franz
Band: 9 (1863), ab Seite: 267. (Quelle)
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Horarik, Johann[BN 1] (ungarischer Revolutionsmann). Zeitgenoß. Der in Berlin von Gubitz herausgegebene „Gesellschafter“ [siehe unten die Quellen] berichtet schon im Jahre 1841 von einem Johann Horarik, Priester der Neusohler Diöcese, welcher im genannten Jahre ein bischöfliches Circularschreiben zum Anlaß nahm, die Erklärung abzugeben, daß es unter der ungarischen Geistlichkeit auch eine Partei gebe, die im Gegensatze zur römischen oder papistischen, aus bürgerlichen und nationalen Priestern bestehe. Bruchstücke seiner Rede über die Einsegnung gemischter Ehen, mit welcher er obige Ansicht begründet und in freisinnigster Weise kirchliche Gebräuche angreift, werden von der genannten Zeitung angeführt. Horarik wurde in Folge dessen vom Bischofe seiner Diöcese aufgefordert, zu erklären, ob diese Reden, die ihm zugeschrieben werden, auch wirklich von ihm herrühren. Horarik bekannte sich zu ihrem vollen Inhalte in einem neuen nicht minder energischen Vortrage, welchen er mit den merkwürdigen Worten schließt: „Als ob ein Katholik sein, so viel heiße, als mit menschlichen Satzungen mehr als mit Christus selbst übereinstimmen, da jene nichts als Traditionen und historische Rechte darstellen, während dieser doch das Vorbild der Liebe, der Religion und Vernunft ist“. Dieses Auftreten Horarik’s machte in jenen Tagen Aufsehen. Seit jener Zeit ist der Name Horarik verschollen; es hat aber allen Anschein, daß der ungarische Revolutionsmann Horarik, dessen Levitschnigg in seinem Werke „Kossuth und seine Bannerschaft“ gedenkt, eine und dieselbe Person mit dem Obigen sei. Levitschnigg reiht ihn unter die Schildknappen Kossuth’s ein und charakterisirt ihn: „Horarik, ein desertirter Priester, war zuerst Zerffi’s Mitarbeiter am „Ungar“ und schloß sich, als dieser ministeriell zu werden begann, an den „14. April“ (auch ein Revolutionsblatt) an. Ein Abbé Sieyes, an Leib und Geist in tiefster Negligée, sagt dieß und ihr habt über Horarik Alles gesagt. Uebrigens war der Mann mit sich im Klaren und wußte genau, was er wollte: Ein juste milieu zwischen hochrother Republik und verbotenem Communismus. Seine Parole hieß nicht, Eigenthum ist Diebstahl, sie lautete auch nicht: „A la lanterne l’aristocratie“, seine Phrase [268] meinte, er werde keinen Communisten aufknüpfen und keinen Aristokraten abschneiden“. So Levitschnigg.

Gesellschafter (Berliner Unterhaltungsblatt). Redigirt und herausgegeben von Gubitz, 1841, ein Beiblatt: Bemerker Nr. 9: „Johann Horarik, ein Reformator“. – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, Heckenast), Bd. II, S. 295.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Horarik, Johann [s. d. Bd. IX, S. 267], geboren im Jahre 1808, gestorben zu Neusohl 20. Mai 1864. Horarik wurde im Jahre 1841 in Folge seines Auftretens in der Frage der gemischten Ehen von seinem Amte suspendirt [vergleiche die Lebensskizze im IX. Bande], trat dann 1845 aus dem Schooße der römisch-katholischen Kirche und schrieb in deutscher Sprache ein Buch, worin er die Beweggründe dieses Schrittes auseinandersetzt. Im Jahre 1847 wurde er in Halle Mitglied der sogenannten „freien Gemeinde“, wurde jedoch wegen der von ihm gehaltenen Reden sowohl aus Preußen als auch aus Sachsen ausgewiesen. Er kehrte nun nach Ungarn zurück, und lebte kümmerlich von Stundengeben und literarischen Arbeiten. Als er zu Anfang des J. 1864 erkrankte, begab er sich nach Neusohl, wo noch eine Schwester, nach Anderen ein Bruder H.’s lebte, in deren Hause ihn auch der Tod ereilte. H. starb im Alter von 56 Jahren. H. hat Grimm’s „Altdeutsche Mythologie“ in’s Ungarische übersetzt und mehrere Abschnitte der ungarischen Geschichte in volksthümlicher Weise bearbeitet. In seinem Nachlasse befand sich ein Werk, worin er seine philosophischen Ansichten – ganz im Geiste von Holbach’s Système de la nature und der neueren französischen und deutschen Materialisten – niederlegte. Sein im Jahre 1859 verfaßtes Testament, worin er sich zu obigen Ansichten bekennt, wünschte er, sonderbar genug, durch August Greguß [Bd. V, S. 325], dessen philosophische Ansichten jenen Horarik’s diametral entgegengesetzt sind, im Archiv der ungarischen Akademie deponirt. Ferner ordnete er an, daß sein Leichnam den Studirenden der Pesther medicinischen Facultät zum Seciren überlassen und ohne alle kirchlichen Ceremonien begraben werde.
    Az ország tükre, d. i. Der Reichsspiegel (Pesth, gr. 4°.) 1864, Nr. 30, S. 350, mit Horarik’s Bildniß. – Pester Lloyd (polit. Journal) 1864, Nr. 118. – Ungarische Nachrichten (Pesther polit. Journal) 1864, Nr. 118. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1864, Nr. 145. [Bd. 14, S. 485.]