BLKÖ:Lapády, Joseph von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lapiński, Theophil
Band: 14 (1865), ab Seite: 152. (Quelle)
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Lapády, Joseph von (Humanist, geb. in Ungarn). Zeitgenoß. Herr von Lapády gehört einer ungarischen Adelsfamilie an, welche aber in Iván Nagy’s Adelswerke: „Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal“, d. i. Ungarns Adelsfamilien mit Wappen und Stammtafeln, nicht aufgeführt erscheint. Ueber die Lebensverhältnisse dieses seltenen Mannes ist dem Herausgeber dieses Lexikons Näheres nicht bekannt. Lapády war oder ist noch Güterverwalter der Familie Lázár. Eine That dieses edlen Mannes ist nicht, wie er gewollt, Geheimniß geblieben, und eben diese verdient, ihrer nachhaltigen Folgen wegen, der Nachwelt erhalten zu werden. Der berühmte ungarische Gelehrte Stephan Horváth [Bd. IX, S. 324] hatte von dem Erzherzog Palatin den Auftrag erhalten, dem Gubernialrathe Kriebel [Bd. XIII, S. 214, in den Quellen] bei seiner Bearbeitung der Geschichte Ungarns behilflich zu sein. Horváth begann nun mit einem beispiellosen Eifer alles auf Ungarns Geschichte Bezügliche zu sammeln, zu excerpiren u. s. w. Allmälig faßte er den Gedanken eine Bibliothek anzulegen, in der alles vorhanden sei, was auf Ungarn und dessen Geschichte nur einigermaßen Bezug habe. So riesenhaft der Plan, er schreckte davor nicht zurück, auch dann nicht, nachdem er in Folge der unaufhörlichen Studien zu diesem Zwecke seine Gesundheit geopfert und für Beischaffung des Gefundenen sein ganzes Vermögen dargebracht hatte. Auf diese Art hatte er an 30.000 Bände, Handschriften, Diplome, Landkarten und Zeichnungen, alle in nächster Beziehung zu Ungarn, gesammelt. In Folge der großen Ausgaben war aber Horváth so verarmt und in Schulden gerathen, daß er kaum [153] mehr sein Haus erhalten konnte und daß er schon Tage verlebte, an denen er und seine Kinder nichts Warmes genossen hatten. Die Noth war bereits auf’s Höchste gestiegen, da trat gerade in dieser bedrängnißvollsten Zeit eines Tages ein Unbekannter bei ihm ein, der sich als einer seiner Verehrer ausgab und ihm befragte, warum er auf literarischem Felde so lange geschwiegen habe. In seiner Noth erwiderte der gebeugte Gelehrte: „Ein Mann, dem das Dach über dem Kopfe brennt, könne weder Zeit noch Lust haben, wissenschaftliche Abhandlungen zu schreiben“. Der Fremde erfuhr nun bald den eigentlichen Stand der Dinge. Indem er darauf Horváth bat, eine Weile auf ihn zu warten, verließ er den Gelehrten, kehrte aber bald wieder zurück und schob Horváth ein Päckchen in die Brusttasche, in aller Eile sich entfernend. Als Horváth das Päckchen eröffnet, fand er darin Tausend Gulden. Von da ab schwand alle Noth Horváth’s, weltliche und geistliche Patrioten unterstützten ihn mit namhaften jährlichen Beiträgen zur Vervollständigung der Bibliothek, welche zur Zeit einen wahren Schatz für die Geschichte Ungarns und einen der wichtigsten Bestandtheile des ungarischen National-Museums bildet. Dieser Fremde war Joseph von Lapády, dessen hier gedacht worden, um mit dieser Mittheilung die Lebensskizze Stephan Horváth’s zu vervollständigen und das Andenken an eine schöne That zu erhalten.

Das ungarische National-Museum. Eine Skizze von Adolph Dux (Pesth 1858, Emil Müller, gr. 8°.) S. 15.