BLKÖ:Stadion-Warthausen, Rudolph Philipp Joseph Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stadion, Walter von
Band: 37 (1878), ab Seite: 33. (Quelle)
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19. Rudolph Philipp Joseph Graf Stadion-Warthausen (geb. 23. Febr. 1808). Von der friedericanischen Linie (Warthausen), der jüngste Sohn des Staatsministers Johann Philipp Karl [S. 37] und Maria Anna’s Gräfin Stadion-Thannhausen. Graf Rudolph ist der jüngere Bruder des Grafen Franz S., nachmaligen Ministers des Innern, dessen Biographie Seite 1 mitgetheilt wurde. Auch Graf Rudolph schlug die Laufbahn im Staatsdienste ein und trat insbesondere in den Vordergrund, als die Unhaltbarkeit der galizischen Zustände im Jahre 1847 die Regierung nöthigte, außerordentliche Mittel zu wählen, um dem durch Revolutionen und ewige Verschwörungen des Adels ganz heruntergekommenen Lande Galizien einigermaßen aufzuhelfen. So wurde denn zu Anbeginn des Jahres 1847 Graf Rudolph Stadion als kaiserlicher Commissär nach Galizien geschickt, um der gesetzlosen Willkür (des Adels gegen die geknechteten Bauern) Schranken zu setzen und die Ordnung wieder herzustellen. Die Aufgabe war eine schwierige, aber die Wahl des Grafen schon auch darum eine glückliche, da derselbe selbst in Galizien begütert war und also seine Maßregeln, wenn sie drückend werden sollten, ihn zunächst mittreffen mußten. Graf Rudolph wollte den Grundstein zu einer dauernden Ordnung, zu einer besseren und gesicherten Zukunft legen und dieser Zweck sollte vor Allem erreicht werden durch eine entschiedene Robot-Ablösung. Allein dagegen lehnten sich die „patriotischen Polen“ in Massen auf. Nun wurde Lärm geschlagen und der Graf ward das Opfer schmählicher Angriffe. Eine Caricatur machte ihn lächerlich, „wie er dem Adel die Hosen ausziehen wolle, um sie unter die Bauern zu vertheilen“. Der arme galizische Bauer hatte damals wirklich nichts mehr, um seine Blöße zu bedecken, so hatte ihn der galizische Adel ausgesogen, und wenn der letztere ein paar alte Hosen hergab, blieb ihm noch immer kostbares Pelzwerk genug, womit er sich übermüthig behing. Die Zustände, wie sie Emil Franzos in seinem geistvollen Buche: „Aus Halbasien“ schildert, seine Zeichnung des polnischen Adels, die er mit dem Crayon eines Hogarth hinwirft, beweisen es, wie richtig Graf Rudolph dachte, als er jene Maßregel, als von der Regierung ausgehend, in Vorschlag brachte; dieselbe Maßregel, welche ein Jahr später der Adel selbst, um sich unter den Bauern populär zu machen und sie für seine späteren Erhebungsgelüste zu präpariren, mit Emphase proclamirte. Aber der Graf Rudolph blieb doch das Opfer seines guten Willens. Das Geschrei des galizischen Adels weckte das Geschrei in den übrigen Provinzen Oesterreichs, wo man auch die Zeit noch nicht begriff, bis man sie aus der blutigen Schrift des Jahres 1848 begreifen lernen mußte. Graf Rudolph war mißliebig geworden und mußte, als kaiserlicher Commissär alsbald zurückberufen, den Schauplatz seiner kurzen Thätigkeit verlassen, auf welchem ihm nun sein Bruder, der Graf Franz, folgte, dem gegenüber der polnische Jesuitismus seine Maske bald fallen ließ und nun das umgekehrte Spiel spielte, indem er das, was Graf Rudolph, als von der Regierung ausgehend, in Vorschlag gebracht, als ein Geschenk seiner Hand anbot, natürlich als Köder, an welchem der galizische Bauer anbeißen sollte, um später daran zu zappeln, was aber die Energie des Grafen Franz, der so seinen ungerecht behandelten Bruder Rudolph rächte, glänzend vereitelte. Graf Rudolph zog sich nach seiner verunglückten Mission aus dem öffentlichen Leben zurück. Graf Rudolph ist (seit 3. Juli 1850) mit Gisela, gebornen Gräfin Hadik-Futak (geb. 22. Jänner 1825), vermält. Der Graf, der in Gemäßheit der Familien-Convention vom 1. Jänner 1846 seinen Bruder Franz succedirte, ist Herr der Herrschaften Kauth, Chodenschloß, Neumark, Zahorzan und Riesenberg in Böhmen, der Fideicommis-Herrschaft Bohorodczan sammt Grabowiec und Przerosl in Galizien. Aus seiner Ehe sind vorhanden ein Sohn Philipp (geb. 29. November 1854), und zwei Töchter, Rudolphine (geb. 23. Juli 1851) und Gisela (geb. 25. Juli 1860), letztere Zwei Mitbesitzerinen der Herrschaft Lysiec in Galizien. Graf Rudolph ist der gegenwärtige Chef der friedericanischen Linie (Warthausen). –