BLKÖ:Hock, Karl Ferdinand Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hock, Alexander
Band: 9 (1863), ab Seite: 78. (Quelle)
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Hock, Karl Ferdinand Freiherr von[BN 1] (philosophischer und nationalökonomischer Schriftsteller, geb. zu Prag 18. März 1808). Sohn israelitischer Eltern, der aber selbst zur katholischen Kirche übertrat; besuchte das akademische Gymnasium in Prag, begab sich zur Fortsetzung seiner Studien 1823 nach Wien, wo er die Vorträge an der Universität hörte und 1828 die philosophische Doctorwürde erhielt. 1830, nach beendeten juridischen Studien, trat er in den Staatsdienst, in welchem er mehrere Jahre in Triest und Salzburg zubrachte, dann als Director des Hauptzollamtes nach Wien berufen ward, im Jahre 1847 unter gleichzeitiger Ernennung zum Regierungsrathe bei der Generaldirection der Eisenbahnen in Verwendung kam, und bei derselben im Jahre 1848 zum zweiten Director ernannt ward. Im Jahre 1849 berief ihn Minister Freiherr von Bruck in’s Handelsministerium; im Jahre 1854 trat H. mit dem Titel eines Vicepräsidenten an die Spitze der zur entsprechenden Verwirklichung der handelspolitischen Pläne Oesterreichs und der dadurch bedingten inneren Reformen in der Gefällsgesetzgebung niedergesetzten Ministerialcommission, mit welcher er im Jahre 1856 in das Ressort des Finanzministeriums überging. In letzterem bekleidet H. zur Zeit die Stelle eines Sectionschefs. Die vielseitige Thätigkeit H.’s spaltet sich vornehmlich in die staatsmännisch-administrative und schriftstellerische. Die erste in ihrem Glanze beginnt erst im Jahre 1848, als er an der Seite des Freiherrn von Bruck eine von lohnenden Erfolgen begleitete Energie entfaltete. Seiner Mitwirkung ist die [79] Aufhebung des Prohibitivsystems und der lästigen inneren Controlen, die Gründung der Handels- und Gewerbekammern und die Abfassung des darauf bezüglichen Handelskammergesetzes in Oesterreich zu verdanken. H. verhandelte die Zollanschlußverträge mit Modena, Parma, Liechtenstein, den Handelsvertrag mit Sardinien, den Donaudampfschiffahrtsvertrag mit Bayern und die damit zusammenhängenden Verträge über die Territorialausgleichungen und den Grenzschutz; auch war er in den Zollwirren der Jahre 1851 und 1852 der Vorkämpfer Oesterreichs, welches er auf den Zollconferenzen in Dresden, Frankfurt a. M. und Wien vertrat und den Abschluß des Handels- und Zollvertrages vom 19. Februar 1853 mit dem Zollvereine vermittelte. Bei dem dritten zu Wien abgehaltenen internationalen statistischen Congresse war H. Berichterstatter der Finanzsection und hatte in der Vorbereitungscommission das Programm für die Finanzstatistik ausgearbeitet, eine Musterarbeit in Präcision der Zusammenfassung, Durchdachtheit in seiner Gliederung und Logik in seiner Durchführung. Eine hervorragende Thätigkeit entwickelte H. bisher auch als philosophischer und nationalökonomischer Schriftsteller. Im Alter von 22 Jahren trat er mit seinem ersten Werke auf: „Cholerodea. Zeitgemälde“ (Wien 1830), demselben folgten: „Cartesius und seine Gegner, ein Beitrag zur Charakteristik der philosophischen Bestrebungen unserer Zeit“ (Wien 1833, Beck), in diesem Buche, welches bei seinem Erscheinen Gegenstand lebhafter Controversen gewesen, erscheint H. als Anhänger Günther’s [Bd. VI, S. 10]; – „Novellen und Erzählungen“ (Wien 1835, Grund, 8°.); – „Gerbert oder Papst Sylvester II. und sein Jahrhundert“ (Wien 1837, Beck, gr. 8°.); auch fällt in diese erste Zeit seiner literarischen Thätigkeit die Redaction des Wochenblattes „Der Jugendfreund“, welche er in den Jahren 1833 und 1834 führte, dem Blatte neues Leben und wissenschaftlichen Aufschwung verleihend. Nun folgte in seiner literarischen Thätigkeit eine längere Pause und seit seiner amtlichen Versetzung nach Triest ging ein völliger Umschwung in dem Geiste des scharfsinnigen Denkers vor; die unmittelbare Anschauung eines großartig gestalteten Verkehrslebens, der Anblick großer Handelsverbindungen führte den bisherigen Freund abstracter Forschungen auf das reellere Gebiet der Nationalökonomie, deren Studium er sich mit dem regsten Eifer hingab. Anfänglich trat er in kleineren Leitartikeln in dem zu Triest erscheinenden „Lloyd“ auf, welches Blatt im Jahre 1847 als das Organ des Freiherrn von Kübeck galt und worin Hock die leitenden Ideen des Hofkammerpräsidenten zum Ausdrucke brachte. Mit einer größern Arbeit trat er erst im Jahre 1844 auf, in welchem sein Werk: „Der Handel Oesterreichs“ (Wien, 8°.) erschien und dem zwei Jahre später die Schrift: „Der ungarische Schutzverein“ (Wien 1846) folgte. In der Sturm- und Drangperiode des Jahres 1848 wirkte er sowohl an der die conservative Partei leider vergeblich unterstützenden „Donauzeitung“ in Wien, wie an der „Salzburger constitutionellen Zeitung“. Als ein Ergebniß seiner amtlichen Thätigkeit unter Freiherrn von Bruck ist sein Werk: „Die Wiener Zollkonferenzen“ (Wien 1852), zu betrachten, welchem später sein Hauptwerk: „Die Finanzverwaltung Frankreichs“ (Stuttgart 1857, Cotta), folgte, von welcher die französische Kritik den bezeichnenden Ausspruch that, daß über diesen wichtigen Gegenstand der französischen Literatur vom Auslande her ein Werk [80] zugewachsen sei, wie es in solcher Gediegenheit und von solcher Bedeutung die einheimische Literatur selbst nicht besaß. Schon seit Anbeginn seines öffentlichen Auftretens machte sich an H. ein ausgeprägter philantropischer Zug bemerkbar und im Jahre 1832 begründete er einen Privatverein zur Unterstützung hilfloser Armen, der sich später einem ähnlichen von dem Grafen Hoyos-Sprinzenstein gestifteten anschloß. Diesem Zuge seines Gemüthes folgend, wurde er Mitglied des Severinusvereins, den er aber, von dessen Wirken unbefriedigt, gerade in der Zeit der beginnenden Bewegung des Jahres 1861 verließ und dadurch den Angriffen jener Partei sich aussetzte, welche den genannten Verein in ihren besondern Schutz genommen. Freiherr von Hock ist von seinem Monarchen wie von fremden für seine Verdienste vielfach ausgezeichnet worden. Außer dem Orden der eisernen Krone zweiter Classe und dem Leopold-Orden, welche ihm der Kaiser verlieh, ist H. Officier der französischen Ehrenlegion, und außerdem haben ihm Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Churhessen und Großherzogthum Hessen, Parma und Este die Commandeurkreuze ihren Civilverdienst- und Haus-Orden verliehen.

Illustrirte Zeitung (Leipzig. J. J. Weber, Fol.) Jahrg. 1858. Nr. 760. – Grenzboten, herausgegeben von Ignaz Kuranda (Leipzig. 8°.) Jahrg. 1847, Bd. I, S. 41, und Bd. III, S. 259 [beidesmal in Correspondenzen aus Wien]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 588. – Das Vaterland (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 75, 77, 86, 87. – Frankl (Ludwig August), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) IV. Jahrg. (1845), S. 304. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser (Gotha, Justus Perthes, 32°.) XII. Jahrgang (1862), S. 383 [nach diesem geb. am 13. März 1808, welche Angabe falsch ist] – Geschichts- und Erinnerungskalender (Wien, Sollinger, 4°.) Jahrg. 1837, S. 30, unter’m 18. März. – Porträt. Dasselbe befindet sich in der Illustrirten Zeitung Nr. 760 (d. J. 1858) zugleich mit den übrigen hervorragenden Mitgliedern des dritten internationalen statistischen zu Wien abgehaltenen Congresses. – Wappen. Karl Ferdinand Hock wurde mittelst kaiserl. Diploms vom 19. Juni 1852 in den erbländischen Ritterstand, und nachdem er in Anerkennung seiner Verdienste um den Handel und die Finanzen Oesterreichs den Orden der eisernen Krone zweiter Classe erhalten hatte, den Statuten dieses Ordens gemäß mit kais. Diplome vom 2. December 1859 in den österreichischen Freiherrnstand erhoben. Das Wappen stellt vor eine in Gold den obern Schildesrand berührende aufsteigende blaue Spitze, worin auf grauem Felsen ein goldenes Kreuz aufgerichtet steht, dessen drei freie Enden kleeblattförmig erscheinen. Zur rechten Seite der Spitze liegt schrägelinks, mit der Schneide nach Innen gekehrt, eine natürliche Holzsäge; zur Linken liegt schrägerechts ein mit den Wurzeln ausgerissener silberner Steinbrech (saxifraga) in voller Blüthe. Der gekrönte Helm mit blaugoldenen Decken trägt den Felsen mit dem Kreuze zwischen einem offenen von Gold über Blau quergetheilten Fluge, dessen rechter Flügel mit einem die Spitze abwärts kehrenden natürlichen Handbohrer und der linke mit einem die Spitze aufwärts kehrenden natürlichen Brecheisen belegt ist. Schildhalter. Zwei barhäuptige Männer (Handarbeiter) in enganliegender altdeutscher blauer Tracht, von welchen der rechte mit der freien Hand einen Bohrer, der linke ein Brecheisen erfaßt hält. – Stand der Familie. Karl Ferdinand Freiherr von Hock ist mit Sophie von Appeltauer (geb. 20. October 1813) vermält und stammen aus dieser Ehe zwei Söhne und eine Tochter: Ernst (geb. 6. Juli 1849); – Paul (geb. 20. October 1857); – Johanna (geb. 24. Mai 1855).

Berichtigungen und Nachträge

  1. Hock, Karl Ferdinand Freiherr von [Bd. IX, S. 78], gestorben zu Wien 2. Jänner 1869.
    Hoffinger (Dr. v.), Von der Universität. I. Die Doctoren-Collegien. II. Erinnerung an die Doctoren Carl Freiherrn von Hock und Moriz Hörnes; Victor Aimé Huber und Heinrich Ritter (Wien 1869, L. Mayer, 8°.). – Waldheim’s Illustrirte Blätter (Wien, 4°.) 1865, Nr. 18 [mit wohlgetroffenem Holzschnittbildniß]. – Presse 1866, Nr. 221 vom 14. August: „Zu den Gerüchten über Ministerwechsel“. [Bd. 28, S. 353.]