BLKÖ:Moritz, Johann Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Moritz, Heinrich
Band: 19 (1868), ab Seite: 92. (Quelle)
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Moritz, Johann Freiherr von (k. k. Artillerie-Hauptmann und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Leitmeritz in Böhmen im Jahre 1768, gest. zu Olmütz 19. November 1815). Trat im Jahre 1784, damals erst 16 Jahre alt, als Gemeiner in das erste Artillerie-Regiment und machte als Bombardier den Türkenkrieg mit. Zum Feuerwerker vorgerückt, focht er in den französischen Kriegen, erkämpfte sich durch seine Bravour im Jahre 1793 die goldene Tapferkeitsmedaille und den Officiersrang, den er im April 1797 erhielt, da er zum Lieutenant im 3. Artillerie-Regimente befördert wurde. Im Mai 1809, damals bereits Oberlieutenant, befand sich M. mit seiner Cavallerie-Batterie bei der Avantgarde von Schwarzenberg-Uhlanen und hatte, als am 20. Mai die feindliche Vorhut die Donau passirte, mit seinem Geschütze derselben nicht nur beträchtlichen Schaden zugefügt, sondern auch durch sein muthiges kaltblütiges Verhalten mehrere Angriffe zurückgewiesen und die wiederholten Attaken der Uhlanen auf das Erfolgreichste unterstützt. Die Ehrentage der österreichischen Armee, die Tage bei Aspern, waren auch seine Ehrentage. An beiden Tagen, am 21. und 22. Mai, befand sich M. mit seiner Batterie, unausgesetzt im Feuer. Wo Gefahr war, stellte er sich unaufgefordert mit seiner Batterie ein, eiferte durch seinen eigenen Muth die Mannschaft an, und wirkte wesentlich zu dem glänzenden Erfolge unserer Armee mit. Insbesondere gab er bei Eßlingen mit seinem Geschütze bei den wiederholten Angriffen des Feindes den Ausschlag. Den feindlichen Cavalleriemassen war es bereits gelungen, unsere Truppen zurückzudrängen. Aber das ununterbrochene Kartätschenfeuer, das nun Moritz aus seiner Batterie mit ungemein wirksamen Erfolge auf den Gegner spielen ließ, erzielte zuletzt seine Wirkung und zwang den Feind, nachdem dieser namhaften Verlust erlitten, zum Rückzuge. Nicht minder ausgezeichnet war sein Verhalten bei Wagram (5. und 6. Juli). Am ersten Schlachttage war Moritz bei der Avantgarde der Brigade Nordmann eingetheilt und stand mit seiner Batterie links vorwärts vor Groß-Enzersdorf, der Lobau gegenüber. Bereits hatte der Feind unter dem Schutze seines schweren Geschützes den Uebergang am sogenannten Hanselgründe bewerkstelligt, unsere Jäger-Compagnien und zwei dreipfündige Kanonen durch ein heftiges Geschütz- und Gewehrfeuer zum Rückzuge genöthigt, und so schon am dießseitigen Ufer immer mehr Terrain gewonnen. Bei dieser gefährlichen [93] Situation fuhr M. mit seinen sechs Geschützen aus eigenem Antriebe vor, eröffnete rasch ein gut gezieltes Kartätschenfeuer auf die bereits auf Flintenschußweite vorgerückten feindlichen Abtheilungen, hielt Stand, während ihn selbst und seine Batterie unausgesetzt aus der Lobau die feindliche Artillerie auf das heftigste beschoß, zwang auf diese Weise die feindlichen Abtheilungen zum Rückzuge und vereitelte die Absicht des Gegners, die Redoute Nr. 14 zu umgehen. Aus seiner Stellung bei Enzersdorf unterstützte M. ferner, indem er den von diesem Orte vorrückenden Feind auf das wirksamste in den Flanken beschoß, den Rückzug unserer Infanterie-Abtheilungen. Als dann der Rückzug der Unseren auf Markgraf-Neusiedel begann, drang Moritz mit wahrer Todesverachtung mit seiner reitenden Batterie weit in die Ebene vor, und obgleich er selbst bereits großen Verlust an Pferden erlitten hatte, hemmte er doch durch sein gutgezieltes Feuer das weitere rasche Vordringen des Feindes und verschaffte unseren Truppen Zeit, sich in Ordnung zurückzuziehen. Als darauf die Franzosen nächst Glinzendorf über 40 Geschütze auffuhren und unsere auf der Höhe von Markgraf-Neusiedel aufgestellten Abteilungen mit Heftigkeit beschossen, da begann Moritz aus seiner mit 9 Geschützen verstärkten und trefflich aufgestellten Batterie ein so wirksames Feuer, daß mehrere feindliche Karren in die Luft flogen und endlich die Franzosen zur Einstellung des Feuerns gezwungen wurden. Am zweiten Schlachttage, am 6. Juli, nahm M. seine Stellung in der Ebene links vor Markgraf-Neusiedel, aus derselben wies er einen zweimaligen Angriff der feindlichen Cavallerie durch ein wirksames Geschützfeuer mit glänzendem Erfolge zurück und behauptete sich bis Mittag gegen die Uebermacht des Feindes; als endlich die Franzosen in Sturmcolonnen gegen das nur schwach besetzte Markgraf-Neusiedel vordrangen, empfing sie M. neuerdings mit einem lebhaften Feuer und gab auf die stürmenden Massen auf 200 Schritte einige Kartätschenlagen, welche verheerend in die Reihen der Stürmenden wirkten. Endlich aber mußte M. vor der Uebermacht des Gegners sich selbst zurückziehen. Moritz wurde für sein ausgezeichnetes Verhalten, insbesondere bei Aspern, mit Diplom vom 15. April 1810 mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Bald nach seiner Beförderung zum Hauptmann ereilte ihn im Alter von 47 Jahren der Tod. Seine Erhebung in den Freiherrnstand erfolgte erst 30 Jahre später. Moritz hatte noch bei seinen Lebzeiten um die ihm statutengemäß zukommende Freiherrnwürde gebeten, war aber, ehe dieselbe ihm verliehen wurde, bereits gestorben. Auf das erneuerte Einschreiten seines Sohnes Gustav Joseph Franz, damals Unterlieutenant im Infanterie-Regimente Nr. 26, wurde demselben im Jahre 1836 das ausgefertigte Freiherrnstands-Diplom des Vaters ausgehändigt.

Freiherrnstands-Diplom vom 3. December 1836. – Hirtenfeld (J. Dr.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 999 u. 1747. – Wappen. Gevierteter Schild. 1 und 4: in Blau ein rechtsgekehrter vollends geharnischter Mann mit offenem Visir, dessen blanke Rüstung mit goldenen Spangen und goldenem Halskleinod geschmückt ist, mit der Rechten hält er eine goldene aufrecht gestellte Lanze, mit der Linken stützt er sich auf einen eisernen eiförmigen goldeingefaßten Schild, in welchem ein goldener Löwe mit ausgeschlagener rother Zunge zu sehen ist; 2 und 3: in Silber eine brennende Bombe in ihrer natürlichen Gestalt. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich zwei gekrönte [94] zueinandergekehrte Turnierhelme erheben. Aus der Krone des rechten Helms wächst ein rechtsgekehrter goldener Drache mit ausgeschlagener rother Zunge, offenen Flügeln und einem schlangenförmig aufgewundenen Stachelschwanze, in seinen Klauen eine Lanze mit natürlicher Spitze, auf goldenem Schafte aufrecht gerade vor sich haltend. Aus der Krone des linken Helms wächst der in 1 und 4 befindliche geharnischte Mann, in der ausgestreckten Rechten die goldene Lanze vor sich hinhaltend. Die Helmdecken des rechten Helms sind blau mit Gold, jene des linken schwarz mit Silber belegt.