BLKÖ:Kleefeld, Wenzel Mathias Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Klee, Hermann
Band: 12 (1864), ab Seite: 35. (Quelle)
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Kleefeld, Wenzel Mathias Freiherr von (k. k. Feldzeugmeister und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Kaurczym in Böhmen 1713, gest. zu Marburg in Steiermark 16. April 1779). Sein wahrer Name ist Wenzel Hnogek von Kleefeld, und wenn er in den verschiedenen Quellen gerade umgekehrt als Kleefeld von Hnogek aufgeführt wird, so ist das unrichtig und eine unstatthafte Umwandlung des Prädicates in den Geschlechtsnamen. Die Gewohnheit aber, ihn nach dem wohlklingenderen Geschlechtsnamen zu bezeichnen, mag jene Verwechslung herbeigeführt haben; auch kommt es sehr häufig vor, daß sich Personen, wenn sie ein Adelsprädicat erworben haben, sich dieses letzteren statt ihres eigentlichen Namens bedienen, und das ist bei Kleefeld der Fall. Kleefeld’s Vater war viele Jahre Syndicus in Kaurczim; der Sohn trat, 19 Jahre alt, im J. 1732 in das damalige Infanterie-Regiment Guido Starhemberg, mit welchem er die Feldzüge d. J. 1733, 1734 und 1735 in der Lombardie, 1736 bis 1739 gegen die Türken mitmachte und damals bereits zum Hauptmann und Adjutanten des Feldmarschalls Olivier Grafen Wallis vorgerückt war. Von 1740–1748 focht er unter den Feldmarschällen Lobkowitz und , in den Feldzügen in Schlesien, Böhmen, Bayern und den Niederlanden, und hatte sich schon zu öfteren Malen, vornehmlich aber im Türkenkriege zu Kroczka, in Bayern aber bei Vilshofen ausgezeichnet. Im Jahre 1747 wurde er zum Oberstlieutenant und General-Adjutanten befördert, und als nach hergestelltem Frieden die Organisirung der croatischen Militärgrenze ausgeführt wurde, wobei er selbst eine energische Thätigkeit entfaltete, ward er im Februar 1750 zum Obersten des 11. Grenz-Regiments ernannt. In Anerkennung seiner in letzter Eigenschaft, wie auch früher erworbenen Verdienste, erhielt er im Mai 1754 den Ritterstand. Bei Ausbruch des siebenjährigen Krieges wurde ihm als Oberst das Sluiner Grenz-Regiment verliehen. Im Jahre 1757 rückte K. in Folge seiner vor dem Feinde bewiesenen Tapferkeit zum General-Major und 1760 zum Feldmarschall-Lieutenant vor. Im Jahre 1773 trat er nach 41 ruhmvollen Dienstjahren, mit dem Range eines Feldzeugmeisters, in den Ruhestand über, den er nur noch wenige Jahre genoß. K. hatte sich bei vielen Gelegenheiten als umsichtiger und muthvoller Führer seiner Truppen bewährt. So hatte er in der Schlacht bei Kollin mit zwei Bataillonen seines Regiments das vor der Fronte liegende Dorf Chotzen geraume Zeit vertheidigt, dabei ein Pferd unter dem Leibe verloren und eine Wunde im Fuße erhalten. Am 19. Juli 1757 von dem General Hadik beordert, den auf dem Rückzuge aus den böhmischen Gebirgen in die Lausitz begriffenen Prinzen Heinrich [36] von Preußen in kleinen Gefechten zu beunruhigen und aufzuhalten, nahm er dem Feinde im Vollzuge dieses-Auftrages mehrere Kanonen, einen Theil der Bagage weg und wurde in Folge dessen General-Major. Am Sebastianberge, wo er im Juli 1758 lag, um die Bewegungen der Preußen im Erzgebirge zu beobachten, schlug er am 31. Juli einen vom Feinde beabsichtigten Ueberfall siegreich zurück. Im Feldzuge des Jahres 1759 hieb er mit seinen Croaten im Treffen bei Dohna auf die Preußen ein, jagte sie aus ihren Verschanzungen auf dem Goldberge und verfolgte sie bis Falkenhain. Zu seinen schönsten Thaten aber gehört die Gefangennehmung des preußischen Parteigängers Froideville, welcher im Winter und Frühling des J. 1760 im Erzgebirge und an den Grenzen des Voigtlandes hauste, unerschwingliche Contributionen eintrieb, den Einwohnern Getreide, Pferde, Wagen u. dgl. m. wegnahm und seit Monaten solche Bedrückungen ausübte, daß er ebenso gehaßt als gefürchtet war. Kleefeld, welcher damals in Plauen stand, hatte beschlossen, diesem Unfuge für immer ein Ende zu machen und den Parteigänger aufzuheben. Das war aber eine um so schwerere Aufgabe, als es zu Froideville’s System gehörte, jedem Kampfe sorgfältig auszuweichen, in den Ortschaften, welche er brandschatzte, nie sich aufzuhalten, bei Nacht sein Quartier zwei oder dreimal zu wechseln, kurz auf die gewandteste Art allen Nachforschungen sich zu entziehen. Kleefeld hatte nun durch seine Kundschafter erfahren, daß Froideville eine Nacht über im Dorfe Niedernülsen bleiben würde. Wie vorsichtig dieser Letztere auch seine Vorkehrungen getroffen, Vorposten aufgestellt und alles vorbereitet hatte, um jeden Ueberfall zu vereiteln, so war es K. doch gelungen, mit einem kleinen aus Croaten, Dragonern und Huszaren bestehenden Detachement von rückwärts in das Dorf zu gelangen. Aber Froideville hatte bereits Nachricht von Kleefeld’s Anmarsche, und da es ihm zu entwischen unmöglich war, stellte er sich vortheilhaft auf und stand kampfbereit. Kleefeld traf sogleich seine Dispositionen zum Angriffe. Seine Huszaren hieben auf Froideville’s Reiter ein, die sofort Kehrt machten und von ihren siegreichen Gegnern über eine Stunde verfolgt wurden. Die Dragoner sprengten in die feindliche Infanterie, und nachdem sie dieselbe in völlige Unordnung gebracht, überließen sie den Croaten das Weitere, während sie selbst die Huszaren in der Verfolgung unterstützten. Die Croaten aber fielen über das in Unordnung gebrachte Fußvolk, trieben das sich flüchtende vor sich in die Mulde, wo viele sich durch Schwimmen zu retten versuchten, die meisten aber niedergemacht oder gefangen wurden, unter welch letzteren sich Froideville befand. – Einen Beweis seltener Geistesgegenwart und Klugheit gab aber Kleefeld am 31. October d. J., als er, in Leipzig liegend, von den Preußen, welche mit ihrer ganzen Macht vor der Stadt standen, aufgefordert wurde, mit seinem Corps und 3 deutschen Bataillonen sich kriegsgefangen zu ergeben. An einen Kampf war bei der starken Uebermacht des Feindes nicht zu denken; da benützte K. den eben einfallenden dichten Nebel zur Ausführung seines Planes. Mit den vor der Stadt stehenden Preußen unterhandelte er über die Bedingungen der Waffenstreckung und zog die Verhandlungen absichtlich, jedoch so klug, daß der Feind die wahre Ursache nicht ahnen konnte, in die Länge. Von dem Nebel begünstigt, hatte sein Corps indessen [37] die Stadt verlassen und war, als K. die Verhandlungen abbrach, so weit voraus, daß der Feind es nicht mehr einzuholen im Stande war. – Im Feldzuge des Jahres 1761 schlug er im Mat den Obersten Dingelstädt bei Gepulzig und machte 200 Gefangene; im Treffen bei Freiberg aber (15. October), in welchem K. die Avantgarde befehligte, stieß er auf zwei feindliche Bataillone. Ehe diese Zeit gewonnen, sich dem Angriffe zu stellen, ließ K. seine Huszaren einhauen, welche Alles theils niedermachten, theils gefangen nahmen. Drei Fahnen und drei Kanonen waren die Trophäen dieses Tages. Für alle diese Waffenthaten wurde K. in der nach Beendigung des Feldzuges 1762, am 31. November 1763, stattgehabten 9. Promotion mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. K., welcher sich von der Pike an zu der Charge eines Feldzeugmeisters aufgeschwungen, war ein ebenso muthiger Kriegsheld als organisatorischer Kopf, der mit einem Scharfblick ohne Gleichen eine seltene Geistesgegenwart verband, die er im Felde immer zum Nachtheile des Feindes zu verwerthen verstand. Er war, als er in Steiermark starb, 66 Jahre alt geworden und hatte in einer 41jährigen Dienstzeit 22 Feldzüge mitgemacht.

Ritterstands-Diplom vom 12. März 1754. – Freiherrnstands-Diplom vom 11. August 1764. – Der Feldzug in Mähren oder die Belagerung und der Entsatz von Olmütz. Nach Quellen ... (zum Säcular-Gedächtniß von 1758), von E. v. St. (Frankfurt a. M. 1838, J. D. Sauerländer, 8°.) S. 237. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon von J. Hirtenfeld (Wien 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. III, S. 549. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1856, Staatsdruckerei, 4°.) S. 183 u. 1731. – Freiherrliches Wappen. Gevierteter Schild mit Herzschild. 1 und 4: in Gold ein schwarzer Doppeladler mit aufgesperrtem Schnabel, roth ausgeschlagener Zunge, ausgebreiteten Flügeln und von sich gestreckten Fängen; 2 u. 3: blaues Feld mit silbernem Fußschilde, in Blau ein einwärtsgebogener geharnischter Arm, in der entblößten Hand einen Degen haltend; der silberne Schildfuß ist mit drei rothen Kugeln belegt. Das Herzschild zeigt in Grün drei an ihren Stengeln aufgerichtete Kleeblätter. Den Schild bedeckt die Freiherrnkrone, auf welcher drei gekrönte Turnierhelme ruhen. Aus der Krone des rechten Helms erheben sich drei Pfauenfedern, aus jener des mittleren ein geharnischter Mann, in der rechten Hand ein entblößtes Schwert schwingend, während die Linke in die Seite gestemmt ist; aus der Krone des linken Helms wächst ein rechtsgekehrtes, zum Sprunge gestelltes silbernes Einhorn. Die Helmdecken sind rechts roth mit Gold, links blau mit Silber belegt. Das frühere ritterliche Wappen war nur wenig von dem freiherrlichen unterschieden. Der Herzschild fehlte und seine drei Kleeblätter befanden sich im vierten Felde, welches im freiherrlichen Wappen mit dem ersten übereinstimmt. Der Schildesfuß von 2 u. 3 war golden und mit drei schwarzen Kugeln belegt. Auf dem Schilde ruhten nur zwei Turnierhelme, der rechte trug den Adler von 1, der linke aber vier schwarze wallende, mit einem silbernen Einhorn belegte Straußenfedern. Die Helmdecken waren rechts schwarz mit Gold, links roth mit Silber.