BLKÖ:Weinmiller, Karl Friedrich Clemens

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 54 (1886), ab Seite: 54. (Quelle)
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Weinmiller, Karl Friedrich Clemens (k. k. Hofkammersänger, geb. in Dillingen am 8. November 1764, gest. zu Oberdöbling nächst Wien am 16. März 1828). Unser Künstler wird öfter auch Weinmüller geschrieben, und selbst auf seinem Bildnisse finden wir diese irrige Schreibung. Beim Hinscheiden seines Vaters, welcher Hofrath in Diensten des damaligen Fürstbischofs von Trier war, stand er noch im zartesten Alter, worauf er unter die Leitung eines Stiefvaters keim. Bald machte er sich durch besonderen Fleiß in seinen Studien und durch Neigung und Talent zum Gesange, vornehmlich durch seine schone Stimme auf dem Kirchenchor so bemerkbar, daß er die Liebe des Fürsten immer mehr und mehr gewann und von demselben das Versprechen erhielt, daß, wenn er so fleißig bleibe wie bisher und die erforderlichen Kenntnisse sich angeeignet habe, er die Stelle seines verstorbenen Vaters erhalten werde. Zu seiner weiteren Ausbildung in Kenntnissen und im Gesange wurde er nach Wien geschickt, ihm dort in einem Seminar ein Stipendium verschafft, wofür er neben seinen Studien auch auf dem Kirchenchor in der Universitätskirche und in der Kirche am Hof im Gesange mitwirken mußte. Als jedoch 1782 – erzählte damals 18 Jahre – das Seminar aufgehoben wurde, dem Stiefvater aber der großen Familie wegen, welche derselbe zu versorgen hatte, die Mittel fehlten, ihn zu unterstützen, sah er sich mit einem Male auf sich selbst gestellt und versuchte es, sich mit seiner Stimme fortzuhelfen. Ein hoffnungsreiches Engagement am Kärntnerthor-Theater in Wien währte nicht lange, da der Unternehmer bald darauf zu Grunde ging, und so kam er Mitte December 1783 bei ungewöhnlich strenger Kälte in Wiener-Neustadt an, wo er eine Stelle am Theater suchte. Ein Mädchen der dortigen Truppe – es wurde in der Folge seine Frau – nahm sich des Verlassenen an und bemühte sich um Aufnahme desselben in die Gesellschaft, wobei Weinmiller’s schöne Stimme wohl den Ausschlag gab. Nach einigen Tagen schon trat er in der Rolle des Vaters in „Zemira und Azor“ zum ersten Male auf und erzielte mit seinem herrlichen Gesänge allgemeinen Beifall. Nun begab er sich mit der Gesellschaft nach St. Pölten, wo er auch sehr gefiel; von da ging es nach Hainburg an der Donau, der Sommerfrische des Grafen Philipp Batthyány. Fünf Sommer brachte er daselbst zu, am Ende des fünften vermälte er sich mit seiner Helferin in der Noth. Nun zog er mit ihr, wie es damals Sitte war, unstet von Stadt zu Stadt, und so kamen sie mit noch einigen Mitgliedern der Gesellschaft nach Ofen und Pesth, wo ein Graf von Unwerth das Theater für drei Jahre übernommen hatte. Hier versah Weinmiller die [55] Stelle des Opernregisseurs und blieb in derselben bis zum Spätherbste 1796, zugleich mit seiner Gemalin im Gesange verdienten Beifall erntend. Noch im Sommer genannten Jahres machte er einen Ausflug nach Wien, wo es ihm, da ihm der Ruf als guter Sänger vorausgegangen, bald gelang, für einen Abend als Gast im k. k. Hofoperntheater aufzutreten. Er sang am 6. November 1796 die Partie des Apothekers in Dittersdorff’s Operette: „Der Doctor und Apotheker“, und zwar mit so entschiedenem Erfolge, daß ihm sofort das Engagement auf den beiden Hoftheatern, zur Oper und zum Schauspiel, und das seiner Gattin zum Schauspiel angetragen wurde. Er gab seine Stellung in Pesth und Ofen auf und ging mit seiner Frau nach Wien, welches nun die bleibende Stätte seines stets wachsenden Ruhmes werden sollte. Mit seinem herrlichen Gesange verband er auch ein treffliches Spiel und war stets bedacht, in jeder Rolle das Beste zu leisten. Infolge dessen wurde er auch zu den musicalischen Unterhaltungen, welche am kaiserlichen Hofe stattfanden, beigezogen und erwarb sich das besondere Wohlwollen beider kaiserlichen Majestäten, wie ihm denn auch der berühmte Salieri, der als Hofcapellmeister diese musicalischen Abende leitete, seine volle Zuneigung schenkte. Schon nach einem Jahre seines Wirkens wurde er an der k. k. Hofcapelle angestellt und ihm die Auszeichnung zutheil, zum k. k. Hofkammersänger ernannt zu werden. Sowohl zur Zeit, da die Verwaltung der k. k. Hoftheater einigen Cavalieren unterstand, als auch später, da eine aus denselben gebildete Regie die Leitung führte, befand er sich unter den Regisseuren, und erst als Oper und Ballet an Barbaja überging, zog er sich von der Bühne zurück, spielte aber noch einige Zeit ausnahmsweise an der deutschen Oper mit. Da er für Wohlthätigkeitszwecke in vielen Concerten und Vorstellungen jahrelang unentgeltlich mitgewirkt hatte, verlieh ihm der Magistrat der Reichshauptstadt Wien in Anerkennung dessen das Ehrenbürgerrecht. Weinmiller erfreute sich ganz besonders der Gunst des Wiener Publicums, er war aber auch – obwohl von der Natur körperlich nicht besonders bevorzugt – mit einem ungewöhnlichen Gesangstalente ausgestattet, zu dem sich eine vollendete Technik, dann Fleiß, ernster Wille und gründliches Studium gesellten, mit deren Hilfe er unbeschreibliche Erfolge erzielte. Sein aller Abstufungen fähiges herrlich geschultes Organ – eine wahrhaft männliche, kräftige und hellklingende Baßstimme, – erreichte das Contra-D und schwang sich bis zum Tenor-F im silberreinen Metallklange empor, damit verband er die deutlichste Aussprache, einen seelenvollen, zum Herzen dringenden Vortrag und verstand es, Spiel und Gesang zu einem vollendeten künstlerischen Ganzen zu verschmelzen. Zu seinen glänzenden Rollen gehörten: Thoas, Leporello, Sarastro, Figaro, Doctor Alfonso, Richard Boll, der Gärtner im „Waisenhause“, Rocco in „Fidelio“, Zamosky in „Faniska“, der Hauptmann im „Wasserträger“, Kalaf, Osmin, Axur, kurz alle ernsten und komischen Partien, wie sie damals das vorzugsweise von Gyrowetz und Weigl beherrschte Opernrepertoire darbot. Aber Weinmiller war nicht bloß ein großer dramatischer Sänger, sondern auch ein nicht minder vollendeter Kirchensänger, und im tuba mirum des Mozart’schen Requiem, wie in 1Haydn’s [56] Oratorium, mochte er nicht leicht seines Gleichen finden. In den letzten Jahren, seit 1825, versah er nur den Hofcapellendienst und lebte zurückgezogen auf seiner kleinen Villa in Oberdöbling, wo er im Alter von 64 Jahren für immer seine Augen schloß. Er wurde, wie er gewünscht, auf dem Ober-Döblinger Gottesacker prunklos begraben. Seine Gattin aber ließ sein Grab mit einem einfachen Denksteine schmücken. – Seine Gattin war eine geborene von Mörisch, deren Vater in Lessing’s Dramaturgie unter dem Namen Mercy mit Ruhm genannt wird. Die jüngere Schwester der Gemalin des Theaterdirectors Zöllner, eines bekannten Mimen, der im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts mit seiner Gesellschaft von Stadt zu Stadt zog, verband sie, ein echtes Theaterkind, mit einer angeborenen Grazie ein frisches Talent für heitere Rollen und blieb, so lange sie auf der Bühne wirkte, ein Liebling des Publicums und war die treue Gefährtin des Gatten, den sie überlebte.

Realis. Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien Herausgegeben von Anton Köhler (Wien 1846, Lex.-8°.) Bd. II, S. 405]. – Gaßner (F. S. Dr.). Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex.-8°.) S. 889. – Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur u. s. w. Von Schickh, später von Witthauer (8°.) 1828, Nr. 96: „Nekrolog“. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Für Künstler, Kunstfreunde und alle Gebildeten. Angefangen von Dr. Jul. Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Offenbach 1861, Johann André, gr. 8°.) Bd. III, S. 861. – Allgemeines Theater-Lexikon... Herausgegeben von K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. (Altenburg und Leipzig o. J., 8°.) B. VII, S. 199. – Taschenbuch für die deutsche Schaubühne auf das Jahr 1817. Herausgegeben von Adolf Bäuerle (Wien 8°.) S. 129.
Porträts. Unterschrift: „Karl Weinmüller (sic! er schreibt sich richtig Weinmiller), | k. k. Hofcapellsänger und | Hofoperist“. K. Mahnke pinx., Dav. Weiß sculp. – Costumbilder Weinmiller’s und seiner Frau. Unterschrift: „So? bist a mal da? | Tiroler Wastl | in der Oper: Der Tiroler Wastl, gespielt von Herrn Weinmiller“. N. M. del., illum. von Orlof. – Costumbilder seiner Frau. 1) Unterschrift: „Wastl, d’ Liesl ist da! | Liesl | in der Oper: Der Tiroler Wastl, gespielt von Mad. Weinmiller“. M. del., illum. Orlof. – 2) Unterschrift: „Ich sag’s halt, du bist und bleibst a Schußbartl. | Frau Quintel als Braut | in der Posse: Staberl’s Hochzeit, gespielt von Mad. Weinmiller“. Ohne Angabe des Zeichners und Stechers. – 2) Unterschrift: „Mad. Purzl | (im Costum als Schäferin) | in der Localposse: Die Kreuzer-Komödie, gespielt von Mad. Weinmiller“.