BLKÖ:Malter, Joseph Ignaz Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Malý, Jacob Joseph
Band: 16 (1867), ab Seite: 344. (Quelle)
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Malter, Joseph Ignaz Ritter von (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, geb. zu Gratz im Jahre 1784, gest. zu Wien 31. März 1864). Nach beendeten Studien war er eben daran, in den Staatsdienst zu treten, als die Errichtung der Landwehr im Jahre 1808 ihn seinen Vorsatz ändern ließ. Am 22. August g. J. trat er aus dem Civilstande in das vierte Gratzer Landwehr-Bataillon als Oberlieutenant ein und wurde in demselben am 2. Juli 1809 zum Hauptmann befördert. Mit diesem Bataillon hatte M. an dem denkwürdigen Kampfe des Jahres 1809 theilgenommen und sich dabei ausgezeichnet, wie denn auch seines tapferen kaltblütigen Verhaltens wegen seine Beförderung zum Hauptmann erfolgt war. Als Hauptmann wurde er am 16. März 1810 in das 10. Infanterie-Regiment Baron Mazzuchelli eingetheilt, in welchem er nun 20 Jahre in dieser Eigenschaft diente. Am 2. Mai 1830 kam er als Major in das Infanterie-Regiment Graf Nugent (vormals Prinz de Ligne) Nr. 30, aus demselben am 1. Mai 1834 als Oberstlieutenant in das Infanterie-Regiment Erzherzog Stephan Nr. 58, aber am 16. December 1834 in gleicher Eigenschaft in das Infanterie-Regiment Graf Nugent zurück, dessen Oberst und Commandant er bereits am 21. August 1835 wurde. Am 21. April 1843 rückte M. zum General-Major vor und erhielt zuerst eine Brigade in Lemberg, dann in Brünn; am 22. Juli 1848 wurde er Feldmarschall-Lieutenant und als solcher an die Spitze der dortigen Nationalgarde gestellt. Am 26. Juni 1849 trat er nach 41jähriger Dienstleistung in Pension, zog sich in seine Vaterstadt Gratz zurück, wo er mehrere Jahre verlebte, übersiedelte aber einige Jahre vor seinem Ableben nach Wien, wo er im Alter von 80 Jahren, bis wenige Tage vor seinem Tode sich wohl fühlend, starb. Malter, vielleicht [345] mehr Staatsmann als Soldat, hat doch als letzterer jenen Geist im 30. Infanterie-Regimente zu erhalten verstanden, der das berühmte Wallonen-Regiment Prinz de Ligne schon in den französischen Kriegen beseelte, und sich im Regimente in unseren Tagen in den Feldzügen in Italien und Ungarn im Jahre 1848 und 1849, in Italien im Jahre 1859, und als es nach Nugent’s Tode den Namen Martini erhielt, im schleswig-holsteinischen Kriege 1864 und im letzten, durch Preußens Felonie am deutschen Staatenbunde in Scene gesetzten, glänzend bewährt hatte. Noch als Hauptmann bei Mazzuchelli-Infanterie schrieb er den „Leitfaden auf Märschen, Vorposten, Patrouillen und zur Orientirung für den Unterricht in den Compagnieschulen“ (Wien 1830), ein Buch, dessen Tüchtigkeit sich gerade in seinem Regimente, einem der bestexercirten in der Armee, in welchem es bei den Compagnieschulen vorgetragen wurde, am besten bewährt hatte. Und doch war es minder die soldatische Seite bei Malter, in welcher er glänzte, als der Tact und die Umsicht, mit welcher er sich in der sehr schwierigen Stellung als Commandant der Militär-Occupation im Freistaate Krakau behauptet hatte [1]. Der Freistaat wurde wegen revolutionären Umtrieben im Februar 1836 von den Truppen der drei Schutzmächte, Oesterreich, Rußland und Preußen, besetzt und das Commando dem General-Major Kaufmann übertragen. Malter mit seinem Regimente zählte zu dieser Besatzung. Schon im April waren die russischen und die preußischen. und im Herbste 1837 auch die österreichischen Abtheilungen aus Krakau wieder zurückgezogen worden. Die Renitenz des Freistaates bedingte jedoch in kurzer Zeit eine erneuerte Occupation desselben, und zwar durch Malter’s Regiment, welches bis 20. Februar 1841 in Krakau verblieb. Während dieser fünfjährigen, durch drei Jahre ganz selbstständig geführten Besatzung hatte sich Malter durch tiefe Einsicht, Fähigkeit und rastlosen Eifer, die er bei jeder Gelegenheit an den Tag legte, so sehr hervorgethan, daß er mit Allerh. Entschließung vom 10. April 1842 mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens ausgezeichnet wurde, welcher Verleihung mit Diplom vom Jahre 1843 die Erhebung in den Ritterstand folgte. Es muß hier vor Allem bemerkt werden, daß es Malter verstanden hat, mitten unter allen Arten von Aufregung in einem revolutionären Gebiete in seinem Regimente, das selbst ein polnisches ist, die Mannszucht nach allen Seiten in musterhafter Weise zu erhalten; daß er im Freistaate selbst in den schwierigsten, ja oft höchst bedenklichen Fällen durch kräftiges Einschreiten und entschlossenes Handeln die öffentliche Ordnung behauptet, befestigt und gesichert, ja es dahin zu bringen verstanden hat. daß zwischen der Occupationstruppe und den davon arg betroffenen Bürgern ein ganz anständiges Verhältniß sich entwickelt hatte. Es war ein wirklich staatsmännisches Gebaren, welches Oberst Malter [346] damals beobachtet und einstimmig ward es vornehmlich seinem umsichtigen Verhalten zugeschrieben, daß sich die Verhältnisse, die öfter auf die Spitze gestellt erschienen, in so friedlicher, ja anstandsloser Weise entwickelt hatten.

Ritterstands-Diplom vom 26. Juli 1843. – Oesterreichischer Militär-Kalender, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, kl. 8°.) XVI. Jahrgang (1865), S. 161. – Wappen. In Roth ein goldener rechtsschreitender Löwe mit ausgeschlagener rother Zunge, in der rechten Vorderpranke ein blankes Schwert an goldenem Gefäße wie zum Streiche schwingend. Auf dem Schilde ruhen zwei zueinander gekehrte gekrönte Turnierhelme. Aus der Krone des rechten wächst der oben beschriebene einwärtsgekehrte Löwe mit dem Schwerte; aus jener des linken erschwingen sich drei wallende Straußenfedern, eine goldene zwischen rothen. Die Helmdecken sind zu beiden Helmen roth, mit Gold belegt.

  1. Verfasser dieses Lexikons hatte selbst das Glück, mehrere Jahre im Regimente Graf Nugent Nr. 30 (jetzt Martini) als k. k. Officier zu dienen. Seine Dienstzeit fällt gerade in die Periode der Occupation Krakau’s durch das Regiment Nugent unter Malter’s Commando. Es ist nur die geringste Dankespflicht. wenn er hier mit Wärme seines ehemaligen Obersten gedenkt, der sich damals und immer ihm gegenüber mit seltener Theilnahme und liebevoller Güte benommen hat. Er hatte das Glück den alten General, der, obwohl achtzigjährig, die volle Geistesfrische behalten hatte, noch wenige Tage vor seinem Tode zu begrüßen und ihm für den Einfluß zu danken, den sein Beispiel und seine Güte auf ihn in nicht geringem Maße geübt.