BLKÖ:Trattner, Johann Thomas Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Trattinnik, Leopold
Band: 46 (1882), ab Seite: 285. (Quelle)
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Trattner, Johann Thomas Edler von (Buchdrucker und Buchhändler, geb. zu Jahrmannsdorf bei Güns am 11. November 1717, gest. zu Wien am 31. Juli 1798). Der in Rede Stehende wird auch Trattnern geschrieben. Wir halten dafür, Trattner sei die richtige Schreibung und das n diesem Namen erst angehängt, als dessen Träger den Adel erhalten hatte, wo die Anfügung des n durch das Adelsbeiwort „von“ bedingt wurde. Trattner’s Vater war ein unbemittelter Bauer, der von dem geringen Erträgniß seines Besitzes lebte. Die Mutter starb, als sie dem Sohne das Leben schenkte, und der Vater folgte ihr zwei Jahre später ins Grab. So blieb die elternlose Waise auf die Barmherzigkeit einer Muhme in Wiener-Neustadt angewiesen. Es war die Frau eines Pulvermüllers Namens Weyzinger, welche, obgleich sie selbst in dürftigen Umständen lebte, sich doch des verlassenen Kindes annahm und es pflegte und aufzog. In der Schule lernte der Knabe nothdürftig lesen, schreiben und rechnen. Um für seine Pflegeeltern etwas zu erwerben, ließ er sich in einem Wirthshausgarten als Kegelbube verwenden und kam so mit mehreren Buchdruckern, welche diesen Garten zu besuchen pflegten, in nähere Berührung. In der Folge überredeten [286] sie ihn, ihre Profession zu erlernen, und so trat er 1735 bei ihrem Principal in die Lehre. Er gewann das Geschäft lieb, machte gute Fortschritte und bildete sich auch sonst weiter fort. Bald aber reichte die beschränkte Officin in Wiener-Neustadt seinem Schaffensdrange nicht aus, und er begab sich, um seine Lehrjahre zu beenden, nach Wien, wo er am 9. September 1739, bereits 22 Jahre alt, bei dem Hofbuchdrucker Peter von Ghelen Aufnahme fand. Er vervollkommnete sich bald als Setzer in allen Arten des Schriftsatzes und erwarb sich durch den Satz wissenschaftlicher Werke auch sonst mannigfache Kenntnisse. Neun Jahre blieb er in der Ghelen’schen Druckerei, in welcher er zu den geschicktesten Arbeitern zählte. Da er mit seinem Einkommen sparsam umging, legte er sich im Laufe der Jahre eine Summe zurück, welche ihn auf den Gedanken brachte, selbst eine Officin als Eigenthum zu erwerben. Als dann 1748 die Jahn’sche Landschaftsdruckerei im Schottenhofe, damals Eva Schilg, der Schwiegermutter Jahn’s, gehörig, feilgeboten wurde, wollte er dieses Geschäft käuflich an sich bringen, aber seine Ersparnisse reichten dazu nicht aus. Da fand er in Anton Billizotti, einem im Fischhofe etablirten Gewürzhändler, der ihn als einen betriebsamen und fleißigen jungen Mann kennen gelernt hatte, einen werkthätigen Freund, von welchem er die zum Ankaufe der Landschaftsdruckerei fehlenden 4000 fl. vorgestreckt erhielt. Am 12. Mai 1748 in den Besitz dieses Geschäftes gelangt, fand er bei näherer Untersuchung dasselbe nicht nur im Zustande größter Verwahrlosung, sondern auch fast aller früheren Kunden verlustig. Aber Trattner verlor nicht den Muth und ging mit dem Vorsatze, nach und nach die Schäden zu beseitigen, an den Betrieb. Die erste Druckarbeit, die er erhielt, war ein Gebet, welches der Amtsverwalter, nachmalige Abt des Stiftes Mölk, Urban Hauer verfaßt hatte. Er führte den Druck so sauber aus, als es ihm nur möglich war. Die Bezahlung für diese Arbeit vertheilte er, obgleich er selbst nur die schuldenbelastete Druckerei besaß, unter die Armen. Durch diesen Act erwarb er sich, als derselbe bekannt wurde, Freunde, und da er auch aus der Hofbuchdruckerei Ghelen einen guten Ruf mitgebracht hatte, so wendete sich ihm bald die Gunst des Publicums, insbesondere jene der Jesuiten zu, welche ihm nun ihrerseits alle Aufträge zukommen ließen. Da er diese in netter Weise und gegen mäßige Preise lieferte, wuchs nach und nach seine Kundschaft. So kam er bald in die Lage, die Schäden und Mängel seines Geschäftes zu beseitigen, neue Lettern und sonstige Druckmaterialien anzuschaffen und seine Officin in immer besseren, den Erfordernissen der Zeit entsprechenden Stand zu versetzen. Bald lieferte er Arbeiten, die sich in Sauberkeit und Correctheit der Ausführung mit denen der anderen Wiener Druckereien messen konnten. Es wurde schon gesagt, daß er sich die Gunst der Jesuiten erwarb; dieser Orden besetzte außer der Rechtsgelehrsamkeit und Arzneikunde an den Wiener Lehranstalten sämmtliche Fächer mit seinen Mitgliedern, und diese ließen alle ihre Lehrbücher und Schriften in Trattner’s Geschäft drucken. So stieg nicht blos das junge Unternehmen immer mehr und mehr, auch Trattner’s Ruf als eines betriebsamen, strebenden Mannes drang bis zu den Stufen des Thrones, auf welchem die große Regentin Maria Theresia saß. Diese, welche Alles, was Oesterreich fördern [287] konnte, in den Bereich ihrer Regentenpflichten zog, wollte sich auch die Hebung und Förderung der Buchdruckerkunst im Kaiserstaate angelegen sein lassen und ersah sich zur Ausführung ihrer Gedanken alsbald den thatkräftigen, ihr von allen Seiten, namentlich auch von den Jesuiten empfohlenen Trattner. Sie ließ sich denselben durch ihren Leibarzt Baron van Swieten und den Hofphysicus Marci, nachmaligen Propst zu St. Peter in Löwen, vorstellen. Sein offenes Wesen, sein scharfer Verstand, die treffenden Antworten, welche er auf die Fragen der Kaiserin gab und aus denen seine nicht gewöhnlichen Kenntnisse hervorleuchteten, sprachen sie zufriedenstellend an, und indem sie ihn ihres Schutzes versicherte, ermunterte sie ihn, auf dem betretenen Pfade fortzuschreiten und sich, wenn er ein Anliegen habe, vertrauensvoll an sie zu wenden. Dies geschah im Jahre 1750. Als dann 1752 die Studienregulirung stattfand, wurden ihm auf besonderen Befehl der Kaiserin sämmtliche Schul- und Lehrbücher in Druck und Verlag übergeben, wodurch sein Geschäft einen solchen Aufschwung nahm, daß er zweiunddreißig Pressen beschäftigen konnte. Nun errichtete er in Pesth, Triest, Innsbruck, Linz und Agram Filialen seiner Buchdruckerei und eröffnete, die Bücherlager mit inbegriffen, sechsundzwanzig Bücherverschleiße, nämlich in Wien, Agram, Brünn, Frankfurt a. M., Görz, Gratz, Hermannstadt, Innsbruck, Klagenfurt, Königgrätz, Kremsier, Laibach, Leipzig, Lemberg, Neusohl, Oedenburg, Olmütz, Pancsova, Pesth, Prag, Preßburg, Temesvár, Teschen, Triest, Troppau und Warschau. In Wien selbst richtete er überdies das prachtvolle Officingebäude in der Josephstadt her. Es war der sogenannte Typographische Palast, an der Stelle, wo das gräflich Dietrichstein’sche zum Kaiserspital gehörige Gebäude stand (später das Militärtransporthaus). In diesem wahrhaft großartigen Etablissement waren alle Zweige seines ausgedehnten Geschäftes: Setzerei, Druckerei, Schriftgießerei, Schriftschneiderei, Xylographie, Kupferstecherei, Kupferdruckerei, Buchbinderei, Buchhandlung und enorme Bücher- und Strazzenmagazine vereinigt. Hier lagerten seine großen Vorräthe an gedruckten Werken, welche von da an alle Buchhandlungen im In- und Auslande verschickt wurden. Im Jahre 1764 unternahm er eine Reise durch ganz Europa und knüpfte auf derselben großartige Geschäftsverbindungen an. Auf dieser Höhe stand das Geschäft durch den Unternehmungsgeist eines einzigen Mannes, der mit Schulden begonnen hatte. Aber Trattner blieb dabei nicht stehen. 1767 erbaute er eine eigene Papiermühle und 1768 eine andere auf der fürstlich Liechtenstein’schen Herrschaft Ebergassing, die er im folgenden Jahre ganz erwarb. 1773 kaufte er am „Graben“ in Wien den Freysinger Hof und fünf daranstoßende Häuser und ließ auf diesem Grunde das damals größte und schönste Gebäude – den heutigen Trattnerhof – durch den Baumeister Peter Mollner errichten, Ueber die das Portal des Hauses schmückenden Statuen des Bildhauers Tobias Kogler vergleiche S. 289 die Quellen. In dieses Haus verlegte er dann auch sein Geschäftslocal. Das Gebäude, dessen Jahresrente heute einen größeren Betrag ausmachen soll, als damals die Erbauung kostete, nennt Pezzldie Stadt in der Stadt, die steinerne Grafschaft“. Durch Trattner’s Bemühungen und Reisen nahm auch der Buchhandel Oesterreichs einen großartigen Aufschwung. Kaiser Franz [288] beehrte den Typographischen Palast, wie die Officin in der Josephstadt hieß, mit seinem Besuche; die Kaiserin ernannte den strebsamen Typographen zum Hofbuchdrucker; Leopold II. und dessen Brüder, welche für die Kunst Gutenberg’s große Vorliebe hatten, ließen sich in Trattner’s Geschäft unterrichten. Als Johann Thomas von Trattnern im 78. Jahre stand, nahm er seinen Enkel, der gleichfalls Johann Thomas mit Vornamen hieß, zum Mitleiter seiner Unternehmungen. Drei Jahre danach, am 12. Mai 1798, feierte er mit seinen Hausgenossen und dem Personale aller Officinen den fünfzigjährigen Gedächtnißtag seines Dienstantrittes als Buchdrucker. Aber dritthalb Monate später verschied er im 81. Jahre seines thätigen Lebens. Trattner hatte sich zweimal verheiratet, zuerst 1750 mit der Reichshofrathsagentenwitwe Maria von Retzenheim, welche ihm elf Kinder schenkte, von denen zehn jung dahin starben. Nach 24jähriger glücklicher Ehe ließ sie ihren Gatten als Witwer zurück. Hierauf vermälte er sich mit der Tochter des Directors der philosophischen Facultät und Hofmathematicus Joseph Anton Nagel [Bd. XX, S. 31]. Aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor, von welchen wieder nur eines am Leben blieb. Die zweite Frau starb fünf Jahre vor ihrem Manne. Diesen überlebte nur ein Enkel, Johann Thomas Edler von Trattnern, und eine Tochter Francisca Xaveria, welche den Reichthum des Vaters erbte. Im Jahre 1764, bei Gelegenheit der Krönung Josephs II. zum römischen König in Frankfurt a. M., erhielt Trattner den Ritterstand des deutschen römischen Reiches, im Jahre 1790, in welchem Kaiser Leopold II. in Preßburg zum König von Ungarn gekrönt wurde, den ungarischen Adel, auch ward er 1791 zum niederösterreichischen Landstande erhoben.

Satirisches Bild auf Trattner. Dasselbe befindet sich als Vignette auf dem zweiten Theile von Blumauer’s Parodie der Aeneide. Der Dichter versetzte dem Nachdrucker einen furchtbaren Hieb: die Vignette stellt einen Hund dar, der gierig Menschenköpfe benagt und auf dem Halsbande den Namen „Trattner“ trägt.
Trattner als Nachdrucker. Hochgeehrt im Inlande, wurde er im Auslande mit scheelen Blicken angesehen und nicht selten beschimpft, weil er ein – Nachdrucker war. „Seinem Charakter“, schreibe einer seiner Biographen, „hing ein sehr großer Flecken an, und es setzte seine unleugbaren Verdienste sehr tief herab, daß er das unerlaubte Gewerbe eines Nachdruckers trieb, der unzählige Male da erntete, wo er nicht gesäet hatte“. Gewiß ist diese Thatsache nicht zu rechtfertigen, aber Manches wohl zu Trattner’s Entschuldigung anzuführen. Erstens war der Nachdruck damals in Oesterreich erlaubt und bei dem Mangel an heimischen Kräften, welche durch ihre geistigen Werke Licht und Aufklärung verbreiteten, selbst bis in die höchsten Kreise hinauf sehr gewünscht, ja durch Gesetze eines aufgeklärten Monarchen, wie es Joseph II. war, gestattet. Mittels Circulars ddo. Wien 3. December 1784 hielt Trattner bei Gelehrten und Schriftstellern Umfrage in Bezug auf ihre Ansicht über den Büchernachdruck. Uns sind die Antworten von I. E. von Born, J. von Sonnenfels, Mich. Denis, Blumauer, Mastalier, Haschka bekannt, welche alle unbedingt den Nachdruck verwarfen. Nichts destoweniger entschied sich Trattner für denselben, weil es ihm an Werken im Inlande fehlte, wie er sie suchte, und weil die im Auslande gedruckten damals ungemein kostspielig und auch von der Censur nicht immer gestattet waren, so daß er nur censurirte Ausgaben bringen durfte. So wenig nun der Nachdruck unter allen Umständen zu rechtfertigen ist, so greift doch bei Trattner noch die Entschuldigung Platz, daß ja oft die Werke, die er nachdruckte, in ihrer ursprünglichen Form in Oesterreich gar nicht verkäuflich waren. Und warum will man das, was er vor einem Jahrhundert zum Besten der Leser und der Autoren, die dadurch erst recht bekannt wurden, gethan, so mir nichts dir [289] nichts verdammen, wenn in Europa Holland, zur Zeit das vorgeschrittenste aller Länder, Nordamerika ungescheut den Nachdruck übt? Dazu kommt noch, daß derselbe in Oesterreich gar nicht verboten war, sondern vielmehr gern gesehen wurde, indem Trattner durch ihn in nicht geringem Maße zur allgemeinen Bildung beitrug, da er die kostspieligen classischen deutschen und in ihrer vollständigen Fassung nur selten gestatteten Werke, mit Weglassung der beanständeten Stellen, um einen für das Volk erschwinglichen Preis demselben zugänglich machte und verbreitete. Nie würden unsere großen deutschen Schriftsteller Goethe, Schiller, Herder, Lessing, Wieland in Oesterreich so bekannt geworden sein, wie sie es in der That sind, wenn nicht die censurirten und billigeren Ausgaben des Nachdruckes die Verbreitung unserer Classiker im Kaiserstaate ermöglicht hätten. Bemerkenswerth ist,. wie Trattner sein Verfahren, das sich streng rechtlich gewiß nie billigen läßt, zu rechtfertigen suchte. Als er auf der Leipziger Messe mit dem Buchhändler Nicolai, dem er mehrere Verlagsartikel nachgedruckt hatte, zusammentraf, hielt ihm derselbe das unrechtmäßige Gebaren vor. „Was habe ich so Strafbares gethan“, erwiderte Trattner „ich kaufte Ihr Buch, es war mein, ich konnte also nach unseren Gesetzen damit machen, was ich wollte, es lesen, verschenken, wieder verkaufen, abschreiben, abdrucken lassen, wie es mir gefiel“. Nicolai schwieg, und die Sache schien abgethan. Als sich Trattner höflich grüßend entfernen wollte, rief ihm Nicolai nach: „Ach. Sie haben da einen sehr hübschen Stock. Ich möchte einen solchen haben. Wo haben Sie ihn gekauft?“ „In Augsburg“, lautete die Antwort. „Also wird er wohl hier nicht zu bekommen sein“, meinte Nicolai. „Ich zweifle sehr“, entgegnete Trattner, „da er Ihnen aber gefällt und ich überdies wieder nach Augsburg reise, überlasse ich Ihnen den Stock gern“. „Ich danke Ihnen“, erwiderte Nicolai, „Sie thun mir damit einen großen Gefallen“. Man wurde einig, Nicolai zahlte den geforderten Betrag und nahm den Stock. Kaum aber hatte er ihn in der Hand, so faßte er Trattner an der Brust und machte Miene, ihn zu schlagen. „Was soll das heißen“, schrie der Angegriffene. „Ist“, rief Nicolai, „der Stock nicht mein? Ich zahlte Ihnen, was Sie forderten, und kann nun nach Ihrer Maxime damit machen, was ich will“. – Bekannte, die in der Nähe standen, mischten sich in den Handel und suchten den Streit zu schlichten. – „Beruhigen Sie sich nur, meine Herren“, rief Nicolai den Friedensstiftern zu, „dieser Herr ist ein Nachdrucker, und ich bewies ihm nur seine Maxime“, und höflich grüßend, Trattnern und die Uebrigen. so hinzugetreten waren, stehen lassend, ging er seines Weges weiter. – Die nachhaltigste Rache für den von ihm entschieden verworfenen und doch von Trattner ausgeübten Nachdruck nahm Blumauer an dem in Rede Stehenden durch die auf dem Titel des zweiten Theiles seiner travestirten Aeneide angebrachte Vignette [siehe S. 288 „Satirisches Bild auf Trattner“]
Die Karyatiden des Trattnerhofes am Graben in Wien. Ich habe die folgende Mittheilung aus dem Munde des ehemaligen Archiv-Directors Triml (Pseudonym Emil) im Ministerium des Innern, der, obgleich zur Zeit, als ich in dieses Amt eintrat, schon längere Zeit pensionirt, dasselbe von Zeit zu Zeit zu besuchen und bei mir vorzusprechen liebte. Wir gingen eines Tags über den Graben und neben dem Trattnerhofe vorüber. Auf die Karyatiden weisend, begann Triml: „Eine dieser Statuen mit ihrer merkwürdigen Attitude – es sind zwei riesige Gestalten, deren eine dem Beschauer ihre Rückseite zukehrt – hat ihre eigene Geschichte, und ich habe diese aus dem Munde eines Freundes des Erbauers Joh. Thomas Trattner. Das Geschäft, in welchem Letzterer arbeitete, befand sich damals im Freisinger Hofe, der an ebenderselben Stelle stand, auf welcher jetzt der Trattnerhof sich erhebt. Der noch junge Trattner bemerkte an einem Fenster im zweiten Stockwerke des gegenüberliegenden Hauses eine junge Dame, die regelmäßig daselbst zu sitzen pflegte. Ob mit, ob ohne Absicht, genug, die Blicke des jungen Trattner an einem Fenster des Freisingerhofes und jene des jungen Mädchens im Fenster des gegenüberstehenden Hauses begegneten sich öfter. Er glaubte auch ein Erröthen der Jungfrau entdeckt zu haben, kurz es schien ihm, als bezeuge ihm dieselbe ein mehr als gewöhnliches Interesse. Auch er fühlte sich bald zu derselben hingezogen, und nachdem längere Zeit dieses stumme und beredte Zwischenspiel beider jungen Leute gedauert, nahm er sich ein Herz und wollte mit seinen Gefühlen offen auftreten, durch das Verhalten des Mädchens dazu ermuntert. Er trug sich damals [290] bereits mit dem Gedanken, ein eigenes Geschäft zu begründen. Gedacht, gethan! Er ging in das Haus, in welchem die junge Dame wohnte, klingelte, bat um Einlaß, wurde empfangen und brachte seine Werbung vor. Der Bescheid, der ihm zutheil wurde, fiel ganz wider seine Erwartung aus. Die Dame wies ihn mit Entrüstung ab, befahl ihm, sie sofort zu meiden, widrigenfalls sie ihn durch Andere werde an die Luft setzen lassen. Verwirrt, beschämt, vernichtet verließ er die Räume, in denen er sein Lebensglück zu finden vermeint hatte. Er wußte nicht, wie ihm geschehen. Die Art der Abweisung entrüstete, verbitterte ihn, die ihm zugefügte Schmach konnte er nie vergessen. Nach Jahren, als er, ein reicher Mann, an Stelle des Freisingerhofes den Trattnerhof erbaute, bemerkte er, daß dieselbe Dame, die ihn einst so schnöde behandelt hatte, noch immer am Fenster sitze und ihres Bräutigams harre. Sie war ein altes vergrämtes Fräulein geworden, Trattner aber, dem sie an jenem Tage, als er seine reinmenschliche Werbung in zarter Absicht vorbrachte, mit dem Hinauswerfen gedroht, war ein angesehener Mann. Die Erbitterung über die ihm einst widerfahrene Schmach war in ihm wieder geweckt, und was er der Dame damals nicht antworten konnte, weil sie ihn nicht hatte zu Worte kommen lassen, dem gab er nun durch die Stellung des einen gerade dem Fenster, an welchem sie saß und noch des Freiers harrte, mit der Rückseite ihr zugekehrten Athleten bildlichen Ausdruck. Ich habe diese Geschichte auch irgendwo – ich glaube in der Witthauer’schen „Zeitschrift für Mode u. s. w.“ – veröffentlicht. Ist nun der Racheact Trattner’s auch nicht der zarteste, so läßt er sich doch durch die völlig unweibliche Form der ihm widerfahrenen Abweisung erklären, und der Bildhauer Kogler hat auch seine Aufgabe in nichts weniger als unkünstlerischer Weise gelöst“. So weit Triml. Daß dieser die Geschichte nicht erfunden hat, das ist gewiß. Und daß an derselben mehr als ein Körnchen Wahrheit, daß sie nicht eine bloße Sage ist, dürfte wohl auch anzunehmen sein.
Zur Genealogie der Familie Trattner. Wie wir in obiger Lebensskizze erwähnt haben, wurde der Buchdrucker und Buchhändler Johann Thomas Trattner im Jahre 1764 in den Adelstand mit dem Prädicate „Edler von“ (damals Reichsritterstand) erhoben. Zur Zeit gibt es Trattner von Petrocza (auch Petroza, welches Prädicat von einer Ortschaft stammt, nach der sich auch die Familie Gyika zu benennen pflegt), Lederer-Trattnern und Trattner-Károlyi. Alle drei gehören zu einer und derselben Familie, und ihr Stammvater ist der vorgenannte Johann Thomas von Trattnern. Dieser hatte von seinen beiden Frauen, der verwitweten Marie von Retzenheim und dem Fräulein Nagel, zwar einundzwanzig Kinder, aber nur ein Enkel. Johann Thomas, und eine Tochter, Francisca Xaverina, überlebten ihn. Letztere (geb. 1785, gest. 1856) erbte seinen großen Reichthum. Ein spätgeborenes Kind, wurde sie die Gattin des als General der Cavallerie im hohen Alter von 80 Jahren gestorbenen Freiherrn Ignaz Ludwig von Lederer. Daher der Name Lederer-Trattnern. Des Johann Thomas Sohn Matthias (geb. zu Felsö-Eör im Eisenburger Comitate, gest. am 16. Februar 1828) hatte von seiner Frau Elisabeth geborenen Pauer zwei Töchter: Karoline vermälte Zimburg, welche am 21. April 1838, 33 Jahre alt. starb, und Maria, Gattin Károlyi’s, welche am 12. Juli 1837, im Alter von 37 Jahren, das Zeitliche segnete. Károlyi aber, Matthias Trattner’s Schwiegersohn, nannte sich, indem er seinem Namen jenen des Schwiegervaters anfügte: Trattner-Károlyi. Direct von Matthias stammt die noch blühende Pesther Buchhändlerfirma Trattner-Károlyi ab. Eines Trattner von Petrocza geschieht S. 292, Nr. 3, Erwähnung.
d’Elvert (Christian). Geschichte des Bücher- und Steindruckes, des Buchhandels, der Büchercensur und der periodischen Literatur... in Mähren und Oesterreichisch-Schlesien (Brünn 1854, Rohrer, gr. 8°.) S. 78, 79, 90, 96 und 99. – Die Feierstunden. Beilage zur „Kleinen Wiener Presse“ (gr. 4°.) I. Jahrg., 7. Juli 1867, Nr. 5: „Kaiser Joseph und sein Extrato“. – Frankl (Ludwig August). Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) I. Jahrg. (1842), S. 496: „Wiener Buchhandlungen vor ein paar Dutzend Jahren“. – (Gräffer). Josephinische Curiosa oder ganz besondere, theils nicht, theils noch nicht bekannte Persönlichkeiten, Geheimnisse, Details und Denkwürdigkeiten Kaiser Josephs II. (Wien 1848, I. Klang, 8°.) I. Bändchen, S. 162: „Trattner’s Project des Büchernachdrucks en [291] gros, seine Umfrage, Antwort auf selbe“. – Das Illustrirte Geschichtenbuch von Kaiser Joseph (Wien 1882, Waldheim, br. 8°.) S. 56–67: „Trattnern und der Nachdruck“. – Gräffer (Franz). Kleine Wiener Memoiren: Historische Novellen, Genrescenen, Fresken, Skizzen, Persönlichkeiten u. s w. zur Geschichte und Charakteristik Wiens und der Wiener... (Wien 1845, Fr. Beck, 8°.) II. Theil, S. 63 bis 65, im Artikel: „Audienz bei Maria Theresia“. – Gräffer (Franz). Neue Wiener Localfresken, geschichtlich, anekdotisch, curios, novellistisch etc. etc. (Linz 1847, Eurich Sohn, 8°.) S. 276: „Swieten und der Kalendermann (Trattner)“. – Gutenberg (Wiener Journal, gr. 4°., Verlag von M. Auer) 1855, Nr. 14, S. 111: „Ein Wiener Typograph“. Von Moriz Bermann [nach diesem geb. am 8. Juli 1717]. – Dasselbe Blatt, Nr. 21, S. 168: „Nachtrag“. Von A. della Torre [nach diesem geb. am 11. November 1717]. – (Kankoffer). Berühmte Oesterreicher der Vorzeit. Biographische Skizzen (Wien 1857, A. Pichler’s Witwe und Sohn, kl. 8°.) S. 165: „Von Trattnem“ [nach diesem geb. am 8. Juli 1717]. – Kölesy(Karl Vincenz). Ungarischer Plutarch oder Nachrichten von dem Leben merkwürdiger Personen des Königreiches Ungarn und der dazu gehörigen Provinzen (Pesth 1815, Jos. Eggenberger, 8°.) Bd. I, S. 269. – Märzroth (Dr.). Geister und Gestalten aus dem alten Wien. Bilder, Geschichten und Erinnerungen (Wien 1868, Prandel, 12°.) S. 32: „Eine Neujahrsgeschichte“. [Herausgeber dieses Lexikons vermuthet darunter die im „Wanderer“ erschienene Geschichte.] – Oesterreichisches Bürger-Blatt (Linz, 4°.) XXXVII. Jahrgang, 10. August 1855, Nr. 138, S. 550: „Ein Geschichtchen aus dem alten Wien“ [oft nachgedruckt von Blättern des In- und Auslandes]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 393. – Der Oesterreichische Staatsrath (1760–1848). Eine geschichtliche Studie vorbereitet und begonnen von Dr. Karl Freiherr von Hock, aus dessen literarischem Nachlasse fortgesetzt und vollendet von Dr. Herrn. Ign. Bidermann (Wien 1879, Braumüller, gr. 8°.) S. 297 u. f. [Es ist hier die Rede von Trattner’s Nachdruckgeschäft, das freilich auf mildere Beurtheilung Anspruch macht, wenn man Kaiser Josephs II. Entscheidungen in dieser Frage liest, deren eine (vom 7. Mai 1782) dahin lautet: „Wenn alle Potentaten den Nachdruck verbieten, werde er nicht der Letzte sein, welcher dem allgemeinen Verbote beistimme; allein ebensowenig wolle er, so lange diese idyllische Zeit noch auf sich warten laste, der Einzige sein, welcher, „um Dichtern eine Losung zuzuwenden“, seinen Unterthanen einen einträglichen Erwerb entziehe. Es hätte daher bei der früheren Anordnung sein Bewenden“. Und einem Protokolle der Censur-Hofcommission vom Jahre 1780 fügte Kaiser Joseph eigenhändig die Bemerkung hinzu: „Der Nachdruck unschädlicher Bücher sei als „„ein bloßes Negotium““ keinem Drucker zu verwehren“. Daß aber dieser Monarch selbst nicht bei der eben mitgetheilten Ansicht über den Nachdruck blieb, beweist nachstehender Umstand. Als Blumauer mit seiner Vignette auf dem zweiten Theile der travestirten Aeneis sich an dem Nachdrucker Trattner exemplarisch gerächt hatte (vergleiche S. 288: „Satirisches Bild auf Trattner“), reichte der auf den Schutz des Kaisers bauende Typograph eine Beschwerdeschrift bei der Hofkanzlei ein. Dieselbe entschied: Trattnern sei wegen der Unverschämtheit, mit der er sich über die ihm widerfahrene Zurechtweisung beklagt habe, ein Verweis zu ertheilen. Der Staatsrath schloß sich diesem Antrage mit dem Bescheide an: Trattner sei mit seiner Beschwerde auf den Rechtsweg zu verweisen. Hiernach entschied auch der Kaiser am 16. Mai 1785.]. – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1868, Nr. 3 und 4, im Feuilleton: „Eine Neujahrsgeschichte aus dem alten Wien“. Von Doctor Märzroth. – Nagy (Iván). Magyarország csaladai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1865, Moriz Ráth, gr. 8°.) Bd. XI, S. 327 [nach diesem gest. am 13. Mai 1798]. – Tudományos gyüjtemény, d. i. Wissenschaftliche Sammlung, 1824, Bd. III, S. 120.
Porträte. 1) Trefflicher Holzschnitt in M. Auer’s „Gutenberg“, 1855, S. 111, ohne Angabe des Zeichners und Stechers. – 2) Jos. Hickel p. 1770. J. E. Mansfeld sc. 1781 (gr. Fol., Hüftbild).