BLKÖ:Habsburg, Franz I. Stephan

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Habsburg, Franz I.
Band: 6 (1860), ab Seite: 205. (Quelle)
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94. Franz I. Stephan,[WS 1] deutscher Kaiser, Herzog von Lothringen, Großherzog von Toscana (geb. zu Nancy 8. December 1708, gest. zu Innsbruck 18. August 1765). Sohn Leopold Joseph’s, Herzogs von Lothringen, und Elisabeth Charlotten’s von Orleans; Enkel des Helden Karl Leopold von Lothringen. Gemalin: Maria Theresia, die große Tochter des Kaisers Karl VI., ihm vermält am 12. Februar 1736, während zu gleicher Zeit sein Bruder Karl von Lothringen Maria Theresia’s jüngere Schwester, Maria Anna, zur Gemalin nahm. Kinder: Die Söhne: Ferdinand, General-Gouverneur der Lombardie, vermält mit Maria Beatrix von Este, Karl (gest. 1761), Joseph II., deutscher Kaiser, Leopold II., deutscher Kaiser; und Maximilian, Churfürst von Cöln (gest. 1801)[WS 2]. Die Töchter:[BN 1] Maria Karolina (gest. 1741); Josepha, verlobt mit Ferdinand, König beider Sicilien (gest. 1767); Johanna Gabriela (gest. 1762); Maria Elisabeth, Aebtissin zu Innsbruck (gest. 1808); Christine, Regentin der Niederlande, Gemalin Albert’s, Herzogs von Sachsen-Teschen (gest. 1798); Elisabeth (gest. 1740); Maria Amalia, Gemalin Ferdinand’s, Herzogs von Parma (gest. 1804); Karolina, Gemalin Ferdinand’s, Königs beider Sicilien (gest. 1814)[WS 3], und Maria Antoinette, Gemalin Ludwig’s XVI., Königs von Frankreich (gest. 1793). Wahlspruch: „Pro deo et imperio“. Hervorragende Lebensmomente: Franz kam 1723 – 15 Jahre alt – nach Wien, wo ihn Kaiser Karl VI. mit dem schlesischen Herzogthume Teschen belehnte, seine wissenschaftliche und militärische Ausbildung vollenden ließ, ihm einen hohen Rang in der Armee verlieh und ihn zum Gemal seiner ältesten Tochter Maria Theresia bestimmte. Als sein Vater Leopold 1729 starb, nahm Franz in Wien und Paris die Lehen und brachte die Jahre 1731–1732 auf Reisen durch Europa zu. Die streitige polnische Königswahl 1733 brachte Lothringen für immer an Frankreich. Herzog Franz sollte dafür das Großherzogthum Toscana erhalten, dessen letzter Fürst, Gaston von Medicis, sich seinem Ende näherte und auch am 9. Juli 1737 wirklich starb. Das Jahr früher vermälte sich Franz mit Maria Theresia und führte im Feldzuge Juni 1737 bis October 1738 den Oberbefehl in Ungarn. 1740 starb Kaiser Karl, und wie 40 Jahre früher im spanischen, so endigte nunmehr im deutschen Zweige der Mannsstamm der Habsburger. Kaum war Karl VI. gestorben, so eröffnete der neue König von Preußen durch seinen Einfall in Schlesien (December 1740) [206] den Krieg. Dieser Kampf gestaltete sich durch die im Bunde mit Frankreich und Spanien auf einen großen Theil des Nachlasses Ferdinand’s I. erhobenen Ansprüche Karl Albrecht’s von Bayern – dessen Land noch vor 20 Jahren eine Provinz Oesterreichs, er selbst aber mit seinen Geschwistern in Gratz und Klagenfurt Staatsgefangener gewesen war – zu einem furchtbaren europäischen Kriege. Franz war indessen mit Theresia von der Erbhuldigung aus Florenz nach Wien zurückgekommen. In dieser Bedrängniß floh Maria Theresia nach Ungarn, welches nach 300jährigem Bürgerkriege sich eines 30jährigen Friedens erfreute und mit Begeisterung die junge Königin aufnahm, ausrufend: Moriamur pro Rege nostro Maria Theresia, vitam et sanguinem damus! Die ungarischen Schaaren vertrieben alsbald die Franzosen und Bayern aus Oesterreich, ja aus Bayern selbst, wo sie unter Khevenhüller bis nach München und Amberg gedrungen waren und die übermüthigen Franzosen größtentheils zu Gefangenen machten. Theresia hatte ihrem zärtlich geliebten Gatten den Titel eines Mitregenten gegeben, der Versuch, ihm die deutsche Kaiserkrone zu verschaffen, scheiterte das erste Mal (1741). Karl VII. von Bayern wurde gewählt, der jedoch nach einem sehr unglücklichen Kriege, mehrmals aus seinen Staaten vertrieben, am 20. Juni 1745 starb. Sein Sohn Maximilian Joseph schloß darauf im April 1745 zu Füssen einen Separatfrieden, in welchem er seine Lande zurückerhielt, aber allen Ansprüchen wegen der pragmatischen Sanction entsagte, während drei Jahre später, 1748, der Aachener Friede die Integrität des österreichischen Staatskörpers bestätigte. Am 13. September 1748 wählten die drei geistlichen Churfürsten, dann Bayern, Sachsen und Hannover in Frankfurt a. M. Franz zum Kaiser, am 4. October ward er in Frankfurt gekrönt. Der Antheil, den der deutsche Kaiser am 7jährigen Kriege (1756–1763) nahm, war bei den bestehenden Verhältnissen geringe. Der Hubertsburger Friede kam zu Stande (19. Jänner bis 15. Februar 1763), und im folgenden Jahre (1764) wurde die 1750 fehlgeschlagene Wahl Joseph’s II. zum römischen Könige durchgesetzt. 1765 begab sich Franz nach Innsbruck, dort dem feierlichen Beilager seines zweiten Sohnes Leopold mit der spanischen Infantin Ludovica beizuwohnen, am 18. August 1765, aus dem Theater heimgekehrt, verschied er plötzlich, vom Schlage gerührt, in den Armen seines Sohnes Joseph. An der Stätte, wo er seinen letzten Seufzer verhaucht, erhob ihm Maria Theresia, deren Trauer die innigste und rührendste war, einen Altar, eine Todtencapelle und unmittelbar mit der Burg vereinigt ein adeliges Damenstift. Sie hüllte die geliebte Leiche in das von ihr eigenhändig bereitete Leichentuch und führte sie zu Schiffe nach Wien in die Kaisergruft. Aus Hormayr’s Schilderung des Kaisers Franz heben wir heraus: „Der Kaiser war eine schöne, herrliche Gestalt, teutsche Mannskraft, französische Anmuth und unzerstörbare Heiterkeit vereinigend. Den Wienern war Franz theuer durch die in Feuer- und Wassernoth oftmals zu ihrer Hilfe bewiesene Unerschrockenheit. Obgleich kein Gelehrter, war Franz dennoch ein warmer Freund aller Fachgelehrten, der Wissenschaften und Künste und ein freigebiger Mäcen. Er war der verkannten Redlichkeit, dem verfolgten Talente ein rechter Anker, Loudon’s Verdienst, wie manches [207] andere nicht minder wichtige, erhielt Franz allein gegen die schwärzesten Intriguen aufrecht, viel Vortreffliches hätte Kaunitz ohne den Kaiser nun und nimmermehr durchgesetzt. Er war die Seele der ersten industriellen Versuche in Oesterreich und gab vielen bei dem gesunkenen Zustande der Finanzen gar nicht durchzuführenden land- und staatswirthschaftlichen und kriegerischen Unternehmungen eine unentbehrliche Stütze. Er übte die großartigsten Handlungen der Wohlthätigkeit, allerwärts blühte sein Andenken in Liebe und Segen.“ Nur Ein Zug aus seinem Leben möge hier stehen, er zeigt des Kaisers hochsinnige Ritterlichkeit. Als bei der großen Ueberschwemmung im J. 1747 in Wien die Wassergefahr so gestiegen war, daß die sonst muthigsten Schiffsleute es nicht wagen wollten, den Unglücklichen beizustehen, sprang der Kaiser selbst, der Erste, in einen Kahn und rief. „Ich hoffe, daß, da ihr mich, den Ersten, aufbrechen sehet, ihr euch entschließen werdet, mir zu folgen!“ Dieses herrliche Beispiel des Monarchen wirkte, Alles fuhr ihm nach und das Leben vieler sonst Verlorenen wurde gerettet.

I. Selbstständige Quellen. Agadi (Pasquale), Orazione nelle solenni esequie dell’ Imperatore Francesco I. (Milano 1765, 4°.). – Felmes (Martin), Panegyricus Francisci, Imperatoris augusti (Cibinii 1765, Fol.). – Fritz (Andreas), Trauer- und Lobrede auf Franz I., Römischen Kayser (Wien 1765, Fol.). – Granelli (Giovanni), Orazione all’ augusta memoria di Francesco I. imperatore eletto etc. il giorno 18. Agosto 1765 (Bologna 1765, Fol.). – Heckhel (Andreas), Trauerrede auf den schmerzlichen Hintritt Francisci I., weiland Römischen Kaisers (Wien 1765, Fol.). – Lipenyei (Janos), Princeps maximus, az az Ferencz Istvan I., Romai Császár és Corregens; beszéd (Budan 1765, Fol.). – Le Chapelain (Charles Jean Baptiste), Oraison funèbre de François I., empereur etc. (Liege 1765, 4°.). – Maister (G.), Panegyricus Francisci et Mariae Theresiae (Vindobonae 1756, Fol.). – Moser (Johann Jakob), Einleitung in die Staatshistorie Deutschlands unter Franz I. (Frankfurt 1755, 8°.). – Nélis (Corneille François de), Oratio in funere Francisci, imperatoris caesaris augusti (Lovan. 1765, 8°.). – Purmann (Joh. Georg), Panegyricus gloriosissimae memoriae divi Francisci I., Romani Imperatoris dictus (Francf. 1765, Fol.). – Roth (Carl), Oratio funebris Augusti Romanorum imperatoris ac Hungariae corregentis Francisci I., piis manibus … persoluta (Tyrnav. s. d. (1765), Fol.). – Roy (Ferencz), Trauer und Lobrede auf Franciscus I., Kayser und Mitherrscher von Ungarn etc. (Preßburg 1763, Fol.). – Sailer (Sebastian), Trauerrede auf Franciscus I., Römischen Kaiser (Augsburg 1765, Fol.). – Schunn (Andreas), Lob Franz des Ersten, weiland Römischen Kaisers (Hermannstadt 1765, Fol.). – Seyfart (Joh. Friedrich), Lebens- und Regierungsgeschichte Kaiser Franz des Ersten … (Nürnberg 1766, 8°.). – Wurz (Ignaz), Trauerrede auf Kaiser Franz I. (Wien 1765, Fol.).
II. In Sammel- und Geschichtswerken Zerstreutes. Ersch und Gruber, Allgem. Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, Brockhaus, 4°.) I. Section, Theil 48, S. 1 [Artikel von Hormayr] – Der Zuschauer. Zeitblatt für Belehrung und Aufheiterung. Redacteur: J. D. Symanski (Berlin, 4°.) 1822, Nr. 37: „Geschichtliche Anecdoten, Charakterzüge u. dgl. m., mitgetheilt von Friedrich Gleich“ [erzählt mehrere Züge aus dem Leben des Kaisers Franz I. Stephan]. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausg. von Czikann und Gräffer (Wien 1835) Bd. II, S. 172. – Neuigkeiten (Brünner polit. Blatt) 1856, Nr. 129: „Ein Von aus des Kaisers Munde macht adelig“ [Zug aus dem Leben des Kaisers]; dasselbe: „Oesterreichische Zeitung“ 1856, Nr. 230. – Das Echo (Jägerndorfer Unterhaltungsblatt) 1860, Nr. 8. „Heldenmüthiger Entschluß des Kaisers Franz“. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien gr. 8°.) I. Jahrgang (1842), S. 583: Loudon und Franz der Erste, von Moriz Bermann [wird der Eintritt Loudon’s in die österreichische Armee, deren Held er dann geworden, erzählt]. – Dieselben, II. Jahrg.(1843) S. 1080. „Denkmal Franz I.“ – Schlosser, Geschichte des 18. Jahrhunderts und des 19. bis zum Sturz des französischen Kaiserreichs (Heidelberg, Mohr, 8°.). Dritte Aufl., Bd. I, 373, 396, 401; Bd. II, 26, [208] 104, 111, 112, 125, 228. – Mailáth (Johann Graf), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg 1850, Perthes, 8°.) Bd. IV, S. 229, 613–618, 637; Bd. V, S. 6, 10, 12, 17, 24, 32, 42, 87, 99, 110. – Coxe, Geschichte des Hauses Oesterreich. Capitel XCI und CVI. – Frédéric II., Histoire de mon temps, chap. II, p. 117–128. – Flassan, Diplomatie française, tom. V et VI. – Lacretelle, tom. II, p. 333. – Voltaire, Siècle de Louis XV., cap. XVII, p. 176. – Valori, Mémoires, tom. I, p. 223–227. – D’Espagnac, Histoire de Maurice de Saxe, liv. XI. – Nach Oettinger’s Bibliographie biographique (Bruxell. 1857, Stiénon, Lex. 8°.) Sp. 555 wäre Kaiser Franz I. am 8. August 1765 gestorben. Dieses Datum muß auf den 18. August berichtiget werden.
III. Denkmal. Dieses wenig bekannte Denkmal eines tüchtigen österreichischen Künstlers, des Bildhauers Moll, befindet sich im sogenannten Kaisergarten auf der Bastei rechts auf einem kleinen Platze. Moll hatte es noch bei Lebzeiten des Kaisers Franz I. Stephan vollendet. Ungekauft blieb es in des Künstlers Besitze, bis es nach seinem Tode des Kaisers Enkel, Franz I. (II.), von der Familie gegen eine ihr bewilligte jährliche Leibrente an sich gebracht und im genannten Garten aufstellen ließ. Die Statue ist aus weichem bleifarbigen Metall, im Ganzen mit Talent gearbeitet. Der Kaiser sitzt zu Pferde in Lebensgröße und spanischer Kleidung, die Porträtähnlichkeit ist vollkommen und ist nur zu bedauern, daß das Kunstwerk, das einen geliebten, den Wienern besonders theuren Fürsten vorstellt, auf einem dem Publikum unzugänglichen Platze aufgestellt ist. Die Inschrift des Piedestals lautet: Divi Francisci I. Rom. Imp. Statuae Franciscus I. Aust. Imp. Avi Opt. Maximi Memoriam Venerans Hunc Locum Optavit, Ut In Suorum Conspectu Semper Esset. MDCCCXIX. [Boekh, Wiens Schriftsteller, S. 444.]
IV. Porträt. Stahlstich von Girsch (Darmstadt, Beyerle, kl. 4°.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. Bd. VI, S. 205, Sp. 1, in der Biographie von Franz I. Stephan (Nr. 94), letzte Zeile von unten, ist nach dem Worte Töchter: zu setzen: Maria Anna (gest. 1789). [Band 7, S. 413]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Zu dieser Person gibt es Band 46, S. 181, einen 2. Artikel.
  2. Vorlage: (gest. 1800).
  3. Vorlage: gest. 1793).