BLKÖ:Orczy, Lorenz Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 82. (Quelle)
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Orczy, Lorenz Freiherr von (ungarischer Poet, geb. in Ungarn 9. August 1718, gest. zu Pesth 28. Juli 1789). Der ältere Sohn des Freiherrn Stephan O. aus dessen Ehe mit Susanna Petrovay. Freiherr Stephan, der Capitän der Kumanen war, hatte das eigenthümliche Mißgeschick, mit Franz II. Rakoczy eine große Aehnlichkeit gemein zu haben, in Folge welcher er im Jahre 1701 an dessen Stelle verhaftet, aber – nachdem sich der Irrthum aufgeklärt – wieder freigelassen wurde. Sein Sohn Lorenz erhielt eine sorgfältige Erziehung und huldigte frühzeitig den Musen, aber die politisch bewegte Zeit seiner Jugendperiode stellte zunächst ernstere Anforderungen an ihn. Maria Theresia hatte den Thron ihrer Väter bestiegen und sah sich von allen Seiten von ihren fürstlichen und königlichen Nachbarn und Verwandten räuberisch angefallen, der ungarische Reichstag war 1741 einberufen worden und auch Freiherr Lorenz trat in die zum Schutze der jungen schönen Königin sich erhebende Insurrection, um in derselben für die bedrängte Königin zu fechten. So lag er Jahre lang dem Waffendienste ob und im Jahre 1756 errichtete er selbst ein Cavallerie-Regiment aus jazygischen und kumanischen Jünglingen, zeichnete sich in der Folge bei Dresden aus, machte mit Hadik den denkwürdigen Streifzug nach Berlin mit und trat, nachdem er als General dem Kriegsdienste entsagte, im Jahre 1764 die Administrators-, später die Obergespanswürde des Abaujvarer Comitates an, welche er zwei Decennien hindurch bekleidete. Die Kaiserin schmückte den als Kriegsheld und Obergespan verdienstvollen Freiherrn mit dem Commandeurkreuze des St. Stephan-Ordens. Nachdem der 66jährige Orczy im Jahre 1784 seine Obergespanschaftswürde niedergelegt, hatte er schon im folgenden Jahre die Freude, seinen zweitgebornen Sohn Ladislaus in dieselbe eingesetzt zu sehen. Freiherr Lorenz hingegen brachte den Rest der wenigen, ihm noch gegönnten Jahre auf seinem Tusculum zu in Örs, seiner Poesie und seinen Freunden lebend, bis er, allgemein betrauert, 71 Jahre alt, starb. Für dieses Werk hat er minder Werth, seiner kriegerischen und staatsmännischen Verdienste wegen, als ob seiner Eigenschaft, ein guter Dichter seiner Nation zu einer Zeit zu sein, wo die Dichter noch selten und geschätzt waren. Wie schon bemerkt worden, hatte O. frühzeitig gedichtet und fanden seine Arbeiten vor den Augen seines Freundes, des damaligen Primas Franz Grafen Barkoczy so viel Gnade, daß dieser aufgeklärte Kirchenfürst den Dichter stets zur Veröffentlichung seiner Poesien drängte. Barkoczy’s Tod und die stürmischen Zeiten vereitelten aber dieses Vorhaben und so [83] blieben diese Schöpfungen zwanzig Jahre verschlossen im Pulte, während welcher Zeit Bessenyei [Bd. I, S. 350] mit seinen Dichtungen in die Oeffentlichkeit trat, und als ein glanzvoll aufsteigender Stern am Horizonte der ungarischen Poesie Anhänger und Nachahmer fand. Orczy nichts weniger als dadurch beirrt, um seinen älteren Dichterruhm gekommen zu sein, begrüßte vielmehr Bessenyei’s Erscheinen, seine und seiner Genossen Wirksamkeit, mischte sich als ein Mann, der durch den Glanz seiner Geburt, seiner ausgedehnten Besitzungen, seiner militärischen und bürgerlichen hohen Stellung einer der angesehensten Magnaten Ungarns war, mit väterlichem, ja freundschaftlichem Wohlwollen unter sie und nährte in ihnen, die als Neuerer und Verbesserer des der Verbesserung dringend bedürfenden magyarischen Geschmacks, von den Angriffen der Geschmacklosen und Tadelsüchtigen nicht verschont blieben, das edle Streben und die der Sache werthe Ausdauer. Auch diese Art von Wirksamkeit, bemerkt treffend Ungarns Literaturhistoriker, Franz Toldy, mit Aufmerksamkeit zu verfolgen und mit pietätvoller Würdigung zu verkündigen, ist eine heilige Pflicht des Geschichtsforschers, weil das Verdienst der Aufmunterung oft nicht geringer ist, als das derjenigen, welche in ungünstigen Zeiten einen Theil ihrer schaffenden Kraft oft aus solchen Aufmunterungen schöpften. Orczy’s eigene poetische Schöpfungen wurden kurz vor seinem Tode von Révai unter dem Titel: „Költeményes holmi egy nagyságos elmétől“ (Preßburg 1787) und „Két nagyságos elmének költeményes szüleményei“ (ebd. 1789) herausgegeben. Einzelnes von Orczy’s Dichtungen ist überdieß noch im „Magyar Museum“ und im „Orpheus“ zu finden. Seine Poesien bestehen aus größeren und kleineren Lehrgedichten, unter denen drei und zwanzig aus Boethius und aus zahlreichen Episteln. Der oberwähnte Literarhistoriker Ungarns legt das Gewicht bei Orczy’s Dichtungen minder auf ihr poetisches Element, das durch Weitschweifigkeit und mitunter prosaische Nüchternheit beeinträchtigt wird, als vielmehr auf die hohe Gesinnung, die jedes seiner Gedichte athmet. Nicht, wie bei Bessenyei der Fall ist, abstracte Gegenstände der Philosophie beschäftigen ihn, vielmehr ist es eine gesunde frische Moral, die aus Orczy’s Versen im Wohlklange einer mit Geschick behandelten Sprache redet. Ein auf reinem Selbstbewußtsein begründetes Lebensglück und Gewissensruhe erscheinen ihm als höchstes Ziel des Daseins. Alles andere ist eitel und Thorheit dieser Welt; fremdes Elend läßt ihn nicht kalt und gleichgiltig, in seinen Ansichten aristokratisch, liebt er einfache Sitten, die Leiden der niederen Stände erwecken sein volles Mitgefühl, ihre Arbeit und Tugenden seine Achtung. Mensch in des Wortes schönster Bedeutung ist er durch und durch Ungar. Formell lehnt sich O. mit seinen Dichtungen an die französischen Vorbilder seiner Zeit an, Kertbény nennt ihn „den Vater der ungarischen Epistolarpoesie und durch seine Bugacser Csárda den Begründer nationaler Description“. Ueber seine Familie vergleiche die Stammtafel und auf S. 84 die genealogische Darstellung. Nur sei hier noch bemerkt, daß ihm Nagy in seinem Werke: „Magyarország családai“, Bd. IX, S. 239, auf der Stammtafel drei Frauen: 1) Judith Baronesse Podmanitzky, 2) Judith Baronesse Ostroluczki (und nicht Ostroluzzi, [84] wie sie hie und da genannt erscheint), und 3) Anna Baronesse Laffert, zugetheilt; das ist aber ein Irrthum. Orczy hatte nur zwei Frauen, nämlich: 1) Judith Baronesse Podmanitzky und 2) Anna Baronesse Lassert, aber die Mutter der ersteren, Judith Podmanitzky, war eine geborne Judith Freiin Ostroluczky, woher Nagy’s Irrthum entsprungen sein mag.

Alexovits (Basilius), Halotti beszéd Baro Orczy Lörintz Generálisnak etc., d. i. Leichenrede auf Lorenz Freiherrn Orczy, General u. s. w. (Pesth 1789, 4°.]. – Toldy (Ferencz), A’ Magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legújabb időig, d. i. Geschichte der ungarischen Dichtung von der Schlacht von Mohácz bis auf unsere Tage (Pesth 1855, Gust. Heckenast, gr. 8°.) Bd. I, S. 333. – Erdéli Museum, d. i. Siebenbürgisches Museum, Bd. III, S. 174 u. f. – Pesti Napló, d. i. Pesther Journal (Fol.) VI. Jahrg. (1855), Nr. 59. – Toldy (Franz), Handbuch der ungrischen Poesie. In Verbindung mit Julius Fenyéry herausgegeben (Pesth und Wien 1828, Kilian und Gerold, gr. 8°.) Bd. I, S. 145; Bd. II, S. 378. – (Hormayr’s) Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien, J. Strauß, 4°.) VIII. Jahrg. (1817), S. 359. – Porträt. Unterschrift: Báró Orczy. Mannsfeld sc. (8°), Kupferstich.