BLKÖ:Nast, Hermann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Natalie
Band: 20 (1869), ab Seite: 91. (Quelle)
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Johann Nepomuk Hermann Nast in der Wikipedia
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Nast, Hermann (Industrieller, geb. zu Radkersburg in Steiermark im Jahre 1754, gest. zu Paris im Jahre 1817). Armer Eltern Sohn, wurde er ein Handwerker und wanderte als solcher – wie es schon Sitte im Handwerksleben – von Ort zu Ort. So kam er nach Paris, wenige Gulden in der Tasche, und wurde überdieß bald nach seiner Ankunft in Paris krank. Man brachte ihn in das Hôtel-Dieu. Dort pflegten ihn die frommen Schwestern des Krankenhauses auf das sorgsamste, und bald konnte er, durch die milde Pflege gestärkt, das Krankenhaus verlassen. Er suchte nun Arbeit und erhielt sie in einer Porzellanfabrik in Vincennes nächst Paris. In diesem neuen Geschäfte sich ungleich behaglicher denn je zuvor fühlend, richtete er sein Augenmerk vornehmlich auf die Fabrikation des Porzellans, studirte auf das Genaueste das chemische und mechanische Verfahren derselben, ja, die Wichtigkeit des Zeichnens bei der künstlerischen Ausschmückung der Fabrikate würdigend, nahm er selbst Unterricht im Zeichnen und besuchte zu diesem Zwecke in den Mußestunden eine Freischule, in welcher er sich bald ganz tüchtig in dieser Kunst ausbildete. Dabei vernachlässigte er auch nicht die Ausbildung in anderen Fertigkeiten, die zur Glasfabrikation in irgend einer Beziehung standen, und übte sich aus diesem Grunde im Drechseln, Modelliren, Schnitzen u. dgl. m., und als besonders wichtig das Studium der Chemie erkennend, betrieb er dasselbe ununterbrochen mit größtem Eifer, machte selbst kleine chemische Versuche, alles Beschäftigungen, die ihm bei den Arbeiten in der Porzellanfabrik vortrefflich zu Statten kamen. So wurde er bald einer der geschicktesten Porzellanarbeiter in der Fabrik. Durch Fleiß und Sparsamkeit hatte er sich allmälig so viel erworben, daß er ein Geschäft auf eigene Rechnung anfing. Dasselbe, anfänglich ganz klein, erweiterte er durch unermüdete, von seiner Sorgfalt in Ausführung der Arbeiten begleitete und also auch immer mehr und mehr lohnende Thätigkeit, die Bestellungen mehrten sich mit jedem Tage, und nach einigen Jahren stand Nast als einer der ersten Porzellanfabrikanten Frankreichs da, dessen Waare sich durch Schönheit und Solidität auszeichnete. Nast’s Porzellan fand nicht nur in der Pariser Kunst- und Industrie-Ausstellung gerechte Anerkennung, sondern wurde bald als ein sehr gesuchter Artikel nach ganz Europa versendet. N. erhielt in Folge dessen von Seite der Regierung bei verschiedenen Anlässen Preismedaillen, und die Pariser Gesellschaft zur Aufmunterung der Künste und Fabriken nahm ihn unter ihre Mitglieder auf. Auch manche nützliche Erfindung, die sich als praktisch bewährte, machte aus seiner Fabrik, wo sie zuerst das Licht der Welt erblickt hatte, den Weg in die entferntesten Gegenden. So hatte sich seine Fabrik allmälig zu einer der größten nicht nur in Frankreich, sondern in Europa bestehenden emporgehoben; dabei unterhielt er mit seinen Arbeitern ein rein patriarchalisches [92] Verhältniß; ungeachtet der großen Reichthümer, die er erwarb, selbst sehr einfach lebend, war er für seine Gesellen ein Familienvater, half jedem und ging jedem mit Rath und That an die Hand. Einige Meilen von Paris hatte sich N. eine schöne Besitzung gekauft. So hat denn ein Radkersburger, der als armer Handwerksbursche in die Welt gegangen, deutschen Fleiß und deutschen Erfindungsgeist im fremden Lande, im tonangebenden Paris, zu Ehren und Geltung gebracht, und ist ein Vorbild geworden für jeden, der, wenngleich arm, von der Natur mit geistigen Gaben und den Tugenden des Fleißes und der Sparsamkeit ausgestattet worden. Noch muß eines Charakterzuges dieses wackeren Steirers hier ausdrücklich gedacht werden. Nast’s Zeit seines Emporkommens fällt in die Periode der französischen Revolution. Er besaß zu jener Zeit schon das bereits erwähnte Gut in der Nähe von Paris. Zur Vergrößerung desselben hatte er von einem benachbarten Gärtner Land abgekauft und es mit den damals coursirenden Assignaten – einer Geldsorte, analog unserer Bancozetteln vom Jahre 1811, also von höchst geringem Werthe – bezahlt. Als diese in einiger Zeit wirklich auch sehr Im Werthe gesunken waren, tauschte Nast die dem Gärtner gegebenen Assignaten aus freien Stücken in bares Geld um.

(Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrgang 181, S. 396. – Winklern (J. B. v.), Chronologische Geschichte von Steiermark (Gratz 1820). – Steiermärkische Zeitschrift. Redigirt von Dr. G. F. Schreiner, Dr. Alb. von Muchar, C. G. Ritter von Leitner, A. Schrötter (Gratz, 8°.) Neue Folge. VI. Jahrgang (1841), 2. Heft, S. 47. – Christlicher Hausschatz (Gmunden, 8°.), 1858, Nr. 37, S. 293: „Edle Charakterzüge“ ( heißt daselbst irrig Naß statt Nast). – Morgenblatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1817, Nr. 139: in der „Correspondenz aus Paris“.