BLKÖ:Habsburg, Eleonora Magdalena Theresia von der Pfalz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 162. (Quelle)
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56. Eleonore Magdalena Theresia von der Pfalz, Kaiserin (geb. 6. Jänner 1655, gest. 19. Jänner 1720). Sie ist die Tochter Philipp Wilhelm’s von Pfalz-Neuburg und Wilhelmine Amalia’s, Landgräfin von Hessen. Die wenig freundliche Begegnung, welche sie von ihrer Mutter erfuhr, erweckte in ihr frühzeitig die Sehnsucht nach dem klösterlichen Leben, und in der That machte sie auch einmal mit mehreren Frauen aus ihrem Gefolge den Versuch, den väterlichen Hof zu verlassen und in ein Kloster sich zurückzuziehen. Jedoch wurde ihr Vorhaben entdeckt und vereitelt. Aber ihren Vorsatz gab sie dennoch nicht auf und schlug auch alle Bewerbungen um ihre Hand aus. Da warb Kaiser Leopold I., nachdem er seine zweite Gemalin Claudia Felicitas [s. d. Nr. 47] durch den Tod verloren hatte und noch immer keinen Thronerben besaß, durch seinen Leibarzt Becker auf die edle Prinzessin aufmerksam gemacht, um sie, und nach längerem Weigern willigte sie ein und ward ihm am 14. December 1676 vermält. 1681 wurde sie zur Königin von Ungarn, 1690 in Augsburg zur Kaiserin gekrönt. Sie gebar ihrem Gatten 10 Kinder; die meisten derselben starben in der Kindheit, die übrigen sind: der Erstgeborne Joseph I., nachmaliger Kaiser, den die Mutter überlebte; Karl VI., Nachfolger seines Bruders Joseph und Vater der großen Maria Theresia, und Maria Anna, Gemalin Johann’s V., Königs von Portugal. Eleonora überlebte ihren Gemal Leopold (gest. 1705) um 15 Jahre. Sie war eine überaus fromme, christlich demüthige Frau; als sie erfuhr, daß ihr Beichtvater einen Aufsatz über ihre Tugenden geschrieben, ließ sie sich den Aufsatz geben und warf ihn in’s Feuer. Wissenschaftlich gebildet, schrieb sie auch ein Andachtsbuch, welches gedruckt wurde. Ihre Frömmigkeit ließ sie aber nicht unthätig sein in politischen Dingen. Da der Kaiser nichts Französisches lesen wollte, verfaßte sie Auszüge aus französischen Staatsschriften, wenn sie glaubte, daß deren Kenntniß ihm nöthig sei. Als ihr Sohn Joseph I. im schönsten Alter, mit 33 Jahren, starb und sein Bruder Karl sich damals eben in Spanien befand, übernahm Eleonora die Leitung der Staatsangelegenheiten und führte sie unter verwickelten Verhältnissen mit Umsicht und Kraft bis zu Karl’s Ankunft. Eleonoren gebührt der Ruhm, die Rakoczy’sche Rebellion durch den Szathmarer Frieden abgeschlossen zu haben. Nach dem Tode ihres Gemals legte sie die Trauerkleider nie mehr ab. Sie starb, vom Volke, dessen Wohlthäterin sie war, tief betrauert, im Alter von 65 Jahren. [163] Sie hatte angeordnet, ohne Gepränge begraben und in der Tracht der Servitinen im weißen Habit, himmelblauem Scapelier, weißem Schleier mit einer eisernen Kette, woran ein Todtenkopf hing, und in einem einfachen hölzernen Sarge beigesetzt zu werden. Auf ihren Sarg kam die Aufschrift: „Eleonora Magdalena Theresia, arme Sünderin“. Ihrem Willen wurde Folge geleistet, jedoch ließ später ihre erhabene Enkelin Maria Theresia die Leiche in einen reichen Bronze-Sarg übertragen. Eleonore hat auch 1688 den, zwanzig Jahre früher (1668) von der Kaiserin Eleonore [siehe die Vorige], der Witwe Kaiser Ferdinand’s III., gestifteten Sternkreuzorden erneuert. Der Orden ist zum Andenken des Kreuzes, an welchem Christus starb, gestiftet. Er wird nur an verheirathete Damen des In- und Auslandes vertheilt, welche Austheilung an den jährlichen zwei Ordensfesten, am Tage der Kreuz-Erfindung und Erhöhung vorgenommen wird. Das gegenwärtige Ordenszeichen ist ein kaiserlicher Adler, der in der Mitte ein blau emaillirtes goldenes Kreuz mit einem goldenen Herzen trägt, worin der geschlungene Name des Erlösers steht. Am obern Theil des Medaillons, das den Adler trägt, läuft ein weiß emaillirtes Band, auf dem die Worte: „Salus et gloria“ stehen. Es wird an einem schwarzen Bande auf der linken Seite getragen. Oberste Schutzfrau ist gegenwärtig Ihre Majestät die Kaiserin Karoline Auguste, Witwe Sr. Majestät des Kaisers Franz. (Stiftungs-Urkunde und Statuten siehe: Austria, Oesterr. Universal-Kalender f. d. Jahr 1843, S. 83).

Brean (Franz Xaver), Die starke Tugend und tugendsame Stärke Eleonarae Magdalenae Theresiae, weyland Leopoldi des Großen hinterlassenen Gemalin, u. s. w. (Wien o. J. (1720), 4°.). – Horst (Hermann), Leben und Tugenden der Kaiserin Eleonore Magdalena Theresia, Gemalin Leopoldi I. (Wien 1721). In’s Französische übersetzt von Pierre Brumoy (Paris 1723, 12°.; Brüssel 1724, 12°.; La Haye 1724, 12°.; Paris 1725, 12°. und Cambray 1725, 12°.). In’s Italienische übersetzt von Tommaso Ceva (Mailand 1721, Fol.; ebenda 1722, 8°. und Lucca 1722, 8°.). – Klein (J. L.), Eleonore, Königin von Hungarn (Wien 1783, 8°.). – Silbert (Johann Peter), Eleonore, römische Kaiserin, Gemahlin Leopold’s I. (Wien 1837, 8°.). – Schwarz (Christian Gottlieb), Oratio panegyrica Eleonorae Magd. Theresiae etc. coelo receptae dicta (Norimbergae s. d. (1720), Fol.). Virtutes coronatae s. reginae Hungariae sanctitate conspicuae (Gisela S. Stephani, Beatrix Andreae II., et Eleonora Leopoldi I. conjux) panegyricis celebratae (Cassov. 1720, 12°.).