BLKÖ:Rosenberg-Orsini, Franz Xaver Wolf Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 14. (Quelle)
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Rosenberg-Orsini, Franz Xaver Wolf Fürst (Staatsmann, geb. zu Wien 6. April 1723, gest. ebenda 24., n. A. am 14. November 1796). Sohn des Grafen Wolf Sigmund R. aus dessen Ehe mit [15] Maria Eleonore Gräfin Hohenfeld. Als er 16 Jahre alt war, verlor er seinen Vater durch den Tod, und nun begab er sich mit seiner Mutter, die Kärnthen verließ, nach Wien und beendete daselbst seine Studien. Nach deren Beendigung ergriff er die diplomatische Laufbahn, wurde k. k. Kämmerer und dem kais. Gesandten Baron von Waßner in London zum Dienste zugetheilt. Später kam R. nach Mailand, wo er unter Ferdinand Grafen Harrach [Bd. VII, S. 377] in den Dienst der politischen Verwaltung eingeführt wurde. Waßner und Harrach waren zwei bedeutende Staatsmänner, in deren Schule ein empfänglicher Charakter wie Rosenberg viel und Tüchtiges lernen konnte. Im Jahre 1750 erhielt R. den Gesandtschaftsposten in Kopenhagen, welchen er durch sieben Jahre bis zum 5. März 1757 versah, worauf er den bisher von einem Grafen Migazzi bekleideten Gesandtschaftsposten am königlichen Hofe von Madrid übernahm. Rosenberg erhielt von der Kaiserin Maria Theresia den Auftrag, die Verbindung ihres Sohnes Leopold mit Marie Louise, der Tochter Karl III. von Spanien, zu Stande zu bringen. Mit dem Charakter eines kais. Botschafters versehen, löste er seine Aufgabe glücklich, am 14. Februar 1764 erfolgte die förmliche Werbung und am 16. zu Madrid die Vermälung durch Procuration. Darauf begleitete Rosenberg die spanische Braut nach Oesterreich und hielt mit ihr am 5. August den feierlichen Einzug in Innsbruck. Der Graf empfing am 13. August aus des Kaisers eigenen Händen das goldene Vließ; aber die großen Feste erhielten einen unvorhergesehenen Abbruch, als Kaiser Franz I. am 18., nachdem er die Oper verließ, vom Schlage getroffen, plötzlichen Todes starb.[WS 1] Rosenberg begab sich nun mit dem ganzen Hofstaate nach Wien und kehrte in einem halben Jahre an seinen Posten nach Madrid zurück, den er aber schon nach kurzer Zeit verließ, um einem Rufe des Großherzogs von Toskana an seinen Hof nach Florenz zu folgen, wo er die Stelle eines Obersthofmeisters und dirigirenden Chefs bei den großherzoglichen Staats-, Kriegs- und Finanzkanzleien und als Superintendant aller großherzoglichen Gebäude und Gärten im Mai 1766 übernahm. Auf diesem Posten entfaltete R. innerhalb seines siebenjährigen Aufenthaltes eine segensvolle Thätigkeit, und an dem gesegneten Andenken, welches die Verwaltung des Großherzogs Leopold bei seinem Abgange nach Wien zur Uebernahme der Kaiserkrone zurückließ, hatte R. nicht unwesentlichen Antheil. Im Jahre 1772 kehrte Rosenberg, dem Rufe der Kaiserin Maria Theresia folgend, nach Oesterreich zurück. Sie hatte Rosenberg ausersehen, um ihrem jüngsten Sohne, dem Erzherzog Maximilian, auf dessen Besuche an den Höfen Europa’s das Geleite zu geben. Die Reise dauerte bis in die Mitte des Jahres 1775. Von derselben heimgekehrt, besuchte der Graf seine Heimat Kärnthen, wo er mannigfache Veränderungen mit seinem Schlosse Roseck am Drauflusse vornahm und im Jahre 1777 die Herrschaft Federaun und das Waldamt Tarvis kaufte. Aber nicht lange war dem Grafen die Ruhe auf seinem ländlichen Besitze gegönnt. Im nämlichen Jahre noch berief ihn Kaiser Joseph II. als seinen Oberstkämmerer und Conferenzminister nach Wien, in welch ersterer Eigenschaft ihn sein Dienst ununterbrochen an die Person seines Monarchen fesselte. Unter den Vertrauenspersonen des Monarchen [16] stand Rosenberg, der damals bereits die Fünfziger überschritten, obenan. Interessant ist es, daß Rosenberg es ist, der eine der Lieblingsideen des Kaisers Joseph, die Aufhebung des Cölibates, in einfachster Weise vereitelte. Der Kaiser unterhielt sich eines Tages mit Rosenberg über das Cölibat und meinte durch die Aufhebung desselben den Clerus dem Volke näher zu bringen. Da erzählte Rosenberg dem Monarchen, daß er während seines Aufenthaltes in London sich überzeugt habe, die unglücklichen weiblichen Personen, die der Prostitution sich hingaben, seien meistens Predigerstöchter aus der Provinz gewesen, denn die reichen Pfründen befinden sich in England im Besitze der bevorzugten Classen und die übrigen seien so erbärmlich dotirt, daß sie nicht hinreichen, die Geistlichen und ihre Familie anständig zu ernähren. Der Kaiser, der nun einsah, daß ihm die öffentlichen Fonde fehlten, um für die Familien so Vieler anständig zu sorgen, ließ diesen Gedanken, den er eben nur im Kopfe getragen, seither fallen. Rosenberg blieb um die Person seines Monarchen bis an dessen leider zu frühes Ende, und das Schreiben des dem Tode verfallenen Kaisers, welches er am Vorabende seines Ablebens am 19. Februar 1790 an Rosenberg richtete [Gräffer theilt es in den „Josephinischen Curiosa“, Bd. I, S. 76, mit], gibt einen herrlichen Beweis, mit welch dankbaren Gefühlen Joseph an seinem bewährten Freunde und Rathgeber hing, von dem ihm der Abschied für immer so schwer wurde. Nach Joseph’s Tode bestätigte Kaiser Leopold II. seinen auch schon erprobten Rathgeber in allen Aemtern und Würden, die er inne hatte, und zog ihn auch zugleich zu den Berathungen bei, die wegen der Pacificirung Ungarns und Belgiens statthatten. Am 20. September 1790 begleitete R. den neuen Monarchen zur römischen Kaiserwahl und Krönung nach Frankfurt, wo Rosenberg – ohne daß er darum gebeten, ja es auch nur vermuthet hatte – mittelst des von Frankfurt 9. October datirten Diploms taxfrei in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Da Rosenberg – um sich dem Dienste des kaiserlichen Hauses ganz zu widmen – unvermält geblieben, hatte Kaiser Leopold in das Fürstendiplom auch die Verfügung aufnehmen lassen, daß die Fürstenwürde auf den Vetter Rosenberg’s, Vincenz Ferrerius Andreas und dessen erstgeborne männliche Descendenten zu übergehen habe. Nicht lange war es Rosenberg gegönnt, seinem neuen Monarchen zu dienen. Kaiser Leopold starb schon am 1. März 1792. Sein Nachfolger Kaiser Franz II. bestätigte Rosenberg gleichfalls in seinen Aemtern und Würden als Staats- und Conferenzminister, wie als Oberstkämmerer, welche er bis an sein fünfthalb Jahre später erfolgtes Lebensende beibehielt. Rosenberg starb, 73 Jahre alt, in der kaiserlichen Burg zu Wien, er ordnete aber an, daß sein Leichnam in der Seitencapelle der Pfarrkirche zu Roseck in Kärnthen beigesetzt werde, wo ein Grabstein mit dem fürstlichen, aus Bronze verfertigten Wappen seine Ruhestätte bezeichnet. Es herrscht nur eine Stimme würdigster Anerkennung über diesen treuen Diener von vier Monarchen. Die Charakteristik Wraxall’s in seinem Gesandtschaftsberichte dürfte wohl die bezeichnendste sein: „Rosenberg ist einer der angenehmsten Edelleute des kaiserlichen Hofes, der unter einem kühlen Aeußeren Eigenschaften verbirgt, die ebenso tüchtig als einnehmend [17] sind. Gewandt in seinen Manieren, gebildet in seinem Geiste und in höchster Gunst bei seinem Herrn, würde er, wenn er ebenso viel Ehrgeiz als Talent besäße, in nächster Zeit eine bedeutende Rolle auf dem politischen Schauplatze spielen“. Der Freund eines so großen Monarchen wie Kaiser Joseph II. gewesen zu sein, ist auch eine bedeutende Rolle.

Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa (Wien 1848, 8°.) Bd. I, S. 66: „Detail über Joseph’s II. letzte Lebenstage“. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg, Hoffmann u. Campe, 8°.) Bd. VIII, S. 111; Bd. IX, S. 18. – Porträt. C. Vinazer fec., J. Adam sc. (8° ].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Franz I. starb erst ein Jahr später, 18. August 1765.