BLKÖ:Mannagetta, Johann Wilhelm (I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 16 (1867), ab Seite: 383. (Quelle)
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2. Johann Wilhelm (I.) (geb. zu Wilhelmsburg in Oesterreich 1. Mai 1588, gest. zu Wien 31. Mai 1666). Ein Enkel des italienischen Patriziers Valentin Mannagetta, welch Letzterer der Erste in Niederösterreich sich angekauft. Johann Wilhelm hatte sich der ärztlichen Laufbahn gewidmet, glänzte als Professor an der Wiener Hochschule, war Protomedicus der ganzen Provinz und Leibarzt dreier Kaiser: Ferdinand’s II., Ferdinand’s III. und Leopold’s I. Von der medicinischen Facultät war er eilfmal zum Decan, von der Universität achtmal zum Rector gewählt worden. Unter seinen medicinischen Werken sind besonders anzuführen: die Pestordnung, die bis zum 18. Jahrhunderte in Anwendung stand, und seine Abhandlung über den Kreislauf des Blutes; unter seinen geschichtlichen Arbeiten ist aber die „Corona duodecim Caesarum e doma austriaca“ vor allen anderen bemerkenswerth. Uebrigens ist der grüßte Theil seiner literarischen Arbeiten handschriftlich in der Wiener Hofbibliothek aufbewahrt. Auch gab Johann Wilhelm, zur Zeit als er Professor der höheren Mathematik in Wien war, mehrere Jahre hindurch einen Kalender „gestellt auf den Horizonten des löblich. Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns und desselben weltberühmte Hauptstadt Wien“ heraus, über den die „Austria, österreichischer Universal-Kalender“ (Wien, gr. 8°.) VIII. Jahrgang (1847), S. 18 der vaterländischen Denkwürdigkeiten von J. P. Kaltenbäck, Näheres berichtet. Im Jahre 1662 erhielt er von Kaiser Leopold I. den Auftrag, Fugger’s „Oesterreichisches Stammbuch“ zu ergänzen. Sein Sinn für Bildung und Wohlthun war so groß, daß er nicht nur die Goldberg’sche Stiftung aus eigenen Mitteln auf 62 Studenten vermehrte, sondern auch eine Familienstiftung [siehe weiter unten: Mannagetta-Stiftung] gründete und der von seiner Gemalin herrührenden von Kielmannsegge’schen Stiftung ein ansehnliches Legat zudachte. Dessen ungeachtet hinterließ er ein großes Vermögen, als Früchte seiner literarischen Leistungen und seines medicinischen Rufes. Die Verdienste des ausgezeichneten Gelehrten und Humanisten wurden höchsten Ortes auch öfter gewürdigt, so erhielt er im Jahre 1630 ein Diplom als Comes palatinus et sacri palatii comes, wurde er mit Diplom vom 4. Jänner 1637 in den Reichsritterstand und weil er selbst kinderlos mit Ausdehnung auf seine drei Brüder Matthäus, Karl und Franz erhoben. Mit Rücksicht auf das aus Italien mitgebrachte Stammwappen der Familie: Drei goldene Lerchen im schwarzen Felde mit silbernen Querbalken erhielt er das Prädicat Lerchenau, Wappenhälter und den Wahlspruch: „Fortiter ac suaviter“. Als er, 78 Jahre alt, starb, wurde er bei St. Stephan beigesetzt. Das ältere seinem Gedächtnisse errichtete Monument wurde, nachdem es mit der Zeit zu Grunde gegangen, durch ein neues ersetzt, das ihm die Pietät eines späten Enkels hatte aufstellen lassen. [Jöcher’s Gelehrten-Lexikon, Bd. III, Sp. 92. – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke, nämlich Physiognomien, Conversationsbildchen, Auftritte, Genrebildchen, Carricaturen, Dieses und Jenes, Wien und die Wiener betreffend (Wien 1852, J. F. Groß, 8°.) Bd. II, S. 1: „Wieder ein Mann der echten Ruhmwürdigkeit“. – Porträt. M. Lang sc. (4°.).] –