BLKÖ:Lugossy, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 16 (1867), ab Seite: 152. (Quelle)
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Lugossy, Joseph (ungarischer Gelehrter, geb. zu Ungarisch-Neustadt im Szathmárer Comitate 3. December 1812). Sein Vater war Pastor und Senior zu Ungarisch-Neustadt, der Sohn studirte die oberen Classen zu Debreczin, wo die Professoren Tatai und Franz Kerekes [Bd. XI, S. 173, Nr. 2] von großem Einflusse auf ihn waren. Schon während der Schuljahre hatte er sich durch Fleiß und Selbststudium die germanischen und romanischen Sprachen zu eigen gemacht, und theils wegen ihrer Verwandtschaft mit der ungarischen Sprache, zum Theil aber weil sie dem biblischen Texte nahe liegen, arabisch und andere semitische Sprachen und mit Unterstützung des Alexander Csoma [Bd. III, S. 65] und Georgi tibetanisch studirt. Ein Ergebniß dieser Studien war seine „arabische Grammatik mit Chrestomathie“, die erste in ungarischer Sprache, die er jedoch, da sie den gewünschten Grad von Vollkommenheit nicht erreicht hatte, unedirt ließ. 1840 bis 1841 besuchte er Deutschland und machte die Bekanntschaft des Berliner Professors Ludwig Ideler, wozu seine verschiedenen Schriften „über die Sternkunde der Ur-Ungarn“, sowie der Umstand Veranlassung bot, daß Lugossy schon früher einige von Ideler’s Arbeiten in’s Ungarische übertragen hatte. Ideler nahm ihm am Grabe Buttman’s das Versprechen ab, daß er jene Forschungen nie aufgeben werde, in welchen der greise Gelehrte eine Ergänzung seines classischen Werkes: „Untersuchungen über die Sternnamen“ (Berlin 1809) erhoffte, worin ihn auch Lugossy in seiner späteren Correspondenz unterstützte. 1841 wurde L. Pfarrer in Szathmár, erhielt bald darauf eine Professur in M. Szigeth und hier gab es der Arbeiten eine solche Menge zu erledigen und das Personale aber war ein so [153] geringes, daß L. aus 6–10 verschiedenen Lehrfächern und oft täglich durch fünf Stunden ununterbrochen unterrichten mußte. Diese Zerstückelung, dieses sogenannte Ausgeben in kleiner Münze, hatte, abgesehen davon, daß es ihm die ruhigen ununterbrochenen Forschungen unmöglich machte, sowohl auf seine körperliche Gesundheit, wie auf die Elasticität seines Geistes schädlichen Einfluß geübt und das in seinen Vorbereitungen und einstigen Plänen so hoffnungsvolle Talent in Fesseln gehalten. Er war es, der an dieser Schule zuerst die ungarische Literatur als ordentlichen Gegenstand eingeführt. 1845 wurde er zur Besetzung des durch die Récsei-Stiftung erledigten Lehrstuhles der ungarischen Literatur nach Debreczin berufen, welchen er nebst der damit verbundenen Oberaufsicht der Bibliothek noch heute inne hat. Seine am 14. Juni 1848 von Seite des Cultus- und Unterrichts-Ministeriums erfolgte Ernennung zum Universitäts-Bibliothekar in Pesth kam nicht zur Ausführung. Von 1845 bis 1852 trug er deutsche Sprache, seit 1851 aber auch Geometrie und Naturwissenschaft vor. Die ungarische Akademie wählte ihn 1841 in die linguistische Abtheilung. Was bis dahin von ihm erschien, waren Gedichte in Journalen und in den Akademieschriften zerstreute bibliographische, linguistische und archäologische Abhandlungen, wozu er, abgesehen von seiner Liebe zur Sache, auch durch seine werthvollen literarischen Sammlungen und steten Studien vornehmlich angeregt wird. Seit October 1852 hält er öffentliche Vorlesungen „über die kritische und ästhetische Entwickelung der ungarischen Classiker“, deren Druck seiner Zeit in Aussicht gestellt wurde. Ueberladen mit Geschäften und Arbeiten seines amtlichen Berufes war es ihm bisher nicht möglich, seine, zu Bergen angewachsenen stofflichen Vorarbeiten, hauptsächlich seine, durch 20 Jahre mit Bienenfleiß und besonderer Vorliebe zusammengetragene „ungarische Sternkunde“ zu vollenden.

Jelenkor. Politikai és társas élet Encyklopaediája, d. i. Die Gegenwart. Politische und Real-Encyklopädie (Pesth 1858, Heckenast, gr. 8°.) S. 70. – Danielik (József), Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zweiter, den ersten ergänzender Band (Pesth 1858, 8°.) S. 184. – Croquis aus Ungarn (Leipzig 1843, O. Wigand, kl. 8°.) S. 164. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Mor. Ráth, 8°.) Bd. VII, S. 194.