BLKÖ:Luzzatto, Mose Chajim

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Luzzatto, Marco
Band: 16 (1867), ab Seite: 183. (Quelle)
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6. Mose Chajim L. (geb. zu Padua 1707, gest. im gelobten Lande 1747). Samuel David L. nennt diesen Mose Chajim in seinen biographisch-literarischen Nachrichten über die Luzzatto einen außerordentlichen Mann, in einer unglücklichen Zeit geboren, da die Trefflichkeit seines Geistes nicht gewürdigt werden konnte, den Wiederhersteller des guten Geschmackes in den schönen Wissenschaften der Ebräer und den Ersten, der das Wortspiel verbannte, das zu jener Zeit sehr beliebt war. Mose Chajim schrieb in Versen und Prosa so, daß man es wörtlich in fremde Sprachen übersetzen konnte. Kaum 17 Jahre alt, gab er seinen לשון למודים‎ heraus, eine Abhandlung über Rhetorik, mit den technischen Ausdrücken auf Hebräisch, Latein und Italienisch, und mit den Beispielen zum Theile aus der heiligen Schrift, zum Theile aus seiner eigenen Erfindung. Während Mose Chajim von Anderen für einen Fanatiker, Schwärmer oder Betrüger gehalten wird, will Samuel David L. in ihm das leuchtende und fruchtbare Genie eines Mannes erkennen, der sich zum Reformator des Mysticismus erhoben und sich vorgenommen habe, den zu seiner Zeit herrschenden Mysticismus in ein neues System umzugestalten, das mit der Vernunft und mit der Religion übereinstimmend sei. Die Methode aller früheren Reformen im Innern des Judenthums befolgend, welche war: nicht mit dem Alten zu kämpfen, sondern das Neue als Beleuchtung des Alten darzustellen, gab Mose Chajim den an und für sich sehr dunklen und unverständlichen kabbalistischen Lehren eine ganz neue Deutung, vermöge welcher man Kabbalist sein kann, ohne dem gesunden Verstand noch einer richtigen Metaphysik zu entsagen, und ohne Glaubenssätze zu bekennen, von denen der Bekenner selbst kein klares Verständniß hat. [Delitzsch (Franz), Vita M. Vitae Luzzatti (Lipsiae 1837, 8°.). – Jost, Israelitische Annalen, I. Jahrgang (1839), Nr. 4. – Kerem Chemed, 3. Band, S. 112–169, von Giuseppe Almansi.] –