BLKÖ:Nagy, Joseph (Homilet)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 20 (1869), ab Seite: 59. (Quelle)
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Nagy, Joseph (Homilet, geb. zu Unter-Pakok im Salader Comitate Ungarns im Jahre 1758 (?), gest. zu Steinamanger 10. Jänner 1810). Die Studien beendigte er zu Güns und Raab, im Jahre 1776, damals erst 18 Jahre alt, lehrte er bereits an der Akademie zu Raab die Beredsamkeit, bald darauf wurde er Notär des Capitels in Steinamanger, 1777 bischöflicher Secretär und Ceremoniarius. Im Jahre 1790 wurde er Domherr des Capitels zu Steinamanger, 1800 Abt von Szerenvár und 1804 Großpropst des vorgenannten Capitels. N. war ein Priester jener seltenen Art, wie deren die durch unheilvollen Eifer einiger Fanatiker schwer heimgesuchte Kirche der Gegenwart dringend bedarf. Seine hinreißende Beredsamkeit, welche das Landvolk von der Umgegend, ja selbst die Bewohner der Nachbarstädte nach Steinamanger lockte, wirkte durch den humanen Geist, der sie durchwehte, tief auf alle Gemüther; er behandelte mit echt evangelischer Duldsamkeit die Bekenner anderer Religionen und gewann dadurch Anhänger seines Glaubens. Ueberdieß war Nagy ein Patriot, seine hohe kirchliche Stellung gab ihm auch Einfluß bei den Comitatsversammlungen. Im Jahre 1805, als in den Berathungen des Eisenburger Comitates Streit entstand bezüglich der Sprache, in welcher die Berathungen gepflogen werden sollten, machte er dem Streite sofort ein Ende, indem er sich von seinem Stuhle erhob und eine Rede in ungarischer Sprache zu Gunsten ihrer Anwendung hielt, daß sie einstimmig als fernere Geschäftssprache bei den Verhandlungen eingeführt wurde. Auch war Nagy des ungarischen Dichters Alexander Kisfaludy [Bd. XI, S. 318] inniger Freund, und Kisfaludy hat [60] ihm sein Gedicht „Tátika“ zugeeignet. Von seinen zahlreichen, bei kirchlichen und anderen Anlässen gehaltenen Reden sind mehrere im Drucke erschienen, und der „Catalogus Bibliothecae hungaricae Széchéniano-Regnicolaris“ gibt im ersten Supplement, das zu Preßburg bei Belnay im Jahre 1803 erschienen ist, nur deren fünf an, obwohl deren fünfzehn, größtentheils in magyarischer, nur ein paar in lateinischer Sprache, bekannt sind. Auch war N. ein humaner, mildthätiger Priester, an seinem Tische speisten täglich 6 bis 10 arme Studenten, die er auch sonst noch mit seinen Mitteln unterstützte. Was mit der von ihm hinterlassenen, an auserlesenen theologischen Werken und trefflichen Ausgaben griechischer und römischer Classiker reichen Bibliothek geschehen, ist nicht bekannt.

Danielik, Magyar irók. Zweiter, den ersten ergänzender Band, S. 221. – Annalen der Literatur und Kunst (Wien, Ant. Doll, 8°.) Jahrg. 1811, Bd. II, S. 377. [Sein Geburtsjahr 1758, wie es die Annalen angeben, scheint nach der vorstehenden Laufbahn zu spät angesetzt, denn es ist doch schwer zu glauben, daß er im Alter von 19 Jahren bischöflicher Secretär und Ceremoniarius gewesen, da ja doch die Volljährigkeit zur Erlangung der Weihen erforderlich ist.] –