BLKÖ:Kisfaludy, Alexander

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kisfaludy, Karl
Band: 11 (1864), ab Seite: 318. (Quelle)
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Kisfaludy, Alexander (ungarische Dichter, geb. zu Sümegh im Zalaer Comitate Ungarns, nach Einigen am 22. nach Anderen am 23., am 27. September 1772 und 1777, gest. ebenda, nach den meisten Angaben am 28. October, nach einigen anderen am 30. October 1844, nach dem österreichischen Militär-Conversations-Lexikon aber gar bereits im Jahre 1832). Entstammt einer alten adeligen Familie, welche dem Geschlechte Csák angehört. Seine Schulen beendete er zu Raab und Preßburg, in welch’ letzterer Stadt er auch das Studium der Rechte begann. Aber bereits interessirten ihn die ungarische Poesie, die Werke Schiller’s und das rege politische Treiben des Landtages 1791 mehr, als die Studien. Der Umgang mit jüngeren Geistlichen, welche für die Muttersprache schwärmten, der Besuch des Theaters, Musik, die er selbst trieb, Alles dieß gab seiner poetischen Richtung nur mehr Nahrung und im freien Soldatenleben auch die Freiheit poetischen Schaffens erwartend, sprach er seinen Wunsch aus, in die ungarische Leibgarde einzutreten. Der Vater wollte darauf nicht eingehen und bestand auf der Fortsetzung der Studien. Der Sohn fügte sich und dichtete, während er den Tag über den Verböcz studirte, bei Nacht die Dramen „Ulysses und Penelope“, „Senecas Tod“ u. a. Endlich aber des Zwanges und der Verstellung müde, erklärte er, zur Advocatur weder Lust noch Beruf zu haben und Soldat werden zu wollen. Der Vater gab nun nach und Alexander trat in das Huszaren-Regiment Erzherzog Joseph. Er hatte dieses Regiment mit Absicht gewählt; längst schon hatte er sich gesehnt, Siebenbürgen kennen zu lernen, nun, da dieses Huszaren-Regiment dort stationirt lag, bot sich ihm die beste Gelegenheit dar, seinen lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Aus dieser Zeit rührt ein Brief her, in welchem Kisfaludy seine Eindrücke schildert, als er bei seinem Eintritte in’s Siebenbürgerland seine Erwartung, nur Magyaren zu finden und Magyarenland zu durchziehen, in einen leeren Wahn sich auflösen sah, denn nicht Magyaren waren es, sondern Slovaken, Walachen, Deutsche, die ihm entgegentraten, und er fühlte sich so einsam unter ihnen, und dieß um so mehr, als dieß Alles, was ihn jetzt so befremdend anmuthete, vor Zeiten nur magyarisches Land und Volk gewesen. Damals war in ihm der Gedanke erwacht, ein Sohn seines Vaterlandes mit Leib und Seele zu werden, für die Verbreitung der Muttersprache mit allen Kräften zu wirken und für die Hebung des ungarischen Bewußtseins durch Wort und That mitzuwirken. Zu jener Zeit war der Gedanke, ein Schriftsteller seiner [319] Nation in ihrer damals noch ungepflegten und unbeachteten Sprache zu werden, in ihm lebendig geworden. Bald nach seiner Ankunft in Klausenburg, wo er im Regimente freundliche Aufnahme gefunden, fand er sich in die neuen Verhältnisse bald hinein. Schon nach wenigen Monaten, am 5. Jänner 1797, wurde er zum Officier ernannt, zu gleicher Zeit aber vom Zalaer Comitate in die ungarische Leibgarde gewählt. Er nahm die letztere Wahl an und begab sich nach Wien. In Wien bot sich ihm genug Gelegenheit, bei dem übrigens nicht anstrengenden Dienste sich weiter auszubilden. Er betrieb fleißig das Studium der italienischen und französischen Sprache, übersetzte den Tasso, zeichnete, malte, machte Musik, und als einst Nikolaus Fürst Eßterházy, Oberlieutenant der Garde, die englischen Gesandten Lord Spencer und Granville in sein Zimmer eintreten ließ, da sich die beiden Engländer mit der inneren Einrichtung der kaiserlichen Anstalt vertraut machen wollten, waren sie nicht wenig erstaunt. einen ungarischen Jüngling so edlen Beschäftigungen hingegeben zu finden. Auch der Verkehr mit Wiener Schriftstellern und Künstlern, dann mit mehreren gebildeten Landsleuten, wie mit Bacsányi [Bd. I, S. 111], Demeter Görög [Bd. V, S. 242], Kerekes [S. 173 d. Bds., in den Quellen Nr. 1], Stephan Sandor, Lazar Somsich u. A., wirkten belebend auf den jungen, wißbegierigen, für das Schöne so empfänglichen Poeten. Auch die Neigung für ein gebildetes Mädchen, das er in der letzten Weinlese in Badacson kennen und lieben gelernt, war ein mächtiger Sporn zu seinen dichterischen Neigungen. Da brachte der Tod des Fürsten Anton Eßterházy, mit dem das Obercommando der Leibgarde in andere Hände überging, eine entscheidende Wendung in Kisfaludy’s Schicksal. Eine der ersten Maßregeln, welche der neue Leibgarde-Commandant vornahm, war die Uebersetzung mehrerer Gardisten, darunter auch Kisfaludy’s, aus der Garde in ein Infanterie-Regiment. Traf ihn schon diese Maßregel an und für sich schwer, so fühlte er sie um so drückender, als er in ihr die Ursache einer Entfremdung Rosa Szegedi’s, so hieß das Mädchen, das er liebte und das er unter dem Namen Lisa in seinen Gedichten unsterblich gemacht – zu finden glaubte. Denn wollte K. als Gardeofficier in Rosa’s Benehmen eine Erwiderung seiner Neigung zuerkannt haben, so erschien sie ihm jetzt, nachdem er aufgehört hatte, dem schmucken und kleidsamen Extracorps anzugehören, kalt, fremd und gleichgiltig. Mißmuth, getäuschte Hoffnungen vergällten ihm jede Lebenslust. In dieser Stimmung rückte er zum Regimente nach Italien ab, wo die Niederlagen, welche die österreichische Armee im Kampfe mit den Franzosen erlitt, den Poeten ebensowenig wie den Soldaten ermunterten. K. befand sich bei der in Mailand liegenden Besatzung und gerieth, als Napoleon die Stadt eingeschlossen hatte, in die französische Gefangenschaft. Er kam nun als Gefangener in das südliche Frankreich, und die herrliche Provence verfehlte nicht, ihre begeisternde Einwirkung auf das empfängliche Gemüth des Poeten zu üben. Nachdem er noch vor der Auswechselung der Gefangenen auf sein Ehrenwort entlassen worden, begab er sich zur See nach Genua und über Oberitalien nach Kärnthen, wo er einstweilen in Klagenfurt zur Beaufsichtigung des dortigen Spitals commandirt wurde. Von dort wurde er [320] in das Infanterie-Regiment Olivier Wallis, welches im Württembergischen stand, übersetzt. Dort der einzige Ungar im Regimente, im deutschen Lande, wuchs seine Sehnsucht nach dem Vaterlande und dort entstanden die schönsten Dichtungen seines „Himfy“ und die poetischen Erzählungen, in welchen er die Erinnerungen an die zerfallenen Burgen seiner Heimat, an Sümegh, Tatika, Csobancz, Szigliget, Somlo u. m. a. feierte. Noch kämpfte er den Feldzug des Jahres 1799 in der Schweiz und am Rheine mit, nun aber machte die Liebe zu seinem Vaterlande und zu dem Mädchen seines Herzens ihre Rechte geltend; er nahm 1800 seine Entlassung und kehrte nach Ungarn zurück. Rosa, wohl von der Treue des Soldaten und Poeten überwältigt, machte auch keine Einwendung, als er ihre Hand forderte, und nun ließ sich K. zu erst in Kam, dann aber bleibend in Sümegh nieder, wo er seine Zeit in die Besorgung der Wirthschaft und in literarische Arbeiten theilte. Nun trat er mit seinem erotischen Gedichte „Himfy szerelmei“, d. i. Himfy’s Liebeslieder, auf, welches 1801 im Magyar Hirmondo gedruckt erschienen. Die im Hirmondo anonym gedruckte Probe war nur ein Bruchstück des dritten Gesanges des ersten Theils; noch im nämlichen Jahre gab er den ganzen ersten Theil unter dem Titel: „Himfy szerelmei. Elsö rész. A kesergö szerelem“, d. i. Himfy’s Liebeslieder, erster Theil: Die klagende Liebe (Ofen 1801, 12°.) heraus. Nie früher, auch Jahrzehende lang nicht später macht ein Buch so großes Aufsehen, wie dieses. Der Name Himfy durchflog das ganze Land und „der große Unbekannte“ war der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit. Erst bei der zweiten Abtheilung, welche mehrere Jahre später, zugleich mit der ersten unter dem Titel: „Himfy szerelmei, második kiadás, két részben, kesergő és boldog szerelem“, d. i. Himfy’s Liebeslieder. Zweite Ausgabe in zwei Theilen: Die klagende und die beglückte Liebe (Ofen 1807) erschien, nannte er sich in der Vorrede. Die klagende Liebe enthielt 20 Gesänge und 200 Lieder, die beglückte Liebe 7 Gesänge und 220 Lieder; im nämlichen Jahre folgten noch: „Regék a magyar előidőból“, d. i. Sagen aus der ungarischen Vorzeit (Buda 1807; neue Aufl. 1818), welche die Gedichte „Csobancz“ in einem Gesange, „Tátika“ in zwei Gesängen und „Szomlo“ in drei Gesängen enthielten, wurde von Gaal in’s Deutsche übersetzt und (Wien 1820, 8°.) herausgegeben. Die Begeisterung für den Poeten wuchs nun mit jedem Tage. Als im Jahre 1809 die Insurrection in Ungarn aufgerufen wurde, stellte die Zalaer Gespanschaft ihr Contingent und ernannte Kisfaludy zum Oberstwachtmeister; der Erzherzog Palatin Joseph aber nahm ihn und den berühmten Reichstagsredner Paul Nagy in gleichem Range als Flügeladjutanten an seine Seite. Ueberhaupt gab die auszeichnende Weise, mit welcher der Erzherzog den Poeten behandelte, die Initiative zur künftigen Würdigung geistiger Talente, denn bis dahin wurden die ungarischen Poeten nicht nur unbeachtet gelassen, was unter den damaligen Verhältnissen in den meisten Fällen noch ein Glück war, sondern von den rohen, ungebildeten und aufgeblasenen Aristokraten mit Verachtung behandelt. Sobald aber der Erzherzog mit seinem Beispiele vorangegangen war, beeiferten sich Alle, seinem Beispiele zu folgen und so wurde K. selbst in den Kreisen gefeiert, in die sein Name vielleicht niemals, oder Gott [321] weiß wie spät gedrungen wäre, wenn nicht der Erzherzog das erhebende Beispiel gegeben hätte. Nachdem die Insurrection sich aufgelöst und der Kaiser eine mit Documenten belegte Geschichte derselben wünschte, wurde K. mit deren Abfassung betraut und er vollendete sie auch in deutscher Sprache. Noch veröffentlicht er außer mehreren erzählenden Dichtungen nachstehende poetische Werke: „Gyula szerelme, 10 énekben“, d. i. die Liebe des Julius in 10 Gesängen (Buda 1820); – „Eredeti magyar játékszín“, d. i. Ungarisches Original-Theater. 2 Thle. (Buda 1825 und 1826, 8°.), welches folgende Stücke enthält: „Az emberi sziv örvényei“, d. i. Die Tiefen des menschlichen Herzens, Trauerspiel in 5 Acten; – „A Dárdai haz“, d. i. Das Dardáer Haus, Familiengemälde in 5 Acten; – „Kún László“, d. i. Ladislaus Kun, histor. Drama in 5 Acten, und „Lelkes magyar leány“, d. i. Das begeisterte Ungarmädchen, Familiengemälde in 4 Acten; außerdem hatte er noch früher einzeln herausgegeben: „Hunyady János, historiai drama“, d. i. Johann Hunyadi, histor. Drama in 5 Acten (Buda 1816). Seine gesammelten Werke erschienen noch bei seinen Lebzeiten u. d. T.: „Minden munkái, 8 kötetben“, d. i. Sämmtliche Werke in 8 Bänden (Pesth 1833–1838), und nach seinem Tode veranstaltete Franz Toldy eine neue Ausgabe in 6 Bänden (Pesth 1847). Eine im Jahre 1833 zu Pesth erschienene Ausgabe seiner Werke in 4 Bänden ist nicht vollständig, hingegen enthält die von Toldy veranstaltete, seither oft wieder gedruckte Gesammtausgabe seiner Werke auch seine in späteren Jahren gedichteten Dramen: „Miczbán“, d. i. Banus Micz, „Frangepán Erszébet“, d. i. Elisabeth Frangepan, und „Balassa Bálint“, d. i. Valentin Balassa. Als im Jahre 1828 der Erzherzog Palatin einen Ausschuß berief, welcher die Statuten der zu errichtenden ungarischen Akademie ausarbeiten sollte, wurde K. in denselben gewählt, und nachdem das Directorium der Akademie sich constituirt hatte, am 17. November 1830 zum ordentlichen Mitgliede der linguistischen Abtheilung ernannt. Als K. später diese Stelle, wie Einige wissen wollen, über die Erfolge Jüngerer, namentlich Vörösmartys, eifersüchtig, niederlegte, sei er zum Ehrenmitgliede erwählt worden. Im Jahre 1835 starb Rosa, seine Jugendliebe, auch seine zweite Gattin verlor er in kurzer Zeit. Aus beiden Ehen kinderlos, fühlte er sich um so mehr vereinsamt, als er sich mit den Ideen der neuen, immer entschiedener hereinbrechenden Zeit nicht zu befreunden vermochte. Nur die Jugend, in deren Herzen Himfy’s Lieder einen Nachhall finden werden, so lange Liebe und Gegenliebe die Menschheit beglücken, die ewig goldene Jugend feierte den Greis, der ihren Gefühlen die herrlichsten Worte geliehen, und vergoldete durch diese Huldigungen die düsteren Tage seines vereinsamten Alters. Kisfaludi starb an den Folgen eines Falles im Alter von 73 Jahren. Seinen Weingarten in Somla am Plattensee kaufte Fürst Paul Eßterházy, ihn als Nationalreliquie im überkommenen Zustande erhaltend. Sein Monument, auf Kosten einiger Damen vollendet, prangt im Nationalmuseum; ein zweites – leider mißlungenes [vergleiche die Quellen] – zu Balaton-Füred. Kisfaludy bildet in der Geschichte der poetischen Nationalliteratur Ungarns, nach der Ansicht Toldy’s, der doch gewiß ein Gewährsmann für solche Ansicht, den Abschluß einer Periode. Die Ideen einer neuen [322] Zeit begannen erst 1805 wahrnehmbar zu werden, das Bedeutendste aber was K. geschrieben: seine beiden Theile von Himfy’s Liebesliedern, seine Volksdichtungen, eben jene Werke, welche seinem Namen eine bleibende Stelle in der ungarischen Literatur sichern, waren bereits vor dieser Zeit geschrieben und erschienen. Uns Deutschen ist Kisfaludi nur aus einigen Blumenlesen ungarischer Dichtungen und hie und da zerstreuten Uebersetzungen einzelner Gedichte bekannt. Vergleiche das Nähere darüber in den Quellen (Nr. V).

I. Zur Biographie. A) Ungarische Quellen. Hirmondó. Ujság a magyarnép számára 1860, Nr. 18 [mit Porträt im Holzschnitt]. – Magyar irók arczképei és életrajzaj, d. i. Ungarische Schriftsteller in Bildern und Lebensbeschreibungen (Pesth 1858, Heckenast, kl. 4°.) Heft l, S. 17 [mit Holzschnitt]. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjté Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik.(Pesth 1856, G. Emich, 8°.) I. Theil, S. 253 [nach diesem geb. 22. September 1772]. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die ungarischen Familien mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Moriz Ráth, 8°.) Bd. VI, , S. 262 [nach diesem geb. 22. September 1772, gest. 28. October 1844]. – Nemzeti kepes naptár. Szerkesztik Tóth Lörincz, d. i. National-Bilderkalender, herausgegeben von Lorenz Tóth (Pesth, Landerer, Lex. 8°.) Jahrgang 1856, S. 137. – Toldy (Ferenc), A Magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legújabb időig, d. i. Geschichte der ungarischen Dichtung seit der Schlacht von Mohács bis auf unsere Tage (Pesth 1855, Heckenast, gr. 8°.) Bd. I, S. 699–731 [nach diesem geb. 27. September 1772]. – Ujabb kori ismeretek tára, d. i. Neues ungarisches Conversations-Lexikon (Pesth 1850 u. f., Gust. Heckenast, gr. 8°.) Bd. V, S. 96. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntags-Zeitung (Pesth, gr. 4°.) Jahrgang 1856, Nr. 6: „Kisfaludy Sándor szőleje“, d. i. A. Kisfaludy’s Geburtsort [mit Abbildung desselben]; Jahrg. 1858, Nr. 22, S. 257: „Kisfaludy Sándor sirja Sumeghem“, d. i. A. K.’s Grab zu Sumegh [mit Abbildung]; Jahrg. 1860, Nr. 26, S. 311: „A. K.’s Denkmal zu Füred“ [S. 312 die Abbildung desselben]. – B) Deutsche und andere Quellen. BrockhausConversations-Lexikon, 10. Aufl. Bd. VIII, S. 28 [nach diesem geb. 22. Sept. 1772, gest. 30. October 1844]. – Croquis aus Ungarn (Leipzig 1843, O. Wigand, kl. 8°.) Bd. I, S. 155. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) 1844, Beilage zu Nr. 46, S. 1089 [nach diesem geb. 27. Sept. 1772]. – Kertbeny (C. M.), Album hundert ungrischer Dichter (Dresden und Pesth 1844, 12°.) S. 47 und 503. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XVII, S. 1300 [nach diesem geb. 1777, gest. 30. Oct. 1844]. – Mundt (Theodor), Geschichte der Literatur der Gegenwart (Leipzig 1852, 8°.) Zweite Aufl. S. 802. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 208 [nach dieser geb. 27. September 1772]. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon (Wien 1850, gr. 8°.) Bd. III, S. 539 [nach diesem geb. 27. September 1772, gest. 1832]. – Pest-Ofner Zeitung 1860, Nr. 134 u. 135: „Dichterfeste in Ungarn“ [nachgedruckt in der Arader Zeitung d. J., Nr. 49; nach dieser geb. 27. Sept. 1772]. – Toldy (Franz Dr.), Geschichte der ungrischen Dichtung von den ältesten Zeiten bis auf Alexander Kisfaludy. Aus dem Ungrischen übersetzt von Gust. Steinacker (Pesth 1863, Heckenast, 8°.) S. 429–440. – Toldy (Franz), Handbuch der ungrischen Poesie. In Verbindung mit Julius Fenyéry herausgegeben (Pesth und Wien 1828, G. Kilian, gr. 8°.) S. LVI–LXII u. 294 [nach diesem geb. 27. September 1772]. – Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (Prag 1862, Steinhauser, kl. 8°.) S. 261. – Wigand’s Conversations-Lexikon (Leipzig, O. Wigand, gr. 8°.) Bd. VII, S. 523 [nach diesem geb. 1777, gest. 30. October 1844). – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., Didot, 8°.) Tome XXVII, p. 795 [nach dieser geb. 22. September 1772, gest. 30. October 1844].
[323] II. Porträte. 1) Unterschrift: Kisfaludy Sándor Eredetije Döbrenteinel (kiadta Heckenast Gustáv, Pesten, 8°.) (Karl Mayer Nbg. sc.). 2) Unterschrift: Kisfaludy Sándor. Stahlstich ohne Angabe des Zeichners und Stechers (12°.). – 3)[WS 1] Unterschrift: Kisfaludy Sándor. Ny. Rohn. A. Pest. 1860. Lithogr. (ohne Angabe des Zeichners und Lithogr., 4°.). – 4) Unterschrift: Kisfaludy Sándor fiatalabbkori arczképe a Himfilanttal. Kiadta: Vahot Imre 1860. Rayz. Grimm R. (Nyomt. Reiffenstein és Rösch, Halb-Fol.). – 5) Auch auf dem großen, von Barábas 1856 lithographirten Blatte: „Magyar Irók arczképcsarnoka“.
III. Denkmal. Dasselbe wurde von dem Bildhauer Züllich vollendet und in Balaton-Füred aufgestellt. Auf einem 12 Fuß hohen granitenen Piedestal zeigt es die kolossale Statue des Dichters in aufrechter Haltung, von einem Mantel umgeben. Die Kunstkritik hat ihr Verdammungsurtheil über dieses Werk gefällt, doch trifft minder den Bildhauer die Schuld, denn während man für eine in Bayern bestellte Arbeit 42.000 fl. zahlte, wurde für die im Lande gearbeitete Statue Kisfaludy’s die Summe von 3000 fl. (!) gegeben. Uebrigens der die Figur fast erdrückende Mantel, die starre Haltung des Körpers, das den Wolken zugewendete Antlitz mit der in der Plastik unerlaubten Zugabe eines stehenden Halskragens sind Gebrechen, welche dem bildenden Künstler zur Last fallen. Ansichten des Denkmals enthält das von Ludwig Libay gezeichnete und herausgegebene „Kisfaludy-Album“ und die Zeitung „Vasárnapi ujság“ im Jahrgange 1860, S. 311.
IV. Geburtshaus und Grabesstätte. Abbildungen beider enthält die Zeitung „Vasárnapi ujság“ 1856, Nr. 6, und 1858, Nr. 22. Die Grabstätte befand sich im Jahre 1847 in einem so bedauerlichen Zustande, daß der Assessor Peter von Mezernitzky auf der General-Congregation des Zalaer Comitates 1847 den sofort auch genehmigten Antrag stellte, daß eine Subscription eröffnet werde, von deren Ertrage dem Dichter ein seiner würdiges Denkmal gesetzt werde.
V. Uebersetzungen Kisfaludy’scher Dichtungen in’s Deutsche und in fremde Sprachen. 1) In der von Franz Toldy herausgegebenen „Blumenlese aus ungarischen Dichtern“ (Pesth und Wien 1828, gr. 8°.) sind enthalten 26 Himfylieder und die Ballade „Csobancz“. – 2) Uebersetzungen einzelner Gedichte enthalten: Die von Joh. Graf Mailáth herausgegebenen „Magyarischen Gedichte“ (Stuttgart, 1825, 8°.); Gustav Steinacker’s „Pannonia“ (Leipzig 1839, 8°.), der in der Uebersetzung der Himfylieder unstreitig das Beste geleistet: die „Wiener Literatur-Zeitung“ 1814, Nr. 39 u. 40; S. v. Ludwigh’s „Gedichte“ (Güns 1827, 8°.), in denen S. 127–140 einige Lieder und die Romanze „Endve und Oriska“ übersetzt vorkommen; in Kertbeny’s „Album hundert ungrischer Dichter“; in der „Iris“ 1826 die Uebersetzung der Sage „Csobancz“ von L. Petz, und in Georg von Gaal’s „Sagen und Novellen aus dem Magyarischen“ (Wien 1834, kl. 8°.) die Sagen: Der Einsiedler, Bestrafter Meineid. Was macht der Storch? und Wiedersehen. – 3) Besonders erschienen: „Himfy’s auserlesene Liebeslieder. Uebersetzt von Johann Graf Mailáth“ (Leipzig 1827, O. Wigand, kl. 8°.; neue Aufl. ebd. 1832). – 4) „Tátíka. Eine ungarische Sage. Metrisch übersetzt von Georg von Gaal“ (Wien 1820, kl. 8°.). – 5) Italienische Uebersetzung: „Canti d’amore. Traduzione del conte Sannazaro“, in Tudományos gyüjtemény 1826, und in englischer Uebersetzung sind in John Bowring’s „Poetry of the Magyars“ (London 1830), 15 Gedichte K.’s enthalten.
VI. Urtheile über Alexander Kisfaludy. Toldy bemerkt über A. Kisfaludy’s einzelne Werke folgendes, u. z. über seine Liebeslieder Himfy’s „Mehr Abwechslung, der Situationen, mehr innerer Zusammenhang und bei größerer innerer Nothwendigkeit der einzelnen Theile in Bezug auf das Ganze glänzende Phantasie und hinreißende Leidenschaft bilden die hervorragenden Elemente des ersten Theiles der sogenannten: klagenden Liebe. Die Hauptquelle des zweiten ist die Reflexion und die Sprache desselben ist nicht so blühend, viele Lieder der beglückten Liebe besingen nicht einmal die Seligkeit des Besitzes, sondern bewegen sich in solchen Lebensbetrachtungen, welche ein philosophischer Geist fast in allen Lagen anstellen kann. Was K.’s Canzonen und Sonette betrifft, so gehören viele Stücke derselben zu dem Schönsten, was die ungarische Lyrik aufzuweisen hat. Eine Eigenthümlichkeit in K.’s Dichtungsweise bildet die Vorliebe für Gegensätze, wodurch er die Seele in beständiger Bewegung erhält und schmelzende Empfindung und Leidenschaft mit einander abwechseln. Einige haben den ungrischen Dichter zu einem Nachahmer des Italienischen [3224] gemacht, Andere zu einem ungrischen Petrarca. Weder jene noch diese haben Recht. Auch Himfy bat aus seinem eigenen Busen geschöpft, wie Petrarca, und wenn seine Lieder wirklich an die Disposition der Petrarca’schen Sonette erinnern, so wird er dadurch nicht mehr Nachahmer, als jeder Sonettendichter. Aber ganz unabhängig von ihm konnte er allerdings auch nicht bleiben, denn auf welches Herz konnte der Genius des Ersteren tiefer wirken, als auf das Herz dessen, der ihm so nahe verwandt war? und wie sollte ihm nicht unwillkürlich eine oder die andere Wendung, ein Bild, oder Gedanke von Jenem mit unterlaufen, ohne daß er es selbst wahrnimmt? So nahm unbewußt, ja, sogar mit Bewußtsein, selbst Petrarca’s ohne Zweifel reiche und schöpferische Seele die Poesien der provençalischen Dichter in sich auf, so setzte er dieselben fort, so Horaz die der Griechen u. s. w. Doch gibt es einen Unterschied zwischen dem Ungar und dem Italiener: Dieser ist nicht bloß Dichter, sondern der tiefste Gelehrte, der geistvollste Philosoph seiner Zeit, und wenn seine Dichtung tiefer, inhaltreicher, abwechselnder: so verdankt er dieß – ich wage es offen auszusprechen – nicht seinem größeren poetischen Genie, sondern seiner Philosophie und Wissenschaft. Dangen hat Petrarca eine bereits auf dem Höhepuncte ihrer Schönheit angelangte Poesie, Himfy bloß Versuche vorgefunden, nur gleichsam zerstreute, fragmentarische Elemente, und die ungarische Lyrik hatte zu seiner Zeit sich noch nicht einmal eine äußere Form gebildet. Dieß ist aber viel, unendlich viel, darum sagt K. selbst in dem Vorworte zur zweiten Ausgabe des Himfy: „Wenn Petrarca und Andere vor mir auch nicht gedichtet hätten, so würde ich dennoch den Himfy haben schreiben können, und so vielleicht noch mit größerer Originalität, denn was in dem Menschen ist, das kömmt auch aus ihm heraus; aber wenn Gyöngyösi, Zrinyi, Orczy, Faludi ... vor mir nicht ungrisch geschrieben hätten, so würde, und wenn auch drei Petrarca’s in meiner Brust wohnten, Himfy nie geboren worden sein“. So der Magyar Toldy über seinen Landsmann. Vernehmen wir nun noch das Urtheil eines Deutschen. Der Verfasser der Schrift: „Ungarns Männer der Zeit“ schreibt: „A. Kisfaludy war jedenfalls der erste und künstlerisch gestimmte Lyriker seines Volkes und wenn auch heute in seinen Liedern Vieles schon trivial und längst überholt erscheint, für das ungrische Ohr bleibt ihnen noch immer ein verführerischer Reiz durch die Melodie der Sprache, eine Eigenthümlichkeit, die dem Auslande freilich durch Uebersetzungen nicht nachfühlbar zu machen ist. Nun wohl trifft man unter den 400 so berühmten Himfyliedern auch auf Bilder, wie z. B. daß der Dichter sich schildert, am Rande eines Baches sitzend, aus einer Tabakspfeife mächtig dampfend, und so sehr in trüber Stimmung verloren, daß sich der Gedanke einstellt: „Soll“ ich gleich Sappho in’s Meer springen?“ – Da hört alle musikalische Macht des Versbaues auf zu wirken, und der Kitzel hellauf zu lachen über die „Sappho mit der Meerschaumpfeife“ gewinnt die Oberhand.“ – Weiter heißt es dann noch von Kisfaludy: „Die drei immer bedeutenderen Entwickelungsringe, welche die ungarische Nationalpoesie in den sechzig Jahren dieses Säculums zurücklegte, tragen drei große Namen: Alexander Kisfaludy, Michael Vörösmarty, Alexander Petöfi. Kisfaludy, der Wecker, besang die Vergangenheit, war der Poet des Adels, besang was in dessen Charakter und Verhältnissen einst schön war und suchte zu neuem Bewußtsein zu entflammen, indem er der „officiellen“ Nation durch seine Lieder und besonders durch die Sagen zurief: „Deine Zukunft liegt in der Vergangenheit, denn damals warst du Ungar und mächtig“. – Vörösmarty, der Ansporner, stand schon um viele Schritte weiter, er rief nicht bloß dem erblichen, sondern dem reformirenden geistigen Adel ermuthigend und als Prophet zu: „Deine Größe liegt in der Zukunft, der Ungar war noch nicht, er wird erst sein!“ – endlich Petöfi, der Ungebundene, wendete sich an’s Ganze, auch an das bis dahin rechtlose Volk und rief von tausendstimmigem Echo umrauscht: „Sei nicht bloß Ungar, sondern auch Mensch, nicht bloß selbst frei, sondern Aller Freiheit anerkennend“. Diesem Zeitaccente nach war denn auch Kisfaludy Kunstlyriker, Vörösmarty rhetorischer Poet, Petöfi Volksdichter. In dem einen spiegelte sich die Reminiscenz wieder, im andern der Reformdrang, im dritten die Emancipation“.
VII. Zur Geschichte der Familie. Die Familie der Kisfaludy führt ihren Ursprung bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück und sind ein Michael Kisfaludy, der 1620 lebte, und Susanna Sitkay, die bekannten Stammeltern der beiden Dichter Alexander und Karl. Der Vater der beiden Dichter, [3] Michael, gest. 1826 im Alter von 83 Jahren, hatte fünf Söhne: Alexander, der älteste, Balthasar, Michael, Johann und Karl, der jüngste. Ueber den ältesten und jüngsten Sohn vergleiche die ausführlichen Biographien. Eine Enkelin Alexander K.’s, Atala Kisfaludy, nunmehrige Frau von Szalay, hat die Gabe ihres Großvaters geerbt und ist selbst eine geistvolle Dichterin. Ihre Arbeiten, in welchen sich Erhabenheit mit wahrer Poesie verbindet, werden von strengen Kritikern hochgeschätzt. [Der Fortschritt 1860, Nr. 180, im Feuilleton: „Ein Ausflug nach Ungarn. V.“)
VIII. Wappen. Im blauen Felde ein grüner Dreihügel. Der mittlere Hügel trägt eine Krone, auf welcher mit dem linken Fuße ein schwarzer Adler, mit ausgeschlagener Zunge und ausgebreiteten Flügeln, steht. In der rechten Klaue trägt er über den rechten Flügel gelehnt ein sogenanntes Stephanskreuz. Auf dem Schilde ruht ein gekrönter Helm, auf welchem sich drei wallende Straußenfedern erheben. Die Helmdecken sind rechts blau mit Gold, links roth mit Silber belegt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 5).