BLKÖ:Vasfi, Moriz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vašek, Anton
Band: 49 (1884), ab Seite: 304. (Quelle)
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Vasfi, Moriz (ungarischer Schriftsteller, geb. zu Waagneustadtl in Ungarn 1818). Ein ungarischer Jude mit dem deutschen Namen Eisler, studirte er anfangs den Talmud, dann, 1846, zu Pesth Medicin, wo er nach Ausbruch der 1848er Bewegung Journalist wurde und eine Zeitung unter dem Titel: „Opposition“ herausgab. Da aber bei dem Vordringen der kaiserlichen Armee an eine Fortsetzung des Blattes nicht zu denken war, so stellte er es schon nach kurzer Zeit ein und trat nun in Temesvár als Hilfsarzt in die Dienste der revolutionären Armee, in welcher er bis zur Bewältigung des Aufstandes verblieb. Nun suchte er gleich Anderen sein Heil in der Flucht und entkam über Oberungarn nach Prag und von dort nach Leipzig, wo er eine Reihe Artikel über die ungarischen Zustände in Kuranda’s „Grenzboten“ veröffentlichte. Auch trat er daselbst mit Benkert (Kertbeny) [Bd. I, S. 274] in Verbindung und gab mit ihm gemeinschaftlich das Volksliederbuch „Hangok a multból“ (Leipzig 1852, Jeger) heraus. Diese Sammlung ist aus den Papieren, welche Alexander Szilágyi aus den Wirren der damaligen Zeit gerettet und nach Leipzig geschickt hatte, zusammengestellt. Unter der fingirten Firma Jeger barg sich Ernst Keil, der nachmalige Begründer der „Gartenlaube“. Auch vereinigten sich Kertbeny und Vasfi, Ersterer unter dem Pseudonym Benkö, zur Bearbeitung der deutschen Ausgabe, welche unter dem Titel: „Ungarische Nationallieder. Uebersetzt von Vasfi und Benkö“ (Braunschweig 1852, Jeger, 16°., XXII und 370 S.) erschien. Diese Uhland gewidmete Sammlung, welche besonders nach Amerika abgesetzt wurde, enthält 212 Lieder und politische Gedichte, und zwar: I. Vor den Märztagen die bekannten patriotischen Lieder von Berzsényi bis Petőfi. II. In den Märztagen: Gedichte nach Czuczor, Petőfi, Sárossy, Lévai, Arany, Gyulai u. A.; III. Nach Világos. Namenlose Lieder und deren aus dem Nachlasse Petőfi’s oder ihm unterschoben. [305] An der Uebersetzung haben sich Kertbeny und Vasfi gleichmäßig betheiligt, und Letzterer, der in Selbstberäucherung immer das Menschenmögliche gethan, meint: „sie möge wohl die beste sein, die noch je aus dem Ungarischen erschienen, so sehr auch die von Vasfi allein herstammende Einleitung, die Noten und auch die äußere Ausstattung dem Buche nicht zum Vortheil gereichen und es zu einer Parteischrift machen, während es ein literarhistorisches Document hätte werden sollen“. So glossirt hinterher Kertbeny seinen Mitherausgeber. Auch das ist Benkert-Art, seinem Verbündeten, nachdem dieser redlich gearbeitet, hinterher einen Hieb zu versetzen, und thatsächlich sind Vasfi-Eisler’s Einleitung und Noten mehr werth, als sämmtliche Uebersetzungen ungarischer Gedichte von Benkö-Kertbeny-Benkert. Auch arbeitete Vasfi während seines Aufenthaltes in Leipzig gemeinschaftlich mit I. E. Horn [Bd. IX, S. 288]. 1851 begab er sich aber nach Paris und von dort wanderte er 1853 nach Amerika aus, wo er sich zu New-York als praktischer Arzt niederließ, eine Amerikanerin heiratete und bald ein angesehener Heilkünstler wurde.

Kertbeny (C. M.). Album hundert ungarischer Dichter. In eigenen und fremden Uebersetzungen (Dresden und Pesth 1854, Robert Schäfer und Hermann Geibel, 16°.) S. 535.