BLKÖ:Parish-Alvars, Elias

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Paris
Band: 21 (1870), ab Seite: 301. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Elias Parish Alvars in der Wikipedia
GND-Eintrag: 121948277, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Parish-Alvars, Elias|21|301|}}

Parish-Alvars, Elias (Harfen-Virtuos, geb. zu London im Jahre 1816, gest. zu Wien 25. Jänner 1849). Von jüdischen Eltern. Er war ein Schüler Dizi’s und Labarre’s und machte im Alter von 15 Jahren die erste Kunstreise nach Deutschland. Im Jahre 1836 kam er nach Wien, wurde Solospieler im Hof-Operntheater und verweilte daselbst zwei Jahre. Er heirathete auch in Wien die junge talentvolle Harfen-Virtuosin Melanie Lewy. Nun ging er wieder auf Reisen, dehnte dieselben bis in den Orient aus; wo er von 1838 bis 1842 verweilte, daselbst auch volksthümliche Melodien sammelte und für sein Instrument setzte. Nach seiner Rückkehr unternahm er noch einen Künstlerzug nach Deutschland, dann nach Italien, worauf er im Jahre 1847 wieder Wien besuchte, kais. Kammervirtuos wurde und sich nun daselbst bleibend niederließ. In Wien war er hauptsächlich mit größeren Compositionen beschäftigt, starb aber in dieser Stadt bald, im Alter von erst 33 Jahren. P. war ein großer Virtuose und echter Künstler. „In der formellen Vollendung“, schreibt Hanslick in seiner „Geschichte des Concertwesens in Wien“ (Wien 1869, gr. 8°.), S. 345, „und vornehmen Ruhe des Spiels erinnerte er an Thalberg, von dem er auch die weitgriffigen Umspielungen einer gesangsvollen Mittelstimme adoptirt hatte. Als Componist war er nicht bloß der Beste für sein Instrument, sondern auch in größeren symphonischen Aufgaben erfahren. Offenbar haben die glänzenden Erfolge von Parish-Alvars stark [302] dazu beigetragen, das bereits sinkende Interesse für die Harfe und ihre Virtuosen wieder für einige Zeit zu beleben.“ Seine gedruckten Compositionen sind sehr zahlreich. Sein „Souvenir de Taglioni“ trägt die Opus-Zahl 88. Auch hat er die Herausgabe einer Sammlung der vorerwähnten orientalischen Volkslieder begonnen, deren erstes Heft: „Souvenir du Bospore, B-dur“, die Opus-Zahl 62 weist, sie führt den Titel: „Voyage d’un Harpiste en Orient. Recueil d’Airs et de mélodies populaires en Turquie et en Asie mineure“ und ist bei Mechetti in Wien, der noch mehrere andere Werke dieses Künstlers verlegt hat, erschienen. Sein ungedruckter Nachlaß, der aller Wahrscheinlichkeit nach bei der in Wien ansässigen Familie seiner Gattin aufbewahrt ist, dürfte in Anbetracht seines Fleißes im Componiren nicht unbeträchtlich sein.

Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden 1856, R. Schäfer, gr. 8°.) Bd. III, S. 135; Nachtrag S. 282. – Porträt. Stahlstich von Münzer (Leipzig, gr. 4°.).