BLKÖ:Hochstetter, Ferdinand von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hoch-Müller, Joseph
Band: 9 (1863), ab Seite: 74. (Quelle)
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Hochstetter, Ferdinand von[BN 1] (Professor der Mineralogie und Geologie am k. k. polytechnischen Institute zu Wien, geb. zu Eßlingen in Württemberg 30. April 1829). Sohn des um die Naturwissenschaften, besonders um Botanik hochverdienten M. Christian Ferdinand Hochstetter, der von 1816 bis 1824 evangelischer Prediger und Schulvorstand in Brünn war und am 20. Februar 1860 als Professor und Stadtpfarrer in Eßlingen starb. Ferdinand, das vierte unter 9 Geschwistern, sollte, den Fußstapfen seines Vaters folgend, evangelischer Prediger werden und kam, nachdem er in seiner Vaterstadt die Classen des Lyceums durchgemacht hatte, in das evangelische Seminar zu Maulbronn und von da 1847 auf die Universität zu Tübingen als Stipendiat des evangelisch-theologischen Seminars (des sog. Stifts). Schon im elterlichen Hause, in welchem, da der Vater Director eines naturwissenschaftlichen Reisevereins war, der Reisende zum Behufe naturwissenschaftlicher Sammlungen nach Schweden, Norwegen, nach den azorischen und canarischen Inseln, nach Asien und Afrika schickte, fortwährend naturwissenschaftliche Sammlungen aller Art aufgehäuft waren, erhielt H. die erste Anregung für Naturwissenschaften. Auf der Universität kam diese Vorliebe zum vollen Durchbruch. [75] Die Theologie wurde nunmehr nur als Nebensache betrieben, dagegen mit allem Eifer Mathematik, Physik und Chemie studirt und zuletzt in dem anregenden persönlichen Umgang mit dem berühmten Professor der Mineralogie und Geologie in Tübingen, F. Aug. Quenstedt, Mineralogie, Paläontologie- und Geologie zum Hauptstudium erwählt. Um sich den naturwissenschaftlichen Studien ungehindert hingeben zu können, erhielt er die Erlaubniß, außerhalb des Stiftes in der Stadt wohnen zu dürfen. 1851 bestand H. das theologische Staatsexamen, im Frühjahre 1852 promovirte er an der Universität zu Tübingen mit einer krystallographischen Abhandlung über den Kalkspath zum Doctor der Philosophie (5. Mai 1852) und erhielt eine Staatsunterstützung zu einer einjährigen Reise in’s Ausland, um sich weiter in Naturwissenschaften auszubilden. Diese Reise führte ihn nach den Universitäten Heidelberg, Bonn und Berlin, ferner, insbesondere für geologische Zwecke, nach den vulcanischen Gegenden am Rhein (Laacher See, Eifel, Siebengebirge), nach dem Harz, nach Belgien und nach Schlesien und im Herbste 1852 nach Wien. Hier wurde ihm im Frühjahre 1853 von dem Director der k. k. geologischen Reichsanstalt der Antrag gestellt, sich an den Arbeiten dieser Anstalt zu betheiligen. Er ergriff mit Freuden diese Gelegenheit, sich durch ausschließlich geognostische Untersuchung größerer zusammenhängender Gebiete weiter auszubilden und führte im Sommer 1853 die geologische Aufnahme des südlichen Theiles des Böhmerwaldes aus. Diese Arbeit hatte im Frühjahre 1854 seine Anstellung als Hilfsgeologe bei der geologischen Reichsanstalt zur Folge. H. setzte als solcher 1854 die geologischen Aufnahmen in der nördlichen Hälfte des Böhmerwaldes, 1855 in der Gegend von Marienbad und Karlsbad und 1856, nach dem Hinscheiden des k. k. Bergrathes Czjzek [Bd. III, S. 114], als Chefgeologe der I. Section für Böhmen in der Gegend von Bilin und Teplitz fort. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in dem „Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt“, theils auch in den Schriften der kais. Akademie der Wissenschaften niedergelegt. 1856 begann H. als Privatdocent an der Universität zu Wien Vorlesungen über Petrographie; aber im Herbste 1856, kurz nach der zu Wien abgehaltenen allgemeinen Naturforscherversammlung, trat ein großer Wendepunct in seinem Leben ein. Se. kaiserliche Hoheit Erzherzog Ferdinand Max lud die Akademie der Wissenschaften in Wien ein, zwei Naturforscher zu bestimmen, welche die Fregatte Novara auf der beabsichtigten Reise um die Erde begleiten sollten. H. erfaßte mit Enthusiasmus diese Idee und war so glücklich, einer der Auserwählten zu sein und zum Physiker und Geologen der Expedition bestimmt zu werden. Im Auftrage des Marine-Obercommando’s begab er sich im Frühjahre 1857 nach London, um sich dort unter Anleitung des berühmten Magnetikers General Sabine in magnetischen Beobachtungen zur See einzuüben und die nöthigen magnetischen Apparate anzuschaffen. Am 30. April 1857 stach die Novara, auf’s vortrefflichste ausgerüstet, begleitet von den Glückwünschen der Bevölkerung und unter Theilnahme der ganzen österreichischen Nation, von Triest aus in See. Neben seiner wissenschaftlichen Aufgabe hatte H. vom Ministerium des Innern noch den besonderen Auftrag, Reiseberichte für die „Wiener Zeitung“ zu schreiben. Diese Berichte unter dem [76] Titel: „Expedition der k. k. Fregatte Novara unter den Befehlen des Commodore B. v. Wüllerstorf-Urbair“ gaben dem Publikum eine zusammenhängende Darstellung über den Fortgang der Expedition. Unter den von der Novara besuchten Ländern und Hafenplätzen boten hauptsächlich Madeira, das Cap, die Insel St. Paul, Ceylon, die Nicobaren, Java, Luxon und Neuseeland für H. reichen Stoff zu geologischen Beobachtungen. Auf Ceylon trennte sich H. zeitweilig von der Expedition, um den Adamspik zu besteigen, vereinigte sich aber in Madras wieder mit der Expedition. Ein Zusammentreffen glücklicher Umstände machte es möglich, daß H. in Folge einer zwischen dem Chef der Novaraexpedition und der Regierung von Neuseeland getroffenen Uebereinkunft im Jänner 1859 in Auckland zurückblieb, um auf diesem geologisch noch so wenig erforschten Inselreich umfassendere geologische Untersuchungen durchzuführen. Neuseeland wurde so das Hauptfeld der Thätigkeit H.’s. 6 Monate wurden zur Durchforschung der Provinz Auckland auf der Nordinsel verwendet, die Braunkohlenlager der Provinz, die Vulkane des Innern und die zahlreichen heißen Quellen und Geyser waren das Hauptobject. Von Auckland begab sich H. im Juni 1859 über Taranaki und Wellington nach Nelson auf der Südinsel und widmete dort 3 Monate einer Untersuchung der Kohlenlager dieser Provinz, der Kupfererzlagerstätten des Dun Mountain und der Goldfelder des Avrerethales, so wie einer geologischen Aufnahme der nördlichen Ausläufer der neuseeländischen Alpen. Zahlreiche werthvolle geologische und topographische Karten sind das Resultat dieser Arbeiten, so wie sehr kostbare Sammlungen unter welchen die Ueberreste der ausgestorbenen Riesenvögel Neuseelands (Dinornis und Palapteryx) besonders hervorzuheben sind. Umfassende Arbeiten für die Oeffentlichkeit bereitet H. vor. Am 2. October 1859 schiffte sich H. wieder nach Australien ein, besuchte dort die Goldfelder der Colonie Victoria und kehrte über Mauritius und Suez nach Europa zurück, wo er am 9. Jänner 1860 in Triest ankam, 4½ Monate nach der Ankunft der Novara. Bei seiner Ankunft in Wien wurde ihm von seinen Freunden ein sehr freundlicher Empfang bereitet und er am 29. Februar 1860 zum Professor für Mineralogie und Geologie am k. k. polytechnischen Institute ernannt, indem er seit 1853 als Geologe bei der k. k. geologischen Reichsanstalt, seit 14. August 1856 als Privatdocent für Petrographie und Geognosie an der philosophischen Facultät zu Wien thätig gewesen. Nach einer abermaligen Reise nach England im Sommer 1860, trat er sein Amt im Herbste 1860 an. Im Frühjahre 1861 vermälte er sich mit der Tochter des Directors der Gaswerke in Wien, John Bengough. Hochstetter hat folgende theils selbstständige Werke, theils umfangreichere Abhandlungen in gelehrten Sammelwerken veröffentlicht: „Karlsbad, seine geognostischen Verhältnisse und seine Quellen, mit einer geognostischen lith. Karte von Karlsbad in Farbendruck (Roy. Fol.) und einer illum. Tafel (in Quer-Fol.)“ (Karlsbad 1856, Franicek, 8°.); – „Ueber die Lage der Karlsbader Thermen in zwei parallelen Quellenzügen auf zwei parallelen Gebirgsspalten“ (Wien 1856, mit 1 lith. Tafel, 8°.), auch in den „Sitzungsberichten der math. naturw. Classe der kais. Akad, d. Wissenschaften“ (1856, XX, S. 13); – „Madeira, ein Vortrag gehalten am k. k. polytechnischen Institute“ (Wien 1861, Braumüller, 8°.); – „Die [77] ausgestorbenen Riesenvögel von Neuseeland, ein Vortrag“ (Wien 1862, Gerold, 8°.); – in den Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften in Wien, mathematisch-naturwissenschaftliche Classe“: „Das Krystallsystem des rhomboedrischen Kalkhaloides“ (Bd. VI, 1854); – in den „Sitzungsberichten“ derselben: „Ueber die Versuche des Herrn Apotheker Göttl in Carlsbad, die Sinterniederschläge der Carlsbaderquellen zur Darstellung von sog. Sinterbildern zu benützen“ (Bd. XIV (1854), S. 416); – „Schreiben an Alexander v. Humboldt über die Insel St. Paul und die Vulkane auf Luxan“ (Bd. XXXVI (1859), S. 121); – „Notizen über einige fossile Thierreste und deren Lagerstätten in Neuholland“ (Bd. XXXV (1859), S. 349);-„Bericht über geologische Untersuchungen in der Provinz Auckland (Neuseeland)“ (Bd. XXXVII (1859). S. 123); – im „Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt“: „Notiz über eine Kreideschichte bei Friedek am Fusse der Karpathen“ (1852, S. 33); – „Ueber Grünsteine aus der Gegend von Veschen“ (1853, S. 311); – „Geognostische Studien aus dem Böhmerwald“, in 6 Abschnitten: I. Granulit und Serpentin; II. die Goldwäscherei; III. Granit und Granitporphyr; IV. Glimmerschieferformation des künischen Gebirges; V. die nördliche Hälfte des Böhmerwaldes von Czerkow bis Dillen; VI. die Höhenverhältnisse des Böhmerwaldes (1854, 1855, 1856); – „Allgemeine Uebersicht der geologischen Aufnahmen in Böhmen im Jahre 1855“ (1856, S. 316); – „Ueber die Dachschieferlager des Siegenruckberges bei Rabenstein im Egererkreise in Böhmen“ (1856, S. 466); – „Ueber die geologische Beschaffenheit der Umgegend von Edelény bei Miskolcz in Ungarn, am Südende der Karpathen“ (1856, S. 692); – „Nachrichten über die Wirksamkeit der Ingenieure tür das Bergwesen in Niederländisch-Indien“ (1858, S. 277); – in der „Allgemeinen Zeitung“: „Aus dem Böhmerwald“, 8 Aufsäze (Nummern vom 16. Juni bis 9. September 1855); – in der „New Zealand gouvernement Gazette”: „Lecture on the Geology of the Province of Auckland, New Zealand“ (14. Juli 1859); – „Lecture on the Geology of the Province of Nelson, New Zealand“ (6. December 1859); – im Report of the British Association for the Advancement of science“, in Verbindung mit Ph. Lutley Sclater: „Report on the Present State of our Knowledge of the Spevres of Apteryx living in New Zealand“ (1861); – außerdem Kleinere Mittheilungen in dem „Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt“, in den „Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft“, in dem „Neuen Jahrbuch für Mineralogie“, von Leonh. von Bronn;[WS 1] ferner in der „Bohemia“ (1854), in der „Donau“ (1855), in der illustrirten Zeitung „Ueber Land und Meer“ (1861) und in der „Wiener Zeitung“ (1857–1859), in welcher in 42 Nummern der Reisebericht über die Expedition der k. k. Fregatte Novara mitgetheilt ist, welcher die Runde durch die meisten deutschen Journale des Continents machte; – demnächst werden erscheinen: „Neuseeland mit 2 Karten, 6 Farbenstahlstichen und zahlreichen Illustrationen“ (bei J. G. Cotta in Stuttgart); – „Geographisch-geologischer Atlas von Neuseeland in 6 Blättern“ (bei Perthes in Gotha) – und „Geologie von Neuseeland“, Alles wissenschaftliche Ergebnisse der Novaraexpedition, Abtheilung Geologie, I. Band. H. sind in Anerkennung seiner wissenschaftlichen, namentlich bei der Novaraexpedition erworbenen Verdienste mehrfache Auszeichnungen zu Theil geworden; so erhielt er von Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich (22. November 1859) den Orden der eisernen Krone dritter Classe; von Sr. Majestät dem [78] König Wilhelm von Württemberg (19. Februar 1860) das Ritterkreuz des Ordens der Württembergischen Krone; ferner sogenannte Ehrengaben (testimonials): von den Bewohnern der Provinz Auckland in Neuseeland a piece of plate; von den Bewohnern der Provinz Nelson in Neuseeland a casket of gold am 29. September 1859. Hochstetter ist theils wirkliches, theils correspondirendes Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften und Vereine, unter Anderen der deutschen geologischen Gesellschaft in Berlin (1855); des naturhistorischen Vereins in Augsburg (31. Jänner 1856); der Naturkundige Vereeniging in Nederlandsch Indie in Batavia (20. Mai 1858); der „Bataviaasch Genootschap van Kunsten en Wetenschapen“ (21. Mai 1888); des Sydney deutschen Turnvereins (12. October 1859); der British Association for the advancement of Science (6. December 1860); der New Zealand Royal Society (1861) u. m. a.

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) 1858. Nr. 758, S. 24 [enthält die Ansicht der Kamerine des Dr. Hochstetter am Bord der k. k. Fregatte Novara, nach einer Originalzeichnung von Seleny]. – Poggendorf (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1858, J. A. Barth, gr. 8°) Sp, 1117. – Didaskalia (Frankfurter Unterhaltungsbl.) 1859, Nr. 267. – Neueste Nachrichten (Wiener polit. Blatt) 1860. Nr. 57. – Auf der Südinsel von Neuseeland in der Provinz Nelson gab Julius Haust, jetzt Regierungsgeologe der Provinz Canterbury, der im Sommer 1860 eine Erforschungsexpedition in die Alpendistricte der Provinz Nelson unternahm, zum Andenken H.’s einem Berge, einem Fluße und einem See in den neuseeländischen Alpen den Namen „Hochstetter“. Ebenso wurden verschiedene neue Arten aus dem Thier- und Pflanzenreiche Neuseelands, die H. entdeckte, von verschiedenen Naturforschern nach ihm benannt. – Porträte. 1) Lithographie von Dauthage mit Facsimile der Unterschrift (Wien 1857. Fol.); – 2) in der Leipziger Illustrirten Zeitung (1858).

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Hochstetter, Ferdinand v. [Bd. IX, S. 74]. Im Jahre 1872 brachten die Blätter die Mittheilung: der berühmte Geologe und Naturforscher sei zum Lehrer des Kronprinzen ausersehen. Bald klärte sich jedoch die Sache auf und es stellte sich heraus, daß der Director Hochegger gemeint sei.
    Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ. VI. Jahrg. (1872), Nr. 185: „Ein Lehrer des Kronprinzen“. – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1872, Nr. 188: „Ein gutunterrichteter Correspondent“. [Bd. 28, S. 353.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Herausgegeben von Leonhard und Bronn.