BLKÖ:Okolicsányi, Christoph Melchior

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 51. (Quelle)
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Die Okolicsányi, öfter auch mit t (Okolitsányi) geschrieben, sind eine alte Familie, deren einzelne Sproßen in Ungarns Geschichte öfter erwähnt werden.

1. Christoph Melchior Okolicsányi, ein Sohn Paul’s und der Susanna Rakovszky, war Thuroczer Obergespan; im Verdacht, mit Franz Rakoczy gegen den Kaiser zu conspiriren, wurde er, als Rakoczy 1700 in Jaros verhaftet und nach Wiener-Neustadt in’s Gefängniß geführt worden, zugleich mit mehreren anderen Ungarn, wie Stephan Szirmay, Michael Way und Franz Szluha, gefangen genommen. Nach Rakoczy’s Flucht und Rückkehr in’s Land mit bewaffneter Hand als Empörer gegen den rechtmäßigen König, wurde auch Okolicsányi frei. Indessen nahm Rakoczy’s Erfolg mit Hilfe der Unterstützung Frankreichs und der Türkei immer mehr zu und einen so entschiedenen Charakter [52] an, daß Oesterreich ernstlich daran dachte, die Rebellion zu unterdrücken. Unter Rakoczy’s Anhängern traten nun auch Spaltungen ein und einzelne Comitate, unter anderen das Thurozer, neigten sich sichtlich der Sache des Kaisers zu. Ein Parteigänger des Kaisers im Thuroczer Comitate war eben Okolicsányi. Als Rakoczy im Jahre 1707 seine Anhänger nach Onod berief, kam es auf dem Convent daselbst zu mörderischen Scenen. Okolicsányi und Rakovszky, beides Abgeordnete des Thuroczer Comitates, wurden vorgerufen und ihnen die Briefe vorgewiesen, die von der Thuroczer Gespanschaft an verschiedene Behörden gegen die Conföderation waren geschrieben worden. Okolicsányi und Rakovszky suchten nun ihren Inhalt zu entschuldigen, was ihnen aber nicht gelang. Da erhob sich großes Geschrei gegen beide Deputirte, Bercsényi riß den Säbel aus der Scheide und durchstieß den Rakovszky; Okolicsányi wurde gleichfalls verwundet, floh, wurde aber verfolgt und gefangen und nach kurzer Procedur am folgenden Morgen hingerichtet. Dann wurde der Beschluß gefaßt, die Thuroczer Gespanschaft aufzulösen und theilweise den benachbarten Comitaten einzuverleiben. In der nächsten Sitzung erklärte der Convent: Joseph I. sei nicht mehr König von Ungarn, es bestehe ein Zwischenreich und ein neuer König sei zu wählen. Indem noch die Föderation zwischen Siebenbürgen und Ungarn in einem eigenen Artikel festgesetzt worden, wurde der Convent von Onod aufgelöst. –