BLKÖ:Köpp Edler von Felsenthal, Rudolph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 12 (1864), ab Seite: 233. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 132906201, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Köpp Edler von Felsenthal, Rudolph|12|233|}}

Köpp Edler von Felsenthal, Rudolph (k. k. Regierungsrath, geb. zu Wien 6. December 1807, gest. ebenda 31. August 1861). Beendete seine Studien in Wien und widmete sich dann dem Staatsdienste. Er trat bei der Polizei ein und erlangte allmälig vorrückend die Stelle eines k. k. Regierungsrathes. K. war eine der merkwürdigsten Persönlichkeiten in seinem Berufe; man möchte versucht sein, ihn das verkörperte Ideal eines Polizisten zu nennen. In ihm vereinigten sich beispiellose Gewandtheit und Scharfsinn mit Herzensgüte und Wohlwollen, und sein in der That höchst anstrengender, ja, wie er ihn ausübte, aufreibender Beruf machte ihm ein Vergnügen ohne Gleichen. Ihm galt als Hauptzweck seines Dienstes: die Gesellschaft von ihren Feinden zu befreien, und da diese gewöhnlich versteckt auf ihre Beute lauern und heimlich ihre Verbrechen üben, ihnen um jeden Preis auf die Spur zu kommen. K. hat auch staunenswerthe Proben seiner in dieser Weise seltenen Menschenkenntniß, eines Scharfblickes ohne Gleichen und einer fast Grauen erweckenden Combinationsgabe an den Tag gelegt. Am meisten bekannt wurde sein Name nach der von ihm entdeckten, durch Ritter von Bohr [s. d. Bd. II, S. 60] so lange und mit vieler Geschicklichkeit betriebenen Banknotenfabrication. Die Geschichte dieser in den Annalen der Strafjustiz so berühmt gewordenen Fälschung und ihrer merkwürdigen Entdeckung hat K. in anziehender Weise selbst erzählt. Das Buch führt den Titel: „Aus der Praxis eines österreichischen Polizeibeamten. I. Band: Der Banknotenfälscher Peter von B***“ (Wien 1852, Fr. Manz, gr. 8°.). Die allgemein mit Spannung erwartete Fortsetzung dieses Werkes unterblieb jedoch. Man erzählte, amtliche Rücksichten hätten K. bestimmt, mit einer weiteren Veröffentlichung [234] seiner polizistischen Erlebnisse innezuhalten. K. wurde zu den wichtigsten polizeilichen, selbst politischen Missionen in Frankreich, England, in der Schweiz und in den deutschen Staaten verwendet, und gewöhnlich mit solchem Erfolge, daß er, wie eine biographische Notiz meldet, „für die mitwirkenden Beamten betreffender Staaten Orden erlangte, während er selbst bis zu seinem Ende nicht einen einzigen hatte“. Schon im Jahre 1847 wurde den von Kuranda redigirten „Grenzboten“ geschrieben, daß K. mit der Abfassung seiner Memoiren beschäftigt sei, und in der That erkennen wir im obengenannten 1. Bande des Werkes „Aus der Praxis eines österreichischen Polizeibeamten“ nur ein Fragment der Aufzeichnungen aus seinem bewegten und an merkwürdigen Thatsachen so reichen Leben. Soll er doch selbst bei irgend einer Gelegenheit statistisch nachgewiesen haben, daß der Drittheil der zu jener Zeit in Haft gehaltenen schweren Verbrecher von ihm zu Stande gebracht worden ist. Was mit seinen Aufzeichnungen geschehen und ob bei seinem Tode überhaupt welche vorgefunden worden seien, ist nicht bekannt. Der seinerzeit vielgenannte, bei Hoffmann und Campe 1859 erschienene Roman „Dissolwing Views“, welcher unter der Maske einer Salongeschichte österreichische Personen und Zustände schildert, läßt unter den Figuren des Romans auch eine auftreten, welche für jene Köpp’s von Felsenthal erkannt wurde, und im Roman eben die Aufgabe hat, einem durch seine Verbindungen und seinen Reichthum geradezu unnahbaren Verbrecher auf die Spur zu kommen. Köpp war vor seinem Tode längere Zeit bereits leidend und endlich genöthigt, zu seiner körperlichen Erholung einen einjährigen Urlaub zu erbitten. Er hatte den Urlaub erhalten; sein Leiden aber war bereits so weit gediehen, daß er schon wenige Tage nach erlangtem Urlaube demselben erlag.

Wiener Zeitung (gr. 8°.) 1861, Nr. 203, S. 3146. – Grenzboten, herausgegeben von Ignaz Kuranda (Leipzig, 8°.) Jahrg. 1847, S. 230 [in der „Correspondenz aus Wien“]. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1861, Nr. 243. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1861, Nr. 949 [in der Todtenschau].