BLKÖ:Göttl, Hugo

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Götz, Christian
Band: 5 (1859), ab Seite: 246. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Göttl, Hugo|5|246|}}

Göttl, Hugo (Apotheker). Zeitgenoß. Er ist der Erfinder der sogenannten Sinterbilder, welche zu ihrer Zeit die Aufmerksamkeit der Forscher rege gemacht. Es ist bekannt, daß die Quellen Karlsbads unter ihren fixen Bestandtheilen auch solche Stoffe enthalten, welche sich auf eingetauchte Gegenstände niederschlagen und dieselben incrustiren. Wie diese Eigenschaft zu mannigfachen Zwecken benützt wird, dürften alle jene erfahren haben, welche diese Quellen je besuchten. Die Masse aber, welche bei der bis vor den Versuchen G.’s befolgten Methode gewonnen ward, war einerseits sehr ungleichartig und bröckelte sich andererseits sehr leicht ab. Apotheker G. versuchte es, compacte Niederschläge zu gewinnen, die überdem von ihrer Unterlage abgelöst werden konnten. G.’s Sinterbilder bilden Abdrücke von Münzen, Caméen, ja selbst von Photographien, welche die feinsten Erhöhungen des Originals in solcher Treue wiedergeben, wie sie sonst nur durch den galvanoplastischen Proceß gewonnen werden können. Durch eine Sintermedaille von Clermont, welche Apotheker G. durch Dr. de Carro (s. d. II. Bd. S. 295) erhalten hatte, war er auf den Gedanken gekommen, die Versuche zu machen, bis zu welcher Vollendung die Oberflächenbeschaffenheit eines Gegenstandes im Abdrucke wiedergegeben werden kann. G. meinte nun auf dem eingeschlagenen Wege große Sinterplatten, als Tischplatten, lithograph. Steine u. d. m. zu erzeugen, und die großen Quantitäten des Sinters, den die Karlsbader Quellen bilden, fruchtbringend zu machen, was eine nicht unbedeutende industrielle Ausbeute für Karlsbad ausmachen würde. Da nach oberflächlicher Berechnung [247] sich herausstellt, daß der Wasserreichthum jener Quellen, welche Niederschläge geben, 36 Eimer per Minute beträgt und 4 Gran jener Stoffe auf 16 Unzen Wasser entfallen, so würde dies einen jährlichen Niederschlag von 2600 Centner liefern, eine hinreichende Quantität, um zu einem gewinnreichen Unternehmen einzuladen.

Blätter für wissenschaftliche Balneologie. 1855, Nr. 1. – Beilage zur Wiener medicinischen Wochenschrift 1856, Nr. 7: „Ueber die Sinter-Bilder des Hrn. Apothekers Göttl in Karlsbad.“ – Mercy’s Anzeiger (Anzeigeblatt in Böhmen) 1855, Nr. 200. – Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. Mathem.-naturwissenschaftliche Classe (Wien, Staatsdruckerei) XIV. Bd. S. 416 u. f. [Mittheilung von Dr. Hochstädter.]