BLKÖ:Hermann, Heinrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 384. (Quelle)
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Hermann, Heinrich[BN 1][BN 2] (Geschichtschreiber und Domherr zu Klagenfurt, geb, daselbst am 1. November 1793). Sein Vater war ständischer Zeichnenmeister zu Klagenfurt; der Sohn besuchte das Lyceum daselbst, und begann darauf das theologische Studium, erhielt 1814 die Priesterweihe und trat in die Seelsorge. In derselben zu St. Veit beginnend, kam er alsbald als Prediger an die Stadtpfarre zu Klagenfurt, wo ihm seine homiletischen Vorträge und seine wissenschaftliche Bildung die Gunst des Fürstbischofs von Gurk, des Cardinals Grafen Salm erwarben, der ihn zum Secretär des Gurker Consistoriums ernannte. Auch erhielt er später den ledig gewordenen Posten des Consistorialkanzlers, wurde dann Domherr, Dechant zu Gmünd, Professor der Pastoraltheologie und ist gegenwärtig Vorstand der Diöcesenbuchhaltung. Seit 1820 arbeitet H. an der Geschichte seines Vaterlandes Kärnthen, für die er unermüdet nach Quellen forschte und solche emsig sammelte. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er von dortan, außer in den Jahrgängen der „Carinthia“ – bis 1854 die wissenschaftliche und unterhaltende Beilage der „Klagenfurter Zeitung“, nach der Hand aber ein von letzterer unabhängiges, vornehmlich der Geschichte, Topo- und Ethnographie Kärnthens gewidmetes Blatt, – in den acht Bändchen der von S. M. Mayer herausgegebenen „Kärnthnerischen Zeitschrift“, u. z. in den Monographien der Pfalzburgen Karnburg und Moosburg, der alten Hauptstadt Kärnthens, St. Veit, dann der jetzigen, Klagenfurt, wobei er die Stadtarchive von St. Veit, Klagenfurt und das ständische Archiv durchforschte und benützte. Von 1836 bis 1844 schrieb er den topographisch-historisch gehaltenen Text zu Wagner’s „Ansichten von Kärnthen in 100 Bildern“ (Klagenfurt bei Leon), von da bis 1860 die II. Abtheilung des „Handbuches der Geschichte Kärnthens in seiner Vereinigung mit Oesterreichs Fürstenthümern von 1335 bis 1859“. 3 starke Bände (Klagenfurt, Leon, 8°.), welches sich an die „Geschichte des Herzogthumes Kärnthen vor und unter der Römerherrschaft und des Mittelalters“, von Gottlieb Freiherrn von Ankershofen [s. d. Bd. I, S. 43], anschließt. Des Letzteren (am 6. März 1860 erfolgter) Tod ließ jedoch eine Lücke von 2 Jahrhunderten, u. z. von 1122–1335. Das „Handbuch der Geschichte Kärnthens“, Hermann’s Hauptwerk, enthält im 3. Hefte des 3. Bandes die „Culturgeschichte Kärnthens vom Jahre 1790–1859“, eine höchst schätzbare Arbeit und wahre Fundgrube literar-historischer und biographischer Mittheilungen, welcher wie auch dem Verfasser selbst der Herausgeber dieses Lexikons manche Aufschlüsse für dasselbe verdankt. Außerdem hat Hermann auch eine größere Anzahl, mitunter sehr umfassende Biographien von kärnthnerischen Gelehrten, Staatsmännern und Kirchenfürsten in verschiedenen Zeitschriften und Werken veröffentlicht, von denen hier die bedeutenderen angeführt werden; u. z. in der oberwähnten „Carinthia“: Franz Xaver Baron von Wulfen, Jesuit und Botaniker (Jahrg. 1837, Nr. 25 u. 26); – Joseph von Herbert, Jesuit und Physiker, 1725–1794 (Jahrg. 1838, Nr. 1); – Albin Baron Herbert wie auch über andere Sproßen dieses Geschlechts (Jahrg. 1838, Nr. 4 u. 15; 1852, Nr. 27; 1857, Nr. 9, u. 1858, Nr. 16); – Sigmund von Storchenau, [385] Jesuit und philosophischer Schriftsteller. 1750–1795 (Jahrgang 1838, Nr. 26 u. 27); – Johann Burger, ausgezeichneter ökonomischer Schriftsteller (Jahrg. 1842, auch in der „Wiener Zeitung“ desselb. J. und im Sonderabdrucke); – Franz Graf, nachmals Fürst Rosenberg, Staatsmann (Jhrg. 1852); – Ludwig Graf Lodron, Kriegsheld, Franz Graf Lodron, Staatsmann, Paris Graf Lodron, Erzbischof und Fürst-Regent von Salzburg (Jahrg. 1852); – Franz Christoph Graf Khevenhüller, nebst einer Monographie über dieses Adelsgeschlecht (Jahrgang 1853); – Ulrich Probst von Völkermarkt, 1220–1264 (Jahrgang 1856); – in der von Pletz redigirten „Theologischen Zeitschrift“: Urban Sachstetter, Bischof von Gurk und Administrator von Wien, 1532–1564 (Jahrg. 9, Heft 2, 4, 5); – Georg Eder, theologischer Gelehrter und eilfmal Rector der Wiener Hochschule (ebd.); – Marcus Hansiz, Jesuit und Kirchenhistoriker (ebenda, Jahrg. 1834); – in Riedler’sOesterreichischer Zeitschrift für Geschichte“ (Fortsetzung von Hormayr’s „Archiv“): Johann Freiherr von Goes, Cardinal und Fürstbischof von Gurk (Jahrg. 1836); – in seinem „Handbuch der Geschichte Kärnthens“: Johann Abt zu Viktring, 1314–1344 (Bd. I, S. 502); – Johann Unrest, Chorherr zu Gurnitz, Kärnthens Chronist, 1460–1494 (ebd. S. 504); – Theophrastus Paracelsus, Arzt, Physiker, Chemiker und kärnthnerischer Chronist, 1487–1541 (Bd. II, Heft 2, S. 292); – Hieronymus Balbus, Bischof von Gurk und lateinischer Poet (ebd. S. 293); – Hieronymus Megiser, Kärnthens Chronist, 1568–1616 (ebd. 298, auch in der „Carinthia“ 1822, Nr. 41 u. 42, u. 1824, S. 74). Außer den angeführten schrieb H. noch eine Reihe von Nekrologen, wie jene der Fürstbischöfe von Gurk: Jacob Paulitsch, gest. 1827; Georg Mayer, gest. 1840; Franz Gindl, gest. 1842; des Görzer Fürstbischofs Franz Luschin, gest. 1853; die Biographien der Künstler Gasser[WS 1], Prinzhofer u. v. A.; mehrere geschichtliche Aufsätze und Anzeigen geschichtlicher Werke für Hormayr’s (später Riedler’s) „Archiv“, für die „Theologische Quartalschrift in Linz“, das „Salzburger Kirchenblatt“ u. A., und erst in den letzteren Jahren eröffnete H. in der „Carinthia“ eine Folge von „Biographien aus Kärnthen“ (1857, Nr. 20; 1861, Nr. 13 u. 19), gearbeitet auf Grundlage des biographischen Lexikons des Herausgebers und welche weitere quellenmäßige Ausführungen der in dem Lexikon kürzer gefaßten Lebensskizzen sind.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 561 und 562. – Wiener Zeitung (amtliches Blatt) 1858, Nr. 182. – Katholische Literatur-Zeitung (Wien, 4°.) 1856, Nr. 51; 1857, Nr. 45; 1858, Nr. 29. – Gratzer Zeitung 1860, Nr. 150: im „Klagenfurter Briefe“. – Schmidl (Adolph Dr.), Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst (Wien, 4°.) 1844, Literaturblatt Nr. 15, S. 119; – Dieselben 1847, S. 750.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Hermann, Heinrich [s. d. Bd. VIII, S. 384], gestorben zu Klagenfurt 29. Jänner 1865. Im Sommer 1864 hatte H. sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum gefeiert. Mit Allerh. Entschließung vom 26. December 1864 erhielt er in Anerkennung seines vieljährigen verdienstlichen Wirkens für die Kirche und den Staat das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens, war aber nicht mehr so glücklich, die feierliche Uebergabe dieses Zeichens kaiserlicher Huld zu erleben. H. starb im Alter von 71 Jahren. Kärnthen verlor an ihm einen verdienstvollen Geschichtschreiber.
    Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 35. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1865, Nr. 33. [Bd. 14, S. 474.]
  2. E Hermann, Heinrich [Bd. VIII, S. 384; Bd. XIV, S. 474].
    (Hoffinger, J. Ritter von) Oesterreichische Ehrenhalle (Wien, A. Schweiger, gr. 8°.) III. 1865, S. 58 [auch im Oesterreichischen Volks- und Wirthschafts-Kalender für 1867). – Klagenfurter Zeitung 1865, Nr. 44 u. 45, im Feuilleton: „Heinrich Hermann“. [Bd. 28, S. 351.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Gaßner.