BLKÖ:Habsburg, Elisabeth Christine von Braunschweig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 175. (Quelle)
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75. Elisabeth Christine von Braunschweig, Kaiserin (geb. 28. August 1691, gest. 21. December 1750). Ist die Tochter Ludwig Rudolph’s von Braunschweig, Herzogs in Blankenburg, und der Prinzessin Christine Louise von Oettingen. In der protestantischen Religion, jener ihres Hauses, erzogen, nahm sie 1. Mai 1707 den katholischen Glauben an, weil sie als Gattin für Erzherzog Karl, nachmaligen Kaiser Karl VI., bestimmt war. Am 18. October 1707 wurde sie dem Erzherzog verlobt, am 23. April des folgenden Jahres ihm per [176] Procuration, und am 1. August 1708 zu Barcelona in Person vermält. Nach Philipp’s IV., Königs von Spanien, und dessen Sohne Karl’s II.[WS 1] kinderlosem Tode im Jahre 1700, machte Karl seine Ansprüche auf Spanien geltend. Darüber entspann sich der spanische Successionskrieg, der 12 Jahre dauerte. Am 1. August 1709 wurde Elisabeth als Königin von Spanien proclamirt und als Karl durch den plötzlichen Tod seines Bruders, des Kaisers Joseph I., 1711 nach Deutschland berufen ward, ließ er seine Gemalin in Catalonien zurück und ernannte sie zur Regentin; aber trotz aller Energie und Umsicht, welche sie als solche entfaltete, mußte sie nach dem Frieden zu Utrecht Spanien (1713) verlassen und verfügte sich zu ihrem Gemal nach Linz. Am 18. September 1714 wurde sie zur Königin von Ungarn, am 18. September 1720 zur Königin Böhmens gekrönt. Als sie 1740 ihren Gemal verlor, zog sie sich nach Ungarn zurück und hielt dort die Rechte ihrer Tochter Maria Theresia aufrecht. Elisabeth Christine stiftete im Jahre 1750, ihrem Todesjahre, den nach ihr benannten Elisabethen-Orden, dessen Dotation ihre Nachfolgerin, die große Maria Theresia, 1771 zu einem jährlichen Einkommen von 16.000 fl. vermehrte und welcher seit dieser Zeit Elisabeth-Theresien-Orden heißt. Davon erhalten 21 verdienstvolle und mittellose Generale und Oberste einen jährlichen Stiftungsgenuß, u. z. nach drei Classen, sechs der ersten Classe jeder 1000 fl., acht der zweiten Classe jeder 800 fl. und sieben der dritten Classe jeder 500 fl. Der Kaiser ernennt auf Vorschlag des Armee-Ober-Commandos (früher Hofkriegsrathes) die zu betheilenden Individuen; keine Nation und keine Religion ist davon ausgeschlossen. Hohes Alter, lange Dienste, vor dem Feinde erhaltene Wunden, Leibesgebrechen und dürftige Umstände geben Anspruch auf diese Stiftung, womit als Ordenszeichen verbunden ist ein in Gold eingefaßter Stern mit acht halb roth und halb weiß emaillirten Spitzen, in dessen Mitte ein mit einem Goldrande eingefaßtes Oval sich befindet, worauf unter einer goldenen Kaiserkrone die verschlungenen Namenschiffern der hohen Stifterinen E. C. und M. Th. neben einander und rings herum die Worte stehen: „Maria Theresia Parentis Gratiam perennem voluit“. Elisabeth Christine gebar ihrem Gemal drei Kinder: Leopold (geb. 13. April, gest. 4. November 1716), Maria Theresia, die große Kaiserin (geb. 4. November 1717) und Maria Anna (geb. 14. September 1718), die nachmalige Statthalterin in den Niederlanden und Gemalin des Bruders des Kaisers Franz I. Stephan, des Herzogs Karl von Lothringen, welchem als zweiten Lothringer und Helden, der für Oesterreichs Ruhm und Ehre gefochten, vor jedem Andern – und selbst vor dem berühmten Prinzen Eugen – zunächst das Denkmal gebührt, welches dem des Erzherzogs Karl auf dem äußern Burgplatze errichteten, am 22. Mai 1860 enthüllten gegenüber zu stehen kommen wird.

Hoeck (W.), Anton Ulrich und Christine Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel. Darstellung ihres Uebertrittes zur katholischen Kirche (Wolfenbüttel 1845, 8°.). – Haeberlin (Franz Dominik), Trauerrede auf die Kaiserin Elisabeth Christine (Hannover 1752). – Laet (Jacques de), Oratio funebris in laudem Elisabethae Christinae Brunsvicensis, romanae Imperatricis (Bruxelles 1751, Fol.). – Symbola heroica in exequiis Elisabethae Christinae (Brux. 1751, Fol.). – L’Art de verifier les dates. VII, 396 et XVI, 229. – Vergleiche ferner auch die biographischen Werke [177] über Kaiser Karl VI. insbesondere: Delalande, Massuet, Schirach.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Nach Karl’s II., Königs von Spanien, und dessen Sohne Philipp’s IV.