BLKÖ:Hartenkeil, Johann Jacob

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 389. (Quelle)
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Hartenkeil, Johann Jacob (Arzt, geb. zu Mainz 28. Jänner 1761, gest. zu Salzburg 7. Juni 1808). Der Sohn des Hofkürschners zu Mainz, besuchte die Jesuitenschulen daselbst und sollte auf den Wunsch seiner Eltern auch in den Orden treten, als dieser Plan durch die 1773 erfolgte Aufhebung des Ordens vereitelt wurde. H. entschloß sich nun die Medicin zu studiren und begab sich 1779 nach Würzburg, wo er unter Karl Caspar von Siebold die Chirurgie hörte und auf dessen Rath nach Straßburg sich begab, um sich noch mehr im chirurgischen Studium auszubilden. Bis 1782 blieb H. in Straßburg und kehrte dann nach Würzburg zurück. Siebold empfahl H. nun dem damaligen Erzbischofe von Salzburg, der gerade einen talentvollen jungen Mann suchte, den er nach Paris und London zur gänzlichen Ausbildung auf eigene Kosten schicken, dann aber zu seinem Leibchirurgen ernennen wollte. Im Jahre 1784 erhielt H. in Würzburg die Doctorwürde und trat im Frühling 1785 die Reise nach Paris an, wo er für seine Ausbildung alle Heilinstitute und die Vorträge der Professoren seines Faches etwas über ein Jahr besuchte. Plötzlich ward er nach Spaa zu seinem daselbst sehr schwer erkrankten Gönner, dem Erzbischofe, berufen; Hartenkeil verließ seine medicinischen Studien, und behandelte den ehrwürdigen Oberhirten mit solchem Geschick, daß dieser, aus Dankbarkeit für [390] seine Herstellung, die ihm ausgeworfene Unterstützungssumme bedeutend erhöhte. Nun kehrte H. nach Paris zurück, beschloß aber, den Winter in London zuzubringen. Durch Empfehlungsbriefe gelang es H. in England die Bekanntschaft der vorzüglichsten Männer seines Faches zu machen. Unter diesen war ein Hunter, ein Tott, der rühmlichst bekannte Simon und Joseph Banks, in dessen Hause damals ein Verein von Naturhistorikern und Aerzten bestand, welcher insgemein die Samstagsgesellschaft hieß, weil dessen Versammlungen am Sonnabend stattfanden. In einer derselben hielt H. über die Operation des Augenstaars einen Vortrag und erhielt die Aufforderung, das Verfahren am Cadaver zu erläutern, welchem Wunsche er entsprach und sich dadurch die Theilnahme der ersten Londoner Aerzte erwarb. Im Juni 1787 begab sich H. nach Salzburg und trat den Posten des erzbischöflichen Leibchirurgs an, mit welchem der Hofrathstitel und eine Besoldung von 1000 fl. verbunden war. In Salzburg blühte damals einiges literarisches Leben. Aufgefordert von mehreren Seiten, entwarf H. den Plan zu einer medicinisch-chirurgischen Zeitschrift, wandte aber volle zwei Jahre zu den Voreinleitungen an, leitete eine weitläufige Correspondenz mit den berühmtesten Literatoren seiner Wissenschaft ein, ordnete seine Bibliothek, bewarb sich um Mitarbeiter und Materialien, und dann erst legte er Hand an das Werk. Im Jahre 1790 begann die medicinisch-chirurgische Zeitschrift zu erscheinen, deren Redaction Hartenkeil und Metzler durch vier Jahre gemeinschaftlich besorgten. Von 1794 an blieb H. bis an seinen Tod ununterbrochen der alleinige Herausgeber. Für die Tüchtigkeit des Journals sprechen die steigende Theilnahme für dasselbe und der vermehrte Absatz. Fest, parteilos, unbestechlich sprach sich dieses Journal jederzeit über die Zeichen der Zeit aus, über die wechselnden Systeme, über die Gründe ihrer Verfechter. H. lebte ganz für seine Zeitschrift und beschränkte seine ärztliche Praxis lediglich auf einige der ersten Familien. Doch nahm ihn die Zuziehung zum collegium medicum stark in Anspruch. Im Jahre 1800 besorgte er die Aufsicht der Feldspitäler, denen selbst die Franzosen Gerechtigkeit widerfahren ließen, indem sie dieselben als die wohlgeordnetsten rühmten, welche sie jemals gesehen hätten. Durch den Frieden von Luneville kam Salzburg an den Erzherzog Ferdinand, welcher im Jahre 1804 nach H.’s Idee einen Medicinalrath organisirte, und ihn zum Director desselben und zum Vorstand des medicinisch-chirurgischen Studiums an der dortigen Universität ernannte. Nach dem Frieden von Preßburg gelangte Salzburg an die österreichische Dynastie; Kaiser Franz, der ihm schon 1793 die große goldene Medaille und den Rathstitel verliehen, und auch sonst noch Beweise kais. Huld gegeben hatte, ernannte H., da Verhältnisse eine Umstaltung des Systems forderten, zum Protomedicus und zum wirklichen k. k. Regierungsrathe. Hartenkeil genoß aber dieses schönen Standpunctes nicht lange. Seine durch das Salzburger Klima sehr angegriffene Gesundheit schien sich zwar im Winter 1807 mit einem Male bessern zu wollen; doch nur zum Schein. Am 25. Mai 1808 überfiel ihn ein Brustkrampf mit außerordentlicher Gewalt und schon nach zwei Wochen machte der Tod seinem Leiden ein Ende. Als Schriftsteller hat H. mit Ausnahme der obigen Zeitschrift, deren Gediegenheit jedoch selbst im Auslande [391] anerkannt ist, nur Weniges geleistet. Anläßlich seiner Doctor-Promotion gab er heraus: „Dissertatio de vesicae urinariae calculo“ (Wirceburg 1785, 4°.), worin er Le Cat’s Methode vertheidigt; – dann veröffentlichte er noch ein „Schreiben an die Viehbesitzer im Lungau, in Betreff der ausgebrochenen Viehseuche“ (Salzburg 1797, 8°.); – ferner veranstaltete er neue Ausgaben von Berh. Siegfr. Albini’s: „Historia musculorum hominis. Editio altera not. auct.“ (Bamberg 1784, mit neuem Titelblatte 1796, 4°.); – von F. W. Ficker’s: „Unterricht für die Salzburger Hebammen“ (Salzburg 1787 und noch öfter Mayr, 8°.); – in Gemeinschaft mit S. Th. Sömmering des August Schaarschmidt: „Anatomische Tabellen. Mit Zusätzen“ (Frankf. a. M. 1803, gr. 8°.); – und ohne Namen veröffentlichte er: „Ueber Loudon’s Krankheit und Tod. Eine medicin. Fehde“ (Salzburg 1792, Mayr, 8°.).

Weissenbach (Alois), Biographische Skizze von J. J. Hartenkeil (Salzburg 1808, 8°.). – Medicinisch-chirurgische Zeitschrift, begonnen von Hartenkeil, fortgesetzt von J. N. Ehrhart, 1808, Nr. 53 – Baader (Clemens Alois), Gelehrtes Bayern, S. 445. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 512. – Neue Annalen der Literatur des österreichischen Kaiserthumes. II. Jahrg. 1808 (Wien, Doll, 4°.) Intelligenzblatt, September, Sp. 113: „Nekrolog“; – Intelligenzblatt. October, Sp. 152. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, 4°.) II. Section, Bd. 3, S. 14. – Vaterländische Blätter, redigirt von J. M. Armbruster (Wien), 1808, S. 272. – Oesterreich’s Pantheon (Wien, Adolph). Bd. II, S. 156. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Bd. XXIII, Sp. 464 [nach dieser gest. 7. Juni 1808]. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1826, Stettini). Bd. I, Sp. 555. [Die irrige Angabe des 25. Mai als seines Todesdatums, welches hie und da, u. A. in Oettinger’s „Bibliographie biographique“ (Bruxelles 1854, Stienon, Lex. 8°.) Bd. I, Sp. 709, vorkommt, entspringt aus der Verwechslung des Tages, an dem er von dem Krampfe befallen wurde, der seinen Tod veranlaßte, mit seinem 14 Tage später erfolgten Todestage.] – Porträte. 1) Gestochen von Bollinger 1801 (Berlin, Nicolai); – 2) Unterschrift: Hartenkeil (Wien, 4°., ohne Angabe des Zeichners und Lithographen), auch in der „Porträten-Gallerie berühmter Aerzte und Naturforscher des österreichischen Kaiserthumes“ (Wien 1838, 4°.) Blatt 36.