BLKÖ:Khevenhüller, Ludwig Andreas Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Khuen, Andreas
Band: 11 (1864), ab Seite: 225. (Quelle)
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Khevenhüller, Ludwig Andreas Graf (k. k. Feldmarschall und Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Linz 30. November 1683, gest. 26. Jänner 1744). Der jüngere Sohn Franz Christoph’s (II.) aus dessen zweiter Ehe mit Ernestine Barbara Gräfin Montecuccoli. Ein Jahr alt, verlor Ludwig Andreas seinen Vater. Die Mutter sorgte für des Knaben treffliche Erziehung und hatte auch nichts gegen seine Vorliebe zum Waffendienste, zu welchem ihm das glorreiche Beispiel seines mütterlichen Großvaters vor Allem begeisterte. Sehr jung, trat er in die kaiserliche Armee und zeichnete sich in dem damals eben ausgebrochenen spanischen Erbfolgekriege bei mehreren Gelegenheiten aus. Seine Bemühungen, in das Dragoner-Regiment des Prinzen Eugen zu kommen, um unter den Augen dieses Feldherrn sich auszuzeichnen, hatten guten Erfolg. Im Jahre 1707 ernannte Kaiser Joseph I. den Grafen Ludwig Andreas zum Kämmerer, bald darauf zum Obersten im Dragoner-Regimente Prinz Eugen. Im Türkenkriege 1716 führte er sein Regiment in die Schlachten von Peterwardein und Belgrad, zu den Belagerungen von Temesvár und Belgrad und zeichnete sich dabei so aus, daß Prinz Eugen ihn erwählte, die Nachricht von dem glänzend erfochtenen Siege bei Peterwardein nach Wien zu überbringen, wo er auch mit sechs blasenden Postillons seinen Einzug hielt und vom Kaiser Karl VI. reich beschenkt wurde. Nach dem 1718 geschlossenen Passarowitzer Frieden blieb er bei seinem Regimente in Ungarn, kam aber nicht selten nach Wien, um durch den Umgang mit seinem Vorbilde, dem Prinzen Eugen, seinem militärischen Wissensdrange Nahrung zu geben. In dieser Friedensperiode schrieb er das Werk: „Observationspunkte, wie ein jeder Dragoner charaktermässig seine Schuldigkeit zu verrichten habe“. 2 Theile (Wien 1736), eine vollständige Anleitung für den Cavalleriedienst, welcher drei Jahre später ähnliche Reglements für den Infanteriedienst folgten. Am 1. October 1723 zugleich zum Regiments-Inhaber ernannt, rückte er zum General-Feldwachtmeister und im October 1733 zum General-Feldmarschall-Lieutenant vor und wurde unter Einem Commandant der Stadt und Festung Esseg. Im Jahre 1734 machte er den Feldzug in Italien mit und zeichnete sich in der blutigen Schlacht bei Parma so sehr aus, daß er zum General der Cavallerie befördert, und nachdem Königseck das Obercommando niedergelegt, es ihm anvertraut[WS 1] wurde. Unter schwierigen Verhältnissen hielt er sich hinter der Secchia, wohnte der blutigen Schlacht bei Guastalla bei; deckte nach dem Rückzuge an die Grenze Tirols gegen dreifache Uebermacht die Passe dieses Gebirgslandes, vereitelte alle Versuche der Franzosen und Spanier, in das Land einzudringen, und ging, als mit Frankreich und Sardinien der Waffenstillstand geschlossen war, selbst zur Offensive über. Bis zum Abschluß des Wiener Friedens (1736) blieb Kh. in Italien, leitete die Unterhandlungen, durch welche die Lombardie und Toscana von den fremden Truppen geräumt und die österreichische Grenze vortheilhaft bestimmt wurde. Bei seiner Zurückkunft erhielt er am 22. April 1737 die Würde eines Feldmarschalls, geheimen Rathes, dann das Generalat in Syrmien. Der wieder ausgebrochene Türkenkrieg rief ihn an die Drau und Donau. Unter dem Großherzoge von Toscana und dem Grafen von Seckendorf befehligte K. die Cavallerie des Hauptarmeecorps. Mit [226] der Belagerung Widdins beauftragt, hatte er bereits seine Maßregeln getroffen, als er einreißender Krankheiten und der vorgerückten Jahreszeit wegen Befehl erhielt, alle Arbeiten einzustellen und sich an den Timok zu ziehen. In der Ausführung dieses Befehls begriffen, wurde sein nur 4000 Mann starkes Corps von der 24.000 Mann zählenden türkischen Hauptmacht angegriffen. Zwei Tage währte der Kampf, aber durch gute Aufstellung der Artillerie hielt er den Feind im Schach und schlug sich glücklich zur Hauptarmee durch, die Plünderung eines Theiles seines Lagers konnte er aber nicht verhüten. Nun erhielt er die Berufung zum Hofkriegsrathe nach Wien, mußte aber zu Ende des Feldzuges 1738 wieder zur Armee zurückkehren, um, nachdem ungeschickte Operationen Alles verdorben hatten, das Obercommando in einem Zeitpuncte zu übernehmen, in welchem nichts mehr zu gewinnen war. Welchen Respect aber der Feind vor seinem Namen hatte, dafür spricht die Thatsache, daß mit dem Tage von Kh.’s Ankunft im Lager der Großvezier alle Truppen aus den festen Plätzen Ujpalanka, Pancsowa und Racsa mit Zurücklassung großer Vorräthe nach Orsowa zog und den Kaiserlichen ruhige Winterquartiere ließ. Kh. kehrte nun wieder nach Wien zurück und wurde im Cabinete verwendet. Noch Kaiser Karl VI. hatte Kh. zum Commandanten von Wien ernannt und er bekleidete diese Stelle, als mit dem Tode des Kaisers (20. October 1740) die Lage der Monarchie eine bedenkliche Wendung nahm. Noch waren Maria Theresiens Augen von Trauer feucht über den Hingang ihres Vaters, als Graf Törring, Gesandter Bayerns in Wien, die Huldigung der Stände für seinen Herrn beanspruchte!! Sachsen, Spanien, Frankreich, Preußen traten wie Bayern mit ihren Ansprüchen hervor und griffen zu den Waffen, um mit diesen durchzusetzen, was gutwillig nicht zu erhalten war. Die Bayern marschirten auf Wien zu. Maria Theresia, von ihren Feinden spottweise nach ihrem Gatten nur „die Großherzogin“ genannt und die sich eben Mutter fühlte, schrieb in ihrer verzweifelten Lage an ihre Schwiegermutter, die Großherzogin von Toscana: „Sie wisse keinen Ort, an dem sie ihre neuerliche Entbindung ruhig abwarten könne“. Wien war von einer bayerisch-französischen Belagerung bedroht. Da trat der Stadtcommandant[WS 2] Feldmarschall Ludwig Andreas Graf Khevenhüller vor und übernahm die Organisirung der Vertheidigungsanstalten. Es ist unnöthig darzustellen, wie energisch der Graf zu Werke ging, denn die Maßregeln waren vor der Hand überflüssig, da am 24. October 1741 die Nachricht einlief, der Churfürst von Bayern sei bei Mautern über die Donau gegangen, um in Prag die Königskrone sich aufzusetzen, und das französische Corps habe sich über die Enns gezogen. Nun zog Kh. in merkwürdiger Schnelligkeit ein Kriegsheer zusammen, dessen Befehl ihm die Kaiserin übertrug, und gelobte ihr, an Bayern das Wiedervergeltungsrecht zu üben und den ersten Bericht von München zu datiren. Kh. hielt Wort. Am 23. December waren bereits die Vorstädte von Linz, wo sich der Churfürst von Bayern hatte huldigen lassen, erstürmt, und die Stadt capitulirte, nachdem die 12.000 Mann starke Besatzung sich tapfer vertheidigt hatte. Nun drang Kh. unaufgehalten in’s Bayerische hinein. Graf Törring wurde bei Schärding geschlagen (17. Janner 1742), Passau nebst den festen Schlössern Ober- und Niederhaus wurden eingenommen; [227] in zwei Colonnen drang er nun siegreich vorwärts, und während Kh. selbst bereits am 13. Februar sein Hauptquartier in Landshut aufschlug, rückte am nämlichen Tage der bekannt österreichische Parteigänger Menzel in München ein. Die Generale Bärnklau [Bd. I, S. 117] und Menzel besetzten Ried, Vilshofen, Landau, Schärding und Wasserburg. Kh. nahm Braunau und Burghausen, zog am 27. in München ein, schlug den General Törring nochmals bei Mainburg und bemächtigt sich des ganzen Landes. Kh. hatte Wort gehalten, aus München erhielt die Kaiserin Nachricht. Indessen während Bayern in wenig Wochen eine österreichische Provinz geworden und Peter Graf Goeß zum Statthalter des ganzen Landes ernannt worden war, ließ sich der Churfürst zu Frankfurt zum Kaiser krönen, verlustig seines eigenen Landes und von dem in Anspruch genommenen Königreich Böhmen abgeschnitten. Die Freude in Wien war grenzenlos, die Kaiserin schrieb sogleich eigenhändig an Kh., den sie ihren Retter nannte, schickte ihm ihr und des Erzherzogs Joseph Bildniß, dankte in einem zweiten Schreiben der tapferen Armee und schickte 150.000 Ducaten zur Vertheilung an die Mannschaft nach Verhältniß der Auszeichnung vor dem Feinde. Beide Schreiben wurden öffentlich verlesen, die Bildnisse ausgestellt und der Wiener Jubel fand in Khevenhüller’s Armee ein begeistertes Echo. Aber der Kampf war noch lange nicht zu Ende. Die französischen Hilfstruppen rückten unter dem Herzoge d’Harcourt heran. Der westliche Theil Bayerns mußte nun wohl geräumt werden, im übrigen aber traf Kh. seine Aufstellung so, daß alle anderen Eroberungen durch eine Truppenkette, welche von Tirol über München bis an die Grenze Böhmens fortlief, gesichert und Kh. mit den Unternehmungen an den einzelnen Puncten ununterbrochen in Verbindung blieb. Als der französische Marschall Maillebois in Böhmen eindringen wollte, war ihm Kh. bereits zur Seite. Maillebois kam nicht über Eger und mußte sich auch von da bald der überall undurchdringlichen Pässe wegen in die Oberpfalz zurückziehen. Indessen belagerte der Prinz Karl von Lothringen, welcher sich in Kh.’s Heer befand, Prag, gab aber auf Kh.’s Vorstellungen die Belagerung auf und zog vereint mit ihm nach Bayern, welches nun von Neuem besetzt wurde. Bei dieser zweiten Besetzung wurde nicht die bei der ersten beobachtete Schonung wiederholt. Bayerische und französische Truppen hatten in Böhmen unmenschlich gehaust, in Bayern sind an den kaiserlichen Soldaten Feindseligkeiten haarsträubender Art von den Einwohnern verübt worden. Der Tag der Wiedervergeltung war gekommen und fiel um so härter aus, als der Krieg kein anderes Gesetzbuch als das Recht des Stärkeren anerkennt. Für eine kurze Zeit war Bayern in den Besitz des Churfürsten zurückgelangt, aber schon am 9. Mai 1743 wurde General Minuzzi geschlagen und gefangen. Nach dem Gefechte bei Simbach, unweit Braunau, gab aber der Churfürst jeden weiteren Widerstand auf. Graf Kh. und mit ihm Seckendorf leiteten (27. Juni 743) den Vertrag von Niederschönfeld ein, in Folge dessen sich Karl VII. zur Neutralität verpflichtete, und sein Erbland von österreichischen Truppen, welche General Bärnklau befehligte, besetzt wurde. Kh. begleitete nun noch den Prinzen Karl von Lothringen [Bd. VI, S. 386, Nr. 139] an den [228] Rhein, spielte aber hier – leider nicht immer mit Erfolg – mehr die Rolle des Rathgebers als des leitenden Feldherrn; endlich aber, nachdem Prinz Karl den dreimal, aber stets vergeblich versuchten Uebergang über den Rhein aufgeben mußte, besorgte Kh. die Einschiffung der Truppen zum Rückzuge, ihnen noch Winterquartiere im Breisgau und in Bayern sichernd. Kh. kehrte nun nach gethaner Arbeit nach Wien zurück. Sein Empfang von Seite des Hofes wie von jener des Volkes war der Festlichste und Herzlichste. Am 5. Jänner 1744 zeichnet, ihn noch die Kaiserin durch Verleihung des goldenen Vließes aus; aber bald darauf nahm ein Leiden, das er sich im Felde zugezogen, einen so heftigen Charakter an, daß es in überraschend schneller Zeit seinem Leben ein Ende machte. Am 23. Jänner erhielt er die heiligen Sterbesacramente, empfing, ehe er aus dem Leben schied, den Besuch von Maria Theresiens Gemal, der über drei Stunden bei ihm verweilte und dem er seinen Schmerz aussprach, die Welt eher verlassen zu müssen, als er der Kaiserin alle Dienste erwiesen hatte, die sie von seiner Treue erwartete. Kh. war 61 Jahre alt, als er starb. Seine sowohl zum Drucke beförderten Werke wie seine Handschriften gelangten in Folge seiner letztwilligen Verfügung in Daun’s Besitz. Mehrere Jahre nach seinem Tode erschien das Werkchen: „Kurzer Begriff aller militärischen Operationen“ (Wien 1756, 8°.). Von wem die Veröffentlichung dieser Schrift ausging, ist nicht bekannt. Die Kaiserin aber ließ den Helden auf das Festlichste bestatten und in der Schottenkirche Wiens beisetzen, wo vor ihm schon ein anderer Befreier Wiens, Rüdiger Graf Starhemberg, den ewigen Schlaf schläft, aber auch andere um Oesterreich hochverdiente Männer berühmter Geschlechter, wie mehrere Rosenberg, Lamberg, Liechtenstein, neben der berühmten weißen Frau Bertha von Rosenberg, ihre letzte Ruhestatte fanden. Graf Ludwig Andreas war seit 28. September 1718 mit Philippine Maria Anna Gräfin Lamberg (geb. 17. März 1695, gest. zu Wien 16. November 1762) vermält und hinterließ aus dieser Ehe nur zwei Töchter: Maria Antonia Josephine (geb. 29. März 1726, gest. 17. Jänner 1746), vermält (seit 17. Februar 1743) mit Leopold Karl Grafen von Windisch-Grätz, und Maria Theresia Franziska (geb. 15. October 1728), vermält (seit 9. Febr. 1747) mit Gottlieb Grafen von Windisch-Grätz und Witwe seit 1784.

Geschichte und Thaten Ludwig Andr. Grafen von Khevenhüller’s, Feldmarschalls, commandirenden Generals in Slavonien und Syrmien (Breslau und Leipzig 1744, 8°., mit Porträt). – Commentarius brevis rerum gestarum Ludovici A. comitis a Khevenhüller Campi Mareschalli et Supremi in Slavoniae Regno et Ducatu Syrmii Gubernatoris, cum effigie ejusdem (Viennae 1744, 8°.). – Arneth (Alfred Ritter von), Maria Theresia’s erste Regierungsjahre (Wien 1863, gr. 8°.) Bd. I, S. 35, 37, 76, 234 u. 326. – Schlosser (F. C.), Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis zum Sturze des französischen Kaiserreichs (Heidelberg, J. C. B. Mohr, 8°.) Dritte Aufl. Bd. I, S. 405; Bd. II, S. 35, 85, 229. – Fiedler (Dominicus), Die weiland Khevenhüller’sche Majoratsgrafschaft Frankenburg und deren nächste Umgebung (erste Auflage Wien 1860, zweite vermehrte Auflage 1862, gr. 8°.) Zweite Auflage, Theil II, S. 201–241. [Die erste Auflage dieses Werkes enthält diese Biographie nicht. Nach Fiedler wäre Kh., wie seine Grabschrift angibt, am 26. Jänner 1744 gestorben.] – Hormayr (Joseph Freiherr), Oesterreichischer Plutarch (Wien 1809, Doll, 8°.) Bd. XVII, S. 175 [auch in der „Austria. Oesterr. Universal-Kalender“ (Wien, I. Klang, gr. 8°.) XVIII. Jahrg. (1857), S. 272]. – [229] Morgenstern (Raphael), Oesterreichs Helden des 17, und 18. Jahrhunderts (St. Pölten 1783, 8°.) S. 191 [nach diesem gest. 23. Jänner 1744]. – Oesterreichischer Militär-Konversations-Lexikon von J. Hirtenfeld (Wien 1850 u. f., gr. 8°., Bd. III, S. 523 [nach diesem gestorben 23. Jänner 1744]. – Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) Nr. 9, S. 34, im Separatabdrucke dieser vom Capitular Heinrich Hermann verfaßten Monographie über die Khevenhüller (Klagenfurt, Kleinmayr, 4°.) S. 12 u. f. [nach beiden gestorben 23. Jänner 1744]. – Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels vom Herren, und Ritter-Stande (Wien, 4°.) Bd. V, S. 86 u. 87 [daselbst heißt es auf S. 86: er starb nach kurzer Krankheit in Wien den 23. Jänner 1744, auf der folgenden Seite aber, auf welcher die Inschrift seines Grabdenkmals in der Schottenkirche zu Wien mitgetheilt wird, steht es: pie requievit in Domino die 26. Januarii 1744]. – Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen. 8°.) Bd. II, S. 209 u. f. – Tempel des Nachruhms oder Sammlung kurz verfaßter Lebensgeschichten großer ausgezeichneter Militärpersonen, Staatsminister verschiedener Mächte u. s. w. (Wien 1797, J. G. Binz, 8°.) Theil 1, S. 116 [nach diesem geb. 3. November 1633, was offenbar falsch ist, und gest. 23. Jänner 1744]. – Reilly (Jos. v.), Skizzirte Biographien der berühmtesten Feldherren Oesterreichs von Maximilian I. bis auf Franz II. (Wien 1813, 4°.) S. 363 [nach diesem gestorben 26. Jänner 1744]. – Baur (Samuel), Gallerie historischer Gemälde aus dem achtzehnten Jahrhundert. Ein Handbuch für jeden Tag des Jahres (Hof 1805, G. A. Grau, 8°.) Theil IV, S. 211. – Ritter von Rittersberg (Johann), Historischer Militär-Almanach des 16., 17., 18. und 19. Jahrhunderts (Prag 1825, G. W. Enders, 8°.) S. 30. – Pillwein (Benedict), Linz, Einst und Jetzt, von den ältesten Zeiten bis auf die neuesten Tage (Linz 1846, J. Schmid, 8°.) Theil II, S. 31 [stimmt im Todesdatum mit Dominik Fiedler und dem Monumente überein]. – Der Aufmerksame (Gratzer Unterhaltungsblatt, 4°.) 1839, Nr. 78: „Inschrift auf Khevenhüller“ [siehe weiter unten: „Khevenhüller’s Grabdenkmal bei den Schotten in Wien°.]. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg, Campe, 8°.) Bd. VIII, S. 26. – Porträte. 1) J. Meytens p., G. Bickham sc. (Fol., Gürtelbild); – 2) Blaschke sc.
Grabdenkmal. In der Schottenkirche in Wien ließ die Kaiserin Maria Theresia den Helden neben Rüdiger von Starhemberg beisetzen. Ein schönes Denkmal mit seinem Bildnisse bezeichnet die Stätte. Das Denkmal trägt folgende Inschrift. Ueber seinem Bildnisse stehen die Worte: Et Marte et Arte. Dann folgt: Ludovicus Andreas S. R. Imp. Comes a Khevenhüller, aurei velleris eques, olim Caroli VI. Aug. Rom. Imperatoris, dein Mariae Theresiae Hung. et Bohemiae Reginae a secretioribus consiliis, aulico-bellici consilii Pro-Praeses, heredit. provinc. per Carinthiam Stabuli Praefectus, Gen. Campi Mareschallus, Supremus in Slavoniae regno et ducatu Syrmiae Gubernator, ejusdemque totius militiae arbiter, unius legionis equitum quos desultorios vocant, tribunus et urbis Viennae in militaribus gubernator, ortus stirpe antiquissima plus septem ac decem Saeculis clara, editus Lincii anno superioris saeculi tertio et octagesimo, eodem scilicet, quo Turca obsidione Viennensi depulsus recens nato omen fecit, eum fore aliquando Portae Ottomanicae flagello, patriae suae praesidio, Austriacae domui robori ac firmamento. Tyrocinium miles primum sub Eugenio Sabaudiae duce et Guidobaldo Comite Stahrembergio summis aevi sui ducibus in Italia posuit. Tandem per omnes gradus honoratioris militiae ad fastigium Belliducis invicti ascendit. In Italia saepe Gallos, Turcas in Pannonia, Bavaros in Imperio aut vicit aut fugavit. Ad Vidinum cum paucis suorum millibus Turcarum plus quam viginti millia repressit, et multis una die incursionibus fractos suos intra fines retro cedere coegit. Caput praesidio Viennensi datus urbem hanc hactenus jam bene munitam fossis vallisque prope inexpugnabilem fecit, eandemque nondum viso hoste jam periculis et metu liberavit. Lincium a Gallis Bavarisque occupatum sub auspiciis serenissimi Francisci tum Lotharingiae Ducis, paucos intra dies armis denuo in deditionem redegit. Gallo-Bavaros ad Brunoviam insigni clade affecit, sereniss. princ. Caroli Belliducis lateri adjunctus ducibus hostium plerisque caesis aut bello captis, Mariam Theresiam Reginam Hungariae [230] qua die a Bohemis coronata est, prior ipse hoc laeto victoriae nuncio coronavit. Dux fortitudine, militari scientia, consilio ac scriptis a se commentariis clarus, nullo unquam praelio victus nec ab ullo unquam hoste circumventus; tandem ut vixit, pie requievit in Domino die 26. Januarii Anno 1744. Hoc elogio digno Cornelii Nepotis: Multa in re militari partim nova attulit, partum meliora fecit. – Interessant ist auch die bei Gelegenheit seines Todes verfaßte, aus acht Wörtern – durchgehends Zahlbuchstaben, welche sein Sterbejahr 1744 bilden – bestehende lateinische Inschrift, welche ein gleichzeitiger Dichter in deutschen Reimen wiederzugeben versuchte. Da dieselbe wenig bekannt sein dürfte, wollen wir ihr hier eine Stelle gönnen. Sie lautet:

          VIDI.IVI.IVVI.DVXI.DIXI.LVXI.VICI.VIXI.
VIDI – ich sah der Habsburg Stamm in seinen letzten Zügen;
IVI – ich ging, und wußte nicht, wie Gott es würde fügen;
IVVI – ich half der Königinn nach Pflicht und Treu’ mit Rath;
DVXI – ich führte die Armee zu mancher kühnen That.
DIXI – ich sagte, Gott wird doch auf dieser Seite stehen,
LVXI – ich trauerte, daß Tausend’ dabey untergehen;
VICI – ich siegte, doch nicht ich – nein, Gott hat es gethan,
VIXI – nun hab’ ich gnug gelebt, weil ich nicht sterben kann.

Zur Charakteristik Khevenhüller’s. Alle Zeugnisse seiner Zeitgenossen stimmen darin überein, daß Kh. ebenso als Feldherr wie als Mensch überhaupt im hohen Grade achtungswerth war. Die Soldaten liebten ihn wie ihren Vater und hatten blindes Vertrauen auf seine Verfügungen, hatte er sie ja doch – sein Grabstein spricht es deutlich aus: „nullo unquam proelio victus“ – immer nur zum Siege geführt. Er war, um sich eines uns noch nahe genug liegenden Vergleiches zu bedienen, der Radetzky seiner Zeit. Sein Antheil an den Reformen der kaiserlichen Armee, an der Steigerung ihrer Schlagfertigkeit, ist merkwürdiger Weise noch gar nicht gewürdigt worden und verdiente wahrhaftig einer eingehenden Darstellung, die uns in Kh. den wahren Schüler eines Eugen und Montecuccoli erkennen ließe. Die Soldaten nannten ihn auch ihren zweiten Eugen, und französische Berichte jener Zeit melden von seinen Kriegern: „Qu’ayant Khevenhiller à leur tête, il n’y avait point de danger, qu’ils l’affrontassent“. Als Feldherr überlegte er seine Pläne mit Vorbedacht und stellte die Combinationen für jedweden Ausgang, daher auch das unerschütterliche Vertrauen der Untergebenen auf seine Anordnungen. „Il était“, heißt es im Mercure hist. et polit. de l’an 1744 mois février „tellement méthodique dans l’execution des mésures, qu’il avait concertées, qu’il prevoit ordinairement par les prémiers succès les avantages qui devoient en résulter.“ Nicht geringer wie als Held bot er als Mensch ein nachahrnenswerthes Beispiel. Seine Gerechtigkeit und Uneigennützigkeit lebten in Aller Munde. So konnte er denn auch wenige Stunden vor seinem Hinscheiden ausrufen: „Zwei Sachen trösten mich in meinem Tode: daß ich keinen ungerechten Heller weder zum Nachtheile meines Nächsten jemals genommen und daß ich Keinen aus Neigung oder Mißgunst jemals belohnt oder bestrafet habe“. Maria Theresia aber, als sie die Trauerbotschaft von des Grafen Hinscheiden erhielt, rief im Schmerze aus: „Ich verliere einen getreuen Diener und einen Beschützer, den nur Gott belohnen kann!“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: anvertaut.
  2. Vorlage: Stadtcommmandant.