BLKÖ:Strauß, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Strauß, Eduard
Band: 39 (1879), ab Seite: 321. (Quelle)
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Strauß, Anton (Wiener Buchdrucker und Verleger, geb. in Wien im Jahre 1775, gest. ebenda 24. October 1827). Unbemittelter Eltern Sohn, der sich durch eigenen Fleiß emporschwang und um die Typographie Oesterreichs verdient machte. In den Knabenjahren erwarb er sich durch Illuminiren von Kinderbildern und später von Landkarten auf das nothdürftigste seinen Lebensunterhalt. Dadurch wurde er mit dem geschickten Kupferstecher und Zeichner Ignaz Albrecht (Alberti) bekannt, über den das „Allgemeine Künstler-Lexikon“, Herausgegeben von Dr. Julius Meyer (Leipzig 1872, W. Engelmann, gr. 8°.), Bd. I, S. 217 die ersten, jedoch höchst spärlichen Nachrichten bringt. Albrecht verwendete sich für den ebenso fleißigen als anstelligen Knaben und gab ihm sowohl Gelegenheit, seine Talente fortzubilden, als auch Beschäftigung, und als er im Jahre 1794 starb, konnte der kaum 19jährige Strauß die Leitung des hinterlassenen Geschäftes übernehmen, welches derselbe auch bis 1801 fortführte, worauf er mit Unterstützung einiger Freunde eine eigene Druckerei eröffnete. Er hatte anfangs kaum eine Presse hinreichend zu beschäftigen, allmälig aber gewann er seinem mit Umsicht, Geschmack und Thätigkeit geleiteten Geschäfte immer mehr Kunden, der Betrieb steigerte sich von Jahr zu Jahr, die Pressen mehrten sich; mit der Druckerei verband er bald eine Schriftgießerei und endlich die Papierfabrik in Unterwoltersdorf. In Wien war Strauß der Erste, welcher deutsche Typen mit geschmackvollem Schnitte besorgte. Die älteren deutschen Lettern wurden bis dahin ob ihrer nichts weniger als dem Auge wohlgefälligen Form von Schriftstellern, welche ihre Werke drucken ließen, gemieden und durch lateinische Typen ersetzt. Mit den letzteren (Antiqua, wie der technische Ausdruck lautet) sehen wir daher die Ausgaben der Modeschriftsteller jener Tage, dann die Nachdrucke der deutschen Classiker u. d. m. ohne Ausnahme ausgeführt. Strauß brachte die Fractur und gothische Schrift wieder zu Ehren. Zu diesem Verdienste, welches er sich durch die typographische Ausstattung erwarb, gesellte sich noch ein zweites, das eines soliden Verlagsgeschäftes, denn bei ihm erschienen im Vormärz die besten österreichischen Zeitschriften nicht nur im Druck, sondern zum Theil auch im Verlag. Seit dem Jahre 1810 kamen in dem letzteren der „Oesterreichische Beobachter“, [322] der „Sammler“, die „Wiener Zeitschrift“, das Hormayr’sche „Archiv“, die „Militärische Zeitschrift“ u. s. w. heraus; im Jahre 1811 die „Vaterländischen Blätter“, dieses unter J. M. Armbruster’s Redaction treffliche und inhaltreiche Blatt, das später unter Doctor Franz Sartori’s leichtsinniger Leitung (1815 bis 1820) immer mehr und mehr sank und endlich ganz einging. Vor Anbruch der Märztage 1848 zählte der Strauß’sche Verlag nachstehende Zeitschriften: „Oesterreichischer Beobachter“ (endete mit Nr. 207 am 26. October 1848), der „Wanderer“ (schloß mit Nr. 287 am 31. December 1848), das „Oesterreichische Morgenblatt“ (ging am 30. Juni 1848 mit Nr. 91 ein), die Schmidl’schen „Oesterreichischen Blätter für Literatur, Kunst, Geschichte u. s. w.“ (letzte Nummer (184) am 8. November 1848), die „Wiener allgemeine Damenzeitung“, redigirt von Dr. Hermann Meynert (endete mit Nr. 52 am 30. März 1848) und die „Oesterreichische Zeitschrift für Homöopathie“. Auch gingen aus der Strauß’schen Officin hervor: die geschmackvoll ausgestatteten Werke H. J. von Collin’s, die Meisterwerke deutscher Dichter und Prosaisten, das prachtvolle Tabellenwerk: „Europens Umwälzungskriege 1792–1814“ auf 22 Farbenblättern in Atlasform, dargestellt von Jos. J. Czösch, „Erzherzog Carl’s Grundsätze der Strategie“, in deutscher und französischer Ausgabe, u. s. w. Als Strauß im Jahre 1827 im schönsten Mannesalter von 52 Jahren starb, hinterließ er eine für die damaligen Preßverhältnisse stattlich eingerichtete Buchdruckerei mit 20 Pressen – damals gab es noch keine Dampfpressen – sammt Schriftgießerei und Papierfabrik. Nach seinem Tode führte letztere sein Neffe Karl Ditl, die Druckerei seine Witwe fort, welche sich in der Folge mit Leopold Sommer [Bd. XXXV, S. 290, Nr. 5] verband. Diese Verbindung währte bis zum Ableben der Witwe Strauß, welche im März 1845 im Alter von 81 Jahren starb. Wie das Geschäft dann unter der Firma Leopold Sommer einen immer größeren Aufschwung nahm, bis es in den Tagen des Krachs (1873) zusammenbrach, ist im Artikel Leopold Sommer erzählt.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 220.