BLKÖ:Luzzato, Filosenno

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Luzensky und Luzinsky
Band: 16 (1867), ab Seite: 177. (Quelle)
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Luzzato, Filosenno (Sprachforscher, geb. zu Padua 10. Juli 1829, gest. 25. Jänner 1854). Erscheint hie und da – aber irrig – als Philipp. Er ist ein Sohn des berühmten Gelehrten Samuel David L. [S. 178], unter dessen unmittelbaren Anleitung er sich in den sprachlichen Studien, in denen er später, so jung er war, Ausgezeichnetes leistete, ausbildete. Erst fünfzehn Jahre alt, beschäftigte er sich schon mit unermüdetem Eifer, die assyrische Keilschrift zu entziffern. Sein Biograph, der berühmte Sprachforscher G. I. Ascoli, bemerkt sogar, daß er vor Löwenstern [Bd. XV, S. 447][WS 1] aus dieser merkwürdigen Schrift die Namen des Darius, Xerxes, Hydaspes, Achemenes, Ormuzd herauslas (egli vi leggeva ben prima di Löwenstern i nomi di Dario, di Serse, d’Istaspe, d’Achemene, di Ormuzd). Nun aber war Luzzato, als er sich mit den Studien über die Keilschrift im Jahre 1845 beschäftigte, 16 Jahre alt, Löwenstern’s erste Schrift über die Keilschrift „Essai de dechiffrement de l’ecriture assyrienne, pour servir a l’explication du monument de Khorsabad“ erschien aber im nämlichen Jahre bei Frank in Paris, läßt also vorangegangene Studien in den Jahren 1843 und 1844 voraussetzen. Nach dieser einfachen Darlegung möchte also die Priorität in dieser Hinsicht immer noch für Löwenstern in Anspruch zu nehmen sein. Luzzato’s Studien, bei genauer Beachtung der in dieser Hinsicht erscheinenden literarischen Arbeiten, führten ihn zur Ueberzeugung, daß die Sprache der assyrischen Inschriften das Sanskrit sei, nämlich die Sprache des im alten Assyrien damals herrschenden Volksstammes. Nach dieser Richtung hin zielt auch die erste von ihm veröffentlichte selbstständige Schrift: „Le Sanscritisme de la langue assyrienne“ (Padone 1849), welcher unmittelbar die „Études sur le inscriptions assyriennes de Persepolis, Hamadan, Van et Khorsabad“ (Padone 1850) folgten. Seine sprachlichen Forschungen führten ihn unwillkürlich auf das noch so dunkle Gebiet der Geschichte der Sprachen, der Cultur des alten Asiens und ihrer Ausdehnung über die übrigen Länder des alten Continents und seine Ansichten darüber legte er in der Abhandlung „Dell Asia antica occidentale e media“, welche in der Rivista europea bereits im Jahre 1847 gedruckt erschien, nieder. Seine, in dieser Richtung fortgesetzten Studien ließen ihn nicht nur in der Sprache der alten Szythen, welche damals über Egypten herrschten, sondern auch in den übrigen Idiomen, welche längs dem Nilflusse in den südlichen Gegenden vorkommen, sanskritische Elemente vermuthen. So entstanden seine, jedoch ungedruckt gebliebenen Abhandlungen: „Osservazioni su d’alcune lingue africane“ und „Saggio sulle lingue Hamtonga et Nvarana“. Vornehmlich aber beschäftigte ihn nun die Sprache der abyssinischen Hebräer, in der Wissenschaft unter dem Namen Falascia bekannt. Eine im Jahre 1852 nach Paris unternommene [178] Reise brachte ihn den zu seinen Forschungen unerläßlichen Quellen nahe und aus den in dortigen Bibliotheken und Handschriften-Sammlungen gefundenen äthiopischen Manuscripten sammelte er die Materialien zu einer Arbeit über die Religion und die Geschichte der Falascia, in welche er sich am liebsten vertiefte und an deren Vollendung ihn nur sein früher Tod verhinderte. Diese Forschungen sind in den Archives israelites de France in den Jahren 1851–1853 abgedruckt. Von den anderen Forschungen L.’s sind noch bekannt die im I. Bande der neuen Serie des Giornale dell’ Istituto lombardo abgedruckte „Memoria sulla iscrizione cuneiforme persiana di Behistun“, im XXII. Bande der Mémoires de le Société des Antiquaires de la France die „Notice sur quelques inscriptions hebraiques du XIII. siècle“, seine „Notice sur Abou Jousouf Hasdaï Ibn Schaprout“ (Paris 1852), in welcher er Licht verbreitet über eine wichtige Episode in der Geschichte Spaniens, und eine Abhandlung über die persischen Namen in der Bibel in italienischer Sprache, welche von Dr. Jellinek in’s Deutsche übersetzt und im Literaturblatte des „Orient“ 18.. abgedruckt wurde. Durch seinen Tod in so jungen Jahren – er war erst 25 Jahre alt – erlitt die Wissenschaft einen um so empfindlicheren Verlust, als seine, in solcher Jugend veröffentlichten Arbeiten, namentlich auf dem Gebiete der orientalischen Sprachen und der vergleichenden Sprachwissenschaft, noch Bedeutendes erwarten ließen. L. war Mitglied der Gesellschaft der Alterthumsforscher in Frankreich, der deutschen orientalischen Gesellschaft und der Akademie von Padua.

Jüdisches Athenäum. Gallerie berühmter Männer jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubens u. s. w. (Grimma und Leipzig 1851, Verlags-Comptoir, 8°.) S. 128. – Steger (Fr. Dr.), Ergänzungs-Conversations-Lexikon (Leipzig und Meißen, gr. 8°.) Bd. VI, S. 432 [nennt ihn irrig Philipp]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen und New-York, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) IV. Suppl. Band, S. 516. – Porträt. Unterschrift: Filosseno Luzzato, 10 Luglio 1829–25 Gennajo 1854. Daneben das Facsimile der Unterschrift (lith.) Sorgato. Padova Lit. P. Prosperini (4°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XV, S. 449].