BLKÖ:Kolland, Engelbert

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Kolisch, Rudolph
Band: 12 (1864), ab Seite: 322. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Engelbert Kolland in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118713787, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kolland, Engelbert|12|322|}}

Kolland, Engelbert (Märtyrer des Franziskanerordens, geb. in der Pfarre Zell im Zillerthale Tirols 21. September 1827, gest. den Martertod für seinen Glauben zu Damascus 7. Juli 1860). In der Taufe erhielt er den Namen Michael. Seine Eltern gehörten zu jener Schaar akatholischer Zillerthaler, welche, 408 Mann stark, im Jahre 1837, um ihren Glauben zu retten, nach Preußisch-Schlesien auswanderten. Tischler Kolland und sein Weib wurden durch den Umstand von ihrem Vorhaben, das Vaterland zu verlassen, zurückgehalten, daß sie den Knaben, der schon auf einem der Emigrantenwägen untergebracht war, mit einem Male vermißten. Eine Base hatte ihn heimlich heruntergeholt und indem die Eltern den Knaben suchten, wurden sie anderen Sinnes und blieben – im Vaterlande. Nun nahm sich der Cardinal Fürsterzbischof Schwarzenberg der Familie an, ließ Michael und seinen Bruder für den Eintritt in’s Gymnasium vorbereiten, nahm beide in’s Rupertinum zu Salzburg auf und unterstützte sie während der Studien. Michael ließ sich dann in den Franziskanerorden der Nordtiroler Provinz aufnehmen, in welchem er am 19. August 1847 zu Salzburg das Ordenskleid und den Namen Engelbert erhielt. Am 13. Juli 1851 empfing [323] er die Priesterweihe, dann wurde er im Kloster zu Botzen als Cooperator der Hilfspfarre angestellt. Schon im Noviciate beseelte ihn der Gedanke, dereinst apostolischer Missionär zu werden, und in Hinblick auf diese Idee betrieb er auf das Eifrigste das Studium der Sprachen, von denen außer den classischen die bedeutenderen modernen, die italienische, französische, englische und spanische ihm geläufig waren. Endlich erstrebte er das so heiß ersehnte Ziel seiner Wünsche und im October 1855 trat P. Engelbert seine Reise ins heilige Land an. Als er in Jerusalem angelangt war, schickte ihn der P. Custos, der Obere des heiligen Landes, in das Franziskanerkloster nach Damascus, damit er dort die arabische Sprache erlerne. Schon in einem Jahre hatte sich P. Engelbert das Arabische vollkommen eigen gemacht und unterstützte den immer kränkelnden Cooperator wesentlich in seinen Pastoralarbeiten. So hatte Engelbert einige Jahre in Damascus zugebracht und sich die Liebe und Verehrung Aller, die mit ihm verkehrten, erworben. Eben hatte der P. Custos seine Rückberufung nach Jerusalem angeordnet, als im Frühjahre 1860 von Seite der Drusen die grausamen Christenverfolgungen ihren Anfang nahmen. Mit Beduinen und türkischen Soldaten fielen diese Horden in die Christendörfer ein und brannten die Ortschaften nieder, tödteten Männer und Weiber, Greise und Kinder zu Tausenden. Am 7. Juli g. J. überfielen sie die Christen in Damascus. Zuerst bemächtigten sie sich des Franziskanerklosters, und metzelten, was ihnen unter die Hände kam, nieder. Engelbert wollte sich eben über die Terasse des Klosters flüchten, um von dort zu den Lazaristen und von diesen zu Abd-el-Kader in die Festung zu gelangen. Schon war er dem Lazaristenkloster ganz nahe, als ihn die Drusen und Türken erreichten und einer ihm die Büchse an die Brust setzte, ihn auffordernd, seinen Glauben zu verläugnen. Engelbert stieß das Gewehr bei Seite, entriß sich den Räubern und sprang in das nächste Haus, wo eine Frau wohnte, die sein Beichtkind war. Die Türken drangen in das Haus und erreichten Engelbert noch im Hofraume. Sie ergriffen ihn sofort und fragten ihn: ob er Türke werden wolle? Nur wenn er darauf eingehe und zum Zeichen dessen das Kreuz an seinem Rosenkranze zu Boden werfen und mit Füßen treten wolle, würden sie ihm das Leben lassen. Engelbert entgegnete ihnen furchtlos: „Ich werde dieß niemals thun, ich fürchte den Tod nicht. Ich bin ein Christ und noch dazu ein Priester der Religion Jesu Christi“. Auf diese Antwort hieben sie ihm einen Arm ab und bei wiederholter Frage und gleicher Antwort auch den zweiten Arm. Auf eine dritte ebenso vergebliche Aufforderung, den Glauben zu verläugnen, versetzten sie ihm drei Säbelhiebe auf den Kopf, deren letzter seinem Leben und Leiden ein Ende machte. Der Leichnam blieb mehrere Tage lang im Hause der Frau, wo Engelbert ermordet worden, liegen. Diese war auf die Festung zu Abd-el-Kader geflohen und hatte ihm die Ermordung Engelbert’s erzählt. Abd-el-Kader wollte Engelbert mit noch mehreren, die ermordet worden, begraben, es war aber der Türken wegen nicht möglich und so ließ er ihn in eine Cisterne werfen.

Katholische Blätter aus Tirol (Innsbruck 8°.) Jahrg. 1861, Nr. 8, S. 175: „Authentische Notizen über den hochw. P. Engelbert Kolland, der im Jahre 1860 zu Damaskus gemartert worden“. – Wiener Zeitung (4°.) 1860, Abendblatt Nr. 135, S. 540.