BLKÖ:Lodron, Johann Baptist Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lodron, Georg
Band: 15 (1866), ab Seite: 373. (Quelle)
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7. Johann Baptist Graf L. (geb. um 1480, gest. um das Jahr 1550), vom Georgischen Hauptstamme, ist ein Sohn des Grafen Franz L. aus dessen Ehe mit Diana Gräfin Collalto. Johann Baptist ist ein Zeitgenosse und Vetter des berühmten Kriegshelden seines Hauses Ludwig L. [S. 374, Nr. 11) und wird, so lange Ludwig lebte, wenig genannt, tritt aber nach dessen Tode als Kriegsmann und [374] Diplomat in den Vordergrund. Er hatte zugleich mit seinem Vetter Ludwig gegen die Venetianer und bei Pavia mit großer Tapferkeit gekämpft, darauf die Plätze Moncalieri und Carmagnola mit Sturm genommen und (1522) Alessandria gegen die Franzosen mit Heldenmuth vertheidigt, insbesondere aber im schmalkaldischen und im böhmischen Kriege große Thätigkeit entfaltet. Graf Johann Baptist führte Unterhandlungen mit Moriz Herzog von Sachsen, um denselben für den Kaiser zu gewinnen und ihn seinem Stammverwandten, dem Churfürsten Johann Friedrich, dem Haupte der Liga, entgegenzustellen, der mit den norddeutschen Fürsten und den protestantischen Ständen von Böhmen und Schlesien Einverständnisse unterhielt und jeden Augenblick daran war, in Moriz’ Lande und Oesterreich einzufallen. Der Graf versuchte den Herzog Moriz zu bestimmen, daß er eine Hilfe von 2000 gerüsteten Pferden und 6000 Mann Fußvolk unverweilt sende. Als später bei Rochlitz, am 2. März 1547, der Churfürst Johann Friedrich die Kaiserlichen und die ihm von Moriz zugeführten Hilfstruppen überfiel, hätte Moriz in diesem Kampfe bald sein ganzes Heer verloren, würden nicht Lodron und noch ein berühmter Heerführer jener Tage, Colonna, herbeigeeilt sein und mit ihren vier Fähnlein den heranrückenden Gegner tapfer aufgehalten haben. Als dann in der Entscheidungsschlacht bei Mühlberg der Churfürst Johann Friedrich in kaiserliche Gefangenschaft gerieth, erhielt Johann Baptist den Auftrag, mit einer starken Heeresmacht aus dem bezwungenen Sachsen nach Böhmen zu rücken, wo er bei Nacht in Prag eintraf und das Schloß mit den Thoren und Basteien besetzte. Aus zeitgenössischen Meldungen und Berichten ist zu ersehen, daß Graf Johann Baptist sowohl bei Kaiser Karl V. wie bei seinem Bruder Ferdinand I. und dessen Sohn und Nachfolger im Königreiche Maximilian II. in Ansehen stand und ihres besonderen Vertrauens genoß. [Buchholz (Franz Bernhard Ritt. v.), Geschichte der Regierung Ferdinand des Ersten (Wien 1830 u. f., 8°.) Bd. VI, S. 1–3, S. 404, 460 u. 461, 489 u. 490. – Moriggl (Alois), Leben und Heldentod des Grafen Ludwig von Lodron (Innsbruck 1863, 8°.) S. 6, 31, 40, 73, 74, 137, 140, 234, 235, 236.] –