BLKÖ:Königsegg und Rothenfels, Lothar Joseph Dominik Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Köninger
Band: 12 (1864), ab Seite: 229. (Quelle)
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Joseph Lothar von Königsegg-Rothenfels in der Wikipedia
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Königsegg und Rothenfels, Lothar Joseph Dominik Graf (Feldmarschall und Ritter des goldenen Vließes, geb. 17. Mai 1673, gest. zu Wien 8. December 1751). Ein Sohn des Grafen Leopold Wilhelm aus dessen erster Ehe mit Maria Polyxena Gräfin Scherffenberg. Als einer der jüngeren Söhne für den geistlichen Stand bestimmt, wurde er bereits mit 16 Jahren Domherr zu Salzburg und Passau, und dann nach Rom geschickt, um daselbst seine bei den Jesuiten in Besançon begonnene Bildung als päpstlicher Kämmerer zu beenden. Aber das geistliche Kleid wollte ihm gar nicht behagen; er verließ Rom und seiner alten Neigung für das Waffenhandwerk folgend, trat er in die kaiserliche Armee und begann in Ungarn seine kriegerische Laufbahn. Im Kürassier-Regimente Hohenzollern diente er vom Jahre 1691–1699, dann, um sich mit dem Dienste der Infanterie vertraut zu machen, bei der Infanterie, in welcher er die Feldzüge am Rhein 1702 und in Italien 1703 mitmachte. Im Sturme auf Landau wurde er verwundet und im Gefechte bei Bischweiler 1704 gerieth er in französische Gefangenschaft. Aus derselben befreit, wurde er zum Gouverneur der Festung Mirandola [230] ernannt und leistete, als er 1705 eingeschlossen und belagert wurde, durch vier Wochen den hartnäckigsten Widerstand. Sein tapferes und umsichtiges Verhalten in der Schlacht von Turin, 1706, gewann ihm vollends Eugen’s Vertrauen, der ihm von nun an die wichtigsten Unternehmungen mittheilte. Im Jahre 1707 wurde er zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und erhielt unter Einem den Oberbefehl in Mantua, den er durch 5 Jahre führte. Vom Jahre 1712 an begegnen wir ihm abwechselnd auf den Schlachtfeldern und auf dem Parkette des Hofes als Staatsmann, mit diplomatischen Sendungen betraut und bei wichtigen Verhandlungen mit verschiedenen Mächten seinen Kaiser und die Monarchie vertretend. Zuletzt begleitete er 1714 den Prinzen Eugen zu den Unterhandlungen des Friedens nach Rastatt, dann ging er nach Holland, wo er nach 14monatlichen Unterhandlungen am 17. November 1715 den Barrièretractat mit Holland zu Stande brachte. Dann blieb er bis 1717 als General-Gouverneur in den Niederlanden; im folgenden Jahre ging er als Gesandter nach Paris und von dort nach Warschau, indem er mittlerweile die Würde eines Feldmarschalls und geheimen Rathes erhalten hatte. Von seinem Gesandtschaftsposten am polnischen Königshofe wurde er abberufen, um das Gouvernement in Siebenbürgen zu übernehmen. Er besetzte sofort die Walachei und wirkte in militärischer und administrativer Hinsicht mehrere Jahre hindurch zum Frommen des Landes. Nun berief ihn der Kaiser wieder zu einer diplomatischen Sendung und schickte ihn vorerst als Gesandten nach Haag, von dort im Jahre 1725 nach Madrid, von wo er im Jahre 1730 nach Wien zurückkehrte und die Stelle eines Hofkriegsraths-Vicepräsidenten übernahm. Als General Mercy starb, erhielt Königsegg den Oberbefehl der Armee in Italien, und schien im Anbeginn das Glück seinen Waffen hold zu sein; so gelang es ihm die Secchia, vom Feinde unbemerkt, zu besetzen, die Franzosen in ihrem verschanzten Lager bei Quistello zu überfallen; aber den bis dahin errungenen militärischen Ruhm hatte er durch die Niederlage bei Guastalla, 1734, gegen das vereinte Heer der Franzosen, Spanier und Piemontesen eingebüßt, nach welcher er mit seinem Heere bis an die tirolische Grenze sich zurückzuziehen gezwungen war. Nach Eugen’s Tode, 1736, wurde K. dessen Nachfolger in der Stelle des Hofkriegsraths-Präsidenten. Als Seckendorf nach seinen Mißerfolgen gegen die Türken im Jahre 1737 abberufen und der noch so junge Prinz Franz von Lothringen zum Generalissimus des gesammten kaiserlichen Heeres ernannt und mit dem Oberbefehle im bevorstehenden Feldzuge gegen die Türken betraut worden war; wurde ihm Feldmarschall Graf Königsegg an die Seite gegeben, um die Unternehmungen zu leiten. Aber auch hier gelang es ihm nicht, Erfolge zu erzielen, und noch vor dem Friedensschlusse kehrte er 1739 zurück und vertauschte seine Präsidentenstelle bei dem Hofkriegsrathe, zu welcher Joseph Graf Harrach berufen worden war, mit dem Ehrenamte eines Obersthofmeistersbei der Kaiserin Elisabeth Christine; zugleich blieb er aber als Conferenzminister in Thätigkeit und bis zu des Kaisers Karl VI. Tode im Besitze seines Vertrauens. Dessen Nachfolgerin die Kaiserin Maria Theresia ernannte den Grafen 1740 zum Haus- und Landzeugmeister, ihn unter Einem in seinen übrigen Militär- und Civilwürden bestätigend. Immer noch [231] Mitglied der Conferenz, hatte er wesentlichen Antheil an den Berathungen und Entwürfen der Feldzüge bei Beginn des Erbfolgekrieges, ging 1742 nach Böhmen, um den Prinzen Karl von Lothringen, der gegen den Preußenkönig focht, mit seinem Rathe zur Seite zu sein; leitete 1743 nach dem Abschlusse des Breslauer Friedens mit Marschall Belleisle[WS 1] und Cardinal Fleury die Verhandlungen wegen der Räumung Prags, und die französischen Truppen, auf deren Gefangenschaft der Graf bestand, entgingen derselben nur durch den eiligen Abzug nach Eger. Nachdem Böhmen gesichert und Bayern dann neuerdings erobert war, begab sich der Graf nach Wien, wo er die Pläne für den nächsten Feldzug und die Cabinetsangelegenheiten berieth. Das folgende Jahr rief den bereits 71jährigen Greis neuerdings in’s Feld, und zwar erhielt er seine Bestimmung im Heere der alliirten Engländer, Hannoveraner und Holländer. In der Schlacht von Fontenay (11. Mai 1745) commandirte K. unter dem Oberbefehle des Herzogs von Cumberland nur ein kleines Corps österreichischer Reiterei, mit welchem er den von dem Marschall von Sachsen erfochtenen Sieg nicht zu hindern im Stande war. Im Kampfe erhielt der Graf eine Contusion und mußte sich nach Ath bringen lassen. Von dort kehrte er nach Wien zurück, und setzte bis an seinen Tod den Dienst eines Conferenzministers fort. Dieser entriß ihn dem Staate im hohen Alter von 78 Jahren. Dem Greise folgten in’s Grab – er ist in der Franziskanerkirche zu St. Hieronymus beerdigt – der Ruf einesgewandten Staatsmannes, der auf dem unblutigen Felde der Diplomatie schönere Siege zu erfechten verstand, als auf jenem der Schlacht; obgleich er auch, namentlich in den jüngeren Jahren, sich als tüchtiger General bewährt hatte und erst im Alter vornehmlich seine Unentschlossenheit den Verlust jener Vortheile herbeiführte, die nach seinen Entwürfen und Plänen zu gewinnen waren. Seine Prachtliebe und Freigebigkeit, seine Rechtlichkeit und Uneigennützigkeit machten ihn zum Lieblinge bei Hoch und Nieder, und sicherten ihm in den Regionen der Intriguen und Ränke eine genug mächtige Partei, um allen Machinationen die Stirne zu bieten und sich bis an seinen Tod im ungeschwächten Vertrauen seines Fürsten zu erhalten. Der Graf war seit dem Jahre 1716 mit Maria Theresia Gräfin Lannoy vermält, doch ist diese Ehe ohne Nachkommenschaft geblieben.

Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon von J. Hirtenfeld (Wien 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. III, S. 561. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs- und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg 1852, Hoffmann und Campe, 8°.) Theil VIII, S. 69. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 239. – Arneth (Alfred Ritter von), Maria Theresia’s erste Regierungsjahre (Wien 1863, Braumüller, gr. 8°.) Bd. I, S. 40–42, 44, 45, 70, 76, 77, 90, 130, 219, 366. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.)Tome XXVIII, p. 13 [daselbst heißt er irrig Lothar Joseph Georg statt Lothar Joseph Dominik]. – Reilly (Franz Joh. Jos. v.), Skizzirte Biographien der berühmtesten Feldherren Oesterreichs von Maximilian I. bis auf Franz II. (Wien 1813, Kunst- und Industrie-Comptoir, 4°.) S. 374. – Thaten und Chacakterzüge berühmter österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen, 8°.) Bd. II, S. 220 – Porträte. 1) Bernigeroth sc. (8°.); – 2) auf einem Blatte zusammen mit Johann Baptist Graf Serbelloni, gestoch. von Langer.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Louis-Charles-Auguste Fouquet de Belle-Isle (Wikipedia).