BLKÖ:Pohl, Julius

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pohl, Wilhelm
Band: 23 (1872), ab Seite: 34. (Quelle)
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8. Julius Pohl (Schauspieler, geb. zu Danzig 4. Februar 1800, gest. zu Wien 10. Juli 1867). Von jüdischer Abstammung, arbeitete anfänglich in einem Handelsgeschäfte, mußte dann zur Zeit der französischen Kriege in der preußischen Armee eintreten, aus welcher er im Jahre 1822 als Unterofficier entlassen wurde. Nun ging er zum Theater und spielte in Cöslin, in Posen und auf dem Königstädter Theater in Berlin, und im Jahre 1843 engagirte ihn Director Carl für das Theater an der Wien. Im Jahre 1847 übernahm er mit F. Blum die Direction des Olmützer Theaters, welche er nur ein Jahr führte, worauf er wieder von Director Carl engagirt wurde. Sein Biograph Weil [siehe die Quellen], der sich in geradezu lächerlichen Uebertreibungen über diesen Mimen gefällt, erzählt uns, daß er das schöne Theater in Charlottenburg erbaut und die Zeitschrift: „Berliner Staffette“ begründet habe und als Begründer derselben zum Bürger der Residenz Berlin ernannt worden sein soll. Die Richtigkeit dieser Angaben muß dahingestellt bleiben. Nach dem Tode Carl’s war Pohl’s schauspielerische Thätigkeit in der Leopoldstadt zu Ende, aber noch lange nicht sein „Geschäft“, in welchem er mit einem der Haupterben Carl’s, mit Louis Flerx, das Außerordentlichste leistete. Dasselbe war auch der Fall, als er als Administrator bei dem Josephstädter Theater fungirte; als solcher trug er stets zwei Börsen bei sich, eine leere für die armen Schauspieler, welche ihre Gagen forderten, eine volle – für sich. Er mar auch als Theateragent und als Redacteur thätig. Einer seiner Nekrologisten schreibt von ihm: „Als Geschäftsmann war er groß, als Künstler klein, als Mensch dick. Eine der interessantesten Persönlichkeiten Wiens ging aber jedenfalls mit ihm zu Grabe.“ In dieser, aber nur in dieser Hinsicht geschieht seines Namens in diesem Lexikon Erwähnung. im Uebrigen wird auf die Quellen gewiesen, die des Ergötzlichen über ihn genug mittheilen. [Weil (Philipp), Wiener Jahrbuch für Zeitgeschichte, Kunst und Industrie und österreichische Walhalla (Wien 1851, Ant. Schweiger, 8°.) Erste Abtheilung, S. 180. – Morgen-Post (Wiener politisches Blatt) 1867, Nr. 190, im Feuilleton; Nr. 191 u. 198: „Aus dem Leben eines speculativen Schauspielers“.] –