BLKÖ:Kinsky von Wchinitz und Tettau, Joseph Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 11 (1864), ab Seite: 296. (Quelle)
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Kinsky von Wchinitz und Tettau, Joseph Graf (k. k. Feldmarschall und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Prag 22. Februar 1731, gest. zu Wien 7. Februar 1804). Sohn des Grafen Franz Ferdinand [s. d. S. 288] aus dessen zweiter Ehe mit Maria Augustina Gräfin Pálffy und Bruder des berühmten Oberdirectors und Reformators der Wiener-Neustädter Militärakademie Franz Joseph Graf K. [s. d. S. 290]. Trat als Volontär 1751 in die kaiserliche Armee. Beim Beginne des siebenjährigen Krieges war er Fähnrich im Dragoner-Regimente Liechtenstein. Bald gab er Proben ungewöhnlicher Tapferkeit. Im Treffen bei Reichenstein, von einem Schuß in die Schulter getroffen und am Kopfe verwundet, sah er sich mit einem Male von mehreren Feinden umringt, welche ihn gefangen nahmen und ihm die Fahne entreißen wollten. Da sprengte K. mit Blitzesschnelle auf einen preußischen Officier los, hieb ihn zusammen und entkam glücklich mit seiner Standarte. Für seine Waffenthat wurde er auf dem Schlachtfelde zum Hauptmann befördert. Noch an seinen Wunden leidend, nahm er an der Schlacht von Prag Theil, gerieth aber, als ihm das Pferd unterm Leibe erschossen wurde, in Gefangenschaft. Bei dem Angriffe der Preußen auf die Verschanzungen bei Pasberg that sich K. durch seine Tapferkeit so hervor, daß ihn der General Kleefeld in der Relation besonders rühmlich nannte. Sein Muth und Diensteifer erwarben ihm bald General Loudon’s Vertrauen, der in der Folge bei den wichtigsten Aufträgen sich seiner bediente. In der Schlacht bei Kunersdorf (12. August 1760) waren die auf ihrem linken Flügel geschlagenen Russen bereits in Unordnung gerathen, die Gefahr wuchs für die Unseren. General Loudon führte nun die Infanterie in’s Feuer, Kinsky aber fiel mit dem Dragoner-Regimente Löwenstein, welches er als Oberstlieutenant befehligte, [297] mit solcher Entschlossenheit der feindlichen Reiterei in die Flanke, daß diese, in Unordnung gebracht, auf ihre eigene Infanterie geworfen wurde, worauf die Verwirrung in den feindlichen Reihen allgemein wurde. Loudon schickte nun den Grafen mit der Siegesnachricht nach Wien, wo ihn die Kaiserin mit Ring und Dose beschenkte. Bei Landshut (23. Juni 1760) führte K., mittlerweile Oberst geworden, die Freiwilligen an und zeichnete sich da, wie auch später bei der Einnahme von Schweidnitz aus. Am 30. April 1762 wurde er in der 7. Promotion mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Am 14. Juni 1762 wurde K. mit dem Oberstlieutenant Kiß gegen Neumarkt beordert, um den dort mit 600 Reitern stehenden preußischen Oberst Reitzenstein zu allarmiren. Nachdem die nöthigen Aufstellungen beendet waren, gingen Kiß und Kinsky mit 400 Huszaren und 200 Dragonern, welche letzteren als Unterstützung der Huszaren dienten, vorwärts, als sie mit Tagesanbruch bei Kammendorf auf zwei feindliche Cavallerie-Regimenter stießen. Kinsky griff sie mit seinen 400 Huszaren an und warf sie zurück. Leider hatten die zur Unterstützung der Huszaren aufgestellten 200 Dragoner sich verleiten lassen, die fliehenden Feinde zu verfolgen, bei welcher Gelegenheit sie von einer von Gerstorf herbeigeeilten feindlichen Reiterabtheilung angegriffen und geworfen wurden, und in Folge dessen mehrere der von uns bereits gefangenen Preußen zurückgelassen werden mußten. Dennoch sind 119 Gefangene von Kinsky eingebracht worden. Im März 1768 wurde K. zum General-Major, 1770 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und im Mai 1773 wurde er Inhaber des fünften Chevaux-legers-Regiments. Im darauffolgenden bayerischen Erbfolgekriege befehligte K. eine Division in der Hauptarmee. Als bei Brix am 5. Februar 1779 unsere Vorposten von dem Feinde bereits geworfen waren und K. mit seinem Corps sich vor zwei starken feindlichen, von General Möllendorf befehligten Colonnen zurückziehen mußte, da bewerkstelligte er diesen Rückzug so geschickt, daß der Feind nirgends Gelegenheit fand, ihn anzugreifen und die feindliche Reiterei, sobald sie in ihrer Verwegenheit sich näher wagte, jedesmal mit großen Verlusten zurückgeworfen wurde. Nach dem Friedensschlusse wurde K. commandirender General in Ungarn, im September 1787 General der Cavallerie und als solcher mit der Concentrirung und Aufstellung der Hauptarmee gegen die Türken beauftragt, deren Oberbefehl dann der Kaiser selbst übernahm. Als im September 1788 die Hauptarmee von Ilona nach Karansebes sich zurückzog, hielt sich K. während dieses Rückzuges bei der Arrièregarde auf, traf alle Anstalten, um die größte Ordnung zu erhalten und den wiederholten Angriffen der Türken energischen Widerstand entgegenzusetzen. Da K. ein tüchtiger Reitergeneral war, wurde er Unterinspector der Cavallerie, am 22. Mai 1796 Feldmarschall, Commandirender in Oesterreich und Stadtcommandant von Wien, welchen Posten er bis zum 5. September 1800 bekleidete, und dann sich in den Ruhestand zurück zog, den er noch vier Jahre zu Wien genoß, Graf Kinsky war ein Liebling des Kaisers Joseph, der sich seiner, da er ein ebenso tapferer als einsichtsvoller und kenntnißreicher Soldat war, mit großer Vorliebe bei den Reformen bediente, die er mit der Armee vornahm. Man nannte ihn seinen „Faiseur der Cavallerie“, wie Alvinczy jener der [298] Infanterie hieß. Der Graf Joseph war unverehelicht geblieben und ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 144 und 1730. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon (Wien 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. III, S. 532. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., Firm. Didot, 8°.) Tome XXVII, p. 761. – Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels vom Herren- und Ritter-Stande (Wien, 4°.) Bd. V, S. 136.