BLKÖ:Liebenberg, Ignaz Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 96. (Quelle)
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Liebenberg, Ignaz Ritter von (Industrieller, geb. zu Temesvár im Jahre 1772, gest. zu Wien 10. Juni 1844). Dem Handelsgeschäfte sich widmend, ließ er sich im Jahre 1792 in Wien nieder, wurde 1800 Großhändler und in Würdigung seiner Verdienste um die Industrie im J. 1817 in den erbländischen Adelstand erhoben. Im genannten Jahre associirte er sich mit seinen beiden Söhnen Karl Emanuel und Leopold, und erwarb in Folge erneuerter Verdienste im Jahre 1828 den erbländischen Ritterstand. Das wesentlichste Verdienst dieses Handelshauses besteht in der Emporbringung und Veredlung der inländischen Schafzucht. Zu welcher Höhe dieses unternehmende Handlungshaus die Schafwoll-Industrie im Kaiserstaate gesteigert, davon geben einige urkundlich festgestellte Zahlen annäherungsweise einen Begriff. In der Zeit vom 1. Jänner 1812 bis letzten Juni 1823, also innerhalb eines Zeitraumes von nicht ganz 12 Jahren, kaufte das Haus 196.000 Centner Schafwolle um einen Betrag von nahezu 9 Millionen Gulden C. M., und setzte im Auslande um einen Betrag von nahezu 15 Millionen Gulden österreichische Schafwolle ab. Ein so großartiger Absatz wirkte bedeutend auf die Hebung des österreichischen Activhandels ein, es wurden den großen Schafzüchtern und jenen Industriellen, welche sich mit der Verarbeitung dieses Stoffes beschäftigen, reiche Erwerbsquellen eröffnet und von L. selbst eine große Menge von Arbeitskräften, auch in den Tagen der französischen Invasion, da aller Handel, alle Geschäfte [97] stockten, entweder ununterbrochen beschäftigt oder so unterstützt, daß jeder Nothstand von denselben fern gehalten wurde. Bei großen Unglücksfällen bewährte das Haus durch Beisteuer großer Beiträge, wie z. B. bei den Verheerungen des Eisganges im Jahre 1830, bei der furchtbaren Ueberschwemmung Pesths im Jahre 1838 und bei anderen Gelegenheiten, seinen humanen Sinn. Bei seinem Ableben erhielt die Wiener israelitische Judengemeinde in Folge einer testamentarischen Verfügung ein Capital von 10.000 fl. C. M. mit der Bestimmung, daß die Interessen dieser Summe dem Handwerksvereine, dem israelitischen Spital und den Waisen der israelitischen Cultusgemeinde zufließen sollten. – Von seinen obenerwähnten beiden Söhnen ist Karl Emanuel besonders erwähnenswerth. Dieser (geb. zu Wien 15. November 1796, gest. ebenda 22. April 1856) associirte sich, wie bereits gesagt wurde, mit seinem Vater. Die mannigfachen Leistungen und Verdienste desselben zur Hebung der Oekonomie und Industrie, zur Unterstützung mehrerer staatszweckdienlicher Unternehmungen u. dgl. m. sind, da sie dem Vater und den Söhnen gemeinschaftlich zukommen, schon oben, wo vom Vater gesprochen wurde, im Allgemeinen berührt worden. Insbesondere ist hier seiner humanistischen Thätigkeit näher zu gedenken. L. war Vorstands-Stellvertreter des Centralvereins der Wiener Krippen. Als solcher leistete er namhafte Jahresbeiträge, stiftete Betten für die Leopoldstädter und Lichtenthaler Krippe, und förderte die Thätigkeit des Vereins nach den verschiedensten Richtungen. Auf seine Anregung und unter seiner kräftigen Mitwirkung entstand die Kaiser Franz Joseph-Stiftung für invalide Krieger des Ischler Wahlbezirkes aus den Feldzügen der Jahre 1848 und 1849. Im Wiener Kinderspital zu St. Anna stiftete er ein Krankenbett auf ewige Zeiten; brachte anläßlich der glücklichen Entbindung Ihrer Majestät der Kaiserin die Errichtung einer neuen Krippe auf der Landstraße in Anregung und eröffnete selbst diesen Antrag mit einer Stiftung von drei Kinderbetten; im Brünner Taubstummen-Institute gründete er einen Stiftungsplatz für taubstumme Kinder, mit besonderer Berücksichtigung der zur ehemaligen Herrschaft Bruck gehörenden Gemeinden. Außerdem vollführte er noch viele Acte der Humanität bei vorkommenden Gelegenheiten und that ebenso auf seinen Gütern, wie wenn er in Wien wohnte, viel und insgeheim Gutes für die Armen. Karl Emanuel Ritter von L. starb in Wien im Alter von 60 Jahren.

Adelstands-Diplom vom 11. October 1817. – Ritterstands-Diplom vom 28. Mai 1829. – Wiener Zeitung 1844, Nr. 35; „Nekrolog“. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt). XXII. Jahrg. (1844) S. 465, Nr. 149. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) III. Jahrgang (1844), S. 563 [n der Anmerkung]. – Allgemeine Theater-Zeitung, herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, 4°.) 37. Jahrg. (1844), Nr. 146, S. 606 [die vorbenannten Quellen sämmtlich über Ignaz Ritter von L.]. – Krippen-Kalender (Wien, Prandel, 8°.) IV. Jahrgang (1856), S. 58: „Nekrolog des Karl Emanuel Ritter von L.“, vorgetragen von Dr. Flechner. – Die Liebenberg besitzen seit dem Jahre 1827 das ungarische Indigenat, diesem zufolge bedienen sie sich auch des Prädicats de Zsittin, mit welchem sie auch hie und da angeführt erscheinen; ferner wurden sie im Jahre 1834 in das Consortium der Stände des Ritterstandes im Erzherzogthume Oesterreich unter der Enns und in jenes des Markgrafenthums Mähren aufgenommen. – Wappen. Ein von einem silbernen Querbalken schrägrechts getheilter blauer Schild mit Mittelschild. In diesem letzteren sind in Roth [98] drei grüne Hügel, der mittlere die beiden äußeren etwas überragend. Auf diesem mittleren ruht eine goldene Krone, über welcher rechts und links ein goldener Stern schwebt. Im linken oberen Theile des Hauptschildes ist ein einfacher goldener Adler mit Krone, offenem Schnabel, roth ausgeschlagener Zunge, ausgebreiteten Flügeln und von sich gestreckten Fängen. Im rechten unteren Theile ist ein nach außen aufspringendes goldenes Einhorn. Auf dem Schilde ruhen zwei zueinandergekehrte gekrönte Turnierhelme. Auf der Krone des rechten erhebt sich ein einfacher, goldgekrönter, linkssehender schwarzer Adler mit offenem Schnabel, roth ausgeschlagener Zunge und von sich gestreckten Fängen. Aus der Krone des linken Helms erheben sich drei wallende Straußenfedern, eine blaue, goldene und rothe. Die Helmdecken sind rechts roth mit Gold, links blau mit Silber belegt.