BLKÖ:Jahnus von Eberstädt, Franz Maximilian Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 49. (Quelle)
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Franz Maximilian Freiherr Jahnus von Eberstädt in der Wikipedia
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Jahnus von Eberstädt, Franz Maximilian Freiherr von (Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. 1711, gest. zu Hamburg 26. Jänner 1772). Entstammt einem alten thüringischen Adelsgeschlechte, aus welchem mehrere Abkömmlinge in kaiserlichen Kriegsdiensten gestanden. So war ein Balthasar Wilhelm, aus der Hochheim’schen Linie kais. Oberstwachtmeister, August Albrecht von der Linie zu Großengottern, kais. Oberst, der als Commandant der Festung Raab starb; Adolph Wilhelm, k. k. Feldmarschall-Lieutenant, der als Gouverneur zu Tortona in Spanien im Jahre 1731 starb. Sein einziger Sohn war der obige Maria Theresien-Ordensritter Franz Maximilian, der von 1729–1732 zu Jena studirte und, 21 Jahre alt, als Fähnrich in die kais. Armee trat. Von Stufe zu Stufe steigend, war er im Alter von 31 Jahren, 1742, Oberstlieutenant im Infanterie-Regimente Leopold Daun Nr. 45. Mit demselben machte er die Feldzüge in Italien mit, wurde bei Piacenza, 1746, verwundet; befehligte in demselben Jahre ein Streifcorps am Po zwischen der Trebbia und dem Tidone, mit welchem er den Feind erfolgreich beunruhigte; als später die Armee in die Provence vorrückte, führte J. zuerst die Freiwilligen mit 12 Compagnien Grenadieren über den Var und nahm mit den Karlstädter Grenzern den Posten St. Laurence. Als bald nach dem Aachener Frieden die Organisirung der Militär-Grenze stattfand, wurde J., der bei diesen Truppen als tapferer Soldat im guten Andenken stand, am 5. Februar 1750 Oberst im Brooder Regimente und kam 1754 in gleicher Eigenschaft zum Peterwardeiner Regimente. Bei beiden Truppenkörpern erwarb er sich um die neue Einrichtung im Lande wesentliche Verdienste. Im siebenjährigen Kriege deckte J. Anfangs August 1757 mit dem Regimente und einigen Compagnien Warasdiner bei Landshut, Schmiedeberg und Hirschberg [50] Böhmen und vereitelte durch seine Entschlossenheit und Umsicht die Absicht des preußischen Generals von Kreuz, der ihn überfallen, bei Landshut abschneiden und aus der Gegend verdrängen wollte. Jahnus, der diesen Plan ausgekundschaftet hatte, traf seine Anstalten und erwartete den Gegner schlagfertig. Dieser, 8.000 Mann stark, mit 16 Geschützen, rückte gegen die Peterwardeiner an, die ihn muthig erwarteten und auf Schußweite mit dem Feuer zweier Geschütze begrüßten, die von einer seitwärts gelegenen Anhöhe in die Flanken ihre mörderischen Kugeln entsendeten. Zu gleicher Zeit schwenkten die Peterwardeiner ihre Gewehre über und drangen mit dem Säbel in der Faust mit solcher Entschiedenheit auf die Preußen ein, daß diese Kehrt machten und die Unseren Herren des Platzes blieben. Oberst Jahnus, dem bei dieser Gelegenheit ein Pferd unterm Leibe erschossen wurde, erhielt für diese Waffenthat in der 1. Promotion (vom 7. März 1758) den Maria Theresien-Orden und wurde überdieß zum General-Major befördert. Auch im weiteren Verlaufe des Feldzuges bewahrte sich J. als tapferer Führer, that sich bei mehreren Gelegenheiten, insbesondere aber bei Domstadl hervor, wo er zur Aufhebung und Zerstörung des preußischen Convois mitwirkte. Im Jahre 1760 wurde J. zum Feldmarschall-Lieutenant befördert; faßte aber bald den Entschluß, die österreichischen Dienste zu verlassen, weil ihm Daun’s Vorgehen jede Gelegenheit benahm, sich hervorzuthun. Er nahm in der That den Abschied, erhielt ihn auch, aber mit Beibehalt des Feldmarschall-Lieutenant-Charakters und der Ordenspension. Die Kaiserin, die dem Helden wohlgewogen war, blieb auch nach seinem Austritte mit ihm in schriftlicher Berührung, und mochte dieser Verkehr wesentlich durch J.’s Heirath mit einer der Hofdamen der Kaiserin, mit Christine Dorothea Gräfin von Auersperg, aufrecht erhalten worden sein. Nach dem Hubertsburger Frieden nahm J. die von der Stadt Hamburg ihm angebotene Stelle eines Stadt-Commandanten an, in welchem Ruheposten er sich so gefiel, daß er die Feldmarschallstelle, welche ihm die Republik Venedig im Jahre 1770 antrug, ablehnte. Zwei Jahre später starb er im Alter von 61 Jahren. Sein Sohn Franz Karl (geb. 1757) stand auch in kaiserlichen Kriegsdiensten; mit diesem erlosch dieses Geschlecht zu Ende des 18. Jahrhunderts.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 42 und 1727. – Brückner (Joh. Georg), Sammlung verschiedener Nachrichten zu einer Beschreibung des Kirchen- und Schulenstaates im Herzogthume Gotha (Gotha 1753 u. f., 4°.) Bd. III, St. 10, S. 25 u. 30. – Der Feldzug in Mähren oder die Belagerung und der Entsatz von Olmütz. Nach Quellen u. s. w. von E. v. St. (Frankfurt a. M. 1858, J. D. Sauerländer, 8°.) S. 221. – König (Valentin), Genealogische Adelshistorie oder Geschlechtsbeschreibung der im Chursächsischen und angrenzenden Landen ... im guten Flor stehenden ältesten und ansehnlichsten adeligen Geschlechter (Leipzig 1727 u. f.) Bd. I, S. 536. – Gleichenstein (H. B. Edl. v.), Tabulae genealogicae oder der vom Adel des F. S. Gotha Stemmatographia alphabetica (Frankfurt und Leipzig 1716), Nr. 45. – Krohne (J. W. F. Freih.), Allgemeines teutsches Adelslexikon (Lübeck 1774), Bd. II, S. 154. – Meding (Chr. Fr. v.), Nachrichten von adeligen Wappen (Hamburg 1786, 8°.) Bd. III, Nr. 373.