BLKÖ:Oetl, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Oettel, Karl von
Band: 21 (1870), ab Seite: 37. (Quelle)
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2. Ein anderer Joseph Oetl, aus Passeier in Tirol, ist als einer der beherztesten Landesvertheidiger im Jahre Neun bekannt geworden. Im Lande hieß er allgemein „der große Schwarz“. Er gehörte zum Leibregimente des Sandwirths und war Officier; von gigantischer Größe und riesigem Knochenbau, verrichtete er Waffenthaten, einzig in ihrer Art. Eine der merkwürdigsten vollführte er zu St. Leonhard. Von den Franzosen gefangen und schon des Todes gewärtig, ranzionirte er sich selbst, indem er sich mit seinen riesenstarken Armen, mit ihnen Alles niederschlagend, was ihm den Weg vertrat, freie Bahn machte und im nahen Walde Zuflucht suchte. Aber am nächsten Morgen kehrte er in das Haus, das von Franzosen noch überfüllt war, zurück. In blinder Hast, ohne sich um die wenigen Begleiter, die ihm auf seinem Zuge gefolgt waren, zu kümmern, rannte er in das obere Stockwerk und stand plötzlich allein einem Haufen von zwanzig und mehr Franzosen gegenüber. Zurückzuweichen war nicht mehr möglich. Von allen Seiten angegriffen, vertheidigte er sich mit seinen Fäusten und bereits lagen 22 Franzosen erschlagen im Zimmer. Sie wehrten sich bis auf den letzten Mann, und auch, dieser fiel unter seiner wuchtigen Faust. Er selbst hatte in diesem Gemetzel einen Streifschuß am Kopfe, mehrere Bajonnetstiche in die Brust und zwei große Wunden an den Fußschenkeln bekommen. So von Wunden bedeckt, kehrte er zu den Seinen zurück. Die Franzosen vernichteten dann das Haus, in dem ihnen ein einziger [38] Tiroler solch einen Denkzettel gegeben. Es blieb auch bis zu Anfang der Fünfziger-Jahre eine Ruine. Diese Waffenthat Oetl’s aber trug viel zur Wiedergewinnung des von den Franzosen eingenommenen und hartnäckig vertheidigten Dorfes St. Leonhard bei. Noch bei vielen anderen Gelegenheiten, so bei Sterzing, auf dem Berge Isel, zeichnete sich „der große Schwarz“ durch seine an die Heldenthaten der Ilias mahnende Tapferkeit aus. Für seinen Heldenmuth erhielt er auch später bis zu seinem Tode eine kleine Pension. Wann er gestorben, ist dem Herausgeber dieses Lexikons nicht bekannt. Im Jahre 1848 lebte er noch, war aber bereits ein alter kranker Mann. [Tiroler Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) VI. Jahrg. (1851), Nr. 97: „Berühmte Schützen und Landesvertheidiger aus Passeier. 2 „Der große Schwarz“.] –