BLKÖ:Weinrauch, Johann Caspar

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Weinrich, Karl
Band: 54 (1886), ab Seite: 56. (Quelle)
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Weinrauch, Johann Caspar (Zeichner und Kupferstecher, geb. in Bamberg 1765, gest. zu Wien am 26. Juli 1846). Ueber diesen vortrefflichen Künstler, der ein ebenso geschickter Zeichner war, als er gewandt den Grabstichel zu führen verstand, wissen wir nur, daß er früh nach Wien kam und daselbst bis zum Tode in seinem Fache wirkte. Wie es so oft der Fall, geschah es auch bei ihm, daß ihn des Lebens Nothdurft zu Arbeiten nöthigte, in welchen er wohl seine seltene Kunstfertigkeit und sein ungewöhnliches Zeichentalent bethätigen konnte, seinem Genius aber nicht die Gelegenheit geboten war, die Schwingen zu jener Höhe zu erheben, zu der ihn Anlage und Ausbildung befähigten. Von größeren Werken ist außer zwei Blättern, in welchen er Kaiser Joseph II. „im Elysium begrüßt“ und Kaiser Franz verherrlicht darstellt, uns kein anderes bekannt. Dagegen als Kleinmeister steht er unter den Künstlern seiner Art in erster Reihe, und seine Arbeiten geben den besten eines Chodowiecky, [57] Bolt, Jury, Meno Haas u. s. w. nichts nach, ja man kann ihn, wenn er auch nach der Zahl seiner Blätter nicht so stark vertreten ist, doch nach Geist und Ausführung derselben ohne Bedenken den österreichischen Chodowiecky nennen. Der viel beschäftigte Künstler arbeitete meist für Buchhändler und schmückte Taschenbücher, Dichterwerke und Sammlungen schöngeistiger Schriften mit seinen Zeichnungen,. die dann von Anderen, mehrmal auch von ihm selbst und mit eben solcher Kunstfertigkeit in Kupfer gestochen wurden, als sie correct und verständnißvoll gezeichnet waren. In einem dramatischen Sammelwerke, welches zu Ende des vorigen Jahrhunderts zu Wien herauskam und die beliebtesten dramatischen Arbeiten des damaligen Bühnenrepertoires enthält, war jedes Stück mit einem Titelkupfer geschmückt, zu welchem Weinrauch die Zeichnung und der geschickte Kupferstecher J. Albrecht in Gemeinschaft mit unserem Künstler den Stich geliefert hat. Die Zahl dieser Blätter beläuft sich über hundert; wir nennen davon nur jene, auf denen Weinrauch seinen Namen eingestochen hat; es sind: „Ritter Adelungen“. – „Alderson. I., II. und III. Theil“. – „Adelheid von Wulfingen“. – „Die bezähmte Widerbellerin von Schink“. – „Der deutsche Hausvater“. – „Edelmuth stärker als Liebe“. – „Elfriede“. – „Die Erbschleicher“. – „Friedrich von Oesterreich“. – „Der Geisterbeschwörer“. – „Fust von Stromberg“. – „Die Grafen Guiscardi“. – „Johann Hennuyer, Bischof von Lizieux“. – „Der Jurist und der Bauer“. – „Caspar der Thorringer“. – „Der Kaufmann von Venedig“. – „Das Kind der Liebe“. – „Die Majestät in der Klemme“.,– „Der Mann nach der Uhr“. – „Masaniello von Neapel“. – „Menschenhaß und Reue“. – „Oda, die Frau von zwei Männern“. – „Olivie“. – „Otto von Wittelsbach“. – „Das Räuschgen“. – „Die schone Wienerin“. – „Die Sonnenjungfrau“. – „Curt von Spartau“. – „Stadira“. – „Die Verschwörung der Pazzi“. – „Wer ist Sie?“. – „Die Verschwörung des Fiesco“. – „Graf Wiprecht von Groizsch“. In dieser Sammlung von Theaterstücken tragen auch die übrigen Blätter, welche den Namen des Künstlers nicht zeigen, so bestimmt den Charakter seiner Zeichnung, daß gar nicht daran zu zweifeln, daß sie von Weinrauch herrühren. .Vom Stich aber gilt, daß derselbe, wenn kein Stecher genannt ist, von niemand Anderem als von J. Albrecht ausgeführt ist. Auch hat Weinrauch zu Collin’s dramatischen Werken die schönen Titelblätter gezeichnet, unter denen jenes zu „Maeon“ besonders gelungen ist; – ferner zu Schiller’s „Cabale und Liebe“, 2. Act, 7. Scene: „Vater! ehe Sie meine Gemalin beschimpfen, durchstoße ich sie“ und zu einem anderen Stücke: „Die Unvermälte“ zur Stelle: „Geht, bittet um des Vaters Segen“, in welchem Bilde eine Figur mit jener des Präsidenten in „Cabale und Liebe“ fast gleich ist; dann im „Frauenzimmer-Almanach“ für 1803 zwei Scenen: „Sie also will mir meinen Sohn vorenthalten?“ und „Ach! kann ein Mutterherz mehr leiden als das meinige?“ und zur Erzählung „Röschen und Alexis“ im nämlichen Almanach, Jahrgang 1804, zu „Scenen aus der Familie Ehrenburg“: „Dieser Kranz sei euerer Unschuld Preis“; von weiteren Blättern [58] Weinrauch’s kennen wir zwei Scenen in Collin’s „Regulus“: „Gutes armes Kind, die Götter schützen dich, da ich’s nicht kann“ und „Für diese sorget!“, und zwei Blätter zur Idylle „Die Rumford’sche Suppe“, von Karoline Pichler, welche Weinrauch nicht nur gezeichnet, sondern auch gestochen hat; dann ein Blatt mit der Unterschrift: „Die Parzen verlängern den menschlichen Lebensfaden“, bezeichnet Weinrauch sc.; Titelvignette und Titelblatt zu dem Roman: „Der Wundermann oder die geraubten Mädchen“ (Wien und Prag bei Franz Haas, 1796) und das Titelblatt: ein die Leier spielender Apollo, gelehnt an das Postament, auf welchem man Venus sieht, die den Amor im Leierspiel unterrichtet, zu Ludwigh’s Gedichten (Güns 1827), dann eine Folge von Blättern zu Ramler’s Mythologie, welche zu seinen schönsten Arbeiten gehören; zwei große Stiche: „Die Rückkehr des Kaisers und der Kaiserin 1809“ und „Empfang des Kaisers Joseph II. in den elysäischen Feldern“, zwei seiner größten Blätter; und die Wiener Magistratsbibliothek besitzt das von Weinrauch nach der Natur gezeichnete und gestochene Blatt: „Originalvorstellung der am 19. September 1790 in der Hofkirche der F. P. Augustiner vollzogenen Vermälung Ihrer Maj. Maria Clementina[WS 1], Königin beider Sicilien. Ferner stach Weinrauch viele Bildnisse, darunter: Wenceslaus princeps de Liechtenstein, Montesquieu, Lessing, Laudon, Dr. D. M. Niemieczky, Vasco de Gama, Gottfried Emanuel Wenzel, Eduard Young u. A. Doch ist der Bildnißstich Weinrauch’s schwächste Seite. Während man heutzutage nach alter bemalter Leinwand sucht und in gelindes Entzücken geräth, wenn man eine rußige Madonna, die aussieht wie ein pensionirter Rechnungsrath, aus irgend einem staubigen Winkel hervorzieht, sind unsere Kleinmeister, wir nennen nur neben Weinrauch den trefflichen Friedrich John, David Weiß, Axmann, Langer, Putz, Mahlknecht, Kotterba, nahezu verschollen und vergessen, Ueber Lebensgang und Schaffen derselben sind wir mit geringer Ausnahme nur sehr ungenau unterrichtet, so können wir z. B. über Weinrauch nicht einmal den oder die Meister angeben, dessen oder deren Unterricht er genossen. Da ist man denn doch in Berlin gegen die Kleinmeister pietätvoller, und erst jüngst har es ein feinfühliger Kunstkenner, Walther Schwarz[WS 2], unter welchem Pseudonym sich eine geistvolle Berliner Dame verbirgt, unternommen, uns in kleinen, aber mit Liebe und innigem Verständnisse geschriebenen Essays, welche für Kenner und Sammler eine Menge pikanter und interessanter Detaills enthalten, die bedeutendsten Kleinmeister der Berliner Schule, wie Bolt, Jury, Georg Friedrich Schmidt, Chodowiecky u. A. vorzuführen. – In den Zwanziger-Jahren lebte ein zweiter Kupferstecher Weinrauch, mit Vornamen Anton, vielleicht ein Sohn des obigen Johann Caspar, in Wien, jedoch wissen wir über ihn nichts Näheres. Nagler läßt Johann Caspar Weinrauch schon 1836 gestorben sein, was aber unrichtig ist.

Tschischka (Franz). Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate geographisch dargestellt (Wien 1836, Fr. Beck’sche Buchhandlung, gr. 8°.) S. 406.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Maria Carolina.
  2. Wanda von Dallwitz.