BLKÖ:Moll, Balthasar Ferdinand

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Moll, Nikolaus
Band: 19 (1868), ab Seite: 11. (Quelle)
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Moll, Balthasar Ferdinand (Kupferstecher und Bildhauer, geb. zu Innsbruck 4. Jänner 1717, gest. ebenda im Jahre 1771). Balthasar Ferdinand’s Vater, Nikolaus M., war ein geschickter Bildhauer [über ihn und seine beiden Söhne Johann Nikolaus und Anton Cassian siehe das Nähere S. 13 in den Quellen]. Den ersten Unterricht erhielt Balthasar Ferdinand von seinem Vater, dann begab er sich nach Wien, wo er sich anfänglich auf die Kupferstecherkunst verlegte, dann aber ein fleißiger Schüler des berühmten Raphael Georg Donner [Bd. III, S. 366] wurde. Im Jahre 1751 wurde er Lehrer der Bildhauerkunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien, blieb aber in dieser Stellung nur bis zum Jahre 1754. Später scheint er sich vom Lehramte zurückgezogen und nur ausschließlich als Bildhauer seine Kunst ausgeübt zu haben. Nur dieß Wenige ist über seine Künstlerlaufbahn bekannt, mehr liegt über seine Arbeiten vor, deren vorzüglichere hier erwähnt werden sollen. Eines seiner schönsten Werke, wenn nicht sein schönstes, ist zu Innsbruck die Triumphpforte am südlichen Ende der Neustadt, an der Grenze gegen den Wiltener Bezirk. Sie wurde zum Gedächtniß der Ankunft der Kaiserin Maria Theresia mit ihrem Gemal Franz I. Stephan und dem römischen Könige Joseph zur Feier der Vermälung des Großherzogs Leopold, nachmaligen Kaisers Leopold II., mit der spanischen Infantin Maria Ludovica aufgestellt. Das aus Quadern errichtete Monument hat drei Thore, durch deren mittleres und größtes die Hauptstraße durchzieht. Standbilder und Basreliefs, sämmtlich aus weißem Marmor, erstere frei im obersten Aufsatze, letztere als Bekleidung der Seitenwände, schmücken das Werk. Der plötzliche Tod des Kaisers in Innsbruck hat einige Veränderungen in der Aufstellung der einzelnen Theile veranlaßt. So bildet die der Stadt zugekehrte Seite, im Gegensatze zu dem ursprünglichen Plane, ein Trauer-Monument und stellt dar den alten Heidengott Saturn mit seiner alles vernichtenden Sense, den Todesengel mit der gesenkten Fackel, und die über den Tod des Kaisers trauernden Genien. Hingegen die nach Wilten hin weisende Front zeigt die Göttin der Klugheit, den Genius des Ruhmes, die Liebesgötter mit Hymen und dem Traueraltare. Der Entwurf des Ganzen ist von Freiherrn von Sperges, die plastische Arbeit von Moll ausgeführt. Von der Triumphpforte [12] sind zwei Kupferstiche vorhanden, welche beide Seiten derselben darstellen. Am Rande liest man: L. B. de Sp. inv. B. Moll fec. C. Schütz et J. E. Mansfeld sc. Andere Werke Moll’s in Innsbruck sind die Statuen: „Der H. Franz von Assissi“ und „Die H. Clara“, beide aus weichem Metall auf dem Hochaltare der h. Kreuzkirche. Von seinen Werken, die sich in Wien befinden, sind zu erwähnen: eine Erztafel, welche die Bildnisse der kaiserlichen Familie darstellt, zur Zeit in der Ambraser-Sammlung aufbewahrt; – „Das Brustbild des Kaisers Franz I.“, aus weißem Marmor, im Thiergarten zu Schönbrunn aufgestellt; – „Die Ehrensäule für Wenzel Fürsten von Liechtenstein“, welche sich im Zeughause befindet; – „Die Reiterstatue des Kaisers Franz I.“, ursprünglich im Paradiesgärtchen, später aber im Kaisergarten aufgestellt; – ein im Jahre 1769 nach Maria Zell in der Steiermark von der Kaiserin Maria Theresia gestiftetes Antipendium mit den Bildnissen der ganzen kaiserlichen Familie ist nach seinem Entwurfe ausgeführt; dasselbe ist von seinem Bruder Anton Cassian auf einem Blatte (in gr. Qu. Fol.) gestochen; – auch die Kaisergruft bei den P. P. Kapuzinern enthält mehrere seiner Arbeiten, so hat er den Zinnsarg des Kaisers Karl VI. umgeändert und die Särge gemacht für die Erzherzoginen Maria Anna und Elisabeth, für die Kaiserin Eleonora Magdalena Theresia, für Maria Anna Königin von Portugal, ferner 3 Urnen für die Herzen der Beigesetzten u. dgl. m. Was Moll’s Arbeiten betrifft, so blieb er hinter den Werken seines unsterblichen Meisters Donner zurück, und Füßli tadelt an ihnen, daß sie in das Gezierte und Manierirte verfallen, im Uebrigen, wie z. B. eben die Triumphpforte in Innsbruck beweist, fehlt es darin nicht an Harmonie und Geschicklichkeit in der Ausführung, und seinen Büsten und Statuen wird große Aehnlichkeit der Personen, welche sie darstellen, nachgerühmt.

Tirolisches Künstler-Lexikon oder kurze Lebensbeschreibung jener Künstler, welche geborne Tiroler waren u. s. w. (Innsbruck 1830, Fel. Rauch, 8°.) S. 170. – Staffler (Joh. Jacob), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen (Innsbruck 1847, Felician Rauch, 8°.) Bd. I, S. 465. – Annalen der bildenden Künste für die österreichischen Staaten (von Füßli) (Wien 1801, Schaumburg, 8°.) Bd. II, S. 17. – Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Herausgegeben von der zur Pflege vaterländischer Geschichte aufgestellten Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien 1850, Staatsdruckerei, gr. 8°.) Band V, S. 744, in Johann Ev. Schlager’s „Materialien zur österreichischen Kunstgeschichte“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 699. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. IX, S. 376. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1857, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 114. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XXI, S. 1155. – Frankl (Ludw. Aug. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) II. Jahrgang (1843), S. 1080: „Denkmal Franz’ I.“ –Donau-Zeitung (Wien) 1861, Nr. 73, im Feuilleton: „Paradiesgärtchen und Löwelbastei in ihren historischen Erinnerungen“. – Tschischka (Frz.), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.), S. 4, 37, 74, 144, 177 u. 380. –