BLKÖ:Kolb von Rießthal, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 12 (1864), ab Seite: 310. (Quelle)
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Kolb von Rießthal, Karl (vormals k. k. Officier, geb. zu Wiener-Neustadt 1818). Im Regiments-Erziehungshause zu Wiener-Neustadt erzogen, kam er dann in die Pionnierschule nach Tulln und wurde 1835 Lieutenant im Infanterie-Regimente Hoch- und Deutschmeister. Der Umstand, daß er von einem Landpfarrer verklagt wurde, er kniee während der h. Messe nicht nieder und sein Beharren in diesem Benehmen, als ihm von seinen Oberen die Vorschriften in diesem Puncte entgegengehalten wurden, veranlaßten seine einfache Entlassung aus dem Dienstverbande der k. k. Armee. K. ging nun nach Constantinopel, wo ihm die Aussicht winkte, als Instructor der Pionniere in der Armee des Sultans angestellt zu werden. Ein Ministerwechsel vereitelte seine Hoffnungen. K. begab sich sofort nach Italien, lebte längere Zeit in Rom, kehrte dann nach Oesterreich zurück, wo seine Hoffnungen, im Elsenbahndienste unterzukommen, auch scheiterten, und unter solchen Wanderungen und Jagden nach einem Posten, der dem Beschäftigung suchenden Manne Arbeit geben, aber auch den Mann nähren sollte, schwanden in Kampf und Entbehrungen sieben Jahre dahin. Als darüber das Jahr 1848 herankam, fand ihn dasselbe in Prag. Daselbst schloß sich K. der Bewegung an, hielt zur deutschen Partei, war Mitglied des vereinigten National-Ausschusses und entwickelte eine energische Thätigkeit, bis ihn die Umtriebe der čechischen Partei anwiderten, er Prag verließ und die Stätte des Kampfes in Schleswig-Holstein aufsuchte. Dort bot sich eine seinen Fähigkeiten entsprechende Gelegenheit zur Thätigkeit; er formirte die 6. Compagnie des von der Tann’schen Freicorps; weil aber in Oesterreich in Folge des italienischen Krieges die Freiwilligen-Bataillone gebildet wurden, kehrte K. ins Vaterland zurück und wurde Oberlieutenant in einem in Gratz gebildeten Freiwilligen-Bataillon. Als dann nach Beendigung des Krieges diese Bataillone aufgelöst wurden, wurde K., der, wie oben erwähnt, noch als politisch compromittirt in irgend einem Register verzeichnet stand, nicht eingetheilt, sondern mit einer jährlichen Gnadengabe von 200 fl. entlassen. Er kehrte somit nach Holstein zurück und trat als Hauptmann in die reguläre schleswig-holsteinische Armee, welcher er bis zu deren Auflösung angehörte. Nun begab sich K., der eine Holsteinerin geheirathet, nach Steiermark, wo er mit Eifer Landwirthschaft trieb und mehre Meierhöfe pachtete. Als aber im Jahre 1854 seiner Frau durch Erbschaft das Hotel Pahl in Rendsburg [311] zufiel, übersiedelte K. dahin und wurde – Wirth. Aus dieser friedlichen Beschäftigung wurde K. wieder durch den italienischen Krieg im Jahre 1859 aufgerüttelt. Er erbot sich sofort zur Werbung und Organisirung eines fliegenden Corps, das aus außerösterreichischen Deutschen bestehen sollte. Man ging auf seinen Antrag ein und schon ging K. an die Ausführung seines Vorhabens, als der Friede von Villafranca sein Project überflüssig machte. Seit dieser Zeit lebte K. ganz seinem Geschäfte als Hotelbesitzer; die Mußestunden aber bringt er mit literarischen Arbeiten zu, wozu ihm sein reichbewegtes Leben und eine Fülle gemachter Erfahrungen Stoff genug bieten. Er ist ein fleißiger Mitarbeiter der „Wehr- und Schützenzeitung“, auch schreibt er politische Flugschriften; eine derselben: „Mahnruf an Oesterreichs Staatsmänner“ (Rendsburg 1860 [Altona, Menzel], 8°.) spricht Ansichten aus, die durch die nachfolgende Zeit im Großen und Ganzen bestätigt wurden. Kolb ist auch in der Fremde mit Leib und Seele Oesterreicher geblieben, Land und Leute von Oesterreich gehen ihm überall und jederzeit über sein zweites Vaterland.

Presse (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 50, im Feuilleton: „Bilder aus Schleswig-Holstein. Pahl’s Hotel“. –