BLKÖ:Kisfaludy, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kisfaludy, Alexander
Band: 11 (1864), ab Seite: 325. (Quelle)
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Kisfaludy, Karl[BN 1] (ungarischer Dichter, geb. zu Tét, Februar 1788, gest. zu Pesth 21. November 1830). Alexander’s jüngster Bruder. Seine Geburt brachte der Mutter den Tod. Er kam früh aus dem Elternhause nach Raab, wo ihm aber der Schulbesuch ebenso wenig Freude bereitete, als seine Erfolge in den Studien den Lehrern. Daher trat er 1804, erst 16 Jahre alt, in die kaiserliche Armee. Mit dem Infanterie-Regimente Erzherzog Karl, in welchem er diente, machte er die Feldzüge 1805 in Italien, 1809 in Deutschland mit. Im folgenden Jahre verließ er als Lieutenant die kaiserliche Armee, machte eine Reise durch Deutschland und die Schweiz und kehrte in sein Vaterland zurück. Der Neigung seines Herzens folgend, fiel seine Wahl auf ein Mädchen, zu dessen Heirath der Vater mit aller Entschiedenheit die Zustimmung verweigerte und, als Karl dem entgegen auf seiner Absicht beharrte, ihn enterbte. Nun sagte sich aber auch das Mädchen los von dem vermögenlosen Geliebten. Mit dem Vater mehr als entzweit, von der Geliebten treulos verlassen, fand er Anfangs eine Zuflucht bei einem seiner Brüder. Nachdem er Fassung und genug Ruhe gefunden, um in seiner traurigen Lage zu einem Entschlusse über seine Zukunft zu kommen, entschied er sich für die Malerei. Sein mütterliches Erbtheil setzte ihn einigermaßen in die Lage, sein Vorhaben auszuführen, und er begab sich nach Wien. Nun verschaffte ihm die Malerei, für die er mit voller Seele schwärmte, wohl den nöthigen Lebensunterhalt, aber bei dem Zwange: malen zu müssen, um leben zu können, entbehrte der Künstler mit vollem Bewußtsein jene Freiheit, welche dem schaffenden Genius unerläßlich ist, wenn er wirklich Großes leisten soll. Er gab also das Malen auf, ging 1817 nach Pesth, wo er sich bleibend niederließ und es mit der schriftstellerischen Laufbahn versuchte, für die er längst große Vorliebe getragen. Ein schon in früheren Tagen gedichtetes Trauerspiel: „Die Tataren in Ungarn“, war durch einen Freund in Abschrift der Stuhlweissenburger Gesellschaft zugestellt worden. Als nun K. im December 1817 von Wien in Pesth eintraf und dort seinen bleibenden Aufenthalt nahm, wurde in Stuhlweissenburg das genannte Stück mehrere Male hintereinander mit stets größerem Beifalle gegeben. 1819 kam die Stuhlweissenburger Gesellschaft nach Pesth, um daselbst einige Wochen Vorstellungen zu geben. Die „Tataren“ kamen zur Aufführung und hatten einen solchen Erfolg, daß sich Kisfaludy mit nicht geringer Mühe dem Andrange der davon begeisterten jungen Leute entziehen konnte, die ihn unter lautem Jubelgeschrei [326] auf die Bühne tragen wollten. Dieser glänzende Erfolg veranlaßte einen der Schauspieler, K. um ein Stück zur Benefice zu ersuchen. K. gab ihm nun ein bereits vollendetes, dessen Aufführung aber nicht zugelassen wurde. Der Schauspieler bat ihn um ein anderes und nun schrieb K. in vier Tagen das fünfactige Drama: „Ilka“, welches gleichfalls mit großem Beifalle aufgenommen wurde. Der Weg, den er zu betreten hatte, war nun gefunden, und in der That folgten in kurzen Pausen mehrere Original-Dramen und Lustspiele, welche seinen Namen bekannt und im großen Publicum auch sehr beliebt machten. Aber bis dahin waren es nur die unmittelbaren Eingebungen des genialen, um das eigentliche Wesen der Kunst unbekümmerten Poeten, welche von den Brettern herab dem schaulustigen Publicum entgegen traten. Erst die Bekanntschaft mit Helmeczy [s. d. Bd. VIII, S. 293] führte K. auf dem freilich steileren Wege eines philosophischen Sprachstudiums und Sichbewußtwerdens der strengen Anforderungen der Kunst, in das Gebiet regelrechten Schaffens, welchem leider das Geschick eine nur zu kurze Spanne Zeit gönnte. Aus dieser, am kürzesten bezeichnet, zweiten Periode von K.’s Schaffen stammen mehrere Entwürfe zu historischen Dramen; in diese Zeit fällt die Begründung des ungarischen Almanaches: „Aurora“, welcher so recht die Kunstschule, ja die eigentliche Wiege der modernen ungarischen National-Poesie wurde und von dem 9 Jahrgänge, 1822–1830, unter K.’s unmittelbarer Redaction erschienen sind, welche neben dem Trefflichsten der besten ungarischen Poeten jener Zeit zahlreiche Beiträge von K. selbst enthalten. Von Jugend auf von nicht allzufester Gesundheit, wurde dieselbe durch anhaltendes Arbeiten – obgleich er bei seiner Leichtigkeit zu schaffen nicht nöthig hatte, sich so sehr anzustrengen – noch mehr geschwächt, und ziemlich leidend begann er 1829 die Tragödie „Mathias Csák von Trencsin“. Er hatte sich in die Arbeit, mit der er Publicum und Freunde in nicht gewöhnlicher Art zu überraschen gedacht, vertieft, mehrere Nachtwachen hatten seinen Zustand noch schlimmer gemacht, so daß der Arzt ihm jede geistige Aufregung, also natürlich das Dichten und Schreiben verbieten mußte. Nun besserte sich wohl sein Zustand, aber nur scheinbar, nicht lange darnach trat das Leiden mit verdoppelter Heftigkeit auf. Da erlag seine Schwester, die er zärtlich liebte, demselben Leiden und kurze Zeit darnach folgte ihr der Poet, erst 42 Jahre alt, von der Nation, zu deren Lieblinge er sich emporgearbeitet, tief betrauert. Von Kisfaludy’s Dramen und Lustspielen sind einzeln gedruckt erschienen: „A Tatárok magyarországon“, d. i. Die Tataren in Ungarn, Trauerspiel in 5 Aufzügen (Pesth 1819); – „Ilka vagy Nándorfejérvár bevétele“, d. i. Ilka oder die Erstürmung von Nagyfejervar, Drama in 4 Aufzügen (Buda 1819); – „Stibor vajda“, d. i. Der Wojwode Stibor, Drama in 4 Aufz. (Pesth 1820); – „A pártütők“, d. i. Die Rebellen, Lustsp. in 3 Aufz., und „A gyilkos, vagy mikor pattant nem hittem volna“, d. i. Der Mörder oder als es geknallt, hätte ich es nicht gedacht, Lustsp. in 1 Aufz. (beide Stücke Pesth 1820); – „Szécsi Mária vagy Murányvár ostromlása“, d. i. Maria Szecsi oder die Erstürmung von Murany, Drama in 4 Aufz., und „A kerők“, d. i. Die Bittenden, Lustsp, in 3 Aufz. (beide Pesth 1820); – „Kemény Simon“, d. i. Simon Kemeny, Drama in 2 Aufz., und [327] „Barátság és nagylelküség, dramái költemény“, d. i. Freundschaft und Großmuth, dramatisches Gedicht (Pesth 1820); – „Irene szomoruj“, d. i. Irene, Trauersp. in 5 Aufz. (Pesth 1820). Mit den bisher angeführten Stücken schließt die erste, wie schon bemerkt, die Periode seines Werdens, die Sturm- und Drangperiode seiner äußeren Verhältnisse und seines geistigen Schaffens, ab. 1821 begann er die Herausgabe der „Aurora“, in welcher seit dieser Zeit bis zu seinem Tode die Hauptarbeiten nach jeder Richtung, die er pflegte, niedergelegt sind. Die „Aurora“ enthält außer sehr vielen Gedichten philosophischen und satyrischen Inhalts, ihrer Form nach Lieder, Sonette, Triolette, Elegien, Romanzen, Xenien, davon mehrere unter den Pseudonymen: Zordy, Szalay, andere unter den Chiffern: M. T., M. F., dann Fragmente eines romantisch epischen Gedichtes: „Elte“, 11 Novellen und Erzählungen und mehrere meist allegorische, satyrische oder parodirende Aufsätze in Prosa und einige Dramen und Lustspiele. Die nach dieser Zeit entstandenen dramatischen Arbeiten sind: „Nélzor és Amida“, d. i. Nelzor und Amida, ein orientalisches Drama in 1 Aufzuge; – „A Vigjáték“, d. i. Das Lustspiel, in 1 Aufz.; – „A betegek“, d. i. Die Kranken, Lustsp. in 1 Aufz.; – „A leányőrző“, d. i. Der Mädchenhüter, Lustsp. in 3 Aufz.; – „Hűség próbája“, d. i. Die Probe der Treue, Lustsp. in 1 Aufz.; – „Kénytelen jószivűség“, d. i. Gutherzigkeit wider Willen, Lustsp. in 1 Aufz.; – „Szeget szeggel“, d. i. Der Nagel mit dem Nagel, Lustsp. in 1 Aufz.; – „Csalódások“, d. i. Die Täuschungen, Lustsp. in 4 Aufz.; – „A fősvény vagy nem mehet ki a szobából“, d. i. Der Geizige oder er kann nicht aus dem Zimmer gehen, Lustsp. in 1 Aufz.; – „Áltudósok“, d. i. Der Scheingelehrte, Lustsp. in 1 Aufz.; – „Három egyszerre“, d. i. Drei auf Einmal, Lustsp. in 1 Aufz. Noch sind die dramatischen Fragmente: „Konstantinopoly veszedelme“, d. i. Der Fall Constantinopels; – „Első Ulászló vagy a Várnai ütközet“, d. i. Ladislaus der Erste oder die Schlacht von Varna – und „Záh nemszetség“, d. i. Familie Zah, anzuführen. Kurze Zeit nach seinem Tode veranstaltete der ungarische Literarhistoriker Franz Toldy eine Gesammtausgabe von Kisfaludy’s Werken unter dem Titel: „Kisfaludy Karoly minden munkai“. Tiz kötet d. i. Karl Kisfaludy’s sämmtliche Werke. 10 Bände (Pesth 1831, 8°.). Kisfaludy ist von der ungarischen Akademie zum Mitgliede für die linguistische Abtheilung erwählt worden, aber er war bereits todt, als die Wahl bekannt geworden. Nach seinem Tode traten mehrere seiner Freunde zusammen, um ihm ein Denkmal zu setzen. Es kam eine ansehnliche Summe zu Stande und das Monument wurde von dem Bildhauer Stephan Ferenczy vollendet. Da noch ein namhafter Ueberschuß zurückgeblieben war, so wurde derselbe das Stammcapital einer nach den beiden Brüdern Alexander und Karl K. genannten literarischen Gesellschaft, der sogenannten Kisfaludy-Gesellschaft, über welche das Nähere in den Quellen mitgetheilt wird.

I. Zur Biographie Karl Kisfaludy’s. A) Ungarische Quellen. Schedel (Franz), Kisfaludy K. élete, d. i. Lebensbeschreibung Karl K.’s (Budapest 1832, 8°.). – In der Ausgabe der A magyar nemzet Classicus iroi (Pesth, Heckenast, gr. 12°.) steht den „Kisfaludy Karoly minden munkai, Szerkeszté Toldy Ferencz“ das Leben Karl K.’s voran. – Hirmondó. Ujsag a magyarnep szamara 1860, Nr. 25: Biographie von Mich. Boroß. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. [328] Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Jos. Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) I. Theil, S. 250. – Magyar irók arczképei és életrajzaj, d. i. Ungarische Schriftsteller in Bildern und Lebensbeschreibungen (Pesth 1858, Heckenast, kl. 4°.) Heft l, S. 102. – Nemzeti kepes naptár. Szerkesztik Tóth Lörincz, d. i. National-Bilderkalender, herausgegeben von Lorenz Tóth (Pesth, Landerer, und Heckenast, gr. 8°.) II. Jahrg. (1857), S. 101 [mit Porträt]. – Toldy (Ferencz), Irodalmi arcképei a’ újabb beszedei, kiadta Tárkányi, d. i. Literarische Porträte von Franz Toldy, herausgegeben von Tárkányi (Pesth 1856, G. Emich, 8°.) S. 259. – Toldy (Ferenc), A’ Magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legújabb időig, d. i. Geschichte der ungarischen Poesie von der Schlacht bei Mohács bis auf unsere Tage (Pesth 1857, Heckenast, gr. 8°.) Bd. II, S. 243–360. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntagszeitung (Pesth, 4°.) 1857, Nr. 13: „Kisfaludy Karoly sirja“, d. i. Karl K.’s Grabesstätte; 1858, Nr. 30: Lebensskizze [mit Porträt im Holzschnitt]. – B) Deutsche Quellen. BrockhausConversations-Lexikon, 10. Auflage, Bd. IX, S. 29 [nach diesem geb. 19. März 1790, gest. 21. Nov. 1830]. – Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1820, S. 56 des Intelligenzblattes Nr. 14. – Kertbeny (K. M.), Silhouetten und Reliquien (Prag 1861, I. L. Kober). II. Theil, S. 1. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XVII, S. 1300; Suppl. Bd. IV, S. 252 [nach diesem gest. 11. Nov. 1830]. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon von Hirtenfeld (Wien 1850, gr. 8°.) Bd. III, S. 540 [nach diesem geb. 19. März 1790, gest. 11. Nov. 1830]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 209; Bd. VI, Suppl. S. 512 [nach dieser geb. 19. März 1790, gest. 11. Nov. 1830]. – Toldy (Franz), Handbuch der ungrischen Poesie. In Verbindung herausgegeben von Julius Fenyéry (Pesth und Wien 1828, G. Kilian und K. Gerold, gr. 8°.) Bd. I, S. LXX–LXXVI; Bd. II, S. 192 u. 450 [nach diesem geboren am 19. März 1790]. – Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen [C. M. Kertbeni recte Benkert] (Prag 1862, A. G. Steinhausser, kl. 8°.) S. 269. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., 8°.) Tome XXVII, p. 798 [nach dieser geboren 19. März 1790, gest. 21. Nov. 1831].
II. Porträte. 1) Unterschrift: Kisfaludy. Kiadó tulajdonos Paterno F. Bécsben. Nyomta Haller J. (Wien, Fol.), Lithogr. – 2) Unterschrift: Kisfaludy Károly. Stahlst. (8°., ohne Angabe des Zeichners u. Stechers, Nürnb., Meyer’s K. V.). – 3) Auf dem von Barabás lithographirten Blatte: „Magyar Irók arczképcsarnoka“ (1856, gr. Folio). Blatt I.
III. Zur Kritik Karl Kisfaludy’s. „Zehn ernste und komische Dramen, schreibt Toldy, waren, nachdem K. in sein Vaterland zurückgekehrt, in kurzer Zeit geliefert und fanden, ihrer vielen Mängel ungeachtet, den stürmischsten Beifall, der vorzüglich dem wohlberechneten theatralischen Effecte und den Stoffen, welche er stets aus der vaterländischen Geschichte wählte, zuzuschreiben war. Was die historischen Schauspiele betrifft, zeugen die Schwächen im Baue, die Charakteristik, welche wenig Neues, Interessantes, Ausgeführtes bietet, dann die sorglose Behandlung der Sprache und des Verses von Mangel an Studium und jener flüchtigen Hand, welche keinen Anstand trug, in wenigen Tagen oft ein Stück anzufertigen. Zudem gefiel er sich sehr im Sentenzenschwall und in lyrischen Ergüssen. Obwohl mit derselben Sorglosigkeit gearbeitet, sind dennoch seine komischen Stücke dieser Periode schon die günstigsten Vorboten jener Trefflichkeit, die er später im Lustspiele erreichte. Die Leichtigkeit und Schnelligkeit, mit welcher er arbeitete, würde ihn wahrscheinlich zur charakterlosen Vielschreiberei verleitet haben, hätt’ er nicht Freunde gefunden, die ihn zum Studium der Kunst und Sprache anregten. In den Stücken dieser Periode (sie trifft mit der Herausgabe der „Aurora“ 1820 zusammen) zeigt er in Behandlung der Stoffe und der Form tiefes ästhetisches Studium, echt künstlerischen Bedacht. Seine Lustspiele aus dieser Zeit, insgesammt, nicht nur jene, die insbesondere dem Namen eines Intriguenstückes entsprechen, [329] sondern auch die Charakterstücke zeichnen sich durch einen raschen Gang der Handlung, letztere wenigstens der psychischen Handlung, aus. Sein Situationsgewebe, immer interessant und spannend, hat die strengste Wahrscheinlichkeit; seine Charaktere sind scharf und consequent gezeichnet und durchgeführt, der höchst witzige Sziklási, der lebenslustige Möricz (im „Mädchenhüter“), der aus Humor zusammengesetzte Hofnarr des Königs (in „Der Treue Probe“), der Planmacher Lombay (in den „Täuschungen“) sind ohne Zweifel Gebilde ersten Ranges, doch neben diesen noch welche Fülle trefflicher Charaktere und welche Mannigfaltigkeit. In der Kunst des Dialogs ist er unendlich gewandt; selbst wo es ihm gefällt, seiner Satire, seinem Witz in Reflexionen, Sarkasmen, Vergleichen, Bonmots Lauf zu lassen, geschieht dieß mit Blitzesschnelle, ohne Schaden des dramatischen Vortrages. Manche werfen ihm den Mangel an Nationalität vor. Dieser Vorwurf ist einerseits unbegründet und beruht andererseits in den veränderten Verhältnissen der Gesellschaft, da in den gebildeteren Cirkeln keine nationalen Eigenthümlichkeiten mehr bestehen. Kisfaludy verdient den Namen unseres gewandtesten und wirklich vorzüglichen Bühnendichters. Aber auch sonst als Dichter leistete er Bedeutendes; seine Elegien, Lieder, Romanzen und Epigramme, epischen und didaktischen, satyrischen und allegorischen Gedichte, seine Novellen und komischen Erzählungen, jedes in seiner Gattung, gehört zum Trefflichsten der ungrischen Literatur. Als lyrischer Dichter gemüthlich, als philosophischer tief, überall reich an Bildern, als Satyriker witzig und treffend, ist er in seinen objectiven Darstellungen ein gewandter Charakterzeichner, an Situationen reich, in Ton und Farbe von jeder Manier weit entfernt. Sein Vers wird an Correctheit, Leichtigkeit und Wohlklang von keinem ungrischen Dichter übertroffen.“ So Toldy; Kertbeny, ebenso in der ungarischen als deutschen Literatur bewandert, schreibt über Karl K.: „Karl K. scheint mir heute noch an Talent wie an Wirkung bedeutender, als sein Bruder, der übervergötterte Alexander. Er ist der eigentliche Schöpfer eines ungarischen Theaterrepertoirs und wenn auch seine historischen Schauspiele und Dramen uns heute anmuthen wie Producte Kotzebue’s, so haben seine zahlreichen Lustspiele noch immer volle Wirkung, sie sind ebenso witzig als rasch und anmuthig in der Entwickelung.“
IV. Uebersetzungen der Dichtungen Karl Kisfaludy’s in die deutsche Sprache. Im Anhange des „Handbuches der ungarischen Poesie. In Verbindung mit Jul. Fenyéry herausgegeben von Franz Toldy“ (Pesth und Wien 1828, gr. 8°.) Bd. II, S. 450 u. f., lyrische Gedichte: „Die Lebensalter“, „Die Macht des Blickes“, „Xenien“, ein Fragment (I–IX) aus der romantischen Dichtung, „Elte“ und das vieractige Lustspiel „Die Täuschungen“, übersetzt von M. v. Paziazi; – in Steinacker’s „Pannonia“ (Leipzig 1839), lyrische Gedichte; – in den von Adolph Buchheim und Oscar Falke herausgegebenen fünf Heften „Nationalgesänge der Magyaren“ (Cassel 1850 und 1851), Gedichte; – in den von Vasfi (Eisler) und Benkö (Kertbeny) übersetzten „Ungarischen Nationalliedern“ (Braunschweig 1850), Gedichte; – in Kertbeny’s „Album hundert ungrischer Dichter“ (Pesth und Leipzig 1854 und öfter, 12°.), Gedichte; – in den von A. Greguß übersetzten „Ungarischen Volksliedern“ (Leipzig 1846, Wigand, 12°.), mehrere Volkslieder, und in den von Kertbeny übersetzten „Gedichten von Alexander Petöfi. Nebst einem Anhange Lieder anderer ungrischer Dichter“ (Frankfurt a. M. 1849, lit, Anst., 8°.), mehrere Gedichte. Von seinen dramatischen Arbeiten sind außer dem oberwähnten Lustspiele „Die Täuschungen“ noch übersetzt in Georg von Gaal’s „Theater der Magyaren“ (Brünn 1821, 8°.) im ersten Bande: „Die Tataren in Ungarn“, „Ilka oder die Erstürmung von Nagyfejervar“, „Wojwode Stibor“; selbstständig erschien: „Stibor in Trochäen von C. A. Graf Festetics“ (Pesth 1823), Uebersetzt – ob auch gedruckt, weiß Herausgeber nicht – sind noch: „Kemeny“ in Jamben von Gaal; „Die Rebellen“, vom Grafen Mailáth; die Lustspiele: „Die Kranken“, „Gutherzigkeit wider Willen“, „Der Treue Probe“, „Der Mädchenhüter“, „Die Täuschungen“, sämmtlich übersetzt von Michael Paziazi. Von den Novellen und Erzählungen sind übersetzt: „Der Blutbecher“, „Das Wiedersehen“, von G. v. Gaal; „Jonas Lämmle’s Abenteuer“ (Kaschau 1827, O. Wigand, 18°.); von der dramatischen Dichtung „Elte“ ein Bruchstück in Hormayr’s „Archiv für Geschichte“ u. s. w., 1817, im Septemberheft. Englische Uebersetzungen einzelner Gedichte enthält John Bowring’s „Poetry of the Magyars“ (London 1830, 8°.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. 1. B. Szalay, der Pseudonym eines der bedeutenderen ungarischen Poeten, und zwar Karl Kisfaludi’s [Bd. XI, S. 325]. Dieser gab nämlich folgendes Werk heraus: „Jonas Lämmles Abenteuer (aus seinen eigenen Briefen). Aus dem Ungarischen des B. Szalay (Kaschau 1827, Heckenast in Pesth, 8°.). Szalay, B. [Bd. 41, S. 148.]